Kertész, Imre

© Petöfi Literaturmuseum

Über den Autor

Geboren ist Imre Kertész 1929 in Budapest, als Sohn jüdischer Eltern. Mit knapp 15 Jahren, im Juli 1944, wird er nach Auschwitz deportiert und im April 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit. 1949 macht er Abitur, wird bei der Tageszeitung ‘Világosság’ als Journalist eingestellt. Nach der Machtergreifung der Kommunisten wird diese Zeitung zum „Parteiorgan“ und Kertész entlassen. 1951 muss er für zwei Jahre zum Militär. Danach verdient er als freier Schriftsteller seinen Lebensunterhalt mit Musicals und Unterhaltungsstücken. Ab 1976 arbeitet er auch als Übersetzer, u.a. von Nietzsche, Wittgenstein, Freud, Hofmannsthal, Canetti, Josef Roth, Schnitzler. Zwischen 1960 und 1973 schreibt er an seinem Roman „Sorstalanság“ (Mensch ohne Schicksal). Der Roman wird nach erfolglosen Versuchen endlich 1975 in Ungarn veröffentlicht, findet dort aber erst 1985 Beachtung. 1996 erscheint der Holocaust-Roman in deutscher Neuübersetzung als „Roman eines Schicksallosen“, wird jetzt als literarisches Ereignis gefeiert und bringt den internationalen Durchbruch. Das Werk zählt zu den wichtigsten Romanen der zeitgenössischen Literatur. Inzwischen hatte Kertész mehrere Erzählungen, Essays und Romane veröffentlicht. Erst gegen Ende der 80er Jahre folgen weitere Veröffentlichungen, z. B. „Kaddis a meg nem születt gyermekért“ („Kaddisch für ein nichtgeborenes Kind“), 1992; das berühmte „Gályanapló“ („Galeerentagebuch“), 1993, in dem er die Jahre des Schreibens am „Roman eines Schicksallosen“ thematisiert; A kudarc“ („Fiasko“), 2000. Damit vollendet er die sogenannte „Trilogie der Schicksallosigkeit“. Nach zahlreichen Veröffentlichungen und Auszeichnungen erhält Imre Kertész im Herbst 2002 den Nobelpreis für Literatur: „Für ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet“. 2002 ist Kertész Stipendiat am Wissenschaftskolleg in Berlin. Dort arbeitet er an seinem neuen Roman „Liquidation“, der Ungarn zur Zeit der Wende zum Thema hat. In dieser Zeit übersiedelt er auch mit seiner zweiten Frau nach Berlin, wo er sich freier fühlt und besser arbeiten kann. Als weiteres wichtiges Buch erscheint 2004: „Detektivgeschichte“, in dem er sich autobiografisch mit seinem Leben auseinandersetzt. 2006 folgt „Dossier K“. In einem fiktiven Interview nimmt der Autor Stellung zu seiner eigenen Biografie. Kertész hält Reden und Vorträge, schreibt Essays, welche in mehreren Sammelbänden herausgegeben wurden.
2009, zu seinem 80. Geburtstag, kamen „Briefe an Eva Halimann“ heraus, einer ungarischen Literaturkritikerin, die viele seiner Werke bei der Neuen Zürcher Zeitung besprochen und den deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht hatte.
Zuletzt kamen seine Tagebücher 2001-2009 heraus, 2013, mit dem eingeschobenen Fragment „Letzte Einkehr“, welches dem Werk seinen Namen gibt. Sowohl Tagebücher, wie auch Fragment beschäftigen sich mit dem Alt-Werden und dem Sterben der Auflösung.
Seit 2012 lebt der Autor wegen seiner schweren Parkinson-Erkrankung wieder in Budapest.
Preise und Ehrungen in Ungarn (Auswahl):
1983 Füst-Milán-Prämie
1988 Artisjus Literarischer Preis
1989 József Attila Preis
1989 Déry Tibor-Prämie
1990 Prämie für das Buch des Jahres
1992 Soros-Preis für das Lebenswerk
1996 Márai Sándor-Preis
1997 Kossuth-Preis und den Großen Preis von Budapest
2003 Großes Kreuz des Verdienstordens der Ungarischen Republik
2007 die Verleihung des Titels „Kulturgesandter Ungarns“
Deutsche und internationale Preise (Auswahl):
1995 Brandenburger Literaturpreis
1997 Buchpreis für Europäischen Verständigung. Leipzig
1997 Jeanette-Schocken-Preis, Bremerhaven
2000 Orden Pour le mérite
2000 Herder-Preis
2000 Welt-Literaturpreis
2001 Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung
2002 Hans-Sahl-Preis Berlin
2002 Nobelpreis für Literatur
2004 Goethe-Medaille
2004 Bundesverdienstkreuz mit Stern
2009 Jean Améry-Preis
Am 3. Oktober 2003 hielt Kertész die Festrede bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Magdeburg. Seit 2003 ist Kertész Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Im Jahre 2008 ist Kertész Imre in Berlin mit dem „Preis für Verständigung und Toleranz“ geehrt worden, 2010 hat die Friedrich-Schiller-Universität Jena das „Imre Kertész Kolleg, Europas Osten im 20. Jahrhundert. Historische Erfahrungen im Vergleich, eingerichtet.

In der ‚Ehinger Bibliothek‘ befindliche Publikationen:

Kertész, Imre,

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter 2. Autorenporträts, Kertész, Imre veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.