Meldungen aus der Literaturszene

Meldungen/Berichte seit Oktober 2011:



Wir gratulieren der Autorin Zsuzsanna Gahse, die den mit 15.000 Euro dotierten Italo-Svevo-Preis 2017 erhält.

 

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Wir freuen uns mit Terézia Mora, die mit dem Solothurner Literaturpreis 
ausgezeichnet wird:

Terézia Mora © Peter von Felbert

Der Solothurner Literaturpreis 2017 geht an Terézia Mora für ihr bisheriges Werk. Die mit 15.000 Schweizer Franken verbundene Auszeichnung wird am 28. Mai im Stadttheater Solothurn überreicht.

Mit Terézia Mora werde eine Autorin und Übersetzerin ausgezeichnet, die von Menschen erzählt, die sich selbst abhanden kommen und in unserer Welt verloren gehen, heißt es in der Begründung der Jury: „Scharf in der Zeitdiagnose und zugleich mit großer Empathie folgt ihnen die Autorin auf der vergeblichen Suche nach Geborgenheit und Liebe. Wie ein roter Faden zieht sich dabei das Motiv der Fremdheit durch ihre Geschichten. Grandios verdichtet und in kühnen Erzählbögen aufgefaltet legen ihre Texte rigoros die Bruchstellen der Conditio humana frei.“
Gewürdigt werde das Werk der 1971 in Sopron (Ungarn) geborenen und heute in Berlin lebenden zweisprachigen Autorin, das drei Romane, zwei Erzählbände, zwei Bände mit Poetikvorlesungen, einige dramatische Texte und zahlreiche herausragende Übersetzungen aus dem Ungarischen umfasst, so die Presseinformation der Preisstifter.
Mit dem ersten Roman „Alle Tage“ sei Terézia Mora 2004 ein bestechendes Meisterwerk gelungen, der erste Teil einer fulminanten Trilogie, zu der die Romane „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ (2009) und „Das Ungeheuer“ (2013), mit dem sie 2013 den Deutschen Buchpreis gewann, zählen. In dieser Trilogie erzähle sie, wie sich ihre Hauptfiguren an den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen im Übergang zum 21. Jahrhundert reiben, in ihren Ambitionen und Beziehungen beschädigt werden und meist existentiell scheitern. Stimmig würden sich die zehn gleichermaßen unbarmherzigen wie behutsamen Geschichten des jüngsten Erzählbands „Die Liebe unter Aliens“ (2016) ins bisherige Werk einfügen. Schon der Titel trage der heimtückischen Entfremdung Rechnung.
Ihren ebenso zupackenden wie sensiblen Umgang mit Sprache beweise sie auch in ihren glänzenden Übersetzungen, beispielsweise von Peter Esterhazys „Harmonia Caelestis“ oder Zsófia Báns „Als nur die Tiere lebten“.
„Mit ihrer erzählerischen Virtuosität, ihrer quecksilbrigen Sprache und ihren souveränen Kompositionen bereichert Terézia Mora die gegenwärtige  Erzählliteratur mit eindrucksvoller Konsequenz“, so die Jury.
Der Jury gehörten Hans Ulrich Probst (Vorsitz), Christine Tresch und Beat Mazenauer an.
Die öffentliche Preisverleihung an Terézia Mora findet im Rahmen der Solothurner Literaturtage (26.−28. Mai) am Sonntag, 28. Mai, um 10.30 Uhr im Stadttheater Solothurn statt.
Der Solothurner Literaturpreis wird alljährlich für ein Werk deutscher Sprache vergeben.
Beim Solothurner Literaturpreis handelt es sich um eine Auszeichnung, die „für hervorragende literarische Leistungen an deutschsprachige Autorinnen und Autoren“ vergeben wird. Er ist mit 15’000 Franken dotiert und wird alljährlich verliehen.
Die Preissumme wird von einer privaten Initiantengruppe gestiftet. In dieser Form gibt es den Solothurner Literaturpreis seit 1994.


Wir gratulieren der Dichterin, Schriftstellerin, Übersetzerin und rastlosen poetischen Grenzgängerin Ilma Rakusa zum Berliner Literaturpreis

© Robert Bosch Stiftung, Chamisso-Preis

Nach bedeutenden Literaturpreisen, u.a. dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2003, dem Schweizer Buchpreis 2009 und dem Manès-Sperber-Preis 2015, wurde Ilma Rakusa am Montag, 20. Februar 2017, im Roten Rathaus der Berliner Literaturpreis überreicht.
Die mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung beinhaltet auch eine Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Die Jury begründet die Auszeichnung so:
Ilma Rakusa, die 1946 in der Slowakei als Tochter eines Slowenen und einer Ungarin geboren wurde, verbrachte ihre frühe Kindheit in Budapest, Ljubljana und Triest. Danach zog sie nach Zürich, wo sie ihre Schulzeit verbrachte. Sie studierte dort Slawistik und Romanistik und setzte ihre Studien in Paris und Leningrad fort. Diese multinationale und mehrsprachige Biographie schlage sich in ihrem literarischen Schaffen nieder: Sie sei eine wichtige Stimme der von Migrationserfahrung geprägten vielsprachigen mitteleuropäischen Literatur. Diese Literatur, durch nationalistischen Terror und kommunistische Diktaturen marginalisiert, sei aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt worden. Rakusa thematisiere sensibel und poetisch die kulturelle Vielfalt und Vielstimmigkeit Europas. Ihr literarischer Stil beinhalte alle Gattungen, insbesondere Erzähltexte und Lyrik.
In ihrem kürzlich erschienenen Gedichtband „Impressum: Langsames Licht“, eröffne sie eine wunderbare Welt, die sich im Alltäglichen verstecke. Ihr gegenwärtiger Ton charakterisiere das heutige Leben. Als literarische Übersetzerin sei sie auch eine Vermittlerin internationaler Literatur (Quelle: Informationen der Freien Universität Berlin).
In diesem Sinne können wir nur ermuntern: Rakusa lesen und Europa erfahren!

Gudrun Brzoska

Ilma Rakusa: Impressum: Langsames Licht. Gedichte.
Mit einem Nachwort von Aleš Šteger
Droschl Literaturverlag Graz, 2016
184 Seiten, 20,00 Euro
ISBN: 978-3-8542209492

 

 

 

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Wir gratulieren Terézia Mora

© Ives Noir (bei Robert Bosch)

Kurz hintereinander wurde die Autorin, die schon fast alle bedeutenden deutschen Literaturpreise gewonnen hat, u. a. den Preis der Leipziger Buchmesse (2005), den Adalbert von Chamisso-Preis (2010), den Deutschen Übersetzerpreis (2011) und den Deutschen Buchpreis (2013) nun mit zwei weiteren Literaturpreisen gewürdigt: Im Herbst 2016 wurde ihr der Bremer Literaturpreis für ihren Erzählband „Die Liebe unter Aliens“ (2016) zugesprochen und im Januar 2017 der Preis der Literaturhäuser.
Mit dem Bremer Literaturpreis wurde sie bereits am 23. Januar 2017 im Bremer Rathaus geehrt. Er ist seit 1962 einer der ältesten deutschen Literaturpreise, dotiert mit 25.000 Euro.
In der Begründung der Jury hieß es, sie falte in diesem Erzählband gleichermaßen mit Nüchternheit und Emphase das Innenleben ihrer Figuren zu Panoramen der Seele aus. Ihre genau komponierten Texte erzählten von Einsamkeit und Verlorenheit, handelten von den Augenblicken des kurzen Glücks, von der Sehnsucht nach Liebe und vom anhaltenden Scheitern vor den Ansprüchen des Alltags. Sprachmächtig und mit Sinn für Rhythmus und Melodie porträtiere sie Menschen an den Bruchstellen ihrer Existenz.

In ihrer Dankesrede am 23. Januar verriet sie, wie ihre Texte oft unter schwierigen Bedingungen entstehen, im Chaos der Küche, mit einem kranken Kind und einem übermüdeten Ehemann: „So muss ich Weltliteratur schreiben!“

Der Preis der Literaturhäuser wird jährlich seit 2002 vergeben und während der Leipziger Buchmesse für die besondere Vermittlung von Literatur vergeben. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch alle vierzehn im Netzwerk zusammengefassten Literaturhäuser mit einem Gesamthonorar von 14.000 Euro und einem Empfang mit Laudatio in jedem besuchten Literaturhaus.

Hier die Termine für die Lesereise:
24. März, 16.30 Uhr Blaues Sofa, Glashalle, Leipziger Buchmesse. Vorstellung der Preisträgerin
25. März, 11.00 Uhr, ARTE-Stand, Glashalle, Leipziger Buchmesse. Die Preisträgerin im Gespräch mit Rainer Moritz, Literaturhaus Hamburg
30. März, 20.00 Uhr − Literarisches Zentrum Göttingen
25. April, 19.30 Uhr − Literaturhaus Köln
26. April, 19.30 Uhr − Literaturhaus Wiesbaden
9. Mai, 19.30 Uhr − Literaturhaus Hamburg
10. Mai, 19.00 Uhr − Literaturhaus Basel
11. Mai, 20.00 Uhr − Literaturhaus Stuttgart
22. Mai, 20.00 Uhr − Literaturhaus Rostock
23. Mai, 20.00 Uhr − Literaturhaus Berlin in Kooperation mit dem Literarischen
Colloquium Berlin
21. Juni, 19.30 Uhr − Literaturhaus Zürich
22. Juni, 20.00 Uhr − Literaturhaus Salzburg

Die Begründung der Jury:
Das Netzwerk der Literaturhäuser verleiht den Preis der Literaturhäuser 2017 der Autorin und Übersetzerin Terézia Mora. Die 1971 in Ungarn geborene und heute in Berlin lebende Terézia Mora hat bislang ein Werk vorgelegt, das fraglos zum Aufregendsten und stilistisch Verblüffendsten gehört, was die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu bieten hat. In ihren – fast alle im Luchterhand Literaturverlag erschienenen – Büchern von »Seltsame Materie« (1999) über »Alle Tage« (2004) und den mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman »Das Ungeheuer« (2013) bis hin zu ihren jüngsten Erzählungen »Die Liebe unter Aliens« (2016) entwickelt sie unverwechselbare Sprach- und Erzählformen, die den Stoffen ihrer Texte einen individuellen, adäquaten Ton verleihen. Bestechend sicher wechselt sie die Register, verirrt sich nie im Wald der Metaphern und variiert den Rhythmus ihrer Sätze meisterhaft. Ihre Prosa, die oftmals in die Lebenssphären von Außenseiterfiguren hineintaucht und so die scheinbar eindeutige Bestimmung von »Normalität« hinterfragt, bildet auf unterschwellige Weise ab, was unsere Gesellschaft insgeheim erschüttert. Terézia Mora, die auch als Übersetzerin aus dem Ungarischen, vor allem der Werke Péter Esterházys, hervorgetreten ist, versteht es zudem, ihre Prosa auf beeindruckende, lange nachhallende Weise vorzutragen. Abende mit Terézia Mora schenken ihren Zuhörern unvergessliche Erfahrungen.
Die Programmleiterinnen und Programmleiter der im Netzwerk verbundenen Literaturhäuser ehren Terézia Mora als eine Autorin, die sich in innovativer Form mit Sprache und Literatur auseinandersetzt und das Publikum in besonders gelungener Weise für diese zu gewinnen weiß.

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Wir gratulieren der Dichterin Orsolya Kalász zur Auszeichnung mit dem Peter Huchel-Preis 2017.

© privat

Die Lyrikerin und Übersetzerin erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis für deutschsprachige Lyrik.

Aus der Begründung der Jury: Ihr Gedichtband „Das Eine“ (Brueterich Press, Berlin) sei eine herausragende Neuerscheinung des Jahres 2016. „Bei Orsolya Kalász kommt das Staunen, das am Anfang aller Poesie steht, zu seinem Recht: In einer offenen, fragenden, dem Fremden sich aussetzenden Poetik tastet sich ihr Band „Das Eine“ durch das Labyrinth des Erkennens, Benennens und Verwandelns von Welt. Ihre Verse halten Zwiesprache mit dem Anderen im Resonanzraum einer vielstimmigen Dichtung und wollen in all ihrem Geheimnis wieder und wieder gelesen werden.“
Der Preis – vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk – gestiftet, wird seit 1983 vergeben und erinnert an den Lyriker Peter Huchel (1903-1981). Er wird am 3. April, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen.
Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u. a. Ernst Jandl, Durs Grünbein, Thomas Kling, Friederike Mayröcker und Barbara Köhler.
Hier finden Sie eine Biografie / Bibliografie der Dichterin in PDF-Format.


Wir gratulieren unserem Autor Akos Doma zur Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2016 mit seinem neuen Roman „Der Weg der Wünsche“.
Darin erzählt er die Geschichte einer Familie im sozialistischen Ungarn, die die gefährliche Flucht nach Deutschland auf sich nimmt. Sie alle werden aus ihren Träumen gerissen, nicht nur, als sie sich in einem katastrophalen Auffanglager in Italien wiederfinden, auch die Vergangenheit und der lange Arme der kommunistischen Partei kommen ihnen bedrohlich nahe..
Akos Doma ist selbst mit seiner Familie 1971 aus Budapest über Italien und England in den Westen geflohen und schließlich in Deutschland gelandet.
In einem Interview sagt Doma zu seinem Buch: „Trotz des ungarischen Hintergrunds ist die Handlung universell, eine geradezu prototypische, mitteleuropäische Erfahrung des schändlichen 20. Jahrhunderts, mit Rückblenden ins letzte Kriegsjahr 45, in die Zeit des schlimmsten kommunistischen Terrors 51, in den Ungarnaufstand 56 und in die 70er-Jahre. Aber auch das Gegenteil ist da: Glück, Hoffnung, Aufbruch, erste Liebe und die große, schützende Macht, die in einer Familie stecken kann“.
Das Buch, erschienen im Rowohlt-Verlag, wird demnächst hier in einer Rezension vorgestellt.


 

Hier finden Sie die elektronische Einladungskarte zur Literaturausstellung und Buchpräsentation: Budapest 1956 / Der Ungarn-Aufstand in der Literatur / 23. September – 6. November 2016


SWR Bestenliste
Platz 1 (-) 92 Punkte Péter Esterházy: Die Markus-Version

Als „Volksfeinde“ wird eine Familie aus Budapest in ein nordungarisches Dorf umgesiedelt. Dort lebt sie zugleich im Reich der Kommunisten wie im Reich Gottes. Das politische Mangelregime zeigt sich in der Alltagsprosa, für die Anwesenheit Gottes dagegen sorgen die Erzählungen der Großmutter. Zwischen diesen beiden Textwelten spinnt der Sohn der Familie seine eigene Weltsicht aus: mit dem Markus-Evangelium im Hinterkopf und in Korrespondenz mit dem großen Selbsterkundungswerk von Péter Esterházy.
Inhalt:
„Wer es in der Literatur ein wenig wilder mag, kann mit Péter Esterházys Büchern wahre Abenteuer erleben.“ Ursula März, Deutschlandfunk
Der Erzähler dieses Markus-Evangeliums à la Esterházy macht sich nichts aus Worten. Er lässt seine Familie – Vater, Mutter, Stiefbruder, zwei Großmütter – in dem Glauben, er sei taubstumm. Und doch ist er der Chronist ihrer Geschichte. Als Volksfeinde gebrandmarkt, leben sie nach der Aussiedlung zusammengepfercht in einem einzigen Raum, aber Nähe gibt es nicht in dieser Enge. Alle sind sie einsam, sogar Gott. Der kann noch nicht einmal beten, zu wem sollte er? Eine Familiengeschichte mit allem, was dazugehört, auf jeden Fall Mord und Totschlag. Geschieht dies alles, auf dass die Schrift erfüllet werde? Aber welche? Nach diesen hundert Seiten Esterházy-Evangelium ahnen wir: Gott kommt aus Ungarn. (Quelle: Hanser Berlin Verlag)
Zum Autor:
Péter Esterházy wurde 1950 in Budapest geboren, wo er auch heute lebt. Für Harmonia Cælestis (dt. 2001) erhielt er u. a. den Ungarischen Literaturpreis, 2004 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach Esti (2013) erschien bei Hanser Berlin zuletzt Die Mantel-und-Degen-Version (2015).


Imre Kertész ist gestorben

Mit Trauer gibt der Rowohlt Verlag bekannt, dass der ungarische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Imre Kertész am 31. März, im Alter von 86 Jahren in Budapest nach schwerer Krankheit gestorben ist.
Imre Kertész, am 9. November 1929 in Budapest als einziges Kind jüdischer Eltern geboren, wurde im Sommer 1944 als 14-Jähriger nach Auschwitz deportiert und von dort ins Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist bei einer Tageszeitung, die jedoch schon nach kurzer Zeit zu einem kommunistischen Parteiorgan umfunktioniert wurde. 1951 erfolgten seine Entlassung aus der Redaktion und seine Einberufung zu einem 2-jährigen Militärdienst. Ab 1953 finanzierte er durch Übersetzungen seine jahrelange Arbeit am «Roman eines Schicksallosen», der sein Opus magnum werden sollte. 1975 wurde der Roman in Ungarn veröffentlicht, gelangte dort aber erst Mitte der achtziger Jahre, in einem liberaleren politischen Klima, zu literarischer Anerkennung. Als Rowohlt Berlin 1992 mit «Kaddisch für ein nicht geborenes Kind» und 1993 mit «Galeerentagebuch» begann, Kertész` Werk zu verlegen, wurde der Autor bald auch international wahrgenommen. Der endgültige Durchbruch gelang 1996 mit dem «Roman eines Schicksallosen».
Im Jahr 2002 erhielt Kertész für sein Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur. Er selbst bezeichnete die Auszeichnung als «Glückskatastrophe», über die er «sich freute», die ihn gleichzeitig aber «ersticken ließ an der falschen Ehrfurcht, der Liebe, dem Hass und der ihm nun zugedachten öffentlichen Rolle», wie er es in «Letzte Einkehr», seinen 2013 publizierten Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 2001 bis 2009, formulierte.
Wohl bei keinem anderen Schriftsteller sind Werk und Tagebuch so eng verflochten wie bei Imre Kertész. Nach «Galeerentagebuch», der erschütternden Dokumentation seiner 30-jährigen Isolation und geistigen Geheimexistenz im sozialistischen Ungarn zwischen 1961 und 1991, und «Letzte Einkehr» erschien am 10. März 2016 in Ungarn ein Abschlussband der Tagebuchveröffentlichungen. Die deutsche Übersetzung, «Der Betrachter – Aufzeichnungen 1991─ 2001», wird im Herbst dieses Jahres bei Rowohlt herauskommen. Von 2002 bis 2012 lebte Kertész überwiegend in Berlin. Erst 2012 kehrte er, bereits schwer erkrankt, nach Budapest zurück, wo er am 31. März seiner Krankheit erlegen ist. (Mit freundlicher Genehmigung des Rowohlt Verlags)
Wir in der Ungarischen Bibliothek sind auch sehr traurig über Kertész‘ Tod.
Mit ihm, mit dem „Roman eines Schicksallosen“ fing ich im Jahr 2002 überhaupt erst an, mich für ungarische Literatur näher zu interessieren. Dieses Buch bildet den Grundstock unserer Sammlung, die inzwischen auf über 2100 Exemplare angewachsen ist.
(>> Der vorliegende Text in PDF-Format)

Gudrun Brzoska, Leiterin der Bibliothek am 31. März 2016


György Dalos erhielt am 3. Oktober 2015 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Der ungarische Schriftsteller, Publizist und Historiker war einer der Mitbegründer der demokratischen Oppositionsbewegung in Ungarn. Seit mehr als dreißig Jahren nimmt György Dalos auch sehr aktiv am kulturellen Leben in Deutschland teil. Seine literarischen und essayistischen Werke erscheinen seit den 1970er-Jahren im deutschen Sprachraum. 1988/89 gehörte György Dalos zur Redaktion der ostdeutschen Untergrundzeitschrift „Ostkreuz“, nach dem Fall der Mauer wurde er zu einem der wichtigen Protagonisten in der Bundesrepublik. Von 1995 bis 1999 leitete György Dalos das Collegium Hungaricum in Berlin. Dabei war ihm ein besonderes Anliegen, ein differenziertes Bild seines Heimatlandes zu vermitteln. Die Vertrautheit mit drei Kulturen – der ungarischen, der russischen und der deutschen – und sein unbestechlicher Blick auf Geschichte und Gegenwart haben ihn in der Bundesrepublik zu einem herausragenden Vermittler zwischen Ost und West gemacht.


12.07.2015: Krisztina Toth stand mit ihrer im österreichischen Nischen Verlag erschienenen unsentimentalen Kindheitsgeschichte „Aquarium“ zusammen mit Übersetzer György Buda auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis 2015 des Berliner Hauses der Kulturen der Welt. Den Preis erhielt letztlich Amos Oz.


26.05.2015: László Krasznahorkai hat den Man Booker International Prize 2015 erhalten für sein Lebenswerk, welches zum Teil in englischer Sprache vorliegt. (Bedingung für den Preis)
Aus der Begründung der Jury: Krasznahorkais Werke seien voller „tiefgründiger Vorstellungskraft und verwickelten Leidenschaften, in welchen sich die menschliche Komödie auf schmerzvolle Weise der totalen Auflösung nähert“. Der Ungar sei ein „fantasievoller Schriftsteller von außergewöhnlicher Intensität und stimmlicher Bandbreite“, sagte die Autorin Marina Warner, die Vorstand der Jury ist.


28.04.2015: Auf Platz 3 der SWR-Bestenliste: PÉTER ESTERHÁZY – Die Mantel-und-Degen-Version


04.04.2015: The Man Brooker Prize 2015
László Krasznahorkai auf der Shortlist von 10 ausgewählten Schriftsteller aus aller Welt.
Zehn Autoren aus zehn Ländern sind nominiert
Die finale Liste der Jury für den sechsten Man Booker International Prize steht fest. Der Preis ist mit £60,000 ausgeschrieben und würdigt einen Autor für seine Verdienste im Bereich der fiktionalen Literatur.
Die Autoren kommen aus zehn verschiedenen Ländern, von denen sechs zum ersten Mal auf der Liste vertreten sind. Sie kommen aus Libyen, Mosambik, Guadeloupe, Ungarn, Südafrika und Kongo. Der Anteil von Autoren, die ins Englische übersetzt wurden, ist mit 80% so hoch wie nie zuvor.
Die Liste wurde am 24. März 2015 von Professor Marina Warner auf einer Pressekonferenz an der University of Cape Town, Südafrika, bekannt gegeben.
Der Preis wird alle zwei Jahre an einen lebenden Autor vergeben, dessen Werk in englischer Sprache vorliegt.
Der Gewinner des Preises in diesem Jahr wird im Victoria und Albert Museum in London, am 19. Mai 2015, bekannt gegeben.
Der Man Booker International Preis wie auch der Man Booker Preis, werden von der Man Group gefördert. Sie unterscheiden sich dadurch, dass die Jury des Man Booker International Preis nicht nur einen einzelnen Roman, sondern das gesamte fiktionale Werk eines Autors betrachtet. Beide Preise streben danach die besten Werke der modernen Literatur zu würdigen.

Über László Krasznahorkai:
László Krasznahorkai wurde 1954 geboren und gewann große Anerkennung im Jahr 1985, als er Sátántangó veröffentlichte. Der Roman wurde später für das Kino in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Bela Tarr angepasst. Im Jahr 1993 erhielt er den deutschen Bestenliste Preis für das beste literarische Werk des Jahres für die Melancholie des Widerstands und ist seitdem mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, darunter die höchste Auszeichnung des ungarischen Staates, den Kossuth-Preis.
Krasznahorkai und sein Übersetzer George Szirtes wurden im Jahr 2013 mit dem Independent Foreign Fiction Prize für und für die beste Übersetzung mit dem Book Award in den USA ausgezeichnet, 2013 für Satanstango und 2014 für Seiobo auf Erden.


 


11.12.2014: Das Buch von György Dalos: „Geschichte der Russlanddeutschen. Von Katharina der Großen bis zur Gegenwart“ zählt lt. dem Kulturmagazin perlentaucher.de zu den besten Büchern im Dezember 2014:

György Dalos erzählt die Geschichte der Russlanddeutschen und ihrer Beziehung zu Russland wie eine Ehegeschichte, meint FAZ-Rezensentin Kerstin Holm. Alles fing wunderbar an und ging dann langsam, vor allem im 20. Jahrhundert, zu Bruch. Im 20. Jahrhundert liegt auch der Schwerpunkt des Buches, das mit Katharina der Großen beginnt. Im Deutschlandfunk lobt Gemma Pörzgen das Buch als lebhaft geschriebene Geschichte, mit vielen zum Teil neu entdeckten Quellen und „prägnanten Thesen“. Vor allem den Epilog unterstützen Holm und Görzgen aus ganzem Herzen: Hier ermutigt Dalos die nach Deutschland ausgewanderten Russlanddeutschen, ihr russisches Erbe nicht als Last, sondern als Bereicherung anzusehen. Um Dalos zu zitieren: „Das Russische ist ihnen ein Kapital, das mittel- und langfristig bei der Annäherung zwischen Deutschland und Russland sehr nützlich sein kann.“


01.12.2014: Hier ein Link für alle Interessierten zu dem Roman „Die Mittellosen“ von Szilard Borbely>>


05.05.2014: Bereits zum dritten Mal ist Krisztina Tóth mit ihrem 30-teiligen Novellenzyklus „Pixel“ in der ORF-Bestenliste vertreten – diesmal auf Platz Eins>>


04.01.2014: Wir möchten Sie auf den Film und den Katalog „ohne anzuklopfen – kopogtatás nélkül“ (Bilder von Janet Brooks Gerloff zu Gedichten von Attila József) aufmerksam machen:

Den reich bebilderten Katalog „ohne anzuklopfen“ (124 Seiten inkl. Supplement „Gedichte von Attila József ausgewählt von Janet Brooks Gerloff/József Attila versei Janet Brooks Gerloff válogatása“) kann man zum Sonderpreis von 15 Euro erwerben>>


Dezember 2013: Die Zuger Kunstgesellschaft und das Kunsthaus Zug haben die Schenkung des ungarischen Schriftstellers und Fotografen Péter Nádas bekannt gegeben. Es handelt sich um rund 1000 Fotografien und Negative sowie um wichtige Objekte, Archivalien und sämtliche Bücher des Autors mit ihren Übersetzungen. Sämtliche Werke sind erfasst und befinden sich im Museum. Ferner sieht das Vermächtnis von Péter Nádas und seiner Frau Magdolna Salamon vor, dass nach ihrem Tod weitere Fotografien, sämtliche Negative und alle Bildrechte an die Zuger Kunstgesellschaft übergehen werden.
Anlässlich der Schenkung bieten wir hier noch einmal den von Frau Brzoska verfassten Bericht, den sie über die Ausstellung „In der Dunkelkammer des Schreibens. Übergänge zwischen Text, Bild und Denken“ verfasst hat, in PDF-Format an>>


November 2013: Unser Mitglied und Sponsorin Mariacristina Rapetti, italienische Schweizerin, Managerin einer großen Autozulieferungsfirma in Szekszárd, studiert „nebenher“ ungarische Literatur usw. Jetzt hat sie gerade promoviert, „cum laude“ über Macchiavelli in Ungarn. Wir gratulieren ganz herzlich!


21.11.2013: Péter Nádas erhält den Würth-Preis für Europäische Literatur>>


07.10.2013: Terézia Mora wird für den Roman „Das Ungeheuer“ mit dem Deutschen Buchpreis 2013 geehrt>>


24.09.2013: DAAD-Auszeichnung für ungarische Germanistin: Grimm-Preis an Elisabeth Knipf-Komlósi>>


23.09.2013: Die ungarisch schreibenden Autorinnen Boróka Parászka und Edina Szvoren erhalten jeweils ein sechsmonatiges Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin (LCB)>>


27.11.2012: Péter Esterházy erhält den Bremerhavener Jeanette-Schocken-Preis für Literatur>>


Buchpremiere am 07.11.2012 in der Akademie der Künste in Berlin: György Konrád „Über Juden“ –  György Dalos, der in Berlin lebende ungarische Schriftsteller und Publizist, stellte das Buch vor und befragte den ehemaligen Präsidenten der Akademie der Künste. Lesen Sie hier einen Bericht von Gudrun Brzoska über diese Veranstaltung.


Der Schrifststeller und Übersetzer Ákos Doma erhält den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2012>>


Die Stadt Offenburg verlieh gemeinsam mit der Hubert Burda Stiftung am 13.05.2012 den hoch dotierten internationalen Übersetzerpreis an zwei herausragende Literatur-Übersetzerinnen, die mit ihrem außerordentlichen Sprachgefühl und Kulturverständnis ungarische literarische Werke in die deutsche Sprache übersetzt haben. Der Hauptpreis ging an Christina Viragh, der Förderpreis an Agnes Relle.


25.04.2012: Péter Nádas und Christina Viragh erhalten den Literatur- und Übersetzerpreis „Brücke Berlin“>>


Oktober 2011: Wir möchten auf zwei Fachwörterbücher im Bereich Physik und Mathematik von SPIRIT(US) VERLAG, Ungarn, aufmerksam machen:
Der Verlag SPIRIT(US) ist der einzige Fachwörterbuchverlag in der mitteleuropäischen Region, der sich sowohl mit den Naturwissenschaften und der Mathematik, wie auch mit der deutschen Fachsprache und ihres Unterrichtes schwerpunktmäßig beschäftigt. Seine Werke, die gleichwohl einzigartige Sammlungen von naturwissenschaftlichen Fachbegriffen sind, sind muttersprachlich von deutschen Lehrern oder Wissenschaftlern überprüft, und bieten neue Perspektive für Fachunterricht in deutscher Sprache im Ausland an.
Die deutschsprachigen Bücher, die zur Zeit erhältlich sind, sind die folgenden:
1. Dr. Fekete János: Magyar-német, német-magyar FIZIKA európai diákszótár. SPIRIT(US) VERLAG, Budapest, 360 B6 Seiten, ISBN 963 86406 1 8 (János, Fekete: PHYSIK – Ungarisch-deutsch, deutsch-ungarisches Wörterbuch für Studenten und Dozenten), Einzelpreis: 24,50 Euro + Versandkosten.
2. Dr. Fekete János: Magyar-német, német-magyar MATEMATIKA európai diákszótár. SPIRIT(US) VERLAG, Budapest, 360 B6 Seiten, ISBN 963 86406 0 X (János, Fekete: MATHEMATIK – Ungarisch-deutsch, deutsch-ungarisches Wörterbuch für Studenten und Dozenten), Einzelpreis: 24,50 Euro + Versandkosten.
Die Erscheinung des Großen Ungarisch-deutsch, deutsch-ungarischen Fachwörterbuches BIOLOGIE und des Chemie-Wörterbuches vom SPIRIT(US) VERLAG ist im kommenden Jahr zu erwarten.
Die naturwissenschaftlichen Fachwörterbücher können bestellt werden
– in Ungarn beim SPIRIT(US) Verlag –
Adresse: Gvadányi u. 62., H-1144 Budapest, Tel.: (06 1) 220 3453,
E-mail: spirit@spiritus.hu – URL: www.spiritus.hu;
– in Deutschland bei der Ehinger Bibliothek:
ungarnliteratur-deutsch@web.de

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