Vorträge über deutsch-ungarische Kulturtransferprozesse in Oradea/Großwardein/Nagyvárad

Krisztina Busa

von Krisztina Busa

Vom 3.-7. Juni 2018 veranstaltete das Hungaricum – Ungarisches Institut der Universität Regensburg im Rahmen des XI. Internationalen Kongresses der Germanisten Rumäniens eine gemeinsame Sektion „Interkulturalität in Aktion“ mit der Christlichen Universität Partium in Oradea/Großwardein/Nagyvárad über deutsch-ungarische Kulturtransferprozesse im mitteleuropäischen Raum. Auf der Konferenz wurden drei Vorträge präsentiert, die sich mit Materialien der Sondersammlung „Ungarische Literatur in deutscher Sprache“ (ULDS) auseinandersetzten.

Zwei  M.A.-Studentinnen der Christlichen Universität Partium, Orsolya Tóth und Henrietta Szenderszki, die im Herbst 2017 ein zweimonatiges Erasmus-Praktikum im Hungaricum – Ungarisches Institut (HUI) absolvierten, nahmen an der Konferenz Teil und hielten beide Vorträge über ihre zukünftigen Abschlussthemen. Orsolya Tóth konzentrierte sich dabei anhand der Rezensionensammlung der ULDS auf die ungarische und deutsche Rezeption siebenbürgisch-ungarischer Literatur. In ihrem Vortrag ging sie u.a. auf die Rezeption der Romantrilogie von Miklós Bánffy „Die Schrift in Flammen“ (2012), „Verschwundene Schätze“ (2013) und „In Stücke gerissen“ (2015), auf den Roman von György Méhes „Siebenbürger Millionäre“ (2006), auf Ádám Bodors „Schutzgebiet Sinistra“ und „Der Besuch des Erzbischofs“, auf Alain Polcz mit ihrem autobiographischen Roman „Frau an der Front“, sowie auf Lajos Zilahy ein. Orsolya Tóth betonte in ihrem Beitrag, dass in den Rezensionen der Schwerpunkt auf geschichtliche Ereignisse, vor allem auf die Monarchie-Zeit gelegt werde, häufige Erwähnung fänden die Siebenbürger Sachsen und es werde allgemein ein positives Bild von Siebenbürgen gezeichnet, auch wenn auf die siebenbürgisch-ungarische Minderheitenliteratur keine Hinweise auszumachen waren.

Henrietta Szenderszki

Henrietta Szenderszkis Vortrag stützte sich ebenfalls auf Recherchen in der Sondersammlung ULDS. Ihr Beitrag mit dem Titel: „Deutsch-ungarische Erinnerungsdiskurse in der Rezeption der ungarischen Gegenwartsliteratur“ beschäftigte sich mit György Dragománs: „Der Scheiterhafen“ (2015), sowie mit László Darvasis „Der Blumenfresser“ (2013). Bezugnehmend auf Jan Assmann und Astrid Erll stellte sie Begriffsdefinitionen für das kulturelle, das kommunikative und das beides zusammenfassende kollektive Gedächtnis vor, um dann vor allem die Darstellung der Revolutionsereignisse in Rumänien nach 1989 und in Ungarn 1848/1849 anhand der beiden Romane von György Dragomán und László Darvasi zu untersuchen.

Orsolya Tóth

Krisztina Busa, Mitarbeiterin des HUI, referierte über die Figur des Übersetzers, die in der bisherigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit literarischen Übersetzungen wenig thematisiert wurde und beschäftigte sich exemplarisch mit dem Wiener Übersetzer György Buda. Seine Karriereschritte können exemplarisch für die Branche gelten: Er betrieb lange Zeit literarische Übersetzungen als Hobby neben seiner Tätigkeit als Fachübersetzer, professionalisierte sich spät und kam erst durch die Konjunktur der Wende dank eines Glücksfalles zu literarischen Aufträgen. Das Thema des Übersetzens soll in den folgenden Jahren weiter verfolgt und im Mittelpunkt gemeinsamer Forschungsaktivitäten mit der Christlichen Universität Partium stehen.

12.7.2018

 

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