Kenessey, Anne-Marie

von Gudrun Brzoska:

Anne-Marie Kenesseys Vater kam als junger ’56er Flüchtling nach Basel, wo er seine spätere Frau, eine gebürtige Schweizerin kennen lernte. Der Vater hatte Deutsch bereits in Ungarn gelernt und bemühte sich nun, das Schweizerdeutsch zu erlernen. In ihrer Familie wurde immer nur Deutsch, bzw. Schweizerdeutsch gesprochen, schreibt später die Tochter Anne-Marie, die 1973 geboren wurde. Von einigen der engeren Freunde des Vaters und von ihrer Großmutter, die in Budapest geblieben war, hörte das Kind jedoch nur ungarisch. Als Teenager wurde sie dann sehr neugierig auf ihre ungarischen Wurzeln und begann auf eigene Faust – zunächst sogar gegen den Willen ihres Vaters, Sprachunterricht bei einem Exilungarn in Zürich zu nehmen. Während ihrer Ferien nahm sie an einem Sprachlager für Kinder von Exilungarn in Sárospatak teil. Sie schreibt: „Während meiner Gymnasiumzeit verbrachte ich drei Sommer in Folge in Ungarn und blühte dabei jeweils auf, es gefiel mir sogar so gut, dass ich mit achtzehn Jahren davon träumte, nach Budapest zu ziehen.“- Sie studierte jedoch BWL in Zürich, lernte weitere Fremdsprachen und begann nach dem Berufsalltag zunächst selbst Texte zu schreiben und dann zu publizieren. Als sie 2012 György Dalos auf der Leipziger Buchmesse kennen lernte, brachte dieser sie in wichtige Kontakte mit ungarischen Literaten. Er selbst übersetzte einige Gedichte der Autorin ins Ungarische. Es gelang ihm auch, sie als Übersetzerin aus dem Ungarischen zu gewinnen. Kenessey besuchte Übersetzerschulungen des Attila-József-Kreises in Ungarn „…und so nahm alles seinen Lauf.“

Von 2009 bis 2015 war sie ständiges Redaktionsmitglieder von „orte“, seit 2016 ist sie freie Mitarbeiterin. Für diese Literaturzeitschrift stellte sie die Nummer 195 zusammen, „Irgendeine schwere Frucht“.

A.-M. Kenessey übersetzt auch für die deutsche Zeitschrift „die horen“. (Bd. 264: „Von der unendlichen Ironie des Seins.“ Wallstein Verlag, 2016.

Ihre eigenen Gedichte sind seit 2009 von Literaturzeitschriften (darunter »Sprache im technischen Zeitalter Nr. 190«, »wespennest Nr. 156 und Nr. 164«, »poet Nr. 14«, »allmende Nr. 88«, »Magyar Lettre Internationale Nr. 97«), dem Internetportal »Poetenladen«, der Zürcher Tageszeitung »Tages-Anzeiger« und dem » 30. Jahrbuch der Lyrik (DVA)« veröffentlicht worden.

Einige ihrer Gedichte wurden von György Dalos ins Ungarische übersetzt und erschienen in der Sommerausgabe der Magyar Lettre Internationale, Nr. 97, Jelenkor Kiadó, Budapest, Juni 2015.

Im Juli 2012 wurde ihr vom Kanton Zürich eine Auszeichnung für ihr Lyrikdebüt „Im Fossil versteckt sich das Seepferd vor dir“. Gedichte. Edition Isele, Kreuzlingen/ Eggingen 2012« verliehen.

Im Dezember 2012 gewann sie den Lyrikpreis München.

In den Folgejahren erhielt sie einige Stipendien, das z. Zt. laufende ist ein viermonatiges Autoren-Atelierstipendium der Schweizer Stiftung Landis & Gyr in Budapest.

Anne-Marie Kenessey lebt und arbeitet weiterhin in Zürich.

 

 

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