Rezension: Vámos, Miklós – „Vom Lieben und Hassen“

Der 44-jährige Journalist und Komiker László hat es nicht leicht mit seiner Mutter. Seit jeher tyrannisiert ihn die exzentrische Frau mit ihren seelischen Gemütsbewegungen und bietet verschiedentlich Anlass, sich um sie zu sorgen. Dies wird gleich zu Beginn des Romans deutlich, als die manisch-depressive, alkoholkranke und unentwegt rauchende Mutter von ihrem Sohn bewusstlos mit einer Tabletten- und Alkoholvergiftung in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Als sie schließlich schwer an Krebs erkrankt, fordert sie die bedingungslose Aufmerksamkeit ihres Sohnes.
Die intensive Mutter-Sohn Beziehung und deren implizite Hassliebe tritt im Verlauf des Romans in den ständig wechselnden Perspektiven zwischen den beiden Hauptfiguren hervor. Dabei rechnet die sterbenskranke Frau in einer Art Halbwachzustand mit ihrem Leben im kommunistischen Ungarn, ihren Kindern, ihrem Mann und dem letzten Liebhaber ab, während der Sohn vergeblich versucht, sein Privatleben zu ordnen. Bei aller realistischen Darstellung der Mutter offenbart diese durchaus Sinn für die seltsamen Seiten des Lebens und steht damit im Gegensatz zu ihrem Sohn, der zwar als Berufskomiker gilt, seinen eigenen Lebensumständen jedoch nur wenig Humor entgegenbringen kann. Während sie unkonventionell zu leben vermag und ihre Meinungen direkt und derb äußert, hinkt er seinen eigenen Lebensentwürfen ständig hinterher und verliert sich in seinen alltäglichen Entscheidungen. Noch dazu bringt ihn die Pflege seiner Mutter physisch und psychisch an seine Grenzen.
Mit ihrem Tod begreift László, inwiefern er von seiner Mutter hätte lernen können und es auch noch immer kann: „Schade, ‚dass ich erst JETZT allmählich beginne zu begreifen, dass meine Mutter im Grunde eine patente Frau gewesen sein muss. SCHADE, dass ich sie erst jetzt zu BENEIDEN beginne, weil sie so MUTIG gelebt hat, wie ich es nie gewagt habe.“

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