Zsolt, Ágnes

Ágnes und Béla Zsolt

Éva Heyman

Über Ágnes Zsolt und Éva Heyman

Éva Heyman wird am 13. Februar 1931 in Nagyvárad (heute Oradea RO, Großwardein, D.) geboren. Ihre Mutter Ágnes wird 1933 geschieden, heiratet wieder und lebt mit ihrem Mann, dem Béla-Bácsi aus Évas Tagebuch in Budapest. Sie lassen Éva bei den Großeltern, wollen sie aber nachholen, sobald sich ihre Situation gebessert hat. Sie bessert sich aber nicht; denn Zsolt wird als Linker zu Zwangsarbeit verschleppt, bis Ágnes ihn nach langem Kampf retten kann. Inzwischen gelten die Judengesetze auch in Ungarn.
Als Ágnes und Béla Zsolt endlich nach Nagyvárad kommen können, ist es für Évas Rettung bereits zu spät. Dreieinhalb Monate schreibt die inzwischen 13jährige Schülerin minutiös auf, was sich bis zu ihrer Deportation am 1. Juni 1944 in ihrer Familie und in Várad abspielt. Éva kommt am 6. Juni in Auschwitz an, wird von Mengele zu Versuchszwecken aussortiert, bis er sie am 17. Oktober eigenhändig ins Gas schickt. Évas Vater, der Architekt Béla Heyman und die Großeltern werden sofort vergast. Allein Ágnes und Béla Zsolt konnten mit einem „Kasztner-Zug“ entkommen.
Sie selbst, Ágnes Zsolt wird 1912 in Nagyvárad geboren, wo ihr Vater eine Apotheke betreibt. Sie lernt mehrere Fremdsprachen, studiert Pharmazie, heiratet aber noch vor ihrem Abschluss den Architekten Béla Heymann, auch aus Várad. 1931 wird Tochter Éva geboren, auch sie wird als Einzelkind heranwachsen. Bereits wenige Jahre später lassen sich die Eltern scheiden. Ágnes heiratet in zweiter Ehe den links-intellektuellen Journalisten und Schriftsteller Béla Zsolt. Ihn kann sie zwei Mal retten: Aus der Zwangsarbeit, was auch Éva in ihrem Tagebuch beschreibt – und vor dem Abtransport nach Auschwitz. (s.a. Béla Zsolt, „Neun Koffer,“ dt. 1999) in dem sie seine Typhuserkrankung wieder „aufleben“ lässt. Aus Angst vor einer Epidemie, unter der auch die ungarische Bevölkerung zu leiden gehabt hätte, wird er mit seiner Frau ins Lazarett verlegt. Dort können sie mit einigen anderen Patienten und mit Hilfe des Direktors den Deportationszug „versäumen“. Es war nicht gelungen, auch Éva zu einem Typhusopfer zu machen. Das Ehepaar gelangt nach Bergen-Belsen und wird mit etwa 1600 weitern Juden im sog. „Kasztner-Zug“ in die Schweiz gerettet. Als nach dem Krieg klar ist, dass es für Éva keine Rettung gab, geht das Ehepaar schuldbewusst getrennte Wege: Zsolt wird Chefredakteur der Radikalen Partei Ungarns, für kurze Zeit Parlamentsabgeordneter. Ágnes wendet sich dem Journalismus zu und schreibt viel beachtete Artikel. Im Herbst 1947 erscheint ihr einziges Buch „Éva lányom“ (meine Tochter Éva). Es ist das Tagebuch ihrer Tochter, das die treue Köchin gerettet hatte. Das Buch muss jedoch bald wieder vom Markt verschwinden, da im sozialistischen Ungarn der Holocaust der ungarischen Juden verschwiegen wird. Erst 2011 kann es wieder erscheinen.
Ágnes Zsolt, die nie verwinden kann, dass sie ihre Tochter nicht hatte retten können, wird psychisch krank und nimmt sich 1951 das Leben. (Ausführlich nachzulesen im Nachwort des Buches).

In der Ehinger Bibliothek befindliche Publikationen:

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