Örkény, István

© Petöfi Literaturmuseum

Über den Autor

Geboren ist Örkény 1912 in einer jüdischen bürgerlichen Familie. Nach einem Studium von Chemie und Pharmazie bereist er die Welt und lernt Sprachen. Schon 1930 beginnt er „verantwortungslose“ Kurzgeschichten zu schreiben, frivol, spielerisch und surrealistisch. Ein erster Band wird 1941 publiziert; er hat den Titel „Tengertánc“ (Meerestanz). 1942 wird er eingezogen, als Jude muss er in einem Arbeitsbataillon an der russischen Front dienen. 1943 kommt er für fünf Jahre, nach Flucht, Verwundung, Erfrierungen, Hunger, Typhus und Feldlazarett in „das Lager“ in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg kehrt Örkény nach Ungarn zurück, beginnt 1945 wieder zu schreiben und erlebt dort den kommunistischen Sozialismus. Obwohl er sich nur ungern auf politische Themen einlässt, entstehen Schriften, die den Konflikt widerspiegeln zwischen dem ehrlichen Glauben an eine sozialistische Zukunft und den Zweifeln am wirklichen Leben in einer stalinistischen Diktatur. 1956 beteiligt er sich an einer Bewegung kritischer Intellektueller und wird nach der Niederschlagung des Volksaufstandes zu mehrjährigem Schweigen verurteilt. Ab 1963 kann er seine Arbeiten wieder mit einer von ihm selbst erfundenen Kurzprosa veröffentlichen. Damit führt er eine neue groteske erzählerische Gattung in die ungarische Literatur ein, wie die „Minutennovelle“, die dem Leser nur minimale Informationen zur Verfügung stellt, für die er aber auch nur Minuten zum Lesen braucht. Danach kann der Leser „weiterdichten“… Mit diesen „Minutennovellen“ wird Örkény auch in seiner Heimat berühmt. 1979 stirbt Örkény, sowohl in seiner Heimat, als auch international berühmt. Preise und Auszeichnungen: 1955 und 1967 erhält er den József Attila Preis, 1973 den Kossuth-Preis. Die Übersetzungen seiner Werke auf Deutsch kann der interessierte Leser zum Teil noch in Antiquariaten bekommen: „Katzen-Spiel“ (Macskajáték), Übersetzung Vera Thies, 1972 bei Volk und Welt, Berlin; „Der letzte Zug“ (aus verschiedenen Werken), Übers. Vera Thiess, 1973 bei Volk und Volk, Berlin. Das Buch „Minutennovellen“, 2002 und die Veröffentlichung seines Werkes „Das Lagervolk“, 2010, in dem er sich als Chronist sieht, sind bei Suhrkamp, Frankfurt/Main, erschienen.

In der ‚Ehinger Bibliothek‘ befindliche Publikationen:

  • Eheleute. Originaltitel: Házastársak, 1951. Aus dem Ungarischen von Bruno Heilig. Verlag Tribüne, Berlin, 1953.
  • Katzen-Spiel. Roman. Originaltitel: Macskajáték. Übersetzung von Vera Thies. Verlag Volk und Welt, 1972.
  • Der Letzte Zug. Erzählungen. Übersetzung von Vera Thiess. Verlag Volk & Welt, 1973.
  • Familie Tót & Katzen-Spiel. Originaltitel: Tótek & Macskajáték. Übersetzung von Barbara Frischmuth & Vera Thies. Henschelverlag, 1975.
  • Rosenausstellung. Zwei Romane. Originaltitel: Rózsakiállítás & Egy négykezes regény tanulságos története. Übersetzung von Paul Kárpáti. Verlag Volk & Welt (Spektrum), 1980.
  • Interview mit einem Toten. Originaltitel: Rózsakiállítás, 1977. Aus dem Ungarischen von Hildegard Grosche. Suhrkamp Verlag, 1982. ISBN 3-518-37337-4
  • Gedanken im Keller. Mini-Novellen. Auswahl aus: Originaltitel: Egyperces novellák 1974 & 1977. Aus dem Ungarischen von Vera Thies, Illustriert von László Réber. Eulenspiegel-Verlag, Berlin, 1979.
  • Minutennovellen. Originaltitel: Egyperces novellák. 2sprachig, dt.-englisch. Verlag Holibri, 1992. ISBN 963-09-3580-5
  • Minutennovellen. Originaltitel: Egyperces Novellák. Übersetzung von Terézia Mora. Verlag Suhrkamp, 2002. ISBN 3-518-22358-5
  • Das Lagervolk. Originaltitel: Lágerek népe/Emlékezők, 2000. Übersetzung von Laszlo Kornitzer. Verlag Suhrkamp, 2010. ISBN 978-3-518-42079-9
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter 2. Autorenporträts, Örkény, István veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.