Rezension: Méhes, György – „Siebenbürger Millionäre. Die Keller-Dynastie – Eine Familiensaga“

Roman
Aus dem Ungarischen von Géza Deréky
Verlag: Weimarer Schiller-Presse, 2005, ISBN: 3-86548-330-5
Originaltitel: Kolozsvári milliomosok, 1997

Im Jahre 1877 wandert ein junger bayerischer Gerbergeselle, Friedrich Keller, durch die Habsburg-Ungarische Monarchie, bis er endlich in Siebenbürgen, in Sächsisch-Reen sesshaft wird. Dank eines neuen, modernen Verfahrens, das er aus seiner Heimat mitgebracht hat, wird er bald bekannt und kann sich selbstständig machen. Er heiratet die Metzgertochter Karoline Wagner und kann mit Hilfe seines Beraters und Freundes Schoma Mandel den Betrieb vergrößern. Mit Karoline hat er sechs Söhne, die bis auf eine Ausnahme alle in seine Fußstapfen treten und tüchtige und gesuchte Gerber werden. Einige Jahre später zieht die Familie nach Klausenburg, dem damaligen Mittelpunkt von Siebenbürgen. Ab da beginnt ein beispielloser Aufstieg: Aus der einfachen Gerbermeisterfamilie werden in wenigen Jahren Lederfabrikanten, unterstützt, aber auch ausgenützt, von verschiedenen Freunden und Partnern. So steht die Firma mal ganz solide „oben“, mal gerät sie durch Spekulation und Machtgier der Teilhaber fast ins Aus … Durch eine Verletzung beim Rasieren wird Friedrich todkrank und stirbt viel zu früh. Seine Söhne führen die Firma ganz in seinem Sinn, wenn auch nicht immer mit seinem Geschick weiter, überstehen die beiden Weltkriege, Regierungen und politischen Systeme.
Als die Witwe Karoline 1944 während der Belagerung der Stadt von Unbekannten ausgeraubt und ermordet wird, endet damit die enge Familiengeschichte, der Zusammenhalt in guten und schlechten Zeiten unter den Geschwistern. Ein Teil der Söhne wandert mit ihren Familien aus, ein Teil bleibt oder kommt in der Hoffnung zurück, doch noch etwas von den Werten der Fabrik retten zu können.
Der Leser allerdings weiß bereits, dass dieses im Kommunismus nicht möglich war. Mit dem Tod Karolines verschwindet allerdings auch das siebenbürgische Bürgertum…
Das Buch ist sehr spannend geschrieben, gibt einen guten Überblick über Geschichte und Lebensumstände in Siebenbürgen vor und während der Weltkriege. Friedrich Keller wird als ein gerechter und arbeitsamer Chef dargestellt, dem selbst keine Arbeit zu viel ist. Ebenso sind seine Söhne geraten, bis auf einen, das „schwarze Schaf“, der aus der Reihe tanzt. Trotzdem hält die Familie in Zeiten der Not zu ihm. Auch die Schwiegertöchter werden ausgiebig und liebevoll geschildert. Mit ihnen zieht das z.T. großbürgerliche Milieu ein. Was auf den ersten Blick wie Klatsch und Tratsch anmutet, coloriert vor allem das Leben in Siebenbürgen, die Arbeitsumstände und die Arbeitsmoral. Es fehlen nicht die Agitatoren der erstarkenden Kommunisten, nicht die Großkapitalisten, die nur an die eigene Macht und Sicherheit denken, es fehlen bei den Partnern aber auch nicht die warmherzigen Freunde, die vorausblickenden Politiker. So arbeiten zusammen und auch gegeneinander: Die Juden, die Ungarn, später die Rumänen und natürlich die Deutschen, die „Sachsen“ im Land der unterschiedlichsten Ethnien, in Siebenbürgen. Kurz, ein gelungener historischer Familienroman, den man mit Spannung und Vergnügen liest..

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