Heller, Ágnes

© Horváth Szabolcs

Über die Autorin

Ágnes Heller kommt 1929 als Tochter jüdischer Eltern in Budapest zur Welt. Ihr Vater und zahlreiche Verwandte werden Opfer der Judenverfolgung. Der Mutter gelingt es immer wieder, mit Tochter Agnes der Deportation und Ermordung zu entgehen. Nach ihrem Abitur beginnt Agnes 1947 an der Universität in Budapest Physik und Chemie zu studieren, wechselt jedoch – sehr beeindruckt von György Lukács Vorlesungen – das Studienfach und beginnt Philosophie zu studieren. 1955 promoviert sie bei Lukács und wird seine Assistentin. Jahrzehntelang ist sie politisch unterdrückt. Endlich emigriert sie 1977 nach Australien, wo sie an der La Trobe Universität in Melbourne von 1978 bis 1983 als Soziologieprofessorin lehrt. 1986 wird sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Seitdem pendelt sie halbjährlich zwischen Budapest und New York. In ihren Werken kreisen die Gedanken um Leben und Freiheit als die wichtigsten Werte. Fast gleichrangig steht aber daneben die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur in Geschichte und Gesellschaft. In einem Nachwort schreibt sie über ihr erstes Buch „Der Mensch in der Renaissance“: „Ich bin davon überzeugt, dass alle großen Leistungen der Kultur aus den Bedürfnissen, Konflikten und Problemen des täglichen Lebens hervor gehen“. Daraus folgt, dass sie den „Alltag“ des Menschen besonders beobachtet und betont. Heller entfaltet auf der Grundlage einer eingehenden marxistischen Betrachtung eine ausführliche „Theorie der Bedürfnisse“, mit der sie wiederum die „Bedürfnisdiktatur“ im Ostblock kritisieren konnte. Die „Philosophische Anthropologie“ hat für sie den Ursprung in der Renaissance, die sich durch ein „pluralistisches moralisches Wertsystem“ deutlich von früheren Zeitaltern unterscheidet. Außerdem glaubt die Philosophin an den Aufbau von Urvertrauen und Einfühlungsvermögen in einem Leben der Freiheit.
Preise und Auszeichnungen:
Lessing Preis der Stadt Hamburg, 1981
Hannah Arendt Preis de Stadt Bremen, 1995
Széchenyi Nationalpreis Ungarn, 1995
Ehrendoktor der Universität La Trobe Melbourne, 1996
Ehrendoktor der Universität Buenos Aires, 1997
Sonning Kulturpreis, 2006 (= die höchste Kulturauszeichnung Dänemarks)
Ehrenmitgliedschaft der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft, 2007 Goethe-Medaille für ihr Lebenswerk, 2010
Bibliografie:
Alltag und Geschichte. Zur sozialistischen Gesellschaftslehre, 1970; Theorie der Bedürfnisse bei Marx, 1976; Die Seele und das Leben. Studien zum frühen Lukács, 1977; Das Alltagsleben. Versuch einer Erklärung der individuellen Reproduktion, 1978; Theorie der Gefühle, 1980; Die Linke im Osten – die Linke im Westen. Ein Beitrag zur Morphologie einer problematischen Beziehung, 1986; Der Mensch der Renaissance, 1988; Biopolitik, 1995; Ist die Moderne lebensfähig, 1995; Der Affe auf dem Fahrrad: Eine Lebensgeschichte, 1999; Die Auferstehung des jüdischen Jesus, 2002

In der ‚Ehinger Bibliothek‘ befindliche Publikationen:

    • Das Leben ändern. Gespräche mit Ferdinando Adornato. Originaltitel: Per cambiare la vita. Übersetzung a. d. Italienischen: Frank Thomas Gatter. VSA Verlag, 1981. ISBN 3-87975-212-5
    • Der Mensch der Renaissance. Originaltitel: A reneszánsz ember. Übersetzung: Hans-Henning Paetzke. Verlag Ed. Maschke/ Hohenheim, 1982. ISBN 3-8147-0015-5
    • Der Affe auf dem Fahrrad. Bearb. von János Kőbányai. Originaltitel: Bicikliző majom. Élet és korrajz. Übersetzung von Christian Polzin & Irene Rübberdt. Philo, 1999. ISBN 3-8257-0139-5
    • Die Auferstehung des jüdischen Jesus. Originaltitel: A zsidó Jézus feltámadása. Übersetzung von Christina Kunze. Philo, 2002. ISBN 3-8257-0243-X
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