{"id":631,"date":"2011-12-23T08:48:36","date_gmt":"2011-12-23T08:48:36","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=631"},"modified":"2012-05-19T20:16:05","modified_gmt":"2012-05-19T20:16:05","slug":"rezension-salziger-kaffee-unerzahlte-geschichten-judischer-frauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=631","title":{"rendered":"Rezension: Salziger Kaffee &#8222;Unerz\u00e4hlte Geschichten j\u00fcdischer Frauen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/salziger_kaffee.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2458\" title=\"salziger_kaffee\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/salziger_kaffee.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"217\" \/><\/a><em>Zusammengestellt, bearbeitet und mit einem Vorwort versehen von Katalin P\u00e9csi<br \/>\nVerlag Novella Kiad\u00f3 Kft., ISBN: 978-3-926082-39-8<br \/>\nBezug: Gedenkst\u00e4tte Deutscher Widerstand, Berlin oder Novella Kiad\u00f3 Kft., Budapest; Preis: Euro 9.00<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Salziger Kaffee&#8220; &#8211; rund 30 Geschichten hat Katalin P\u00e9csi, die leitende Mitarbeiterin des Holocaust Gedenkzentrums Budapest, in Zusammenarbeit mit der von ihr gegr\u00fcndeten Frauengruppe EszterH\u00e1z in dieser Anthologie zusammengestellt und mit einem Vorwort versehen.<br \/>\nSubjektive Geschichten von Frauen, die ganz pers\u00f6nliche Erlebnisse wiedergeben und unterschiedliche Aspekte des j\u00fcdischen Lebens im 20. Jahrhundert vermitteln &#8211; Geschichten, die in dieser Form nie vorher an die \u00d6ffentlichkeit gelangten, war doch die Frau grunds\u00e4tzlich in der ungarisch-j\u00fcdischen Literatur wenig pr\u00e4sent.<br \/>\nDie meisten dieser \u00e4u\u00dferst ergreifenden Geschichten beziehen sich unmittelbar auf den Holocaust, wobei sich der 19. Mai 1944 (der Einmarsch der deutschen Truppen in Ungarn) sowie der 15. Oktober 1944 (der Tag der Proklamation Horthys) oft als zentrale Bezugsdaten f\u00fcr die geschilderten Erlebnisse erweisen. Erlebnisse, von denen eine der Verfasserinnen sagt, es liesse sich, \u201cbis heute nicht begreifen, wie wir diese Gr\u00e4uel \u00fcberlebten\u201d.<br \/>\nUnter den Verfasserinnen der Geschichten gibt es aber auch j\u00fcngere Frauen, die sich als zweite Holocaust Generation begreifen. Ihre Geschichten kreisen um die Auswirkungen der Traumata ihrer M\u00fctter und Gro\u00dfm\u00fctter auf ihr eigenes Leben, welches h\u00e4ufig durch das verbreitete Verschweigen der Vergangenheit ebenfalls traumatisch verl\u00e4uft. Insofern stehen auch sie vor dem inneren Zwang, sich in irgendeiner Form mit dem Holocaust auseianderzusetzen.<br \/>\nVon einer dieser Verfasserinnen erf\u00e4hrt der Leser, dass sie das dringende und als pervers bezeichnete Verlangen sp\u00fcrt, immer wieder Memoiren zu lesen, um zu erleben, was sie selbst nicht erlebte. Ein \u00e4hnliches Gef\u00fchl stellt sich unweigerlich beim Lesen aller der in diesem Band versammelten Geschichten ein. Ein Gef\u00fchl, dass die inhaltliche Wiedergabe nahezu unm\u00f6glich macht; die Sph\u00e4re der Erfahrungen ist \u00fcberaus intim und hinterl\u00e4sst einen Eindruck von Unerz\u00e4hlbarkeit.<br \/>\nDie Anthologie ist vor dem Hintergrund der \u00f6ffentlichen Diskussionen zum kollektiven Ged\u00e4chtnis und der Aktualit\u00e4t der Holocaust-Erinnerungsliteratur ein wichtiges Buch, lenkt es doch den Blick auf die sonst wenig beachtete weibliche Erfahrungsweise. Und diese spiegelt sich \u2013 wie Katalin P\u00e9csi in einem Interview mitteilt \u2013 in der Tatsache, dass die Frauen einerseits anderes Leid als die m\u00e4nnlichen Opfer erfuhren, andererseits auch \u00dcberlebensstrategien erkennen lassen, die von gegenseitiger Unterst\u00fctzung gepr\u00e4gt sind.<br \/>\nUnabh\u00e4ngig von der weiblichen Perspektive lenken die Geschichten das Augenmerk auf die spezifisch ungarisch-j\u00fcdische Erfahrung nach dem 2. Weltkrieg: So sehr sich die ungarischen Juden auch als Opfer der ungarischen Gesellschaft betrachteten, so waren sie doch bestrebt, sich mit dieser Gesellschaft zu identifizieren \u2013 ein Zwiespalt, der h\u00e4ufig zu Identit\u00e4tsst\u00f6rungen f\u00fchrte.<br \/>\nDie Anthologie schlie\u00dft mit einem Nachwort der Literaturwissenschaftlerin Katalin G. K\u00e1llay sowie Gratulationen von Judith Magyar Isaacson, Judy Weiszenberg Cohen und Katalin Katz.<\/p>\n<p>Lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.budapester.hu\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=5647&amp;Itemid=29\">hier<\/a> ein Interview mit Katalin P\u00e9csi (Budapester Zeitung, 04. Mai 2010).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammengestellt, bearbeitet und mit einem Vorwort versehen von Katalin P\u00e9csi Verlag Novella Kiad\u00f3 Kft., ISBN: 978-3-926082-39-8 Bezug: Gedenkst\u00e4tte Deutscher Widerstand, Berlin oder Novella Kiad\u00f3 Kft., Budapest; Preis: Euro 9.00 &#8222;Salziger Kaffee&#8220; &#8211; rund 30 Geschichten hat Katalin P\u00e9csi, die leitende &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=631\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[129],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=631"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2459,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/631\/revisions\/2459"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}