{"id":605,"date":"2011-12-20T12:19:44","date_gmt":"2011-12-20T12:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=605"},"modified":"2012-05-19T20:31:04","modified_gmt":"2012-05-19T20:31:04","slug":"rezension-imre-torok-akazienskizze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=605","title":{"rendered":"Rezension: T\u00f6r\u00f6k, Imre &#8211; &#8222;Akazienskizze&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/akazienskizze.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2478\" title=\"akazienskizze\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/akazienskizze.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"224\" \/><\/a><em>Neue und alte Geschichten. Phantasiefl\u00fcge<br \/>\nVerlag: Pop, 2009; ISBN:978-3-937139-69-2<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro 14.80<\/em><\/p>\n<p>Dem Leser bl\u00e4ttert sich eine Auswahl von ungef\u00e4hr f\u00fcnfzig Erz\u00e4hlungen, Kurzgeschichten und \u201eProsagedichten\u201c auf. Zum Teil kennt er einige der Erz\u00e4hlungen und Miniaturen schon aus T\u00f6r\u00f6ks anderen B\u00fcchern, doch ein guter Teil war bisher noch unver\u00f6ffentlicht. Die Kritik r\u00fchmt ihn als \u201eMeister verschiedener Tonlagen\u201c, dem \u201eSprache Lebenselixier\u201c ist. Und tats\u00e4chlich, auch die bereits bekannten St\u00fccke lesen sich in der neuen Zusammenstellung wieder frisch, spannend und unverbraucht.<br \/>\nSeine Phantasiefl\u00fcge reichen bis zu den Sternen, von der Erde zum Himmel, sie schlie\u00dfen staunende und \u201ephilosophierende\u201c Ameisen und Gl\u00fchw\u00fcrmchen mit ein. Die Geschichten erz\u00e4hlen von Begegnungen in der Heimat und in der Fremde. Viele handeln vom Fremdsein, ein Thema, mit dem T\u00f6r\u00f6k gut umgehen kann; denn er kam selbst als 14j\u00e4hriger Fl\u00fcchtling mit seiner Familie aus Ungarn.<br \/>\nSeine Wortspiele und Doppeldeutigkeiten sind leise-humorvoll und pointiert (z.B. \u201e\u00dcber Herrn Fantas Tisch\u2026\u201c). Er hat viel Nachdenkenswertes zu sagen, tr\u00e4gt dabei nie dick auf, wenn er dem Leser einiges zum Thema Minderheit und Fremde, Vorurteile (z.B.. \u201eBegegnung\u201c) ins Herz schreibt.<br \/>\nZu den Schwerpunkten geh\u00f6ren auch Freundschaft und Zivilcourage, mit zu den sch\u00f6nsten dieser Erz\u00e4hlungen geh\u00f6ren f\u00fcr mich die M\u00e4rchen um die Ameise Horatius und das Gl\u00fchw\u00fcrmchen Luzius, die mit Humor und Wortwitz das Thema Minderheit in der Fremde beleuchten. Beiden Protagonisten hat T\u00f6r\u00f6k in fr\u00fcheren B\u00fcchern mehrere Fortsetzungen geg\u00f6nnt. Und einfach weitere \u201eM\u00e4rchen\u201c, wundersam erz\u00e4hlt, die in anderen Welten spielen, umgedichtet und umgedeutet in die Br\u00fcche unserer Zeit (Dornr\u00f6sia, \u201eDer Gin\u00f6kschorf\u201c[Froschk\u00f6nig] ).<br \/>\nIn der Titelgeschichte geht es um das unb\u00e4ndige Verlangen nach Freiheit, Flucht und dem tragischen Ende. Der \u201eRaben-Zyklus\u201c setzt sich aus mehreren unabh\u00e4ngigen Miniaturen zusammen \u2013 die doch wieder ein Ganzes ergeben \u2013 und darin meine Lieblingserz\u00e4hlung \u201eSanfter H\u00fcgel\u201c, in der er an seinen Freund schreibt, nachsp\u00fcrt wo er sich jetzt befinden k\u00f6nnte. \u00dcber diese Sinnieren und Schreiben kommt ihm der Freund ganz nah, steht bereits hinter ihm.<br \/>\nDer Autor l\u00e4sst auch Dichterkollegen aus Vergangenheit und Gegenwart zu Wort kommen: Nikolaus Lenau, im damaligen Ungarn geboren, ein ewig Reisender, der sich doch immer nach der Heimat sehnt. Mit ihm l\u00e4sst T\u00f6r\u00f6k einen Teil der ungarischen Geschichte an uns vor\u00fcberziehen. Mit dem Freiheitsdichter Christian Schubart l\u00e4sst er uns anl\u00e4sslich eines fiktiven Besuches des Studenten Wendel Ohnesorg einen Blick hinter die Kulissen der Geschichte nach den T\u00fcrkenkriegen, Freiheitskriegen, R\u00fcckschl\u00e4gen und vision\u00e4ren Ausfl\u00fcgen ins 3. Jahrtausend werfen. Zuneigung und freundschaftlicher Spott zeigen sich in der Erz\u00e4hlung \u201eUmgebracht von Martin Walser\u201c.<br \/>\nTrotz seiner realistisch-genauen Beobachtung schildert T\u00f6r\u00f6k poetisch-anr\u00fchrende Naturbeschreibungen, spielt mit erschreckenden und sch\u00f6nen Zukunftsvisionen. (\u201eDas M\u00e4rchen von der t\u00f6nenden Kugel\u201c &#8211; das Gegenst\u00fcck zu Turmbau von Babel). Er spielt mit Worten und Bedeutungen (z. B. \u201eGet\u00fcrkt\u201c \u00fcber seinen eigenen Namen, und \u00fcber Bedeutungen ungarischer W\u00f6rter). Er beschreibt die Sehnsucht nach anderen L\u00e4ndern (\u00c4gypten \u2013 Afrika: \u201eUtete \u2013 die Liebe zum Fluss\u201c) mit deren Besonderheiten und Wunderlichkeiten. Humorvoll macht er sich aus tierischem Blickwinkel Gedanken \u00fcber Menschen und die Spezies Dichter ins Besondere (Kanalstra\u00dfe 4). Selbst Liebesgeschichten geraten ihm ironisch (\u201eDer Drucker\u201c) Er denkt \u00fcber sich selbst nach (\u201eDie Fahrt\u201c), \u00fcber sein erstes Gedicht, das er als 10j\u00e4hriger in Ungarn schrieb und \u00fcber die sp\u00e4teren Gedichte. Das alles mit leisem Schalk und Augenzwinkern.<br \/>\nWer einmal das Gl\u00fcck hatte, Imre T\u00f6r\u00f6k selbst seine Geschichten und Gedanken vortragen zu h\u00f6ren, wird es mit mir sehr bedauern, dass es immer noch keine Audio-CD von seinen Lesungen gibt. Da mischen sich Vortrag und Fabulierlust, der Hang zum M\u00e4rchenhaften mit menschenfreundlicher Vision, das Nachdenken \u00fcber den Mitmenschen und \u00fcber sich selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue und alte Geschichten. Phantasiefl\u00fcge Verlag: Pop, 2009; ISBN:978-3-937139-69-2 Bezug: Buchhandel Preis: Euro 14.80 Dem Leser bl\u00e4ttert sich eine Auswahl von ungef\u00e4hr f\u00fcnfzig Erz\u00e4hlungen, Kurzgeschichten und \u201eProsagedichten\u201c auf. 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