{"id":601,"date":"2011-12-20T12:26:29","date_gmt":"2011-12-20T12:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=601"},"modified":"2012-05-19T20:14:51","modified_gmt":"2012-05-19T20:14:51","slug":"rezension-szilard-rubin-kurze-geschichte-von-der-ewigen-liebe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=601","title":{"rendered":"Rezension: Rubin, Szil\u00e1rd &#8211; &#8222;Kurze Geschichte von der ewigen Liebe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/kurze_geschichte.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2454\" title=\"kurze_geschichte\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/kurze_geschichte.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"245\" \/><\/a><em>Roman<br \/>\nAus dem Ungarischen von Andrea Ikker<br \/>\nVerlag: Rowohlt, 2009; ISBN: 978-3-87134-631-6<br \/>\nOriginaltitel: Csirkej\u00e1t\u00e9k, 1963<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis:Euro 17.90 <\/em><\/p>\n<p>Rubins Beziehungsdrama, das 1963 in Ungarn erschien, hei\u00dft im Originaltitel \u201eH\u00fchnchenspiel\u201c. Damit bezieht sich der Autor auf das Lebensgef\u00fchl seines Protagonisten Attila Angyal, genannt Till, der sich einem Freund gegen\u00fcber \u00e4u\u00dfert: In den USA g\u00e4be es das Spiel \u201eChicken Run\u201c, bei dem es darauf ankomme, so lange vor dem heranbrausenden Zug auf den Gleisen zu bleiben, wie m\u00f6glich. Aber auch der deutsche Titel \u201eKurze Geschichte von der ewigen Liebe\u201c ist beziehungsreich: Die Liebe soll ewig dauern, doch die Geschichte ist kurz, schl\u00e4gt sie doch sehr bald in Obsession auf der einen und in Ablehnung auf der anderen Seite um.<br \/>\nIm Klappentext des Verlages hei\u00dft es \u201e sie lieben und sie hassen sich. Und k\u00f6nnen doch nicht voneinander lassen\u201c. Ein junges Paar, kurz nach dem 2. Weltkrieg im Dreieck P\u00e9cs, Moh\u00e1cs, Szeksz\u00e1rd. In Budapest wird zwar studiert, aber das eigentliche Leben spielt sich im geliebten S\u00fcdungarn ab. Rubin l\u00e4sst seinen Roman \u00fcber den Zeitraum von 30 Jahren spielen, bis zum Jahre 1976, wobei der Autor bis in die Zukunft vorausgreift. Vor dem angedeuteten geschichtlich-politischen Hintergrund, Ende des 2. Weltkrieges, Vertreibung oder Enteignung der Ungarndeutschen, Machtergreifung der Kommunisten und die darauf folgende Desillusionierung der Menschen, besonders der jungen Studenten, f\u00fchrt uns Rubin ein zwischenmenschliches Drama um Liebe, Macht und Unterw\u00fcrfigkeit vor Augen, wie es moderner nicht sein k\u00f6nnte:<br \/>\nDer junge, aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen stammende Student und Icherz\u00e4hler Attila hat sich unsterblich in die sch\u00f6ne Orsolya Carletter verliebt. Sie kommt aus einer gro\u00dfb\u00fcrgerlichen ungarndeutschen Apothekerfamilie, die 1940 aus Siebenb\u00fcrgen vertrieben wurde und nun nach dem Krieg in Moh\u00e1cs auftaucht. Die Familie l\u00e4sst den jungen Empork\u00f6mmling, dessen Vater Jude war und in einem Arbeitslager umkam, sp\u00fcren, dass er nicht zu ihnen passt. Die kaprizi\u00f6se Orsolya glaubt aber an das Talent des angehenden Schriftstellers und h\u00e4lt zu ihm. F\u00fcr die Familie ist es au\u00dferdem geraten, im aufkommenden kommunistischen Regime die Beiden gew\u00e4hren zu lassen \u2013 und f\u00fcr Till erweist es sich von Vorteil, dass er in der vornehmen Familie Lebensart lernt. Er kann allerdings nicht \u201eaus seiner Haut heraus\u201c, und so gelingt es ihm auch nicht, \u201ees\u201c der Familie \u201ezu zeigen\u201c, indem er etwas Gro\u00dfes leistet. Im Gegensatz zu seinen Jugendfreunden, die sich arrangieren und in Arbeits- und Lebensverbindungen einwilligen, die sie fr\u00fcher als total angepasst abgelehnt hatten, bleibt er seinem Leben als \u201eTraumt\u00e4nzer\u201c treu.<br \/>\nHin und her gerissen zwischen \u00dcberheblichkeit und Minderwertigkeitskomplexen, verliert Till seine Orsolya immer mehr, je heftiger er sie bedr\u00e4ngt und ganz zu besitzen versucht.<br \/>\nBeide kennen die Schw\u00e4chen des Anderen sehr genau und f\u00fcgen sich mehr und mehr Verletzungen zu, r\u00e4chen sich f\u00fcr Dem\u00fctigungen, um dann \u2013 Attila, bis zur Selbstaufgabe &#8211; um Verzeihung zu betteln, oder \u2013 Orsolya, sich um des lieben Friedens willen &#8211; wieder und wieder hinzugeben.<br \/>\nEs gelingt Till sogar, Orsolya so weit zu bringen, ihn zu heiraten. Er hat einen zwar schlechten, aber systemkonformen Roman geschrieben und damit pl\u00f6tzlich viel Geld in der Tasche, kann sich damit aber nicht Orsolyas Bewunderung erringen, ganz im Gegenteil, sie verachtet ihn ob seines Opportunismus\u2019; auch seine Freunde wenden sich geringsch\u00e4tzig ab.<br \/>\nSchon in der Hochzeitsnacht ringt sie ihm das Versprechen ab, in die Scheidung einzuwilligen, mit der Zusicherung, dann wieder seine Geliebte sein zu wollen.<br \/>\nW\u00e4hrend Till seiner verlorenen Liebe voll Eifersucht \u00fcberallhin nachjagt, sie als Apothekerin schlie\u00dflich mit einem Liebhaber, einem gestandenen Kommunisten und Milit\u00e4ringenieur aufsp\u00fcrt und dort eine schreckliche Szene macht, hat sich Orsolya, die das Boh\u00e8me-Leben satt hat, immer mehr vor ihm zur\u00fcckgezogen.<br \/>\nBemerkenswert ist Attilas Albtraum, ganz zu Anfang des Romans, der sich dann ziemlich genau realisieren wird: Attila verfolgt die Geliebte mit seiner Eifersucht, sucht sie, doch sie wendet sich von ihm ab, peinlich ber\u00fchrt von seinen Demutsbezeugungen. Im diesem Traum erf\u00e4hrt er \u00fcber sich, dass er es ist, der sich an der Geliebten festklammert und sie nicht mehr auslassen will, obwohl er ihr eigentlich au\u00dfer seiner Obsession und seinem Besitzenwollen unter allen Umst\u00e4nden, nichts wirklich zu bieten hat. Sie will (im Traum) keine alte Jungfer werden, die ewig auf ihn wartet. Attila wei\u00df beim Erwachen, dass \u201ejeder Traum ein Wunschtraum ist\u201c \u2013 und dass er selbst auf sein eigenes Verderben aus ist.<br \/>\nIm Laufe der Jahre, als Orsolya schon l\u00e4ngst verheiratet ist, mit besagtem Milit\u00e4ringenieur \u2013 und er sie 1976 von weitem auf einem Flughafen sieht, wird ihm klar, dass er sich nur dann von ihr l\u00f6sen kann, wenn er eine Zeit in seiner Erinnerung wieder findet, die \u201eOrsolya-frei\u201c ist. Das ist f\u00fcr ihn die Zeit vor dem Krieg, als er Ferien bei Verwandten verbringen darf. Mit diesem Bewusstsein kann Till dann auch \u201eabgekl\u00e4rter\u201c und \u201ealtersweise\u201c an seine Geliebte zur\u00fcckdenken.<br \/>\nRubin gelingt es mit seinem Roman, aus Attilas Sicht geschrieben, welcher Reaktionen und Gef\u00fchle Orsolyas nur interpretieren kann, ein Buch zu schreiben, das den Leser bis zuletzt in Spannung h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Andrea Ikker Verlag: Rowohlt, 2009; ISBN: 978-3-87134-631-6 Originaltitel: Csirkej\u00e1t\u00e9k, 1963 Bezug: Buchhandel Preis:Euro 17.90 Rubins Beziehungsdrama, das 1963 in Ungarn erschien, hei\u00dft im Originaltitel \u201eH\u00fchnchenspiel\u201c. 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