{"id":583,"date":"2011-12-19T12:08:59","date_gmt":"2011-12-19T12:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=583"},"modified":"2012-05-19T19:58:16","modified_gmt":"2012-05-19T19:58:16","slug":"rezension-karoly-mehes-insgeheim","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=583","title":{"rendered":"Rezension: M\u00e9hes, K\u00e1roly &#8211; &#8222;Insgeheim&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/insgeheim.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2406\" title=\"insgeheim\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/insgeheim.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"231\" \/><\/a><em>Erz\u00e4hlung<br \/>\nAus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3<br \/>\nVerlag Wieser, 2007; ISBN: 978-3-85129-684-6<br \/>\nOriginaltitel: Lassan minden titok, 2002<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro 21.00<\/em><\/p>\n<p>Ein ungef\u00e4hr 40j\u00e4hriger Bibliothekar l\u00e4sst sein Leben von der Kindheit in den 60ern bis \u201eheute\u201c, in den 90ern, vor\u00fcberziehen. Immer wieder besch\u00e4ftigt ihn, wie sein Leben verlaufen w\u00e4re, h\u00e4tte sich der eine oder andere \u201eZufall\u201c nicht ereignet. Er spricht zun\u00e4chst als Kind, das die Situationen noch nicht richtig begreifen und einsch\u00e4tzen kann, kommentiert (in Klammern) vom jetzt Erwachsenen.<br \/>\nDas macht dieses im Grunde so ruhige Buch so schillernd, setzt immer wieder Fragezeichen, die nicht aufgel\u00f6st werden, weder f\u00fcr den Erz\u00e4hler, der unabl\u00e4ssig Fragen stellt, noch f\u00fcr den Leser. Dieses Thema wird von allen Seiten umkreist, ernsthaft oder ironisch, aus der Sicht des Kindes oder des Erwachsenen. Die sog. Zuf\u00e4lle sind es, die ein Leben bestimmen und ihm Richtung geben.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlung dreht sich um nur wenige wichtige Personen im Leben des Erz\u00e4hlers J\u00e1nos. Ihnen gemeinsam ist, dass sie alle irgendwie verschwinden, entweder durch Tod, oder dadurch, dass sie sich der Gegenwart des Kindes oder Mannes entziehen.<br \/>\nEr beginnt damit, dass Gaby, von der wir erst sehr sp\u00e4t erfahren, dass sie seine geschiedene Frau ist, ihm vorgeworfen hat, er k\u00f6nne niemanden lieben und sich nur mit sich selbst besch\u00e4ftigen.<br \/>\nDas ganze Buch \u00fcber versucht er, sich selbst und dem Leser Rechenschaft dar\u00fcber zu geben, dass er sehr wohl zur Liebe f\u00e4hig sei &#8211; und was denn das Leben, sein Leben ausmache.<br \/>\nAls er neun Jahre alt ist, verschwindet der geliebte Vater, Apuka \u2013 Vati, wie er ihn z\u00e4rtlich immer noch nennt, von einem Tag auf den anderen. Er wird von einem Dienstwagen abgeholt und kommt nicht wieder. Aus verschiedenen Bemerkungen und Begegnungen erf\u00e4hrt der Sohn, dass der Vater Geheimpolizist war \u2013niemand in der Familie wusste, was er in seiner Dienstzeit tat. Bis zum Schluss bleibt offen, ob der Vater \u201eabgeholt\u201c wurde, oder sich \u201eabgesetzt\u201c hat.<br \/>\nIn immer neuen Facetten n\u00e4hert sich J\u00e1nos der Erz\u00e4hler seiner Familiengeschichte, bei der nur wenige Personen eine Rolle spielen: Den Gro\u00dfvater kennt er kaum, der verschwindet als er stirbt. Alles was der Junge von ihm wei\u00df, kennt er aus Erz\u00e4hlungen seiner Mutter. \u00dcbrig geblieben sind von ihm nur eine Uhr und ein Vergr\u00f6\u00dferungsglas. Den Vater w\u00fcnscht sich auch der erwachsene Sohn immer wieder zur\u00fcck; so als sei nichts gewesen, wie nach einer langen Dienstfahrt. F\u00fcr den Sohn bleibt er immer der Gleiche, auch wenn er sich \u00fcberlegt, wie sich der Vater ver\u00e4ndert haben muss, wenn er noch am Leben ist. Aus seinem Leben ist wenig bekannt: Er sieht sich sehr gerne Fu\u00dfballspiele an, liest Zeitung und kann nicht verstehen, dass sein Junge das B\u00fccherlesen vorzieht. Einmal ohrfeigt er ihn sogar deshalb, eine Tat, die den erwachsenen Mann immer wieder besch\u00e4ftigt. Der Vater sorgt sich aber auch darum, dass sein Sohn auch ja Freunde habe; denn die seien wichtig im Leben. J\u00e1nos muss immer mal wieder einen erfinden und Ausreden ausdenken, warum er seine Schulkameraden nicht einl\u00e4dt. Apuka ist aber auch ein Frauenheld, selbst die angeschw\u00e4rmte Grundschullehrerin Kati war eine seiner Geliebten. Anyuka war und ist die Sonne im Leben ihres Sohnes. Wenigstens m\u00f6chte er das so sehen, sie nicht betr\u00fcben \u2013 und darum muss er auch vor ihr Geheimnisse haben. Sie ist immer gegenw\u00e4rtig, \u00fcberbesorgt mit einer alles \u00fcberwuchernden Liebe zu ihrem Einzigen. Sie ist es auch, die bereits dem Kind suggeriert, dass er einzigartig sei, dass keiner von \u201eda drau\u00dfen\u201c ihm das Wasser reichen k\u00f6nne und sie, die Familie, sowieso besser f\u00fcr sich blieben.<br \/>\nAnyuka l\u00e4sst, vor allem in den ersten Jahren nach dem Verschwinden ihres Mannes, als sie aus der Dienstwohnung ausziehen m\u00fcssen und sie kaum etwas mitnehmen d\u00fcrfen, als sie eine schwere und schlechte Arbeit in einer Fleischfabrik annehmen muss, kein gutes Haar an dem \u201eVerbrecher\u201c, doch der kleine Sohn besch\u00e4ftigt sich nach wie vor mit ihm.<br \/>\nAls das raue Leben in der Schule beginnt und er bei seinen Schulkameraden Argwohn und Unwillen erregt, weil er immer nur liest \u2013 die B\u00fccher sind seine wahren Freunde \u2013 kann er sich mit der Zeit doch Respekt verschaffen, eben weil ihn, den Zur\u00fcckgezogenen, immer lesenden, etwas Geheimnisvolles, Interessantes umgibt. In Wahrheit ist der junge J\u00e1nos aber sehr einsam, was sich auch im Erwachsenenalter nicht \u00e4ndert.<br \/>\nEines Tages taucht Vera auf, eine Schulfreundin Anyukas. Sie versucht dem Kind J\u00e1nos, dem Pubertierenden und sp\u00e4ter dem jungen Mann ein wenig vom wahren Leben da drau\u00dfen, von der Lebenswirklichkeit zu zeigen. Mit der lauten, ungest\u00fcmen Vera bricht die Realit\u00e4t in die weltabgewandte Mutter-Sohn-Welt ein. Doch auch Vera verschwindet durch einen t\u00f6dlichen Unfall.<br \/>\nJ\u00e1nos bringt die Schule gl\u00e4nzend hinter sich, studiert Englisch und Ungarisch, m\u00f6chte Lehrer werden, kommt aber wegen der Voreingenommenheit eines Pr\u00fcfers nicht zum Zug. Vera kann ihm eine Stelle als \u00dcbersetzer in einer Keksfabrik besorgen. Doch sein B\u00fcrochef kann ihn nicht leiden und eines Tages kommt es zum Eklat, als er J\u00e1nos beschimpft, dass er der Sohn eines von denen sei, die ihn ins Gef\u00e4ngnis gebracht und gefoltert h\u00e4tten.<br \/>\nDieser Zwischenfall jedoch, wendet J\u00e1nos\u2019 Leben zum Besseren: Er wird Bibliothekar und kann sich ganz seinen Freunden, den B\u00fcchern widmen.<br \/>\nSchlie\u00dflich taucht Gaby auf, \u00fcber die man nur erf\u00e4hrt, dass sie die Lebensgewohnheiten der Familie st\u00e4ndig umkrempeln m\u00f6chte, dass sie unabl\u00e4ssig arbeitet und spart, wobei J\u00e1nos sich nicht einmal vorstellen kann. Durch \u201eZufall\u201c \u201ebegegnet\u201c er eines Tages einer sch\u00f6ne Uhr. Er wird zum Uhrensammler. Bewusst schafft er dieses Geheimnis und sieht in den Uhren seine Zeit laufen, weiterlaufen, ablaufen.<br \/>\nAls Gaby eines Tages entdeckt, dass er das gemeinsame Konto gepl\u00fcndert hat, sie aber nicht wei\u00df, wof\u00fcr, ist es endg\u00fcltig aus. Sie verschwindet.<br \/>\nJ\u00e1nos m\u00f6chte in die Fu\u00dfstapfen seines Vaters treten und einfach verschwinden.<br \/>\nMan merkt, dass er selbst gespannt darauf ist, wie das geschehen k\u00f6nnte. Deshalb w\u00fcrde der w\u00f6rtlich \u00fcbersetzte Titel: \u201eBald ist alles ein Geheimnis\u201c der umfangreichen Erz\u00e4hlung auch sicher gerechter, als \u201eInsgeheim\u201c.<br \/>\nDas Buch ist zugleich die Auseinandersetzung eines Sohnes und Ehemannes zwischen zwei Frauen, Mutter und Ehefrau. In welchem Verh\u00e4ltnis stehen sie zueinander &#8211; was versteht ein jeder unter der Liebe und wie geht er damit um.<br \/>\nAlle hier auftretenden Personen werden \u201einsgeheim\u201c befragt, wie sie es mit der Liebe halten, was sie unter diesem Begriff verstehen. Die Antworten fallen teils ernsthaft, teils spielerisch-ironisch aus.<br \/>\nFast am Rande bekommt der Leser einen Eindruck vom Leben im Ungarn der 60er bis 90er Jahre, denn selbst ein weltfremder B\u00fccherleser wird doch hin und wieder mit der realen Welt konfrontiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erz\u00e4hlung Aus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3 Verlag Wieser, 2007; ISBN: 978-3-85129-684-6 Originaltitel: Lassan minden titok, 2002 Bezug: Buchhandel Preis: Euro 21.00 Ein ungef\u00e4hr 40j\u00e4hriger Bibliothekar l\u00e4sst sein Leben von der Kindheit in den 60ern bis \u201eheute\u201c, in den 90ern, &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=583\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[144],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/583"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=583"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2407,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/583\/revisions\/2407"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}