{"id":565,"date":"2011-12-14T19:36:38","date_gmt":"2011-12-14T19:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=565"},"modified":"2012-05-18T20:57:07","modified_gmt":"2012-05-18T20:57:07","slug":"rezension-laszlo-krasznahorkai-im-norden-ein-berg-im-suden-ein-see-im-westen-wege-im-osten-ein-fluss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=565","title":{"rendered":"Rezension: Krasznahorkai, L\u00e1szl\u00f3 &#8211; &#8222;Im Norden ein Berg, im S\u00fcden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>aus dem Ungarischen: Christina Viragh<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/im_norden.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2383\" title=\"im_norden\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/im_norden.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"228\" \/><\/a><br \/>\nVerlag: Fischer Taschenbuch 2007<br \/>\nISBN: 978-3-596-17243-6<br \/>\nOriginaltitel: \u00c9szakr\u0151l hegy, d\u00e9lr\u0151l t\u00f3, nyugatr\u00f3l utak, keletr\u0151l foly\u00f3<br \/>\nBezug: Buchhandel<\/em><\/p>\n<p>Schon der Titel gibt Auskunft dar\u00fcber, wie das ideale buddhistische Kloster angelegt sein muss.<br \/>\nPoetisch und melancholisch f\u00fchrt der Autor den Leser mit dem \u201eEnkel des Prinzen Genji\u201c in ein ber\u00fchmtes Kloster nahe Kyoto, kongenial \u00fcbersetzt von Christina Viragh.<br \/>\nDieser steigt aus einem Vorortzug aus, geht durch einen seltsam menschenleeren Ort, steigt zum menschenleeren Kloster auf, kommt zu einem m\u00e4chtigen Gingkobaum. Nur Pflanzen gibt es dort und Tiere, sterbende, die sich zur Ruhe des Klosters geschleppt haben. Der Enkel des Prinzen Genji sucht nach dem allersch\u00f6nsten Garten, der im Kloster verborgen sein soll; seine ganze Sehnsucht ist darauf gerichtet \u2013 und er geht achtlos an ihm vor\u00fcber.<br \/>\nDoch, wie er mit ihm die Hallen durchschreitet, verfolgt der Leser den Aufbau des Klosters, seine Heiligt\u00fcmer, seine Geb\u00e4ude, die alle so \u201enat\u00fcrlich\u201c wirken, in Wirklichkeit aber genau geplant sind. Alles wurde bedacht, das Wachsen der St\u00e4mme, die zum Bau gebraucht wurden, das Schnitzen der Figuren, den der \u201emiesen Welt\u201c abgewandten Buddha. Selbst der verborgene Garten ist so angelegt, dass aus der scheinbaren Zuf\u00e4lligkeit von alters her ein Plan bestand, ihn mit seinem schimmernden Moospolster und den acht wundersch\u00f6nen Hinokizypressen genau so \u2013 und nicht anders \u2013 entstehen zu lassen.<br \/>\nZeit der Ruhe und Gelassenheit str\u00f6mt dieses Kloster aus; es steht schon seit 1000 Jahren so da, braucht die Menschen nicht, \u00fcberdauert alles.<br \/>\nGanz am Rand, quasi aus den Augenwinkeln nimmt der Leser die Hektik und Verr\u00fccktheit der Welt wahr: die chaotischen Privatr\u00e4ume des Abtes, in denen ein Buch aufgeschlagen liegt mit dem Titel \u201eDas Unendliche, ein Irrtum\u201c, ein Buch das einem die Lust auf die \u201ereale Welt\u201c nehmen muss, ebenso wie die Eskorte des Prinzen, die ihn sucht, aber so betrunken ist, dass sie gar nicht mehr wei\u00df, was eigentlich ihre Aufgabe ist.<br \/>\nUnd eigentlich ist ja auch der Enkel des Prinzen Genji ein Legende, denn, so hei\u00dft es einmal im Text, schon seit 200 Jahren sucht er diesen Garten \u2013 und findet ihn nicht. Auch der Zug h\u00e4lt zum Schluss wieder an der verlassenen Bahnstation \u2013 und niemand steigt aus \u2013 niemand steigt ein&#8230;<br \/>\nDas Buch mutet uns an wie Musik aus einer anderen Welt, l\u00e4dt ein, darin zu verweilen, in der vollkommenen, von aller Hektik abgeschiedenen Ruhe eines Klosters, das der Menschen gar nicht bedarf \u2013 nachdem es vor 1000 Jahren einmal so vollkommen aufgebaut worden war&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>aus dem Ungarischen: Christina Viragh Verlag: Fischer Taschenbuch 2007 ISBN: 978-3-596-17243-6 Originaltitel: \u00c9szakr\u0151l hegy, d\u00e9lr\u0151l t\u00f3, nyugatr\u00f3l utak, keletr\u0151l foly\u00f3 Bezug: Buchhandel Schon der Titel gibt Auskunft dar\u00fcber, wie das ideale buddhistische Kloster angelegt sein muss. 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