{"id":514,"date":"2011-12-06T19:51:36","date_gmt":"2011-12-06T19:51:36","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=514"},"modified":"2012-05-18T20:48:23","modified_gmt":"2012-05-18T20:48:23","slug":"rezension-p-howard-alias-jeno-reich-spater-jeno-rejto-ein-seemann-und-ein-gentleman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=514","title":{"rendered":"Rezension: Howard, P. (alias Jen\u0151 Reich, sp\u00e4ter Jen\u0151 Rejt\u0151) &#8211; &#8222;Ein Seemann und ein Gentleman&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/ein_seemann1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2360\" title=\"ein_seemann1\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/ein_seemann1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"242\" \/><\/a><br \/>\nAus dem Ungarischen von Vilmos Csernohorszky jr.<br \/>\nVerlag: Elfenbein, 2008 ISBN: 978-3-932245-93-0<br \/>\nOriginaltitel: Az elveszett cirk\u00e1l\u00f3, 1938<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro 22.00<\/em><\/p>\n<p>Alle Zutaten f\u00fcr einen turbulenten Kriminal- und Abenteuer- Roman sind vorhanden.<br \/>\nDen Hintergrund bildet das m\u00e4chtige englische Kolonialreich, bedacht auf Ehre und Treue seiner Untertanen in aller Welt.<br \/>\nOberstes Gebot, alles, was seinem Ansehen schaden k\u00f6nnte, muss unbedingt verheimlicht werden. So auch diese Geschichte, \u00fcber die, w\u00fcrde sie aufkommen, die \u00fcbrige Welt bis in alle Ewigkeit lachte. Behauptet der Autor &#8211; und tischt sie uns auf:<br \/>\nEin edler junger Mann begibt sich auf die Suche nach seinem verschollenen Bruder, der unschuldig als M\u00f6rder an seiner Geliebten verfolgt wird. Mit Hilfe einiger knorriger, in die Unterwelt abgerutschter Gestalten, denen Leben und Tod wenig gilt, begibt er sich auf die Suche. Es wird viel gerauft, gestochen und erdolcht, doch sie haben das Herz am rechten Fleck. Deshalb kann auch zum Schluss das Gute siegen. Obendrein gibt\u2019s noch eine zarte Love-story.<br \/>\nDer Autor versteht es stilsicher, den Leser mitsamt seinen Helden vergn\u00fcglich und augenzwinkernd auf den Weiten des Ozeans durch Zyklone und Nebel zu schippern, in \u00e4u\u00dferst verzwickten und lebensbedrohlichen Situationen fast alleine zu lassen, dabei sarkastische Seitenhiebe auf jenes \u00fcbertriebene Ehrgef\u00fchl des British Empire auszuteilen. Die Helden haben nicht nur Gl\u00fcck, sie sind auch mit einer geh\u00f6rigen Portion Schlauheit ausger\u00fcstet. Ihnen ist nichts Menschliches fremd \u2013 und erst recht nichts Unmenschliches. Auch der junge Mann lernt, wie es im wirklichen Leben zugehen kann \u2013 die Ganoven wenden sich, wenn auch nur vorl\u00e4ufig, einem redlicheren Leben zu \u2013 so lange, bis die Langeweile sie dem n\u00e4chsten Abenteuer zutreibt.<\/p>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre ist waches Mitdenken des Lesers unbedingt erforderlich; denn es<br \/>\ngibt nicht nur seltsame Vereinigungen wie die \u201eTischgesellschaft der Scharfrichter\u201c, deren Kassenwart ein Mann mit dem sprechenden Namen \u201eKrokodil\u201c ist, sondern auch gen\u00fcgend Verwicklungen, Missverst\u00e4ndnisse und sprachliche Turbulenzen. Ein gro\u00dfes Lob auch dem \u00dcbersetzer: Sicher ist es nicht einfach, die ungarische Umgangssprache so am\u00fcsant umzusetzen.<\/p>\n<p>Die Story:<br \/>\nIm Hafen von Pir\u00e4us sucht ein junger Mann, ein richtiges Milchgesicht, nach seinem verschollenen Bruder, Thomas Leven, der zwei Jahre vor diesem Abenteuer noch Kapit\u00e4n im Generalstab der englischen Marine war. Tom hat eine wichtige Erfindung gemacht, von der er nur seiner Geliebten erz\u00e4hlte. Als er merkt, dass sie ihn hintergeht, stellt er sie zu Rede, kurz darauf wird sie erstochen aufgefunden, der Kapit\u00e4n des Mordes verd\u00e4chtigt. Er flieht, die Erfindung beansprucht ein anderer Offizier.<br \/>\nDer j\u00fcngere Bruder macht sich auf die Suche nach ihm, und da die Erfindung der Kriegsindustrie Englands zugute kommen k\u00f6nnte, wird ihm ein Schutzpass f\u00fcr Tom ausgestellt, au\u00dferdem 50 000 Pfund versprochen, wenn er in England seine Erfindung zum Laufen bringt. Der Fl\u00fcchtige ist angeblich in die Fremdenlegion in Burma abgetaucht. Rostig, ein junger Herumtreiber, rettet das Milchgesicht im Hafen aus den Klauen der Unterwelt, f\u00fchlt sich schnell als sein Besch\u00fctzer und nennt ihn fortan \u201eBubi\u201c. Zusammen suchen sie Rat bei verschiedenen \u201eGremien\u201c der selbsternannten Gesellschaften und Einzelg\u00e4nger. Mit k\u00f6stlichem Humor schildert Howard die einzelnen Charaktere der heruntergekommenen Helden. Ein F\u00e4lscher stattet sie mit neuer Identit\u00e4t aus. Mit dem ehemaligen Fregattenkapit\u00e4n Fred Unrat und anderen zwielichtigen Gestalten gr\u00fcnden sie eine Aktiengesellschaft, deren Ziel es ist, Tom nach London zu bringen um die H\u00e4lfte des Preisgeldes zu kassieren. Zu viert fahren sie auf einem Luxusdampfer, Bubi als Erd\u00f6lingenieur, Rostig als Spezialist f\u00fcr Schlafkrankheiten. Mit auf dem Schiff reist auch der junge Earl of Sudessex in Gesellschaft des englischen Hauptmanns Bradford. Die beiden Freunde m\u00fcssen sehr aufpassen, alle neugierigen Fragen zu parieren, um sich nicht verd\u00e4chtig zu machen. Zuf\u00e4llig belauscht Rostig ein Gespr\u00e4ch, in dem der Name Tom Leven f\u00e4llt. Neugierig geworden erf\u00e4hrt er, dass in Burma ein Krieg angezettelt werden soll, an dem nicht nur aufst\u00e4ndische Einheimische mit einem General Kwang, Waffen schmuggelnde Japaner und Amerikaner, sondern auch Soldaten der Kolonialm\u00e4chte Frankreich und England beteiligt sein w\u00fcrden. Im n\u00e4chsten Hafen, Colombo, muss Rostig seinen jungen Freund wieder aus allerhand Gefahren retten und macht dabei eine best\u00fcrzende Entdeckung: Bubi ist ein M\u00e4dchen, die Schwester des fl\u00fcchtigen Tom. Um diesen aus den F\u00e4ngen der Fremdenlegion zu befreien, muss ein Schiff her! Da \u201ebietet\u201c sich ein menschenleerer Panzerkreuzer, \u201eBalmoral\u201c, an, dessen Besatzung unter Quarant\u00e4ne steht. Mit einer Mannschaft von 20 ehemaligen Matrosen und weiteren drei Freunden k\u00f6nnen sie entkommen, als ein Zyklon ihre Verfolger aufh\u00e4lt. In dieser Situation fangen sie das SOS eines sinkenden Schiffes auf, beschlie\u00dfen die Menschen zu retten, kommen aber zu sp\u00e4t. Ein einsames Rettungsboot ist, wie sich herausstellt, von der \u201eRadzeer\u201c \u00fcbrig geblieben, mit dem Earl of Sudessex und Hauptmann Bradford. Rostig hat einen gro\u00dfartigen Plan: Sie nehmen die Beiden gefangen, \u00fcbermalen den Namen ihres Schiffes mit \u201eRadzeer\u201c und k\u00f6nnen fortan in allen Meldungen angeben, dass sich das Kriegsschiff \u201eRadzeer\u201c Kalkutta n\u00e4hert. Die Mannschaft erinnert sich an ihre besseren Zeiten und macht ab sofort den Eindruck gehorsamer disziplinierter Marinesoldaten, Rostig und Bubi nehmen die Stellung von Earl und Hauptmann ein.<br \/>\nAls Rostig seinen Gefangenen die ganze Geschichte erz\u00e4hlt, behauptet Bradford, der M\u00f6rder und Erfindungsrivale zu sein, was ihm aber niemand abnimmt. In den H\u00e4fen von Rangun und Mandalay wird das Kriegsschiff von der franz\u00f6sischen Garnison mit milit\u00e4rischen Ehren empfangen. Bei den Beratungen um die Waffenlieferungen geben sich die zwei Hochstapler ganz geschickt und nonchalant, kommen auch auf den Fall Tom Leven zu sprechen, an dessen Erfindung die Franzosen genauso interessiert sind. Der Fall Kwang liegt schwieriger. Tapfer vertritt Bubi den wirklichen Standpunkt des Earl und setzt sich f\u00fcr Verhandlungen am Runden Tisch ein. Da taucht der echte Earl auf, dem es gelungen war, sich zu befreien. Rostig trumpft aber weiter auf, denn er sp\u00fcrt, dass man sie beide nicht so leicht enttarnen k\u00f6nnte; denn dies w\u00fcrde eine gro\u00dfe Blamage f\u00fcr ganz England sein. Bubi ist trotz aller Gefahren wild entschlossen, den Bruder zu suchen. Sie l\u00e4sst sich mit Rostig und einem weiteren Begleiter an Land setzen. Dem eilig davondampfenden \u201eRadzeer\u201c gelingt es wieder, alle Verfolger abzusch\u00fctteln. Dem eilig davondampfenden \u201eRadzeer\u201c gelingt es wieder, alle Verfolger abzusch\u00fctteln. Die drei Freunde beschlie\u00dfen ihr T\u00e4uschungsman\u00f6ver weiterzuspielen, bis Rostig gefangen wird. General Kwang l\u00f6st endlich alle Verknotungen. Den Schluss m\u00f6chte ich hier nicht preisgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Vilmos Csernohorszky jr. Verlag: Elfenbein, 2008 ISBN: 978-3-932245-93-0 Originaltitel: Az elveszett cirk\u00e1l\u00f3, 1938 Bezug: Buchhandel Preis: Euro 22.00 Alle Zutaten f\u00fcr einen turbulenten Kriminal- und Abenteuer- Roman sind vorhanden. 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