{"id":503,"date":"2011-12-06T19:32:34","date_gmt":"2011-12-06T19:32:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=503"},"modified":"2012-05-18T20:40:34","modified_gmt":"2012-05-18T20:40:34","slug":"rezension-benito-von-gruenau-ein-paradies-fur-kurze-ewigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=503","title":{"rendered":"Rezension: Gruenau, Benito von &#8211; &#8222;Ein Paradies f\u00fcr kurze Ewigkeiten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<\/em><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/ein_paradies.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2348\" title=\"ein_paradies\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/ein_paradies.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"218\" \/><\/a><br \/>\n<em> Bearbeitet von Michael Zuch<\/em><br \/>\n<em> Verlag Hunnia UG, 2010<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-00-032639-4<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel; Preis: 9,95 Euro<\/em><\/p>\n<p>Dieser Roman ist das erste Buch, das die Unternehmensgruppe Hunnia herausgibt, ein Versuch, unbekannte ungarische Autoren hierzulande bekannt zu machen. Ein gelungenes Unterfangen, wie ich meine:<br \/>\nDer Erz\u00e4hler Benito von Gruenau (Pseudonym) widmet den Roman seinem geliebten Gro\u00dfvater, der ihm viel aus der Zeit des 1. Weltkrieges erz\u00e4hlt hat. Doch auch viel Fantasie musste Gruenau zu Hilfe nehmen, was den Roman ungemein lebendig und farbig macht.<br \/>\nDie Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zur\u00fcck, als die Gegend um Poldiga\u00df (Boldogasszonyfa \u2013 N\u00e4he Plattensee) bis ins heutige Slawonien und Kroatien von den T\u00fcrken entv\u00f6lkert wurde. 200 Jahre sp\u00e4ter siedelt ein Baron Igm\u00e1ndy deutsche Siedler in Poldiga\u00df an, darunter einen j\u00fcdischen Schafhirten Ignaz Kern aus Kufstein. Die Kerns sind bald angesehene Leute im Dorf, sprechen ungarisch, sind assimiliert und so arm, dass sie niemandes Neid hervorrufen. Ihren Schafen, auf die sie so stolz sind, als w\u00e4ren es die eigenen, geht es weit besser im zweist\u00f6ckigen Stall mit bestem Futter, als ihnen in einem einzigen Wohnraum. Trotzdem ist Poldiga\u00df das Paradies f\u00fcr die Familie, alle sind gl\u00fccklich und zufrieden. 1913 heiratet der einzige Sohn \u00c1ron die Katholikin Anna. Sie leben beide als Au\u00dfenseiter der Gesellschaft: \u00c1ron als armer Jude, Anna, nicht h\u00fcbsch genug f\u00fcr die m\u00e4nnliche Dorfjugend, traurig und in sich verschlossen. Sie finden sich und lernen sich zu lieben. Ihr Sohn Sebastian wird am 27. Juli 1914 geboren, dem Tag, als \u00d6sterreich Serbien den Krieg erkl\u00e4rt. Fast unmerklich, aber dann immer schneller, beginnt sich das Paradies aufzul\u00f6sen.<br \/>\nZwei weitere Familien kommen ins Spiel: Die ungarische Familie Cipp\u00e1n, die in Slawonien lebt, zur Zeit des Kriegsausbruchs bereits vier Kinder hat. J\u00e1nos Cipp\u00e1n wird nicht eingezogen, aber sein Freund Karl Steinmacher, der sich sosehr in ein ungarisches M\u00e4dchen verliebt hat, dass er ungarisch lernt, sich K\u00e1roly nennt, um seine geliebte Rosi heiraten zu k\u00f6nnen. Gleich nach der Hochzeit muss er abmarschieren. Er verspricht seiner jungen Frau, bestimmt wieder zu ihr zur\u00fcck zu kommen.<br \/>\nDer Krieg bringt die drei Familien in Beziehung: K\u00e1roly und \u00c1ron lernen sich als Angeh\u00f6rige von Minderheiten in ihrer Kompanie kennen und werden Freunde. Familie Cipp\u00e1n nimmt sich der jungen Frau Rosi an. Der zweite Sohn der Cipp\u00e1ns, Joschka, ist der Gro\u00dfvater des Erz\u00e4hlers. So schlie\u00dft sich wieder ein Kreis.<br \/>\n\u00dcberhaupt \u2013 es schlie\u00dfen sich immer wieder Kreise in diesen Erz\u00e4hlungen, die das Leben der Daheimgebliebenen farbig und temperamentvoll schildern &#8211; und das Leben im Krieg von vielen Seiten beleuchten. Dabei werden keine grausamen Szenen geschildert, eher geht es um die \u00dcberlegungen von Treue und Verrat, von Moral und Vertrauen. Darum, dass niemand in seinem Schmerz um die Gefallenen ganz alleine und verlassen ist. K\u00e1roly und \u00c1ron treffen immer wieder auf Menschen, die hinter die Geschichte schauen, die sp\u00fcren und wissen, was gespielt wird. Nicht zuletzt steht \u00fcber allem die Liebe, um deretwillen die Helden viel auf sich nehmen: K\u00e1roly lernt z.B. ungarisch schreiben, um mit seiner Rosi in Kontakt bleiben zu k\u00f6nnen; daf\u00fcr bringt er \u00c1ron die deutsche Rechtschreibung bei, um Anna seine Feldpost schicken zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIn vielen spannenden Einzelheiten erz\u00e4hlt von Gruenau die Hintergr\u00fcnde des Krieges, f\u00fcgt alle relevanten historischen Gestalten, vom \u00f6sterreichischen Kaiser bis zu seinen Gener\u00e4len ein. Manche Kapitel lesen sich wie ein spannender Abenteuerroman, etwa als es darum geht, wie K\u00e1roly und \u00c1ron rechtzeitig einen Hinterhalt bemerken, in dem ihr General Arz gefangen genommen werden soll.<br \/>\nMit z\u00e4rtlichem Humor beschreibt er die einfachen, die kleinen Leute, die jedem Leser gleich ans Herz wachsen \u2013 und mit grimmiger, ja sarkastischer Ironie die Gro\u00dfen der Geschichte, die den Krieg \u00fcber ihre V\u00f6lker gebracht haben, ebenso wie die Feinde Ungarns, besonders die Rum\u00e4nen.<br \/>\nDem aufmerksamen Leser entgeht nicht, dass es immer wieder Parallelen gibt zwischen den Kapiteln, die im Paradies der Protagonisten spielen, einem Paradies, in das auch schlechte Gewohnheiten und Hinterlist Einzug halten, und den verschiedenen Kriegsschaupl\u00e4tzen von Rum\u00e4nien \u00fcber Baden bei Wien bis nach Italien, zu den Isonzoschlachten.<br \/>\nEin Epilog bezeugt, dass die Paradiese endg\u00fcltig zerbrochen sind, dass sich aber die drei Familien mit ihrer Liebe und ihren Erfahrungen sicher wieder ein neues, wenn auch nur ganz kleines pers\u00f6nliches Paradies schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Bearbeitet von Michael Zuch Verlag Hunnia UG, 2010 ISBN: 978-3-00-032639-4 Bezug: Buchhandel; Preis: 9,95 Euro Dieser Roman ist das erste Buch, das die Unternehmensgruppe Hunnia herausgibt, ein Versuch, unbekannte ungarische Autoren hierzulande bekannt zu machen. 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