{"id":495,"date":"2011-12-06T19:26:29","date_gmt":"2011-12-06T19:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=495"},"modified":"2012-05-18T20:37:46","modified_gmt":"2012-05-18T20:37:46","slug":"rezension-geza-gardonyi-idas-scheinehe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=495","title":{"rendered":"Rezension: G\u00e1rdonyi, G\u00e9za &#8211; &#8222;Idas Scheinehe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/idas_scheinehe.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2341\" title=\"idas_scheinehe\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/idas_scheinehe.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"243\" \/><\/a><br \/>\nAus dem Ungarischen von Clemens Prinz<br \/>\nVerlag: Kortina, 2008; ISBN: 978-3-9502315-5-7<br \/>\nOriginaltitel: Ida reg\u00e9nye<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro 19.90<\/em><\/p>\n<p>Der junge Maler Csaba Balogh \u00fcberl\u00e4sst seiner Schwester Jol\u00e1n nach dem Tod der Eltern sein Erbe. Er hofft, von den Zinsen des Gutes weiterstudieren \u2013 und ein ber\u00fchmter und f\u00e4higer Maler werden zu k\u00f6nnen. Doch es kommt anders. Jol\u00e1n heiratet den Sekret\u00e4r des Dorfnotars, der sich als notorischer Spieler entpuppt und mit seinen Schulden die Familie dem Abgrund zutreibt. Csaba \u00fcberl\u00e4sst der Schwester alles, was er hat, ist v\u00f6llig mittellos und muss sich als Zeitungsschreiber durchs Leben schlagen. Als ihn die Nachricht erreicht, dass das Gut gepf\u00e4ndet wird, wenn nicht binnen kurzer Zeit die Spielschulden des Schwagers bezahlt seien, erf\u00e4hrt er von einem kuriosen Inserat, in dem ein Vater f\u00fcr seine Tochter einen Ehemann sucht und 300 000 Kronen in bar als Mitgift bietet. Csaba ringt lange mit sich, doch in seiner Verzweiflung antwortet er schlie\u00dflich auf die Annonce. Einige Zeit sp\u00e4ter macht sich P\u00e9ter \u00d3, der Vater, Weingro\u00dfh\u00e4ndler in Budapest, mit ihm bekannt, r\u00e4umt alle Bedenken aus, dass seine Tochter etwa alt, h\u00e4sslich oder krank sein k\u00f6nne und m\u00f6chte nur so bald als m\u00f6glich die Hochzeit anberaumen.<br \/>\nUnterdessen erf\u00e4hrt der Leser von Kindheit und Jugend der jungen 19j\u00e4hrigen Ida.<br \/>\nDer lebenslustige Vater, der gern mit dem weiblichen Geschlecht anbandelt, wollte die Tochter nach dem Tod seiner Frau so bald als m\u00f6glich loswerden und steckte sie in ein Klosterinternat. Dort verbringt Ida ihre gesamte Jungm\u00e4dchenzeit. Nicht einmal zu den Ferien oder Feiertagen holt der Vater sie heim. Ida lernt gut, doch nichts, was man im t\u00e4glichen Leben praktisch anwenden k\u00f6nnte. In den Augen der Nonnen ist alles verwerflich, was sich nicht direkt mit Religion und Glauben besch\u00e4ftigt \u2013 und so werden die M\u00e4dchen v\u00f6llig ahnungslos und unaufgekl\u00e4rt aufgezogen. Von den externen Mitsch\u00fclerinnen erfahren die staunenden Klosterz\u00f6glinge zwar so manch \u201eaufregendes\u201c Geheimnis, doch f\u00fcrs wirkliche Leben n\u00fctzt ihnen das nichts. G\u00e1rdonyi l\u00e4sst sich im Laufe seiner Erz\u00e4hlung mit k\u00f6stlichem Spott und manchmal sarkastischer Ironie dar\u00fcber aus. Als Ida ihr Abitur gemacht hat, h\u00e4tte der Vater sie gern ganz im Kloster gelassen, doch Ida ist ein mutiges und willensstarkes M\u00e4dchen. Als Hilfslehrerin sch\u00fctzt sie eine Sch\u00fclerin, bei der ein Liebesbrief gefunden wird, beide fliegen aus dem Kloster. Endlich ist Ida aus diesem Gef\u00e4ngnis erl\u00f6st. Das hatte sie sich schon immer gew\u00fcnscht: Die Freiheit! Im Haus des Vaters sp\u00fcrt sie jedoch, dass sie unerw\u00fcnscht ist, glaubt, dass der Vater, von dessen Lebemann-Leben sie nichts ahnt, sich von der leichtlebigen Tochter ihrer ehemaligen Amme einwickeln l\u00e4sst, merkt, dass er sie loswerden will. Mit dem Geld, das der Vater ihr anbietet, kann sie nichts anfangen. Eine kleine Freiheit g\u00f6nnt sie sich; sie liest Zeitung, kauft B\u00fccher, die sie im Kloster nicht lesen durfte und entdeckt so eines Tages, dass in der Rubrik Heiratsanzeigen eine Annonce ausgeschnitten ist. Sie geht der Sache auf den Grund, l\u00e4sst sich eine neue Zeitung besorgen und liest darin, dass ihr eigener Vater sie gegen Mitgift anbietet. Am liebsten h\u00e4tte sie sich umgebracht vor Scham! Irgendwann beschlie\u00dft sie, sich in ihr Schicksal zu ergeben, eine gehorsame Tochter und Ehefrau zu sein. Haupts\u00e4chlich aber will sie weg von zu Hause. Sie besorgt sich B\u00fccher: \u201eDas Gesetzbuch zur Ehe\u201c und \u201eSammlung interessanter Scheidungsf\u00e4lle\u201c. So gewappnet kommt der schicksalsschwere Tag, an dem sie dem v\u00f6llig unbekannten Br\u00e4utigam vorgestellt wird: \u201eHerr Csaba Balogh\u201c, sagt der Vater \u201eDein Ehemann. Morgen Nachmittag heiratet ihr\u201c. Auch Csaba ist wie vor den Kopf gesto\u00dfen, versucht die Situation etwas abzumildern. Beide sind stolz bis zur Sturheit, wollen ihre Verletzungen nicht zeigen und nun beginnt eine Reihe von Missverst\u00e4ndnissen, die den Leser von heute immer wieder schmunzeln l\u00e4sst: Csaba wei\u00df nicht, dass Ida ohne gefragt worden zu sein, verheiratet wird, Ida wei\u00df nicht, dass Csaba aus Not heiratet, um seiner Schwester zu helfen. Csaba denkt, sie habe sich etwas zu Schulden kommen lassen und w\u00fcrde deshalb verheiratet, Ida glaubt, dass er nur ein gemeiner Mitgiftj\u00e4ger sei. Immerhin l\u00e4sst sie ihn schw\u00f6ren, dass er sie im privaten Bereich nicht anr\u00fchren w\u00fcrde, dass er sich nach einem Jahr wieder von ihr scheiden lie\u00dfe; denn Bedingung des Vaters ist, dass sie ein Jahr zusammen bleiben \u2013 und dass sie im Gegenzug in der \u00d6ffentlichkeit die liebende Ehefrau spielen w\u00fcrde.<br \/>\nCsaba kann es oft nicht fassen, dass Ida von nichts eine Ahnung hat, doch sie lernt schnell und begierig. Sie gibt sich unnahbar und arbeitet nur darauf hin, m\u00f6glichst bald allein und selbstst\u00e4ndig ihr Leben meistern zu k\u00f6nnen, \u201eromantische Liebe nicht ausgeschlossen\u201c. Die Hochzeitsreise geht nach M\u00fcnchen zu den Malerfreunden. Hier lernt Ida schon ein wenig vom sorgenvollen, aber auch fr\u00f6hlichen Alltag derer kennen, die nicht so beh\u00fctet aufgewachsen sind wie sie. Sie lernt K\u00f6nner und Scharlatane kennen und mit ihnen das Wesen von wirklicher Kunst. Immer wieder einmal erh\u00e4lt Csaba Post aus Ungarn. Von einer Frau \u2013 Ida \u201efallen\u201c die Briefe in die Hand \u2013 und da sie nichts von der Schwester ahnt, meint sie nun, dass Csaba deswegen hinter ihrem Geld her war, damit er sich mit dieser Frau sp\u00e4ter verheiraten k\u00f6nne. Doch Csaba stellt immer wieder seine Lauterkeit und seinen Edelmut unter Beweis. Auch er wird eifers\u00fcchtig auf einen jungen Malerkollegen, der Ida den Hof macht \u2013 und als er sich schlie\u00dflich mit seinem Freund duellieren will, Ida davon erf\u00e4hrt und versucht die Sache zu vereiteln, da erkennen Beide, dass sie sich in diesem Jahr lieb gewonnen haben und noch einmal von vorne beginnen wollen, als richtige Eheleute.<br \/>\nNat\u00fcrlich ahnt und wei\u00df der Leser sehr bald, worauf diese Geschichte hinaus laufen muss, doch es ist ein herrlicher Lesespa\u00df, wie G\u00e1rdonyi die Beiden immer wieder auflaufen l\u00e4sst in ihren Vorstellungen von Liebe und Leben. Liebe, das kann f\u00fcr sie in einer erzwungenen Heirat doch gar nicht in Frage kommen! Den Roman kann man auch als Entwicklungsroman lesen, eine Entwicklung, die Beide durchmachen: Ida entwickelt sich vom ahnungslosen romantischen und \u00fcberempfindlichen Backfisch zur selbst\u00e4ndigen Frau \u2013 und Csaba von einem jungen Mann, der nur seine Maximen gelten lie\u00df zu einem reifen Maler, der R\u00fccksicht zu nehmen lernt, der sich in einen anderen hineinversetzen kann, der auch anerkennt, dass ihm die unbekannte Ida als Muse und Frau unentbehrlich geworden ist. Die Geschichte der Beiden f\u00e4ngt da an, wo die meisten Romane des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts endeten: Mit dem Anderen das Zusammenleben lernen, sich in der Not beistehen, den Anderen nicht im Stich lassen. G\u00e1rdonyi macht sich immer wieder liebevoll-ironisch \u00fcber die beiden Liebenden, die das so gar nicht sein wollen, lustig. Um mit anderen Rezensenten zu sprechen, ein richtig sch\u00f6ner Schm\u00f6ker, der sicher vielen Lesern Vergn\u00fcgen bereiten wird, besonders auch durch die sch\u00f6ne einf\u00fchlsame \u00dcbersetzung von Clemens Prinz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Clemens Prinz Verlag: Kortina, 2008; ISBN: 978-3-9502315-5-7 Originaltitel: Ida reg\u00e9nye Bezug: Buchhandel Preis: Euro 19.90 Der junge Maler Csaba Balogh \u00fcberl\u00e4sst seiner Schwester Jol\u00e1n nach dem Tod der Eltern sein Erbe. 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