{"id":4675,"date":"2019-01-07T10:47:12","date_gmt":"2019-01-07T10:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4675"},"modified":"2019-01-10T12:16:15","modified_gmt":"2019-01-10T12:16:15","slug":"andor-endre-gelleri-stromern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4675","title":{"rendered":"Rezension: Andor Endre Gell\u00e9ri: Stromern"},"content":{"rendered":"<h5>Novellen<br \/>\nAus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3<br \/>\nVerlag: Guggolz Berlin, 2018<br \/>\nISBN: 978-3-945370-18-6<br \/>\nOriginaltitel: \u00d6sszegy\u0171jt\u00f6tt novell\u00e1i, 1964<br \/>\nBezug: Buchhandel; Preis: 24,00 Euro<\/h5>\n<p><em>von Gudrun Brzoska<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/cover_Gell\u00e9ri-Stromern.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4676\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/cover_Gell\u00e9ri-Stromern-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/cover_Gell\u00e9ri-Stromern-184x300.jpg 184w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/cover_Gell\u00e9ri-Stromern.jpg 471w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eMein lieber Herr, schlie\u00dflich sind wir nicht zur Welt gekommen, um Menschen zu sein.\u201c (Der Lastarbeiter)<br \/>\nNur zu gut sind sie ihm bekannt, die N\u00f6te, die Existenzsorgen der kleinen Leute, der H\u00e4usler, der Handwerker, der arbeitslosen B\u00fcroangestellten, der Wasch- und B\u00fc-gelm\u00e4dchen. Andor Endre Gell\u00e9ri war selbst Zeit seines kurzen Lebens oft genug einer von ihnen: arbeitslos, schlecht bezahlt, ein Arbeitssklave. Auch die andere Seite kennt er nur zu gut, die Arbeitgeber, auf der Suche nach billiger Arbeitskraft. Sie behandeln die Menschen von oben herab, haben gar keine Ahnung von ihrem miesen Leben. Doch hin und wieder trifft die Arbeitslosigkeit auch solch einen ehemaligen \u201eHerrn\u201c.<br \/>\nGell\u00e9ri musste nur beobachten und sich manchmal ein wenig dar\u00fcber hinaus tr\u00e4u-men. Kosztol\u00e1nyi schrieb bereits \u00fcber seine Erz\u00e4hlungen als \u201efeenhaftem Realis-mus\u201c. Auf der einen Seite die raue, oft grausame Arbeitswelt, auf der anderen Seite das M\u00e4rchenhafte, manchmal fast \u00dcberirdische. Nicht nur der Kampf ums \u00dcberle-ben, sondern auch die Sehnsucht nach Sch\u00f6nheit und W\u00fcrde pr\u00e4gt viele seiner Gestalten und Erz\u00e4hlungen. Fast alle Protagonisten sind Pers\u00f6nlichkeiten mit ei-nem Namen. Die anderen sind \u201eMenschen, Leute, ein Herr, eine Dame, eine Gn\u00e4-dige usw. Gell\u00e9ri gibt seinen Helden ein Gesicht, ein Leben, Individualit\u00e4t, heraus-ragend aus einer Masse, die am Hungertuch nagt.<br \/>\nEr springt gleich hinein in die Geschichte, ohne Vorrede, ohne Erkl\u00e4rung. Das Pub-likum, f\u00fcr welches er schrieb, kannte ohnehin die Zust\u00e4nde, selbst dem heutigen Leser sind die Umst\u00e4nde pr\u00e4sent: Es herrschte, wie \u00fcberall auf der Welt, eine tief-greifende Weltwirtschaftskrise. Ungarn hatte es besonders hart getroffen: Der verlo-rene 1. Weltkrieg, der Friedensschluss von Trianon, der ihm 2\/3 seines Gebietes nahm, die Umstellung von der Monarchie in eine Republik hatte auch die Umstel-lung der gesamten wirtschaftlichen Situation zur Folge. Lebensbedrohlich wird die Situation f\u00fcr die Menschen vor allem im Winter. Da m\u00fcssen auch die Obdachlosen ein trockenes Pl\u00e4tzchen finden In fast allen Erz\u00e4hlungen k\u00fcndigt sich der Herbst an, ist es kalt, f\u00e4llt Regen oder Schnee.<br \/>\nGell\u00e9ri, in Budapest geboren, damals an den Randgebieten noch in viele kleinere Orte zerfleddert, beobachtet die Menschen in seiner eigenen Umgebung; sein \u201eSchauplatz ist Mitteleuropa. genauer gesagt: eine der Gro\u00dfst\u00e4dte, die mit B anfan-gen. Es gibt viele W\u00f6rter, die mit B anfangen: Beh\u00f6rde! Bodenrecht! Best\u00e4ndigkeit! Beherztheit! Betr\u00fcbnis und Bangigkeit!\u201c.(B) Er kommt aus einem kleinb\u00fcrgerlichen Elternhaus, sein Vater als Schlosser nach Zeiten der Selbst\u00e4ndigkeit arbeitslos, die Beziehungen zwischen den Eltern oft gespannt, der Vater ein Fremder, den er gleichzeitig bewundert, wie man in den autobiografisch gef\u00e4rbten Texten lesen kann. Auch er als Sohn ist gezwungen, nach vielen arbeitslosen Wochen allerlei Arbeiten anzunehmen, obwohl er doch so viel lieber schreiben w\u00fcrde. Meist bleibt ihm nur wenig Zeit, die Abendstunden nach einem harten Arbeitstag. Kaum eine seiner Novellen ist l\u00e4nger als zehn Seiten, manche viel k\u00fcrzer. Seine ungef\u00e4hr 100 Erz\u00e4hlungen wurden zu seinen Lebzeiten in verschiedenen Zeitungen und Zeit-schriften publiziert, 31 davon &#8211; nicht chronologisch geordnet &#8211; sind in diesem Buch versammelt: Kein Wort ist zu viel, kurz und pr\u00e4gnant, dabei dichterisch und \u00fcber das Allt\u00e4gliche hinausleuchtend.<br \/>\nEs ist die besondere \u201eGell\u00e9ri-Sprache\u201c, bildhaft und voll anmutiger Poesie, die den Leser so fasziniert, wenn er Situationen und Menschen beschreibt, dass es einem ganz \u201ebange ums Herz\u201c wird, die bei aller Tr\u00fcbsal den Wunsch nach Sch\u00f6nheit und Menschenw\u00fcrde haben. Dazu muss auch sofort bemerkt werden, dass Timea Tank\u00f3 diese Erz\u00e4hlungen in ein so wunderbar frisches und farbiges Deutsch \u00fcber-tragen hat, wie man es heute nur noch selten lesen kann. Ein Nachwort von Gy\u00f6rgy Dalos zu Gell\u00e9ri und seiner Zeit rundet den Band ab.<br \/>\nGleich in der ersten Erz\u00e4hlung Der Webergeselle (S. 5) erfahren wir, was es hei\u00dft, ein Handwerker zu sein, der seine Arbeit versteht und liebt \u2013 wenn er eine Arbeit hat. Wir erfahren, dass die Handwerker, die eine Weberei aufbauen und einrichten sollen, alle schon seit geraumer Zeit arbeitslos waren, bis zwei Unternehmer sie ge-dungen haben. \u201e&gt;Na&lt;, dachte sich der Webergeselle, &gt;der Blick der Herren ist so gut wie eine Unterschrift&lt;. Und er steckte den gemeinsamen Blick der beiden in die Ta-sche, als w\u00e4re es ein Wechsel.\u201c Sie sind gl\u00fccklich, haben wieder die M\u00f6glichkeit zu arbeiten; auch wenn sie nur wenig verdienen, haben sie ihre Menschenw\u00fcrde zu-r\u00fcck.<br \/>\nIn den Geschichten Bei den Lieferern (S. 40) und Der Lastarbeiter (S. 124) nimmt Gell\u00e9ri noch einmal dieses Thema auf: Das Gl\u00fccksgef\u00fchl der Handwerker, die end-lich wieder eine Anstellung haben. Wie sie mit Feuereifer auch an die schwerste Arbeit gehen, wie sie trotz des kargen Lohns am Feierabend ihrer Freude freien Lauf lassen.<br \/>\nGell\u00e9ri vergisst nicht, was Trunkenheit und Aberglaube aus einem Menschen ma-chen k\u00f6nnen, was dem\u00fctige, \u00e4ngstliche Abh\u00e4ngigkeit und Entt\u00e4uschung bedeuten. Es ist das traurige Los der Abgeh\u00e4ngten, Betrogenen, Ungl\u00fccklichen, die sich in Trunkenheit fl\u00fcchten.<br \/>\nEr hat Kinder und Jugendliche genau beobachtet: Z.B. soll ein Sechzehnj\u00e4hriger endlich ein paar richtige Schuhe bekommen. Eine lange Hose hat er bereits. Er malt sich aus, wie er ab sofort auftreten, ins Erwachsenenleben eintauchen k\u00f6nnte. Aber ach, der Trunkenbold von Schuster hat die Schuhe zu klein gemacht. Der Traum ist aus! Liebevoll-ironisch beschreibt Gell\u00e9ri den weinenden Jungen, in des-sen Herz noch eine kleine Hoffnung geblieben ist, wider besseres Wissen. Der Tag, der so hochgemut begonnen hat, endet so prosaisch, als seine Eltern beschlie\u00dfen, f\u00fcr das gesparte Geld ein Ferkel zu kaufen. (Jugend S. 131).<br \/>\nAuch Auflehnung, ja Revolte gibt es unter den Arbeitern und Angestellten. Das Hilfslehrm\u00e4dchen Vera (Veras Tagebuch S. 102) hat die Nase voll: Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Weiszhaupt macht ihr das Leben schwer; immer hat er an ihr etwas auszusetzen. Da zerbricht ihr vor lauter Nervosit\u00e4t eine Caruso-Schallplatte. Weiszhaupt will ihr w\u00f6chentlich zwei Peng\u0151 von dem ohnehin schmalen Verdienst von sieben Peng\u0151 daf\u00fcr abziehen. Das M\u00e4dchen ger\u00e4t au\u00dfer sich, beschimpft ihn vor den Mitarbeitern und Kunden, schl\u00e4gt die Glast\u00fcr hinter sich zu. Jetzt ist sie erwerbslos, tr\u00e4umt aber davon T\u00e4nzerin zu werden. Vor dem Spiegel betrachtet sie sich zum ersten Mal im Leben nackt, hat einiges an sich auszusetzen, anderes findet sie passabel. Sie wird T\u00e4nzerin werden und vielleicht sogar einen Geliebten haben!<br \/>\nDrastischer f\u00e4llt die Revolte in der Erz\u00e4hlung Rausch (S. 144) aus, eine der drei Geschichten aus dem Zyklus \u201eStromern\u201c: Schwerstarbeit in einer F\u00e4rberei! Sch\u00f6n ist es, wenn die Angestellten Stoffe f\u00e4rben k\u00f6nnen, da zeigt sich ihre ganze Kunstfer-tigkeit; mit Freude gehen sie daran. Doch es wird ihnen auch gef\u00e4hrliche Arbeit aufgehalst, die zudem nicht genehmigt ist: Mit Benzin sollen sie Flecken entfernen. Gleichzeitig muss alles sch\u00f6n aussehen, in Ordnung sein, da ausl\u00e4ndische G\u00e4ste zur Besichtigung kommen. Die Arbeiter geraten im Benzindampf in einen solchen Rausch, dass sie ihren Chef packen, ihn mit allen m\u00f6glichen Farben anmalen und ihn dann in das Zimmer mit den G\u00e4sten sto\u00dfen. Sie wissen schon, dass sie sich nicht mehr blicken lassen d\u00fcrfen \u2013 und doch \u2013 wie sch\u00f6n war es, den Fettwanst so hilflos und gef\u00e4rbt zu sehen!<br \/>\nAuch die M\u00e4nner einer Ziegelei emp\u00f6ren sich (Fasching S. 171): Der Verwalter ist krank und deshalb gibt es schon seit drei Monaten keine Arbeit mehr, keine Kohle, kein Essen. Es ist Faschingszeit. Keiner kann sich mehr eine Maske zu kaufen leis-ten, und doch scheint es Kost\u00fcmierungen \u00fcberall zu geben \u2013 oder doch nicht? Eine Frau mit einem erfrorenen S\u00e4ugling auf einer Bank, ein Mann mit zerschossenem Kopf auf dem Eis, ein Greis an einem Baum h\u00e4ngend. Die hungernden und frie-renden M\u00e4nner geben dem Verwalter die Schuld an ihrem Elend: Sie wollen arbei-ten, doch er l\u00e4sst sie nicht \u2013 wegen seiner angeblichen Krankheit. So machen sie sich auf unter einem R\u00e4delsf\u00fchrer zu einem \u201eFaschingsumzug\u201c mit Tod, Henker, Engeln, einem Jesus und einem Sarg. Symbolisch wollen sie den hartherzigen Verwalter h\u00e4ngen. Irgendwie geraten sie dann auch in sein Krankenzimmer und sehen, wie todkrank der Mann in Wirklichkeit ist. Sie beginnen ihn zu tr\u00f6sten, ihm Mut zuzusprechen. Bedr\u00fcckt schleichen sie in ihre eigenen kalten Wohnungen. Dem Verwalter geht es noch schlechter als ihnen!<br \/>\nDie Arbeiter revoltieren, versteckt oder offen, aber es ist kein Hass in ihnen. Wut, auch Zorn \u2013 ja! \u2013 aber kein Hass.<br \/>\nPolitik interessiere ihn nicht, hat Gell\u00e9ri gesagt. In einer Erz\u00e4hlung nimmt er jedoch verschleiert den Justizmord an den beiden Juden S\u00e1ndor F\u00fcrst und Imre Sallai als kommunistische R\u00e4delsf\u00fchrer 1932 zum Thema: In Hinrichtung der Ukrainer (S. 53) sind es Ukrainer, die als Aufwiegler gegen die polnische Repression hingerich-tet werden sollen. Gell\u00e9ri schildert das vergiftete Klima zwischen einem ukraini-schen Vater, der, zu Wohlstand gekommen, ganz vergisst, dass er auch einer von ihnen ist \u2013 und dem Sohn, der zu denen h\u00e4lt, die Unterschriften gegen das Urteil sammeln.. Es ist ein Aufruf, diejenigen zu sch\u00fctzen, die sich in Diktaturen gegen Ungerechtigkeiten stemmen und weltweit solidarisch mit ihnen zu sein. (Parallelen zur Gegenwart d\u00fcrfen gezogen werden!)<br \/>\nEin Meisterwerk ist die Erz\u00e4hlung Haus im Gel\u00e4nde (S. 72). Der Kriegsveteran Pet-tersen war, bis er aus dem Krieg heimkehrte, ein angesehener Mann. Inzwischen ist er genauso arbeitslos wie viele andere. Als es Winter zu werden droht, sucht er sich auf einem verlassenen Gel\u00e4nde aus den zerbrochenen Ziegeln so viele heraus, dass er sich daraus eine H\u00fctte bauen kann. Er ist zufrieden, sogar gl\u00fccklich, als es ihm gelingt, einige Ger\u00e4tschaften auf dem M\u00fcllplatz zu finden, sich etwas zu erbet-teln oder gar zu klauen. Als dann noch das arbeitslose Dienstm\u00e4dchen Anna Un-terschlupf bei ihm bekommt, f\u00fchlen sie sich wie im Paradies. Das Leben kann so sch\u00f6n sein! Kurz bevor es richtig kalt wird, kommt der Eigent\u00fcmer vorbei und ver-treibt die Beiden mit Hilfe eines Polizisten. In wilder Wut zerst\u00f6rt der Besitzer die H\u00fctte mit allem Inventar. \u2013 \u201eGleichm\u00fctig f\u00fchrt der Polizist diese beiden Menschen ab, die vom Ende des Gel\u00e4ndes zur\u00fcckblicken wie Adam und Eva an der Pforte des Pa-radieses.\u201c<br \/>\nEine der anr\u00fchrendsten Novellen ist Ich m\u00f6chte Trompete spielen (S. 160). Es ist die erste ver\u00f6ffentlichte Erz\u00e4hlung, die in Az Est 1924 erschienen ist: Ein schwer Lungenkranker liegt im Sterben. Seine Frau \u00f6ffnet das Fenster: \u201eEine angenehme W\u00e4rme rutschte herein und umarmte das ganze Zimmer.\u201c Der Kranke sp\u00fcrt die Ver-\u00e4nderung, wird hoffnungsfroh, glaubt, bis zum Ende des Sommers wieder gesund zu werden; verspricht es seiner Frau. Es ist ihm fast wie fr\u00fcher. Gl\u00fccklich erinnern sich beide an die Vergangenheit. Der Mann f\u00fchlt sich sogar imstande wieder in sei-ne Trompete zu blasen, so wie er fr\u00fcher mit dicken Backen geblasen und die M\u00e4d-chen beeindruckt hatte. Er setzt die Trompete an, die ersten T\u00f6ne sind kl\u00e4glich, aber er will mit \u00dcbung schon wieder richtige herausbringen. Falls es der Arzt erlaubt, meint seine Frau. Da ist es pl\u00f6tzlich mit seiner Heiterkeit vorbei. Sie m\u00f6ge das Fens-ter schlie\u00dfen und die Trompete mitnehmen. \u201eEine traurige M\u00fcdigkeit huschte durchs Zimmer. Die Frau nahm das Tablett und die Trompete und ging mit feuchten Augen hinaus.\u201c<br \/>\nGanz anders die Geschichte, die wieder einen Aufbruch ins Leben bedeutet: Bitte-res Licht (S. 238), posthum erschienen, zeigt uns einen tiefen Melancholiker, den nichts mehr freut: \u201eEs war ein tiefgef\u00e4rbter, st\u00fcrmischer Abend.\u201c Am liebsten w\u00fcrde er sterben und sich um nichts mehr k\u00fcmmern m\u00fcssen, am wenigsten um sich selbst. Auf Umwegen kommt er schlie\u00dflich nach Hause. Schon am Gartentor h\u00f6rt er die Fl\u00f6te seiner Frau, die immer dann spielt, wenn sie gut f\u00fcr ihn gekocht hat. Da jubelt er innerlich: Leben!! Und er sp\u00fcrt, dass das der wahre Ton war, sein wahrer Wunsch f\u00fcr immer!<br \/>\nNoch viele Begebenheiten erz\u00e4hlt uns Gell\u00e9ri, kleine Dinge, die jedoch f\u00fcr die je-weiligen Protagonisten einen gro\u00dfen Stellenwert einnehmen: Ein ehemaliger gut verdienender Angestellter, der keine Arbeit mehr bekommt, weil er schon f\u00fcnfzig ist, ein Verwandter, der mit allerhand Klagen vor Gericht seine siebenk\u00f6pfige Familie zu ern\u00e4hren sucht u.a.. Es sind auch autobiografische Geschichten darunter, vom letzten Geschenk seiner Gro\u00dfmutter, einem blauen Tuch, oder wie er einen Vertre-ter mit einer Erz\u00e4hlung vor einer drohenden Entlassung rettete. Ein wenig d\u00fcrfen wir auch in seine Schreibwerkstatt und in seine Tr\u00e4ume schauen in der Erz\u00e4hlung Stille (S. 138 \u2013 Stromern) Er liebt die Stille und das Tr\u00e4umen. Mit seinen Worten kann er die Geschicke der Menschen formen. \u201e\u2026sehnte ich mich nach einem Traumleben auf Erden, nach himmlischem Sein.\u201c Die Jahre vergingen, sein Wunsch ging nicht in Erf\u00fcllung. Selbst diejenigen, die Arbeit hatten, hungerten so sehr, dass f\u00fcr ihn als Tr\u00e4umer erst recht nichts \u00fcbrig blieb. Schlie\u00dflich geht er als Vertreter f\u00fcr Augentropfen, die einen feurigen Blick verleihen sollen. \u201eEmpfangen wurde ich von einem ersch\u00f6pften Treppenhaus, dessen Holzstufen mich bis zum B\u00fcro hinaufhoben, das eng und wei\u00df war wie eine Papierschachtel.\u201c \u201eSo bekamen meine Augen eine Anstellung, durch die ganze Stadt sollten sie ziehen: Als zwei lebende Plakate wur-den sie engagiert, mit ihnen meine gl\u00e4nzenden Tr\u00e4ume\u2026\u201c Doch hin und wieder ge-lingt es ihm, in einem Park in die Stille einzutauchen, einzuschlafen, zu tr\u00e4umen und erst wieder zu erwachen, wenn die Stille von der erwachenden Stadt gest\u00f6rt wird: \u201e\u2026ach, welcher L\u00e4rm das Erwachen des Menschen begleitet: Am Himmel ist eine Sonne geboren, und niemand hat es geh\u00f6rt \u2026\u201c Seine Erz\u00e4hlungen haben bei allen widrigen und herzzerrei\u00dfenden Situationen h\u00e4ufig eine Tendenz ins Positive, Tr\u00f6stliche. Ein Trotz-allem!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Novellen Aus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3 Verlag: Guggolz Berlin, 2018 ISBN: 978-3-945370-18-6 Originaltitel: \u00d6sszegy\u0171jt\u00f6tt novell\u00e1i, 1964 Bezug: Buchhandel; Preis: 24,00 Euro von Gudrun Brzoska \u201eMein lieber Herr, schlie\u00dflich sind wir nicht zur Welt gekommen, um Menschen zu sein.\u201c (Der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4675\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,335],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4675"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4675"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4687,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4675\/revisions\/4687"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}