{"id":4541,"date":"2018-06-19T12:59:33","date_gmt":"2018-06-19T12:59:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4541"},"modified":"2019-01-10T12:24:27","modified_gmt":"2019-01-10T12:24:27","slug":"bartis-attila-das-ende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4541","title":{"rendered":"Rezension: Bartis, Attila \u2013 \u201eDas Ende\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-4542\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende-181x300.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"249\" srcset=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende-181x300.jpg 181w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende-768x1273.jpg 768w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende-618x1024.jpg 618w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/cover-Das-Ende.jpg 1453w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/em><br \/>\n<em>Aus dem Ungarischen von Ter\u00e9zia Mora<\/em><br \/>\n<em>Verlag<\/em><br \/>\n<em>Suhrkamp Berlin, 2017<\/em><br \/>\n<em>ISBN: 978-3-518-42763-7<\/em><br \/>\n<em>Originaltitel: A v\u00e9ge, 2015<\/em><br \/>\n<em>Bezug: Buchhandel, Preis: 32,00 Euro<\/em><\/p>\n<p><em>von Gudrun Brzoska<\/em><\/p>\n<p>Gleich die ersten S\u00e4tze des Romans sagen viel \u00fcber den Erz\u00e4hler: <em>\u201eMein Name ist Andr\u00e1s Szabad, zweiundf\u00fcnfzig Jahre alt, Fotograf. Ziemlich bekannt. Genauer gesagt, sehr. Ich flog nach Stockholm, um mich untersuchen zu lassen. Seit zwei Jahren mache ich keine Fotos mehr. Seitdem \u00c9va gestorben ist. <\/em><em>\u00a0Zu Beginn m\u00f6chte ich noch klarstellen, dass ich nicht an Gott glaube. <\/em><em>\u00a0Das sagt nat\u00fcrlich nicht etwas \u00fcber Gott, sondern \u00fcber mich. <\/em><em>\u00a0Trotzdem muss ich anerkennen, dass es in der Welt doch so etwas wie Vorsehung gibt.<\/em><em>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Freund Korn\u00e9l r\u00e4t ihm, die Geschichte seines Lebens aufzuschreiben. Dann w\u00fcrde er Klarheit \u00fcber sich selbst finden.<\/p>\n<p>Attila Bartis hat einen Roman geschrieben, in dem sicher auch autobiografische Erfahrungen mit eingeflossen sind, vor allem was die D\u00fcsternis der K\u00e1d\u00e1r-\u00c4ra betrifft und mehr noch seine eigene Einstellung zur Kunst der Fotografie, da der Autor selbst ein bekannter Fotograf ist. Trotzdem ist es kein autobiografischer Roman. Andr\u00e1s Szabad ist so etwas wie der Prototyp des Ungarn, dessen Familie zwei Weltkriege mitgemacht hat mit allen geschichtlichen Verwerfungen: Trianon, R\u00e4terepublik, endg\u00fcltige Abtrennung gro\u00dfer Teile Ungarns vom Mutterland, kommunistische Machtergreifung, Revolution 1956, die Vergeltung, die graue K\u00e1d\u00e1r-Diktatur, die sich wie Mehltau \u00fcber das Land legte und das Leben in Ungarn l\u00e4hmte, der innere Kampf, sich eine gewisse Freiheit zu erhalten (was schon der sprechende Name Szabad = Freiheit andeutet) und dann \u2013 mit K\u00e1d\u00e1rs Tod \u2013 der Systemwechsel 1989. <em>\u201eSie <\/em>(die Familiengeschichte) <em>ist bei all ihrer Individualit\u00e4t quasi der Prototyp der ungarischen Familiengeschichte. Wenn nicht der mitteleurop\u00e4ischen, nichtj\u00fcdischen Familiengeschichte aus der Mittelklasse. Im \u00dcbrigen sind meiner Meinung nach auch die j\u00fcdischen Familiengeschichten \u00e4hnlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Roman ist nicht chronologisch aufgebaut; denn der erwachsene Mann erinnert sich seiner Kindheit, wie wenn er ein Foto in die Hand n\u00e4hme. Und trotzdem erz\u00e4hlt er mit Unterbrechungen seine Geschichte und die seiner Familie fort. Im Laufe der kleinen Einzelerz\u00e4hlungen wird klar, dass es Parallelen gibt zwischen Ereignissen aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Historie l\u00e4uft anhand von Erz\u00e4hlungen und Familienschicksalen im Hintergrund mit.<\/p>\n<p>Der wirklich tiefe Einschnitt, der ins Leben des Erz\u00e4hlers eingreift, geschieht 1956, als das Volk gegen die kommunistische Herrschaft revoltiert. Auch \u201eMeinvaterandr\u00e1sszabad\u201c beteiligt sich am Aufstand. Ausgerechnet auf einem Foto einer englischen Zeitung wird er erkannt, verhaftet und zu drei Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Der junge Andr\u00e1s erlebt, wie sie seinen Vater abholen. Vorausahnend sieht er bereits, wie sein Vater zur\u00fcckkehren wird: gebrochen, ein Schatten. In der Nacht bevor der Vater entlassen wird, stirbt seine Mutter. Ihren Tod \u2013 f\u00fcr den er im Stillen seinen Vater verantwortlich macht \u2013 wird er ihm nie wirklich verzeihen k\u00f6nnen. Gl\u00fcck und Gel\u00f6stheit kann er seitdem lange nicht mehr empfinden.<\/p>\n<p>Vater und Sohn ziehen aus der Provinz nach Budapest und leben dort zur\u00fcckgezogen und \u00e4rmlich in einer Zweizimmerwohnung. Beide k\u00f6nnen nicht zueinander kommen, obwohl der Leser die gegenseitige Liebe und F\u00fcrsorge sp\u00fcrt. Doch Sprachlosigkeit, Missverst\u00e4ndnisse und Stolz, alles ohne Hilfe bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, werden die Beiden bis zum Tod des Vaters trennen.<\/p>\n<p>Wie nachtr\u00e4glich in eine Tagebuchaufzeichnung eingef\u00fcgt, sind \u00fcber die kurzen und k\u00fcrzesten Kapitel \u00dcberschriften in Klammern gesetzt. Sie sind wie Spots auf eine kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Szene gerichtet, gerade so, als w\u00fcrde der Erz\u00e4hler mit seinem Fotoapparat den Moment des Geschehens festhalten. Die Sprache ist n\u00fcchtern und pr\u00e4gnant, die Dialoge zun\u00e4chst etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, da ohne Anfangs- und Endzeichen, dann aber k\u00f6stlich zu lesen. Da fehlt es nicht an Humor und feiner Ironie.<\/p>\n<p>Au\u00dfer dem Erz\u00e4hler und \u00c9va gibt es einige heimliche Protagonisten im Roman: Immer wieder ist die Rede von einem Hund, z.B. der H\u00fcndin Laika, die vor Gagarin ins All geschickt wurde. Er symbolisiert Ausgeliefertsein, Einsamkeit, Unverst\u00e4ndnis und Verwunderung \u00fcber das, was ihm abverlangt wird.<\/p>\n<p>Ein weiterer Hauptdarsteller ist der Kosmonaut Gagarin. Er, der 1961 als erster Mensch ins Weltall flog, verk\u00f6rpert die Sehnsucht nach Freiheit. Er hatte die M\u00f6glichkeit \u2013 wenn auch nur f\u00fcr kurze Zeit und eingeschr\u00e4nkt \u2013 davon zu fliegen. Doch auch diese Freiheit wurde von Zumutungen eingeschr\u00e4nkt: Die sowjetische Bodenstation wies Gagarin an, was er sehen durfte und was nicht: Gott z.B., durfte er nicht sehen, nur die wundersch\u00f6ne Erde. Der Erz\u00e4hler hatte es an sich selbst erlebt: <em>\u201eDie Macht zerst\u00f6rt dich jederzeit f\u00fcr dasselbe, zu dem sie dich gestern noch selbst verpflichtet hat. Und dabei erkl\u00e4rt sie dir klar und verst\u00e4ndlich, wieso sie gestern keine andere Wahl hatte und wieso sie heute keine hat. <\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Der fast wichtigste Protagonist ist nat\u00fcrlich der Fotoapparat, durch den Andr\u00e1s das ganze Leben um sich herum \u2013 und dadurch sein eigenes \u2013 wahrnimmt. Am ersten Weihnachtsfest in Budapest schenkt ihm der Vater eine Zorki, Jahre sp\u00e4ter dann eine Leica. Andr\u00e1s lernt die Kunst des Fotografierens, wird zum Fotografen, ja zum international bekannten K\u00fcnstler. An diesem Faden f\u00fchrt Bartis den Leser durch das ganze Buch. Der Fotoapparat ist immer da: wenn \u00c9va in sein Leben kommt, der Vater stirbt, oder \u00c9va aus seinem Leben entschwindet. Ja, sogar die tote Mutter hatte er fotografiert, ohne zu wissen, dass kein Film im Apparat war. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Kunst der Fotografie die einzige und ewige Liebe Andr\u00e1s\u2018 ist, die ihn nie verl\u00e4sst, ihn nicht entt\u00e4uscht. Er blickt auf Menschen und Szenen durch seinen Sucher, belichtet, stellt ein \u2013 und knipst.<\/p>\n<p>Bereits mit zw\u00f6lf Jahren wusste er genau, was auf einem Bild zu sehen sein muss, hatte die Anordnung der Szene im Kopf, noch ehe er je ein wirkliches Foto gemacht hatte. Auf diese Weise entstehen \u00fcber Jahre hunderte von Fotos in seinem Kopf, die er penibel in ein Heft notiert. Als sein Vater ihn bittet, vor einer drohenden Hausdurchsuchung diese Bildbeschreibungen zu vernichten, verbrennt er die Hefte:<em> \u201eIch empfand nichts. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich keine Scham, keine Freude, keine Angst, keinen Schmerz in mir. Dieses Gef\u00fchl des Nichts war so stark, dass ich mir pl\u00f6tzlich sicher war, eigentlich bin das ich. <\/em><em>\u00a0Dann ging ich in mein Zimmer und dieses Nichts kam mit mir.\u201c <\/em>Viele Jahre sp\u00e4ter, als er s\u00e4mtliche Negative seiner Geliebten \u00c9va vernichtet, wird er dasselbe Gef\u00fchl haben, ein Nichts, das ihn ausf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Aus der Perspektive des Fotografen Andr\u00e1s spielen Frauen eine gro\u00dfe Rolle in seinem Leben: Die erste ist die Nachbarin Imolka, die er mit zw\u00f6lf Jahren heimlich aussp\u00e4ht, sp\u00e4ter eine Lehrerin, an die er seine Unschuld verliert, dann eine Frau, die vom Alter her seine Mutter h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. In sie verliebt er sich heftig, bis ihm aufgeht, dass ihre angebliche F\u00fcrsorge nur ihr selbst gilt. Erst nach diesen Erfahrungen, die haupts\u00e4chlich von Sex und weniger von Erotik gepr\u00e4gt sind, ist er reif f\u00fcr eine langfristige Liebesbeziehung mit der Pianistin \u00c9va Z\u00e1rai.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Romans &#8211; der Vater ist bereits an Krebs gestorben &#8211; kreist mit R\u00fcckblenden in seine eigene Geschichte &#8211; haupts\u00e4chlich um \u00c9va. Ihr erz\u00e4hlt er seine Kindheit und Jugend.<\/p>\n<p>Er hatte die Frau eines Nachts im Park gesehen, als sie an ein Geb\u00e4ude gelehnt mit jemandem Liebe machte. Sie sieht ihn an, sieht ihm in die Augen \u2013 er macht ein Bild. Schon kurz darauf werden sie ein Paar. Er ist 25 Jahre alt und inzwischen bei einem Passfotografen angestellt. Reisz macht ihm klar, dass es keine Gottlosigkeit ist, von anderen ein Foto zu machen, dass es keinen Grund gibt, sich zu sch\u00e4men. Andr\u00e1s hatte es bis dahin immer als S\u00fcnde empfunden, in die ungesch\u00fctzte Sph\u00e4re jemandes einzudringen, in dem Moment, wenn er gerade knipste, um den Augenblick f\u00fcr alle Ewigkeit festzuhalten, solange das Foto besteht. \u2013 \u201e<em>Im Grunde hat mich immer nur interessiert, ob eine Fotografie das Gef\u00fchl wieder hervorrufen konnte, das ich in dem Moment hatte, als ich den Ausl\u00f6ser dr\u00fcckte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>So scheinbar offen Andr\u00e1s \u00c9va von seinem Leben erz\u00e4hlt, so zur\u00fcckhaltend gibt sich die Frau, wenn er etwas \u00fcber sie erfahren m\u00f6chte. Misstrauen untergr\u00e4bt die Beziehung, er f\u00fchlt sich belogen, glaubt, nur die unbedingte Wahrheit m\u00fcsse das Gebot in der Liebe sein. Erst Jahre sp\u00e4ter erf\u00e4hrt er, warum sie aus Scham lieber log, als ihm die Wahrheit dar\u00fcber zu gestehen. Doch da ist \u00c9va bereits tot.<\/p>\n<p>Sie hatte ihn ermuntert, seine Bilder auf Ausstellungen zu zeigen, doch er wagt es nicht, was sie \u00e4rgert. Gern h\u00e4tte er \u00c9va geheiratet, sieht sie als seine Frau \u2013 und h\u00e4tte auch gern ein Kind mit ihr, doch jedes Mal wenn die Rede darauf kommt, wird \u00c9va zornig und zieht sich zur\u00fcck. Eines Abends er\u00f6ffnet sie ihm, dass sie ein Visum erhalten habe und am n\u00e4chsten Tag f\u00fcr immer nach Amerika reise. Erst sp\u00e4ter bemerkt er, dass sie nicht nur einige Fotos, sondern viele Negative mitgenommen hatte. Damit erm\u00f6glicht sie ihm ein Jahr sp\u00e4ter in einer bedeutenden Galerie in New York auszustellen. Der Grundstein zu seiner Ber\u00fchmtheit ist gelegt. Ein letztes Mal ist er mit ihr zusammen. Vom glitzernden Amerika sieht er kaum etwas und f\u00fchlt sich ganz als der \u201eunbedarfte Ostblockler\u201c, der nicht englisch kann, den Lift nicht benutzt, weil er kein Kleingeld f\u00fcr den Liftboy hat: <em>\u201eNoch nie hatte ich mich so gepl\u00fcndert, so ausgeliefert gef\u00fchlt. Mich sch\u00f6n leise bedanken zu m\u00fcssen f\u00fcr all das, wegen dem ich br\u00fcllen k\u00f6nnte. F\u00fcr das Hotel, f\u00fcr die tausend Dollar, die sie mir <\/em>(als Vorschuss) <em>in die Hand dr\u00fcckten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Ungarn wird er dort kaum bekannt. Nur so viel, wie es gut f\u00fcr ihn ist. <em>\u201eIch bin hiergeblieben, weil ich so meine Freiheit bewahren konnte. Noch dazu, ohne Passbilder machen zu m\u00fcssen. <\/em><em>Wenn ich dr\u00fcbengeblieben w\u00e4re, w\u00e4re ich vom ersten Moment an dazu gezwungen gewesen, beinahe jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen. Mitzumachen. <\/em><em>meine von dr\u00fcben herstammende Freiheit hatte mir hier zu Hause ausgerechnet der Eiserne Vorhang bewahrt.\u201c<\/em> Das sagt er, obwohl er nach wie vor Sorge hat, als Agent angeworben zu werden.<\/p>\n<p>Am 5. Juli 1989 stirbt K\u00e1d\u00e1r. Andr\u00e1s ist 46 Jahre alt. Er rechnet den Systemwechsel ab jenem Tag. <em>\u201eIch glaube, ich war in jenen Monaten genauso euphorisch wie fast alle.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Siebzehn Jahre, nachdem er mit \u00c9va zum letzten Mal zusammen war, trifft er zuf\u00e4llig eine ihrer ehemaligen Freundinnen, die ihm erz\u00e4hlt, dass \u00c9va bei einem Unfall, den ihr Bruder willentlich verursacht hatte, gestorben ist. Andr\u00e1s will nun mit allem abschlie\u00dfen. Nach dem Tod seiner Mutter hatte er seine ganze Hoffnung in \u00c9va gesetzt. Jetzt, da sie tot ist, gibt es niemanden mehr, in den er seine Hoffnung setzen konnte. F\u00fcr ihn ist das jetzt das Ende, in jeder Beziehung. W\u00e4hrend einer feierlichen Ausstellung bestrahlt er alle Negative, die er von \u00c9va gemacht hatte, mit glei\u00dfendem Licht, bis sie schwarz werden.<\/p>\n<p>Damit schlie\u00dft sich der Kreis \u2013 fast. In einem gro\u00dfartiges Schlussbild leuchtet nochmal das ganze Leben des Andr\u00e1s Szabad und seiner Familie auf: Die kurze erste Ehe seiner Mutter, ausgerechnet mit jenem Mann, dem er \u2013 mit der Unterschrift seines Vaters unter einen Agentenvertrag \u2013 es zu verdanken hatte, dass er den Milit\u00e4rdienst nicht antreten musste. Nichts war so, wie es schien.<\/p>\n<p>Danach sehen wir Andr\u00e1s, wie er sich anschickt, nach Stockholm zu fliegen, Ende Oktober, um sich Klarheit \u00fcber seinen Befund zu holen.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Szene ist es bereits Weihnachten. Er erwartet seine Tochter, die kurz vorher Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. Sie (\u00c9va) hatte ihr den Namen von Andr\u00e1s Mutter, Anna, gegeben. Andr\u00e1s res\u00fcmiert: <em>\u201eEs gibt fast niemanden mehr. Weder meine Mutter noch meinen Vater. Noch J\u00e1nos K\u00e1d\u00e1r. Noch \u00c9va. Und dennoch ist alles fast genauso, wie es war. Einmal glatt, einmal verkehrt, einmal glatt. <\/em><em>Es war ein wenig seltsam, aber ich glaube, das ist einfach so.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin gl\u00fccklich. Mehr als das konnte nicht passieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das Ende <\/em>\u2013 ein Roman \u00fcber das Ende der Diktatur in Ungarn? \u2013das Ende der Traumata vergangener Epochen? &#8211; das Ende einer Liebe? \u2013 das Ende einer Obsession, n\u00e4mlich des Fotografierens? All dies ist in Attila Bartis\u2018 neuem Roman enthalten, erschienen 14 Jahre nach seinem letzten, <em>Die Ruhe<\/em>. Diese Aspekte, miteinander verwoben durch viele kleine Einzelerz\u00e4hlungen machen das besondere Leseerlebnis aus. Das Ende kann aber auch der Anfang f\u00fcr ein Neues sein. Und mit diesem tr\u00f6stlichen Ausblick entl\u00e4sst Bartis den aufmerksamen Leser ganz am \u201eEnde\u201c. Es ist ein ganz anderer Ausgang als der von vielen seiner ungarischen Schriftstellerkollegen, welche die Traumata der Vergangenheit mit hinein in eine weitere trostlose Zukunft nehmen.<\/p>\n<p><em>Das Ende<\/em> ist ein gro\u00dfartiges Buch, welches ich mit viel Anteilnahme gleich zweimal gelesen habe. Ein gro\u00dfartiges Buch und eine gro\u00dfartige \u00dcbersetzung von Ter\u00e9zia Mora, die sehr feinf\u00fchlig den Regungen des sensiblen Fotografen und Erz\u00e4hlers nachsp\u00fcrt. Hoffentlich m\u00fcssen wir Leser nicht wieder 14 Jahre auf den n\u00e4chsten Roman von Attila Bartis warten. Auch in Ungarn wurde das Buch von den meisten Kritikern geradezu enthusiastisch aufgenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Ter\u00e9zia Mora Verlag Suhrkamp Berlin, 2017 ISBN: 978-3-518-42763-7 Originaltitel: A v\u00e9ge, 2015 Bezug: Buchhandel, Preis: 32,00 Euro von Gudrun Brzoska Gleich die ersten S\u00e4tze des Romans sagen viel \u00fcber den Erz\u00e4hler: \u201eMein Name ist Andr\u00e1s &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4541\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[377],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4541"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4541"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4541\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4696,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4541\/revisions\/4696"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}