{"id":4519,"date":"2018-04-05T19:46:28","date_gmt":"2018-04-05T19:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4519"},"modified":"2018-08-02T14:33:43","modified_gmt":"2018-08-02T14:33:43","slug":"lenard-sandor-am-ende-der-via-condotti","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4519","title":{"rendered":"L\u00e9n\u00e1rd, S\u00e1ndor &#8211; \u201eAm Ende der Via Condotti\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4523\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/cover_Am-Ende-der-Via-Condotti.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4523\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-4523\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/cover_Am-Ende-der-Via-Condotti-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"282\" srcset=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/cover_Am-Ende-der-Via-Condotti-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/cover_Am-Ende-der-Via-Condotti.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4523\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9DTV<\/p><\/div>\n<p><em>R\u00f6mische Geschichten<\/em><br \/>\n<em> Autobiografie &#8211; Roman<\/em><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen und mit einer biografischen Notiz versehen von Ern\u0151 Zeltner<\/em><br \/>\n<em> Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag, 2017<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-423-28112-6<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: Romai t\u00f6rt\u00e9netek,<\/em><br \/>\n<em> 1969 (auf Deutsch bei DVA 1963)<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel, Preis: 22 Euro<\/em><\/p>\n<p><em>von Gudrun Brzoska<\/em><\/p>\n<p><em>\u201cJetzt, da ich mich hingesetzt habe, um aus dem Schutt von Jahrzehnten ein paar Tage auszugraben, vergesse ich die Realit\u00e4t der um mich Lebenden, schreibe in einer Sprache, die im Umkreis von vielen Kilometern niemand versteht \u2013 \u00fcber in der Ferne Lebende und Verstorbene, in Rauch aufgegangene Menschen, nicht eingetroffene Prophezeiungen\u2026<\/em><em>\u00a0bis ich auf eine friedliche Insel auswandern kann \u2013 irgendwohin unter Palmen im Stillen Ozean\u201c<\/em> (S. 276 ff), schreibt S\u00e1ndor L\u00e9n\u00e1rd, als er sich aus dem Abstand zweier Jahrzehnte die Jahre in Rom wieder ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckruft, die Jahre seiner Flucht und Hungerjahre in der Emigration. Trotz der widrigen Umst\u00e4nde ist es ein Buch voller Humor und Satire geworden, ohne den harten \u00dcberlebenskampf, die Zeit des Krieges, das Versteckspiel vor der Geheimpolizei klein zu reden. Geschuldet. ist dies der tiefen humanistischen Bildung, der Anteilnahme, scharfen Beobachtung und dem nie versiegenden Optimismus des Autors. Gleichzeitig sind die \u201eR\u00f6mischen Geschichten\u201c eine Liebeserkl\u00e4rung an Rom, vor allem an das Viertel um die Via Condotti, wohin es den j\u00fcdischen Fl\u00fcchtling im August 1938 verschlagen hatte. Er hatte klarer gesehen was kommen w\u00fcrde, hatte sich \u2013 im Gegensatz zu vielen anderen \u2013 auf den Weg gemacht und alles hinter sich gelassen. Seine ersten sechs Fl\u00fcchtlingsjahre in Rom beschreibt er hier \u2013 insgesamt waren es f\u00fcnfzehn, bis er jene <em>\u201efriedliche Insel unter Palmen\u201c<\/em> fand.<\/p>\n<p>Auch in seinem Buch \u201eEin Tag im unsichtbaren Haus\u201c erinnert er sich dieser Jahre: <em>\u201eEs gab Zeiten in meinem Leben, in denen jeder sehen konnte, was ich treibe. Bei Nacht schlief ich unter einer Br\u00fccke, bei Tag lehnte ich an einer S\u00e4ule. Manchmal wechselte ich die S\u00e4ule. <\/em><em>.\u201c <\/em>und: <em>\u201eF\u00fcnfzehn Jahre lang trat ich das Pflaster Roms, schlief in seinen Ruinen und unter seinen D\u00e4chern, schlug Wurzeln in seinen Bibliotheken und pfl\u00fcckte Walderdbeeren auf seinen Gr\u00e4bern.\u201c.<\/em> Mit diesen R\u00fcckblicken ist eigentlich schon alles umrissen, was diese \u2013 vor allem die ersten \u2013 Jahre ausmachte: Ein unbehaustes Leben in Hunger und Obdachlosigkeit, aber auch die Sehnsucht nach geistiger Nahrung und Bildung.<\/p>\n<p>L\u00e9n\u00e1rd war 28j\u00e4hriger Medizinstudent in Wien, kurz vor seinem Diplom, als er \u00fcber Nacht mit einem K\u00f6fferchen und wenigen Habseligkeiten floh. W\u00e4hrend er vor dem Bahnhof in Rom sitzt und wartet <em>\u201ewas geschieht\u201c<\/em>, geht ihm durch den Kopf, was w\u00e4re wenn\u2026: Wenn Mussolini st\u00fcrbe, wenn in <em>\u201ediesem aufgekl\u00e4rten und vern\u00fcnftigen Deutschland\u201c<\/em> Verschw\u00f6rer bereits gehandelt und Hitler beseitigt h\u00e4tten\u2026 Aber die Weltgeschichte und das Schicksal nehmen ihren Lauf. Mussolini und Hitler bleiben am Leben und bestimmen die Geschicke ihrer V\u00f6lker und der Welt. L\u00e9n\u00e1rd muss in Rom bleiben, sich vor der Geheimpolizei verstecken und schauen, wo er schlafen \u2013 und was er essen kann.<\/p>\n<p>Mit grimmiger Ironie beschreibt er, wie er sein neues Leben begann \u2013 und r\u00e4t auch jedem, der in ein solches einsteigen will, dies ohne Geld, ohne Sprachkenntnisse zu tun, ohne Aussicht auf R\u00fcckkehr. Nur so gel\u00e4nge ein \u201eneues Leben\u201c.<\/p>\n<p>Schon einmal, 10 Jahre vorher, war er in seinem \u201ealten Leben\u201c in Rom gewesen, wie er w\u00e4hrend seiner Studentenjahre in Wien viele L\u00e4nder und St\u00e4dte bereist, sich umfangreiche Sprachkenntnisse und eine tiefgr\u00fcndige Bildung angeeignet hatte.<\/p>\n<p>Bald trifft er sich mit anderen Fl\u00fcchtlingen im Caff\u00e8 Greco, einem ber\u00fchmten K\u00fcnstlercaf\u00e9, in dem schon die Gr\u00f6\u00dfen der Weltkultur abgestiegen waren. Hier wird debattiert und prognostiziert, was den Fortgang des Krieges betrifft und die Auswanderungschancen. Einige konnten genug Geld mit auf die Flucht nehmen, um gut \u00fcber die Runden zu kommen, einigen gelingt die Ausreise, welche sie aber sehr ungern antreten. Zu sehr sind sie Westeurop\u00e4er, ja sogar Deutsche. Ein Herr Rosenwurz, man sieht es am Namen, ist auch Jude und Fl\u00fcchtling. Sogleich konfrontiert er L\u00e9n\u00e1rd mit seinem traurigen Schicksal: <em>\u201eManche werden geboren, andere nicht. Geboren zu werden ist der schlimmere Fall. Der Mensch kann als Christ oder als Jude auf die Welt kommen. Als Jude geboren zu werden ist der schlimmere Fall. <\/em><em>\u00a0In Europa kann man entweder in Frankreich oder in Deutschland das Licht der Welt erblicken. Deutschland ist der schimmere Fall. <\/em><em>zu Hitlers Zeiten der noch schlimmere. Wer nach Italien kam \u2026 und wer noch kein amerikanisches Visum bekommen hat \u2026. Ja er, Heinrich Rosenwurz, er ist der allerschlimmste Fall. \u2026.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Jegliche Zeit, die L\u00e9n\u00e1rd nicht zum \u00dcberleben verwenden muss, feilt er an seiner Bildung: Lernt Italienisch, liest im Baedecker, besucht Kirchen, Museen und Pl\u00e4tze, macht sich mit der Geschichte der Stadt vertraut \u2013 und vergleicht diese mit seinem Heute von 1938. Er lernt Atmosph\u00e4re und Ger\u00fcche kennen, die Stra\u00dfenh\u00e4ndler mit ihren Waren &#8211; und er h\u00f6rt immer wieder aus einem bestimmten Fenster die geliebte Musik von Johann Sebastian Bach.<\/p>\n<p>Aus der \u201eJ\u00fcdischen Rundschau\u201c erf\u00e4hrt er, dass es in Deutschland f\u00fcr Juden ab sofort verboten ist Musik zu machen, ein Instrument zu kaufen, ins Kino zu gehen und vieles andere mehr. Auch darf nicht dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werden, was noch nicht verboten ist. L\u00e9n\u00e1rds ironische Auslassungen dazu: <em>\u201e<\/em><em>\u00a0Denn schlie\u00dflich hatte sich ja gezeigt, dass das Klavierspiel der Juden von \u00dcbel war und Unheil gebracht hat. Deshalb hat man es abgeschafft. Das Brot wird wei\u00dfer und bek\u00f6mmlicher, wenn es in Furtw\u00e4nglers Philharmonischem Orchester keine j\u00fcdischen Harfenistinnen mehr gibt. <\/em><\/p>\n<p>Diktatur schafft Misstrauen auch unter den Fl\u00fcchtlingen. Erst muss man \u201ebeweisen\u201c, dass man dazugeh\u00f6rt. Im Greco h\u00f6rt er viele Sprachen, Menschen, die sich \u00fcber Literatur unterhalten. Das tut ihm gut. Ganz nebenbei macht uns der Universalgelehrte mit den neuesten Errungenschaften der medizinischen Forschung bekannt (Sulfonamide \u2013 Penizillin) und den dazu geh\u00f6renden Wissenschaftlern. Nat\u00fcrlich sind Hitler und Mussolini t\u00e4glicher Gespr\u00e4chsstoff. Wie weit werden sie gehen?<\/p>\n<p>Einer seiner \u201eItalienischlehrer\u201c ist Aldo, ein Beamter des Propagandaministeriums, der ihn neben dem Unterricht in die Geheimnisse und Arbeit dieses Ministeriums einweiht.<\/p>\n<p>In diese Zeit f\u00e4llt die \u201eM\u00fcnchner Konferenz\u201c. Ironisch greift L\u00e9n\u00e1rd die Schlagworte auf<em>: \u201ePeace for our time\u201c.<\/em> Die naiven Weltm\u00e4chte gehen vor Hitler in die Knie. Um die Absurdit\u00e4t dieser Zeit vor dem Kriegseintritt aufzuzeigen und dem Leser vor Augen zu f\u00fchren, wie die Aufmerksamkeit des Publikums auf Nebenschaupl\u00e4tze gelenkt wurde, erfindet L\u00e9n\u00e1rd die Geschichte, wie eine gro\u00dfe Moschee in Rom gebaut werden sollte. Endlich ein Projekt, mit dem man die Massen ablenken kann, wor\u00fcber sie sich hitzig aufregen \u2013 und andererseits die Weitsicht des Duce beklatschen k\u00f6nnen. Das Projekt hat es nie gegeben, aber L\u00e9n\u00e1rd zeigt an diesem Beispiel, wie Meinung gemacht wird, wie die Medien eine Idee aufgreifen \u2013 und sie dadurch bereits zur Realit\u00e4t wird: die Medien fiebern der Grundsteinlegung entgegen, w\u00e4hrend Deutschland bereits in Frankreich einmarschiert. Aldo zieht die Quintessenz <em>\u201eWirklichkeit ist, was jeder glaubt und jeder wei\u00df. <\/em><em>\u00a0Unsere Moschee ist im Geiste und in geschriebener Schrift entstanden. Das ist die Realit\u00e4t <\/em><em>\u00a0Sie ist bereits ein Symbol, bereits ein Sieg. Ich kann dir versichern, dass keiner mehr wollte und niemand mehr wollen kann. <\/em><em>\u00a0Ich darf dir versichern, dass in Italien, in Deutschland, in Ungarn und in Albanien die Moschee bereits existiert. Nicht existent ist das, wof\u00fcr wir keine Druckfarbe verschwenden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als es auch nichts mehr hilft, ganz wenig zu essen um Geld f\u00fcr die Miete zu sparen, wird L\u00e9n\u00e1rd obdachlos: <em>\u201eObdachlos zu sein w\u00e4re gar nicht so schwer, wenn es die Nacht nicht g\u00e4be. Ich laufe in meiner neuen Rolle durch die Stra\u00dfen, als w\u00e4re Rom gar nicht mehr die Stadt von gestern. <\/em><em>\u00a0Auch meine Kleider verlassen mich \u00bbwie die Ratten das sinkende Schiff\u00ab.<\/em> Auch die wenigen Patienten, denen er Kalzium spritzen kann, k\u00f6nnen ihn nicht \u00fcber Wasser halten, aber er darf sich bei ihnen auf dem Diwan ausruhen, ein wenig schlafen. Hat er ein paar Lire gespart, kann er zum Barbier gehen \u2013 niemand soll \u2013 niemand darf sehen, dass er ein Penner ist. <em>\u201eNur ein Mal, ein einziges Mal m\u00f6chte ich in einem Bett schlafen!\u201c <\/em>Manchmal hat er Gl\u00fcck, trifft auf Touristen (die gibt es noch!), welche er in Rom herumf\u00fchren kann und daf\u00fcr zu einem Mittagessen eingeladen wird, oder er bekommt ein Billet geschenkt f\u00fcr ein Konzert: <em>\u201eAlte Musik, altes Deutschland, alte Welt. Es lohnt sich doch zu leben. Wie wunderbar das Cembalo f\u00fcr Johann Sebastian Bach geklungen hat!\u201c<\/em> Daraus ergibt sich eine sch\u00f6ne Zeit bei einem F\u00fcrsten in dessen Palazzo: Es gibt gutes Essen, interessante Gespr\u00e4che und vor allem gemeinsames Musizieren:<em>\u201eBach ist meine Muttersprache.\u201c <\/em>Leider wird er nicht eingeladen zum \u00dcbernachten \u2013 und dem herausgeklingelten Portier kann er auch kein Trinkgeld geben. Die hohen Herren stehen \u00fcber so etwas \u2013 k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, wie einem armen Schlucker und Fl\u00fcchtling zu Mute ist.<\/p>\n<p>Einer seiner Kollegen darf endlich nach Norwegen ausreisten und schenkt L\u00e9n\u00e1rd sein Blutdruckmessger\u00e4t. Das wird von nun an sein Leben bestimmen: Je nachdem wie vielen Patienten er den Blutdruck misst, kann er Miete oder Essen bezahlen \u2013 oder sogar beides. Der Einmarsch nach Polen beginnt \u2013die Menschenjagd geht auch in Italien weiter. Sogar die Schweizer schie\u00dfen auf alle, die sich der Grenze n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Ein Landsmann l\u00e4dt ihn ein, ihn in der Biblioteca Nazionale zu besuchen. B\u00fccher! Lesen! <em>\u201e<\/em><em>\u00a0Selbst wenn man gegessen und geschlafen hat, sehnt man sich nach einem Buch. <\/em><em>\u00a0Heute Abend gehe ich zum F\u00fcrsten, und morgen bin ich in der Bibliothek.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als er sich bereits sechs lange Jahre in Rom durchgeschlagen hat, waren schon fast alle seine neuen Bekannten ausgereist und konnten eine neue Bleibe finden, nur er kann nicht weg. Der Krieg ist in vollem Gange! L\u00e9n\u00e1rd hat eine Freundin gefunden, Diana, eine Italienerin, die zu ihm in sein Dachatelier am Ende der Via Condotti, der K\u00fcnstlerstra\u00dfe, gezogen ist.<\/p>\n<p>Was wird nach diesem Krieg, in dem schon so viel zerst\u00f6rt wurde, \u00fcberhaupt noch \u00fcbrig bleiben? Und wem werden die letzten Zeitzeugen \u00fcberhaupt berichten k\u00f6nnen? <em>\u201eMillionen von Kindern verbrannten, nicht einmal ihre Namen blieben \u00fcbrig.\u201c <\/em><em>\u00a0Einer von tausend, von zehntausend schreibt seine Erinnerungen auf. Und wie viele von ihnen wollen sich doch nur rechtfertigen, ihre H\u00e4nde in Unschuld waschen oder die Zeitgenossen schm\u00e4hen? <\/em><em>\u00a0Ganz wenige sind es, die wirklich Zeugen waren und etwas zu berichten haben: \u00bbDas habe ich gesehen, das geh\u00f6rt, so ist es gewesen.\u00ab<\/em> Aus dem Abstand der Jahre wei\u00df der Autor, wie schwierig die Aufarbeitung der Geschichte ist. Als er 1963 dieses Buch auf Deutsch schreibt, ist mit der Aufarbeitung noch gar nicht so richtig begonnen worden.<\/p>\n<p>Rom wird bombardiert, Mussolini gest\u00fcrzt, der Krieg in Russland dauert an, Durchhalteparolen auf deutscher Seite, der Sieg sei so gut wie sicher. H\u00e4ufig l\u00e4sst sich L\u00e9n\u00e1rd \u00fcber Mussolini aus, mal sarkastisch, mal sp\u00f6ttisch, immer \u00fcberlegen. Auch, wenn er beschreibt, wie dieser General im alten Rom schlimmer gew\u00fctet habe, als die Bomben der Alliierten: ganz nach Diktatoren-Manier, welche Stadtviertel, die in Jahrhunderten gewachsen sind, abrei\u00dfen lassen, um geschmacklose Prunkbauten hinzustellen.<\/p>\n<p>Gespr\u00e4che mit einem Arch\u00e4ologen zeigen die fundierte Bildung L\u00e9n\u00e1rds: Den Kriegsfortgang beschreibt er in Diskussionen \u00fcber die vergangene Historie und der Leser vergisst keinen Augenblick, in welcher Situation sich der Fl\u00fcchtling, sich Rom, Italien, ja ganz Europa befinden. Auch wenn unser Autor sich dem \u201eWohltemperierten Klavier\u201c von Bach hingibt, \u00fcber Literatur und R\u00f6mische Geschichte nachdenkt und debattiert. Ganz abgesehen von den t\u00e4glichen Hamsterg\u00e4ngen, die das \u00dcberleben sichern helfen.<\/p>\n<p>L\u00e9n\u00e1rd \u00fcberlegt sich, ein Konversationsb\u00fcchlein mit \u00fcbersetzten italienischen Redewendungen ins Englische zu schreiben \u2013 f\u00fcr den Fall der Befreiung. Doch die praktische Diana antwortet ihm nur, dass man keine Gespr\u00e4chsvorschl\u00e4ge f\u00fcr Leute schreiben k\u00f6nne, die auf die Befreiung warteten<em>. \u201eMit der Befreiung kann man sich doch gar nicht unterhalten.\u201c <\/em>Damit endet das Buch. Noch hat die Bev\u00f6lkerung fast eineinhalb Jahre vor sich bis zum Kriegsende, die sie durchstehen muss.<\/p>\n<p>Dem \u00dcbersetzer Ern\u0151 Zeltner kann ich nur gro\u00dfes Lob zollen, f\u00fcr seine frische \u00dcbersetzung, die den kurzweiligen, ironischen Ton seines Autors so gut trifft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00f6mische Geschichten Autobiografie &#8211; Roman Aus dem Ungarischen und mit einer biografischen Notiz versehen von Ern\u0151 Zeltner Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag, 2017 ISBN: 978-3-423-28112-6 Originaltitel: Romai t\u00f6rt\u00e9netek, 1969 (auf Deutsch bei DVA 1963) Bezug: Buchhandel, Preis: 22 Euro von Gudrun &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4519\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[374],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4519"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4519"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4606,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4519\/revisions\/4606"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}