{"id":444,"date":"2011-10-02T18:49:02","date_gmt":"2011-10-02T18:49:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=444"},"modified":"2013-12-05T08:09:17","modified_gmt":"2013-12-05T08:09:17","slug":"rezension-imre-kertesz-kaddisch-fur-ein-nicht-geborenes-kind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=444","title":{"rendered":"Rezension: Kert\u00e9sz, Imre &#8211; &#8222;Kaddisch f\u00fcr ein nicht geborenes Kind&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<\/em><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/kaddisch_fu\u0308r.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2366\" title=\"kaddisch_fu\u0308r\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/kaddisch_fu\u0308r-e1337374258645.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"251\" \/><\/a><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda &amp; Kristin Schwamm<\/em><br \/>\n<em> Verlag Rowohlt, 1992<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-499-22574-1<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: Kaddis a meg nem sz\u00fcletett gyermek\u00e9rt, 1990<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel<\/em><\/p>\n<p>Das Totengebet \u201eKaddisch\u201c, das die Juden f\u00fcr ihre Toten sprechen. Kert\u00e9sz spricht es f\u00fcr sein nicht geborenes Kind:<br \/>\nIn einem \u00fcber viele Seiten andauernden atemlosen Monolog begr\u00fcndet der Ich-Erz\u00e4hler, B., bzw. Briefschreiber an sein ungeborenes Kind, sein Nein! zu einem Nachkommen. Er liquidiert sich damit selbst, kann \u201esein Dasein als M\u00f6glichkeit des Seins von Nachkommen gedacht\u201c, nicht akzeptieren.<br \/>\nInmitten seines Monologes, inmitten sich auft\u00fcrmender Wort- und Satzgebirge, die hoch und dicht wachsen, st\u00fcrzen Erinnerungen auf ihn ein: An seine grausame Kindheit als Scheidungsweise, an despotische Lehrer, den autorit\u00e4ren Vater. Sie alle suchten seinen Willen zu brechen. (seit damals f\u00fchlt er sich von heimlicher Schuld bedr\u00e4ngt) \u2013 und bereiteten ihn doch in keiner Weise darauf vor, was er im KZ erleben musste. Sp\u00e4ter kommt ihm vor, als sei Auschwitz nur eine \u00dcbertreibung jener Tugenden gewesen, zu denen er seit fr\u00fchester Kindheit erzogen worden war: Er sollte gebrochen werden, seine Pers\u00f6nlichkeit ausgel\u00f6scht. Er denkt an seine j\u00fcdischen Verwandten, denkt nach und analysiert; er kann gar nicht mehr anders; sein ganzes Leben ist verpfuscht. Sein Redezwang gleicht seinem Zwang schreiben zu m\u00fcssen, um sich befreien zu k\u00f6nnen Die Ehe mit einer \u00c4rztin zerbricht an seiner strikten Weigerung Kinder zu zeugen. Immer wieder rechtfertigt er sich damit und spricht zu seinen ungezeugten Kindern (die er sich gleichwohl sehr gut vorstellen kann): \u201e&#8230;mein Dasein als M\u00f6glichkeit Deines Seins betrachtet. Dein Nicht-Sein als notwendige und radikale Liquidierung meines Daseins betrachtet&#8230;\u201c<br \/>\nSeine ehemalige Frau kann ihm nur noch helfen, in dem sie ihm wieder und wieder Antidepressiva verschreibt. Er aber glaubt daran, dass er dazu ausersehen ist, einsam zu sein, kein Zuhause, keine Heimat zu haben.<br \/>\nDer Briefschreiber B. konstatiert, dass nicht das B\u00f6se das Au\u00dferordentliche ist, sondern das Gute. \u201eFreiheit hat er erfahren\u201c, als ein Mith\u00e4ftling, genannt \u201eder Lehrer\u201c, ihm freiwillig etwas zu essen gibt, obwohl das f\u00fcr diesen doch auch lebensnotwendig war.<br \/>\nImmer wieder zitiert er. die \u201eTodesfuge\u201c von Celan, ist \u00fcberzeugt, dass auch f\u00fcr ihn schon \u201eein Grab in den Wolken geschaufelt ist\u201c \u2013 und dass er selbst dazu ausersehen ist zu graben, tiefer und tiefer, um damit Zeugnis zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda &amp; Kristin Schwamm Verlag Rowohlt, 1992 ISBN: 978-3-499-22574-1 Originaltitel: Kaddis a meg nem sz\u00fcletett gyermek\u00e9rt, 1990 Bezug: Buchhandel Das Totengebet \u201eKaddisch\u201c, das die Juden f\u00fcr ihre Toten sprechen. Kert\u00e9sz spricht es f\u00fcr sein &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=444\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[161],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/444"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=444"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3475,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/444\/revisions\/3475"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}