{"id":436,"date":"2011-10-02T18:44:25","date_gmt":"2011-10-02T18:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=436"},"modified":"2013-12-05T07:28:11","modified_gmt":"2013-12-05T07:28:11","slug":"rezension-imre-kertesz-fiasko","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=436","title":{"rendered":"Rezension: Kert\u00e9sz, Imre &#8211; &#8222;Fiasko&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<\/em><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/fiasko.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2364\" title=\"fiasko\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/fiasko-e1337374205975.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"247\" \/><\/a><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda &amp; Agnes Relle<\/em><br \/>\n<em> Verlag Rowohlt, 1992<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-499-22909-1<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: A kudarc, 1988<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel<\/em><br \/>\nIn diesem Roman, dem zweiten der Tetralogie, beschreibt Kert\u00e9sz die schwierige Entstehung seines \u201eRoman eines Schicksallosen\u201c und sein Leben als Schriftsteller in einer kommunistischen Diktatur.<br \/>\nSchauplatz ist das kommunistische Ungarn der K\u00e1d\u00e1r-Zeit. Der \u201eAlte\u201c hat einen Roman geschrieben, der nicht angenommen worden war mit der Ausrede, dieser sei nicht zeitgem\u00e4\u00df, keiner wolle so etwas mehr lesen. Da er aber dringend auf Geld angewiesen ist; f\u00fcllt er Seite um Seite eines neuen Buches, von dem er noch nicht einmal wei\u00df, was es beinhalten soll. Zwischenzeitlich macht er \u00dcbersetzungen. Bei der Durchsicht seines Zettelkastens kommt ihm die Idee, ein \u201ealter ego\u201c einzuf\u00fchren, \u201eSteinig\u201c. Dieser Steinig soll noch einmal seine, des Alten Geschichte erz\u00e4hlen.<br \/>\nSteinig kommt quasi aus dem Nichts, bzw. aus einer anderen Welt zur\u00fcck in eine vom Krieg verheerte Stadt, die er kennt, aber kaum wiedererkennt. Er hatte seinen eigenen Tod \u00fcberlebt und beginnt nun mit seiner Wiedergeburt, erf\u00fcllt vom Gef\u00fchl des Vorl\u00e4ufigen; denn der Tod ist ihm immer gegenw\u00e4rtig&#8230;<br \/>\nGenau so wenig wie Steinig auf das zur\u00fcckliegende Leben vorbereitet gewesen war, das ihm fast den Tod gebracht h\u00e4tte, so wenig ist er auf das Leben hier und jetzt in einem diktatorischen Staat (Ungarn) vorbereitet.<br \/>\nEr findet Arbeit als Journalist. Die Stelle wird ihm jedoch in dem Moment gek\u00fcndigt, als die Zeitung zum Parteiorgan wird. Steinig lernt zwei Menschen kennen, Felsen, der jeden kennt und jeden f\u00fcr sich einspannen kann, und Berg, den Eigenbr\u00f6tler, auf dem Schweres zu lasten scheint. Steinig lebt wie im Traum, nimmt seine Umwelt nicht richtig wahr, h\u00e4lt sich raus aus Allem. Eine Zeitlang arbeitet der Mann als Maschinenschlosser mit anderen ungelernten Kr\u00e4ften, die in ihrem fr\u00fcheren Leben anderen T\u00e4tigkeiten nachgegangen waren, die ganze Zeit einzig damit besch\u00e4ftigt, zu \u00fcberleben. Daran \u00e4ndern weder eine zeitweilige Freundin noch eine neue Arbeit etwas. Ihn interessiert nicht, worum es im neuen Staat eigentlich geht. Dagegen Berg, total hoffnungslos und ohne Illusionen, hat gerade eine Novelle fertig gestellt hat: \u201eIch, der Henker\u201c. F\u00fcr ihn gibt es nur zwei Wege: den des Opfers oder den des Henkers, doch Steinig widerspricht ihm leidenschaftlich.<br \/>\nZwischenzeitlich wird Steinig zum Milit\u00e4r eingezogen, er kann sich aber durch Krankheit entziehen und kommt bald zur\u00fcck. Nun bemerkt er, dass sich sein Umfeld inzwischen ver\u00e4ndert hat: Andere haben jetzt das Sagen; die bisher Angesehenen wurden abserviert; die Willk\u00fcr des Totalitarismus.<br \/>\nAls Steinig einmal auf einer Beh\u00f6rde lange warten muss, h\u00f6rt er einen Angestellten \u00fcber den Flur laufen \u2013 und ihm ist, als h\u00f6rte er das Marschieren von tausend Stiefeln, von zehntausend, von hunderttausend. Er f\u00fchlt sich f\u00f6rmlich von der Menge aufgesogen, f\u00fchlt sich auf der sicheren Seite. Da geht ihm hellsichtig auf, dass er \u201eabspringen\u201c muss, um sich zu retten. Er muss seinen einzig m\u00f6glichen Roman in seiner einzig m\u00f6glichen Sprache schreiben, er muss hier (in Ungarn) bleiben, w\u00e4hrend rund um ihn alles in Aufl\u00f6sung begriffen ist.<br \/>\nMit der Fertigstellung des Romans (Mensch ohne Schicksal, Titel der ersten \u00dcbersetzung) geh\u00f6rt das Geheimnis seines Lebens allerdings nicht mehr ihm. \u2013 Von nun an wird seine einzige Arbeit nur noch das Schreiben sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda &amp; Agnes Relle Verlag Rowohlt, 1992 ISBN: 978-3-499-22909-1 Originaltitel: A kudarc, 1988 Bezug: Buchhandel In diesem Roman, dem zweiten der Tetralogie, beschreibt Kert\u00e9sz die schwierige Entstehung seines \u201eRoman eines Schicksallosen\u201c und sein Leben &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=436\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[162],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=436"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3460,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436\/revisions\/3460"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}