{"id":4293,"date":"2018-01-18T16:06:59","date_gmt":"2018-01-18T16:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4293"},"modified":"2018-08-02T14:36:23","modified_gmt":"2018-08-02T14:36:23","slug":"rezension-esterhazy-peter-bauchspeicheldruesentagebuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4293","title":{"rendered":"Rezension: Esterh\u00e1zy, P\u00e9ter &#8211; &#8222;Bauchspeicheldr\u00fcsentagebuch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp content\/uploads\/2018\/01\/cover_Bauchspeicheldr\u00fcsentb..jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-4261\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/cover_Bauchspeicheldr\u00fcsentb.-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"245\" srcset=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/cover_Bauchspeicheldr\u00fcsentb.-184x300.jpg 184w, http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/cover_Bauchspeicheldr\u00fcsentb..jpg 278w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><em>Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda<br \/>\nVerlag Hanser Berlin, 2017<br \/>\nISBN: 978-3-446-25544-9<br \/>\nOriginaltitel: Hasny\u00e1lmirigynapl\u00f3, Budapest 2016<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: 20,00 Euro<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>von Gudrun Brzoska<\/em><\/p>\n<p>Vor einem Jahr, am 14. Juli 2016, starb P\u00e9ter Esterh\u00e1zy. Im Mai 2015 war bei ihm Bauspeicheldr\u00fcsenkrebs diagnostiziert worden. Am 8. Juni bei einem Interview mit dem BR (Bayer. Rundfunk) \u2013 da wusste er schon von der Krankheit &#8211; antwortete er auf die Frage, was er gerade lese: \u201e<em>Mir geht es gerade nicht gut \u2013 ich werde ehrlich sein \u2013 ausnahmsweise &#8211; ich lese weniger als sonst \u2013 ich lese noch einmal Anna Karenina\u201c.<\/em> Im folgenden Herbst h\u00e4tte er bei der G\u00f6teborger Buchmesse &#8211; Ungarn war Gastland &#8211; die Er\u00f6ffnungsrede halten sollen. Er lie\u00df sie vorlesen &#8211; und ganz nebenbei einflie\u00dfen.: <em>\u201e\u2026<\/em><em>. jetzt versucht etwas anderes mein Leben zu erf\u00fcllen, also k\u00f6nnte ich auch \u00fcber den Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs beschwingt und inspiriert sprechen, was ich jetzt dem Publikum erspare, aber machen Sie sich keine Hoffnungen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werde ich auch l\u00e4nger dar\u00fcber sprechen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dieses Buch, in dem er oft genug <em>\u201ebeschwingt und inspiriert<\/em>\u201c \u00fcber den Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs spricht, liegt inzwischen vor uns. Als er im Herbst 2014 manchmal Schmerzen unterm Rippenbogen sp\u00fcrte, fiel ihm der Begriff <em>\u201e<\/em><em>hasny\u00e1lmirigyr\u00e1k\u201d<\/em> (Bauchspeicheldr\u00fcse) ein, das habe so sch\u00f6n geklungen; aber nie habe er daran gedacht, dass dieses Wort ihn pers\u00f6nlich betreffen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Lange Zeit versuchte er weiter zu arbeiten, Aufgaben zu \u00fcbernehmen; denn in W\u00f6rtern war er zu Hause, sie waren seine Heimat, wie er an anderer Stelle sagt: Er besuchte seinen todkranken Freund Imre Kert\u00e9sz an dessen letztem Geburtstag, hielt eine denkw\u00fcrdige Rede an seinem Grab: <em>\u201eEine Beerdigung ist nicht das Ende von etwas, sondern der Beginn. Und ich denke dabei nicht an das ewige Leben, sondern an die Aufgaben, die uns der Tote hinterlassen hat\u2026.\u201c <\/em>Er war im April 2016 bei der Premiere seines Buches <em>\u201eDie Markus-Version\u201c<\/em> in Berlin &#8211; und beim Budapester Buchfestival noch bereit seine Leser nicht zu entt\u00e4uschen und signierte \u2013 einen Monat vor seinem Tod \u2013 die B\u00fccher, die ihm eine geduldig ausharrende Menschenschlange reichte.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das alles? Hat P\u00e9ter Esterh\u00e1zy seine Krankheit ignoriert, nicht recht Bescheid gewusst um den t\u00f6dlichen Ausgang?<\/p>\n<p>Er beginnt sein Tagebuch mit dem Befund am 24. Mai 2015: <em>\u201eKrebs, das ist das richtige Anfangswort, wenngleich es nicht sofort fiel, gar nicht so bald, wobei ich nicht denke, die \u00c4rzte h\u00e4tten das Wort gemieden. Ich war es ja sogar, der heiter danach fragte\u2026\u201c<\/em> Mit der Diagnose wird er zum Tagebuchschreiber und notiert alles, beobachtet seinen K\u00f6rper, sein Verhalten, die Ver\u00e4nderungen \u2013 zun\u00e4chst eher nebens\u00e4chlich interessiert, so wie man etwas Fremdes, das einen nicht wirklich etwas angeht, durch ein Mikroskop betrachtet. Mit dem Schreiben will er dem <em>Unheil<\/em> begegnen, es in Worte und S\u00e4tze zwingen.<\/p>\n<p>Ihm, dem belesenen Literaten kommen sofort B\u00fccher in den Sinn, die sich mit Krankheit und Sterben befassen. Vor allem mit Harold Brodkeys: \u201e<em>Die Geschichte meines Todes\u201c, <\/em>wird er sich immer wieder besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Der Leser kennt ja schon den tragischen Ausgang, aber zu dieser Zeit ist Esterh\u00e1zy noch ganz optimistisch: \u201e<em>Nicht als w\u00fcrde ich sterben, oder als w\u00e4re mir das in Aussicht gestellt. Noch ist nichts in Aussicht gestellt\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Aber Esterh\u00e1zy w\u00e4re nicht Esterh\u00e1zy, w\u00fcrde er nicht doch immer wieder abschweifen in seinen Tagebuchnotizen, Geschichten aus W\u00f6rtern t\u00fcrmen, sie verdrehen und hinter ihren Sinn schauen. Zugleich versucht er sich mit dem, was da in ihm w\u00e4chst anzufreunden: <em>Die <\/em>Bauchspeicheldr\u00fcse \u2013 also ist sie weiblich. Er umschreibt sie euphemistisch als seine <em>Fee, <\/em>sein <em>Bauchspeichelchen, <\/em>seine <em>einzige Liebe, <\/em>das <em>Fr\u00e4ulein, <\/em>oder ganz intim <em>Mutzi. <\/em>Sp\u00e4ter, als ihn Mutzi schon ganz in der Gewalt hat, nur noch mit <em>B. <\/em>oder<em> dumme Gans.<\/em><\/p>\n<p>Obwohl er ein nahes Ende noch weit von sich weist \u2013 ist doch eine Ahnung in ihm, die M\u00f6glichkeit, dass die Geschichte nicht gut ausgehen k\u00f6nnte: \u201e<em>Ich stehe am Anfang des Endes, k\u00f6nnte ich witzeln\u2026\u201c<\/em> PE. (Esterh\u00e1zy) macht seinen Lesern nichts vor, er schreibt wie er empfindet, beobachtet was passiert. Er rechnet damit, dass aus diesem Tagebuch ein publiziertes werden wird \u2013 und nimmt sich vor, ganz gegen seine Gewohnheit nichts zu redigieren, \u201e<em>sondern <\/em>(es) <em>so, halb ungek\u00e4mmt stehenzulassen\u201c. <\/em>Noch ist das Tagebuch f\u00fcr ihn ein Text \u2013 ein Text wie so viele andere, die er geschrieben hat \u2013 und er liest seiner Familie auch immer wieder daraus vor.<\/p>\n<p>Der Leser kann manchmal gar nicht glauben, was er da liest, n\u00e4mlich ein Sterbetagebuch. Es scheint oft ganz unwirklich, dass es dabei tats\u00e4chlich um PE gehen soll, so ironisch und schalkhaft, so in W\u00f6rter verpackt und aus ihnen lebend, erscheint uns dabei Esterh\u00e1zy \u2013 so wie in seinen \u201egew\u00f6hnlichen\u201c Texten. Und doch ist es so \u2013 und wir wissen schon Bescheid, wissen, dass es keine Hoffnung gibt \u2013 und wir k\u00f6nnen nur mit- bzw. nacherlebende Zuschauer sein, wie er seine Krankheit und sein Leben in W\u00f6rter und Text zwingt.<\/p>\n<p>Er versucht, das gewohnte Arbeitstempo einzuhalten, doch das will ihm immer weniger gelingen: Zwischen Untersuchungen, Krankenhausaufenthalten, Chemotherapie. Alles strengt ihn mehr und mehr an \u2013 er kann seine Aufgaben, n\u00e4mlich das Schreiben von Artikeln, von Reden, das Durchsehen von Druckfahnen, alles was er sonst in seinen Arbeitsalltag untergebracht hat, nicht mehr einhalten. Die Zeit gleitet ihm davon. Zunehmende M\u00fcdigkeit breitet sich aus und bremst ihn.<\/p>\n<p>Vor den Untersuchungen ist er \u201e<em>aufgeregt wie vor einer Pr\u00fcfung\u201c. <\/em>\u2013 Noch kann er nicht glauben, dass es um ihn geht, denn eigentlich f\u00fchlt er sich noch gut und wohl: <em>Mir geht es gut. <\/em>Die Bauchspeicheldr\u00fcsenfee \u2013 so nennt er sie inzwischen, meint aber, im Krankenhaus k\u00f6nne er mit seiner Heiterkeit einpacken (<em>sie will beachtet werden<\/em>). Doch er meint, auch die Kommunisten waren durch das Lachen besiegt worden. Also geht das, den Krebs einfach weglachen? \u2013 Aber da lauert doch auch die Angst hinter der Heiterkeit. Sein Magen ist schwer. <em>Was kommt auf mich zu?<\/em><\/p>\n<p>Als Schriftsteller macht er sich nat\u00fcrlich Gedanken \u00fcber diesen Tagebuchtext: \u201e<em>Dieser Text ist dann zugkr\u00e4ftig, wenn ich an meiner Fee sterbe. Wenn ich schon weit weg bin, teurer Leser, w\u00e4hrend du das liest. Welch unfairer Vorteil, so arbeiten zu k\u00f6nnen. Und mein Tod wandelt sich so zu einer koketten Idee\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Viele Tage werden vergehen, an denen er sich nicht aufraffen kann, im Tagebuch weiter zu schreiben, Tage, an denen alles stecken bleibt.<\/p>\n<p>Ganz \u201eunschuldige\u201c Sorgen plagen ihn: Werden ihm die Haare ausfallen? Ja, nat\u00fcrlich. Schlecht wird ihm werden, mit Brechreiz wird er k\u00e4mpfen \u2013 das Essen und auch der Wein werden ihm nach den Therapien nicht mehr schmecken.<\/p>\n<p>Starken Halt in seinem Leben gibt ihm seine Familie, die ihn liebt und die er liebt \u2013 <em>\u201esie sind wohlgeraten\u201c \u2013<\/em>auch die Enkelkinder, die noch zu klein sind um zu verstehen. Sein Schreiben h\u00e4lt ihn aufrecht: Die Tagebuchtexte sind voll von Erinnerungen an Kollegen, Freunde, alle mit Zitaten versehen. Das zeigt den ungeheuren Erinnerungsstrom, der unabl\u00e4ssig in ihm flie\u00dft und ihm aus der Feder flie\u00dft. \u201e<em>Dass ich der Hauptdarsteller meines Lebens sein soll, das sehe ich nicht immer\u201c &#8211; <\/em>st\u00e4ndig kommen ihm auch die eigenen Zitate in den Sinn.<\/p>\n<p>Und dabei beobachtet er sich genau und ironisch: \u201e<em>Heute beginnt der Sommer. Ich wiege 83,4 Kilo, also habe ich abgenommen, das sind 10 Kilo weniger seit Weihnachten. Ohne Krebs w\u00e4re das super\u201c. \u2013 <\/em>Und er f\u00fchlt sich kerngesund \u2013 doch in ihm <em>ist der Wurm drin<\/em>.<\/p>\n<p>Kein Aufbegehren gegen die Krankheit, gegen das Schicksal kommt ihm in den Sinn. Eher zun\u00e4chst ein ungl\u00e4ubiges: <em>\u201eIchbingemeint<\/em>\u201c? Er nimmt Mutzi, die als Geschwulst in ihm w\u00e4chst, an, scherzt mit ihr, spricht mit ihr. Sie ist immer da \u2013 und noch immer kann er nicht ganz glauben, dass diese Krankheit eine endg\u00fcltige ist. . \u201e<em>Oh, Schei\u00dfe-schei\u00dfeschei\u00dfe, fl\u00fcstere ich\u201c<\/em>, das kommt ihm doch auch mal \u00fcber die Lippen.<\/p>\n<p>Immer wieder schreibt er viele Tage nichts \u2013 hat das Gef\u00fchl seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben, wie ein schlechter Sch\u00fcler. <em>\u201eEs ist nicht leicht, der Wirklichkeit nahezukommen, nicht einmal der eigenen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Wichtig ist ihm sein Glaube an Gott. Dabei verf\u00e4llt er nicht in <em>\u201eGebetsbettelei\u201c<\/em>, sondern spricht mit ihm auf Augenh\u00f6he. Aber das Warten, dass etwas geschieht, das Warten auf die Behandlung, die M\u00fcdigkeit, all das langweilt ihn \u2013 der Tod ist langweilig \u2013 das Sterben ist langweilig. Aber seine Gespr\u00e4che mit Gott \u2013 ohne Vorwurf\u2013 ohne aufbegehrende Fragen sind wichtig: \u201e<em>Du brauchst nicht zu hoffen, Herr, das hier steht offensichtlich mit dir in Verbindung. \u2013 Es geh\u00f6rt nicht hierher, ich dachte nur eben daran: Ich bin dir nicht im Geringsten b\u00f6se. Dass du mich zum Besten gehalten h\u00e4ttest oder so etwas. Dieses Jetzt ist schon in Ordnung, es ist blo\u00df ziemlich schlimm. Es ist aber alles gut. Du kannst im Wesentlichen auf mich z\u00e4hlen, auch wenn ich nicht mit allem in diesem deinen Leidensprojekt einverstanden bin. <\/em><em> Herr, das ist zweifellos deine gr\u00f6\u00dfte Idee, die Liebe\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Ein Jahr vor seinem Tod rechnet er mit dieser M\u00f6glichkeit: Es k\u00f6nnte sein, dass die Krankheit ihn besiegt. Irgendwie hat er sich das wohl anders vorgestellt, dass es schmerzhafter w\u00fcrde, schneller ginge?<\/p>\n<p>\u201e<em>Ich freunde mich hier mit meiner Mutzi an, und kommt es dann so, dass sie mich unvermittelt erdolcht? Sie umarmt mich mit einem Messer in der Hand. Sie hat gar keine Hand. Einen Kopf hat sie, das stand im Bericht. \u2013 Nicht: erdolcht, sondern ermordet, das klingt h\u00e4rter\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Aber noch ist es gut zu leben! Und doch, auch das flie\u00dft ihm aus der Feder: \u201e<em>Wie gern st\u00fcrbe ich. Dieser Satz fiel mir beim D\u00f6sen ein, w\u00e4hrend ich an das verweigerte Mittagessen dachte, an mein damit zusammenh\u00e4ngendes momentanes Unwohlsein und an die damit verbundenen Umst\u00e4nde, die Entscheidungen (..) f\u00fcr die Zukunft. Und sollte jemand mir diesen Satz zitieren, w\u00fcrde ich ihn sofort verleugnenden. Ich? So etwas? Nie im Leben\u201c.<\/em> \u2013 \u201e<em>Noch nie habe ich den Satz ausgesprochen: Ich sterbe. Ich meine, bezogen auf mich. Voller Sehnsucht nach einem Satz. Nicht nach diesem\u201c. \u2013 <\/em>\u201e<em>Ich murmle im Halbschlaf Brocken von Gebeten, das ist aber kein echtes Gebet. Manchmal sage ich nur: Mein Herr \u2013 das ist schon eher ein Gebet. <\/em><em>Freilich ist Bitten, Bitten-K\u00f6nnen auch eine gro\u00dfe Sache. Herr, hilf! Das jetzt ohne Hintergedanken zu sagen\u201c. <\/em>Und Ironisch parodierend: \u201e<em>Diese Bauchspeicheldr\u00fcsengeschichte schien am Anfang eine gute Idee zu sein, sie verbesserte die Menschheit, Anteilnahme, Liebe (ein wenig Hass, aber der z\u00e4hlt nicht), R\u00fccksichtnahme (und R\u00fccksichtslosigkeit, aber die z\u00e4hlt nicht), Betroffenheit (und Zynismus, aber der z\u00e4hlt nicht) entfalteten sich in ihren Spuren, doch stellt sich langsam heraus, dass dies f\u00fcr einen einzigen Menschen zu viel ist und solche Welterl\u00f6sungsprojekte (manchmal Parodien, aber die z\u00e4hlen nicht) besser dir \u00fcberlassen werden sollten, Herr\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Inzwischen ist von ihm auf Ungarisch \u201e<em>Die Flucht der Jahre\u201c <\/em>erschienen. Ein schriftliches Interview mit Marianna Birnbaum. Da wei\u00df er noch nichts um seine Krankheit. Dieses Buch ist noch so hoffnungsfroh, so unbeschwert. (Auf Deutsch erschienen 2017 im Hanser Verlag, Berlin)<\/p>\n<p>Immer wieder k\u00f6nnen wir ihn auf Ausfl\u00fcgen in die Literatur begleiten, fast kleine Vorlesungen am Beispiel Kosztol\u00e1nyis. Wie kommt die Wahrheit in den Text \u2013 und ist der Text Wahrheit oder wird er zu Wahrheit gemacht? Und damit ist er wieder mittendrin in seinem Element: \u201e<em>Die tintenfleckigen Finger, die habe ich fast vergessen. <\/em><em>Sie werden immer blau, und es sind eher die Finger schuld als die Feder. Schuld sind sie gar nicht, denn blicke ich meine tintigen Finger an, wei\u00df ich, dass ich arbeite, und das freut mich. Und jetzt sind sie seit einigen Tagen wieder blau\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Er freut sich \u00fcber sein fertiges Buch mit Sz\u00fcts, so wie vor vierzig Jahren. Sie trinken einen Roten darauf. (Esterh\u00e1zy und Mikl\u00f3s Sz\u00fcts: A b\u00fcn\u00f6s (der Schuldige) \u2013 ein \u201eM\u00e4rchenbuch\u201c mit Bildern \u00fcber den \u201eHelden\u201c Bauchspeicheldr\u00fcse.)<\/p>\n<p>Am 2. M\u00e4rz 2016 seine letzte Eintragung: <em>\u201eJetzt werde ich nie mehr allein sein. B. wird immer mit mir sein. Ich verbessere das Immer in Ewig\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Und PE. beginnt das Geschriebene in die Maschine zu tippen.\u201c <em>Irgendwo muss ich es abschlie\u00dfen und nat\u00fcrlich weiterschreiben. Das w\u00e4re ein hinreichend guter letzter Satz: Ich verbessere das Immer in Ewig\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Ja, immer und ewig wird seine Literatur hoffentlich unsterblich sein. Mit diesem Buch hat er noch einmal nicht nur seine schriftstellerische \u2013 sondern vor allem seine menschliche Gr\u00f6\u00dfe gezeigt. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, dass es m\u00f6glichst viele Leser f\u00e4nde.- Wie schade, dass er uns schon so fr\u00fch verlassen musste.<\/p>\n<p>\u00a9 Gudrun Brzoska<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda Verlag Hanser Berlin, 2017 ISBN: 978-3-446-25544-9 Originaltitel: Hasny\u00e1lmirigynapl\u00f3, Budapest 2016 Bezug: Buchhandel Preis: 20,00 Euro von Gudrun Brzoska Vor einem Jahr, am 14. Juli 2016, starb P\u00e9ter Esterh\u00e1zy. 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