{"id":428,"date":"2011-10-01T21:18:04","date_gmt":"2011-10-01T21:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=428"},"modified":"2012-05-18T20:52:21","modified_gmt":"2012-05-18T20:52:21","slug":"rezension-imre-kertesz-roman-eines-schicksallosen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=428","title":{"rendered":"Rezension: Kert\u00e9sz, Imre &#8211; &#8222;Roman eines Schicksallosen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<\/em><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/roman_eines.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2370\" title=\"roman_eines\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/roman_eines-e1337374334241.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"249\" \/><\/a><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen von Christina Vir\u00e1gh<\/em><br \/>\n<em> Verlag Rowohlt 1996 &amp; 2002<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 3-499-22576-X<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: Sorstalans\u00e1g, 1975<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Preis: Buchhandel<\/em><\/p>\n<p>\u201eAuch, wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz. Ich bin ein Medium des Geistes von Auschwitz\u201c, so Kert\u00e9sz in einem Interview. So f\u00fcgt sich jedes weitere Werk des Autors als Mosaikstein in das Bild seines Lebens und seiner Zeit.<br \/>\n13 Jahre arbeitete Kert\u00e9sz an diesem Roman, ohne den alle seine Werke nicht wirklich zu verstehen sind.<br \/>\nDie Eltern des 15j\u00e4hrigen Gy\u00f6rgy K\u00f6ves sind geschieden. Er lebt bei seinem Vater und dessen neuer Frau in Budapest. Der Vater wird 1944 zum Arbeitsdienst eingezogen. Gy\u00f6rgy f\u00fchlt sich seltsam unbeteiligt beim Abschied.<br \/>\nAndere bestimmen \u00fcber ihn; sechs Wochen sp\u00e4ter muss er das Gymnasium verlassen, wird als Hilfsarbeiter in einer Fabrik mit anderen j\u00fcdischen Jungen eingestellt. Gy\u00f6rgy f\u00fchlt sich wichtig und sicher mit seinen Arbeitspapieren. Trotzdem wird er eines Morgens aus dem Bus geholt und mit vielen anderen, Jugendlichen, Kindern, Erwachsenen abtransportiert &#8211; mit unbekanntem Ziel. Nach mehrt\u00e4giger Fahrt im Viehwagen landen sie in Auschwitz-Birkenau. Neugierig auf eine geregelte Arbeitszeit, auf \u201eSpa\u00df\u201c mit den Kameraden, kommen die naiven Jungen dort an.<br \/>\nZu seinem \u201eGl\u00fcck\u201c wird Gy\u00f6rgy als \u201e16j\u00e4hriger\u201c zur Arbeit eingeteilt, w\u00e4hrend J\u00fcngere, Kinder, Frauen und Arbeitsunf\u00e4hige ermordet und im Krematorium verbrannt werden, was dem Leser bereits bewusst ist. Ohne Anekdoten spricht Gy\u00f6rgy, der Ich-Erz\u00e4hler vom \u00dcberleben und Begreifen, Schritt f\u00fcr Schritt, Tag um Tag, ohne etwas auszulassen, ohne die Gr\u00e4uel jemals auszumalen, n\u00fcchtern und gnadenlos, wie er die Wirklichkeit der Todeslager bew\u00e4ltigt hat. Die Sprache selbst ist die Handlung, mit den Augen des arglosen Jungen betrachtet, der erst z\u00f6gernd, dann aber schlagartig begriffen hatte, dass man ihn ermorden wollte, ja, dass seine Gef\u00e4hrten schon in Rauch aufgegangen waren.<br \/>\nAls Kranker mit einem entz\u00fcndeten Knie, einem Abszess an der H\u00fcfte, wird Gy\u00f6rgy schlie\u00dflich nach Buchenwald gebracht. Der Junge beobachtet seinen vergreisenden K\u00f6rper, nimmt Taubheit und Gleichg\u00fcltigkeit in sich wahr, wehrt sich gegen nichts mehr. Alles scheint ihm aus seiner Situation \u201efolgerichtig und nat\u00fcrlich\u201c, doch als er gepflegt wird, sp\u00fcrt er, wie sein Lebensgef\u00fchl wieder aufflackert, sp\u00fcrt, dass er gar nicht scheitern kann.<br \/>\nVon amerikanischen Soldaten gerettet, schl\u00e4gt sich Gy\u00f6rgy nach seiner Genesung wieder nach Budapest durch. Denen, die \u201enur\u201c den Krieg erlebt haben, und nicht das Grauen der Lager, kann er nichts begreiflich machen, doch auch er versteht die Dagebliebenen nicht. Vergessen soll er, wird ihm geraten &#8211; doch er erinnert sich, muss sich erinnern an das, was er das \u201eGl\u00fcck der Konzentrationslager\u201c nennt, an das \u00dcberleben, Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Ungarischen von Christina Vir\u00e1gh Verlag Rowohlt 1996 &amp; 2002 ISBN: 3-499-22576-X Originaltitel: Sorstalans\u00e1g, 1975 Bezug: Preis: Buchhandel \u201eAuch, wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz. 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