{"id":414,"date":"2011-09-03T20:54:06","date_gmt":"2011-09-03T20:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=414"},"modified":"2012-05-18T21:01:13","modified_gmt":"2012-05-18T21:01:13","slug":"kurze-buchvorstellung-sandor-marai-befreiung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=414","title":{"rendered":"Rezension: M\u00e1rai, S\u00e1ndor &#8211; &#8222;Befreiung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/befreiung.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2393\" title=\"befreiung\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/befreiung.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"209\" \/><\/a>Die 23-j\u00e4hrige Erzs\u00e9bet \u2013 Protagonistin in M\u00e1rais letztem in Ungarn verfassten Roman &#8211; wohnt zur Zeit der Belagerung im Dezember 1944 unter falschem Namen in einem Mietshaus in Budapest. Ihr Vater, ein bekannter Mathematiker, lebt seit Beginn der deutschen Besetzung Ungarns im Untergrund. Als die russischen Truppen sich der Hauptstadt n\u00e4hern, muss Erzs\u00e9bet sowohl f\u00fcr ihn ein neues Versteck organisieren als auch sich selbst vor den sich ausbreitenden Stra\u00dfenk\u00e4mpfen in Sicherheit bringen. Mit mehreren Hausbewohnern findet sie Unterschlupf in einem Luftschutzkeller und wartet dort auf das Ende des Krieges und die Befreiung durch die sowjetischen Truppen. W\u00e4hrend viele der im Keller ausharrenden Menschen schlie\u00dflich vor den heranr\u00fcckenden Belagerern fliehen, entscheidet sich Erzs\u00e9bet, zusammen mit einem gehbehinderten \u00e4lteren Mathematikprofessor zu bleiben. Als ein russischer Soldat den Keller betritt, ist Erzs\u00e9bet um ein Gespr\u00e4ch mit ihm bem\u00fcht, sie wird allerdings letztlich von ihm vergewaltigt. Als sie sp\u00e4ter den Keller verl\u00e4sst, findet sie den Soldaten erschossen am Kellerausgang vor.<\/p>\n<p>M\u00e1rai hat diesen Roman in nur sieben Wochen &#8211; unter dem unmittelbaren Eindruck der intensiven Erlebnisse des Jahres 1945 &#8211; verfasst. Entdeckt wurde das Buch aber erst nach seinem Tod und erstmals im Jahr 2000 ver\u00f6ffentlicht. Der Autor vermittelt in drei gro\u00dfen r\u00fcckblickenden Abschnitten authentisch und atmosph\u00e4risch dicht Bilder und Stimmungen zum Ende des Krieges 1945.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu seinen anderen Romanen wirkt der Roman eher &#8218;unfertig&#8216; und weist einen insgesamt fragmentarischen Charakter auf &#8211; dies hat jedoch einen ganz plausiblen Grund: M\u00e1rai selber hatte nicht die Absicht, den Roman zu ver\u00f6ffentlichen; \u00fcberhaupt fasste er bereits 1943 den Entschluss, ausschlie\u00dflich Tagebuch bzw. &#8218;f\u00fcr sich selbst&#8216; zu schreiben. Wie L\u00e1szl\u00f3 F. F\u00f6ld\u00e9nyi im Nachwort des Romanes betont, ging es M\u00e1rai demnach offensichtlich weniger darum, dem Publikumsgeschmack zu gen\u00fcgen, als vielmehr die verwirrenden Erfahrungen und die undeutliche Lage zum Ende des Krieges 1945 zeitnah zu ordnen und zu verarbeiten. Dabei steht die Frage nach dem Begriff der &#8218;Befreiung&#8216; im Mittelpunkt, dessen Bedeutung unter den gegebenen Umst\u00e4nden h\u00f6chst fragw\u00fcrdig erscheint: Ist die Befreiung von Hunger, Bombenangriffen und deutscher Besatzung zwar relativ gewiss, so birgt der sich nahende Eingriff der russischen Truppen eine gro\u00dfe Unklarheit, die nicht zwingend &#8211; eine wie auch immer geartete &#8211; Freiheit f\u00fcr die ungarische Bev\u00f6lkerung erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 23-j\u00e4hrige Erzs\u00e9bet \u2013 Protagonistin in M\u00e1rais letztem in Ungarn verfassten Roman &#8211; wohnt zur Zeit der Belagerung im Dezember 1944 unter falschem Namen in einem Mietshaus in Budapest. 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