{"id":4042,"date":"2016-06-11T19:38:02","date_gmt":"2016-06-11T19:38:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4042"},"modified":"2016-06-11T19:38:02","modified_gmt":"2016-06-11T19:38:02","slug":"rezension-torok-imre-wanderer-zwischenwelten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4042","title":{"rendered":"Rezension: T\u00f6r\u00f6k, Imre &#8211; &#8222;Wanderer. Zwischenwelten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/wanderer_zwischenwelten.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4043\" title=\"wanderer_zwischenwelten\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/wanderer_zwischenwelten.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"214\" \/><\/a><em>Mit 19 Zeichnungen von Libu\u0161e Schmidt<br \/>\nVerlag Pop, Ludwigsburg 2015<br \/>\nISBN: 978-3-86356-122-2<br \/>\nBezug: Buchhandel, Preis: 21,90 Euro<\/em><\/p>\n<p>Will man (einmal wieder) in die Gedanken- und Fantasiewelt Imre T\u00f6r\u00f6ks eintauchen, dann kommt dieses Buch gerade richtig: Es enth\u00e4lt die meisten, bislang in verschiedenen Publikationen und B\u00fcchern verstreute Kurzprosa und Gedankenblitze, bereichert mit Zeichnungen von Libu\u0161e Schmidt. Nur schade, dass die Entstehungszeit der einzelnen Erz\u00e4hlungen nicht festgehalten ist. Das w\u00e4re n\u00e4mlich interessant! Ich habe in (fast) allen bisherigen Druckausgaben nachgesehen, wann welche Geschichten entstanden bzw. publiziert worden sind. Das f\u00e4ngt 1979 mit &#8222;\u00c4gyptische Nacht&#8220; an (in &#8222;Ameisen und Sterne&#8220;, 1986\/1995\/1999) \u00fcber die ersten Luzius-Geschichten 1997 (in Cagliostro r\u00e4umt Schnee am Rufiji, 1991\/1999) verschiedene Kurzprosa wie &#8222;Gin\u00f6kschorf&#8220; (in Akazienskizze, 2009). Nicht zu vergessen eine entz\u00fcckende Sammlung von &#8222;M\u00e4rchen und Geschichten aus Illuministan&#8220; (in Licht in Stein, 2004). Tief eintauchen kann der Leser in reale und Gedanken-Reisen, in M\u00e4rchen und Fabeln, in Landschaften und Naturerfahrungen &#8211; tats\u00e4chliche und fantastische, in seine Lieblingsl\u00e4nder, Afrika und die T\u00fcrkei. Auch seine Erfahrungen \u00fcber Heimat und Heimatlosigkeit, \u00fcbers Fremdsein und Hiersein breitet der Autor aus. In jeder seiner Geschichten wird eines ganz klar: Das Hoffen, das W\u00fcnschen, der geistige Spaziergang, die Fantasie, aber auch das Beobachten und Zuh\u00f6ren sind T\u00f6r\u00f6ks eigentliche Heimat.<br \/>\nDie Texte sind z. Tl. \u00fcberarbeitet, es finden sich aber auch die Originale wieder, die er als ganz junger Mann geschrieben hat. Und man darf davon ausgehen, dass er immer noch dazu steht &#8211; sonst w\u00e4ren sie wohl nicht aufgenommen worden in dieses Kompendium. Es sind mit Bedacht ausgesuchte Geschichten, die nicht alt werden und auch nach vielen Jahren ihre G\u00fcltigkeit nicht verloren haben.<br \/>\nEinige dieser B\u00fccher habe ich bereits rezensiert und kann meiner Freude \u00fcber die tiefgr\u00fcndigen Sinnfragen, den leisen Humor und die bohrenden Fragen zu unserer realen Welt des sternen- und physikbegeisterten Autors eigentlich kaum noch etwas hinzuf\u00fcgen.<br \/>\nIn seinen Geschichten sp\u00fcren wir, dass er immer schon &#8211; und immer noch &#8211; viel von seinem Gl\u00fchw\u00fcrmchen Luzius ( &#8222;Das Buch Luzius&#8220;, 2012) in sich bewahrt hat; manchmal scheinen seine Helden liebestaumelnd und verwirrt den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren. Luzius, stellvertretend f\u00fcr alle lichtspendenden Optimisten ger\u00e4t selbstvergessen und naiv in eine m\u00f6rderische Welt von K\u00fcchenschaben, die die ganze Welt zu Kakerlakien umgestalten wollen. Fressen ist ihr einziges Anliegen, stark und m\u00e4chtig sein, den Ton angeben &#8211; ganz wie im richtigen Leben.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlungen, Geschichten, die Kurzprosa, bei der die Grenzen zur Lyrik sich manchmal verwischen sind kurzweilig und voll menschenfreundlicher Philosophie.<br \/>\nNeu f\u00fcr mich sind &#8222;Am feurigen Berg &#8211; ruh k\u00f6pr\u00fcs\u00fc&#8220;, &#8222;Lichtwege&#8220; und &#8222;Degustation&#8220;, die ich hier erw\u00e4hnen m\u00f6chte:<br \/>\nIn &#8222;Am feurigen Berg&#8220; ist er der stille Zuh\u00f6rer. Ein alter Mann erz\u00e4hlt. Erz\u00e4hlt von Geschichten aus uralten Zeiten, als die jungen Menschen noch rebelliert haben, erz\u00e4hlt von Geschichten, die sich auch heute ereignen. Erz\u00e4hlt davon, wie eine junge Frau ihren Liebsten f\u00fcr ihre Ideen von Freiheit begeistern konnte. Erz\u00e4hlt davon, wie die kleine Gruppe verfolgt wird und wie gleichzeitig Urgewalten der Natur losbrechen. Hava, die junge Frau, l\u00e4sst ihre Liebe so stark erstrahlen, dass sie ihren Liebsten in ewige H\u00f6hen f\u00fchrt &#8211; und rettet. Soweit das M\u00e4rchen, indem sich, wie in vielen M\u00e4rchen die &#8222;Helden&#8220; retten ins \u00dcberirdische. Ja, bekr\u00e4ftigt der alte Erz\u00e4hler, noch heute kann man die \u00dcberreste dieser Seelenbr\u00fccke entdecken&#8230;<br \/>\n&#8222;Lichtwege&#8220;: Die Erz\u00e4hlung f\u00fchrt ins Dunkle, in den Schwarzwald, an den der Erz\u00e4hler sich autobiografisch (?) erinnert. An eine Zeit, als der Junge in die fremde Gegend zog, die Sprache, den Dialekt nicht verstand &#8211; und sicher war, dass er weder die neue Stadt, noch deren Bewohner, noch die Schule je w\u00fcrde lieben k\u00f6nnen. Es ist anders gekommen. Er konnte sich einf\u00fcgen &#8211; und sinniert heute dar\u00fcber nach, warum erst die Erinnerung die Erkenntnis bringt. &#8222;Das Ziel ist unbeteiligt&#8220; &#8211; Und &#8222;den Weg darf man dem Ziel nicht anlasten&#8220;. Die Pr\u00fcfungen des Lebens werden schlie\u00dflich bestanden. Inzwischen hat er in vielen St\u00e4dten gewohnt, viele Schulen und Institutionen besucht &#8211; in der Erinnerung sind sie eine &#8222;Lichterkette der Lernorte &#8211; Ferngold der Erinnerung&#8220;.<br \/>\n&#8222;Degustation&#8220;: &#8211; \u00dcber Geschmack sollte man nicht streiten. &#8211; Witzig und doppeldeutig erz\u00e4hlt T\u00f6r\u00f6k hier vom Betriebsausflug der Erfolgsbank in den sch\u00f6nen Kaiserstuhl. Aber nicht Ihringer, Bischoffinger oder K\u00f6nigsschaffhauser Vulkanfelsen bekommt die Gesellschaft zu trinken und zu kosten &#8211; Alkohol ist hier rationiert und ge\u00e4chtet &#8211; sondern verschiedene Hanfsorten gilt es zu degustieren. Der Erz\u00e4hler kennt sich mit Wein aus &#8211; und im Kaiserstuhl; denn vor jede gute Hanf-Kostprobe k\u00f6nnte man die entsprechende Weinsorte setzen. Ist Rausch gleich Rausch?? Das kann ja wohl nicht ganz stimmen!<br \/>\nAuch in dieser Werkschau hat T\u00f6r\u00f6k wieder einen Fantasieflug um den Dichterkollegen Nikolaus Lenau mit eingeflochten (&#8222;Lenau Projektionen&#8220;): Wie er selbst, kam Lenau aus dem Karpatenbecken, reiste viel, sah andere L\u00e4nder und Sitten, hatte Heimweh, beschrieb die Landschaften seiner Jugend. Ihm legt der Dichter T\u00f6r\u00f6k Zukunftswissen um Dichterkollegen und Philosophen in den Mund, Zukunftswissen um die furchtbaren Gr\u00e4uel des 20. Jahrhunderts. Mit ihm macht uns T\u00f6r\u00f6k aber auch mit der wechselvollen, Freiheit suchenden und Freiheit verlierenden Geschichte Ungarns &#8211; bis heute &#8211; bekannt.<br \/>\nEs g\u00e4be noch zu vielen Geschichten und Prosagedichten etwas anzumerken, Nachdenkliches, Heiteres, Philosophisches.<br \/>\nAns Herz m\u00f6chte ich dem Leser diesmal die &#8222;Frau des M\u00e4rchensammlers&#8220; legen, nur drei Seiten lang, sie passt ins Jetzt, entstanden aber vor ungef\u00e4hr 30 Jahren: Ein altes t\u00fcrkisches Ehepaar, \u00fcber 60 Jahre lang verheiratet, noch immer in Liebe und Zuneigung verbunden; sie helfen und st\u00fctzen sich gegenseitig, auch in ihren gemeinsamen Ideen. Die Erz\u00e4hlung spielt in einem t\u00fcrkischen Kulturverein, in einer Kleinstadt in S\u00fcddeutschland: Er ein Gelehrter, sie seine ebenb\u00fcrtige Gef\u00e4hrtin, die 30 Jahre zuvor nach Paris ins Exil gehen mussten. Und drau\u00dfen zwei junge Lederjackentr\u00e4ger, die sich abf\u00e4llig \u00fcber die da drinnen \u00e4u\u00dfern und sie Mores lehren wollen. &#8211; Wie heute! &#8211; Es hat sich in 30 Jahren nichts ge\u00e4ndert. &#8211; Leider.<br \/>\nUnd zum Schluss:<br \/>\nLieber Imre T\u00f6r\u00f6k, ich lese Ihre launigen, tiefgr\u00fcndigen und zeitlosen Erz\u00e4hlungen immer gerne! &#8211; Aber: Wann erg\u00f6tzen Sie uns wieder mit einem neuen Roman?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit 19 Zeichnungen von Libu\u0161e Schmidt Verlag Pop, Ludwigsburg 2015 ISBN: 978-3-86356-122-2 Bezug: Buchhandel, Preis: 21,90 Euro Will man (einmal wieder) in die Gedanken- und Fantasiewelt Imre T\u00f6r\u00f6ks eintauchen, dann kommt dieses Buch gerade richtig: Es enth\u00e4lt die meisten, bislang &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=4042\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[342],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4042"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4042"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4042\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4044,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4042\/revisions\/4044"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}