{"id":3174,"date":"2013-07-02T04:55:21","date_gmt":"2013-07-02T04:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3174"},"modified":"2013-07-02T04:55:21","modified_gmt":"2013-07-02T04:55:21","slug":"rezension-kiss-tamas-fruher-im-licht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3174","title":{"rendered":"Rezension: Kiss, Tam\u00e1s &#8211; &#8222;Fr\u00fcher im Licht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fru\u0308her_im_licht.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-3175\" title=\"fru\u0308her_im_licht\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fru\u0308her_im_licht.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"220\" \/><\/a><em>Kriminalroman<br \/>\nVerlag: Europa Verlag Z\u00fcrich, 2013<br \/>\nISBN: 978-3-905811-68-1<br \/>\nBezug: Buchhandel, Preis: 12,00 Euro <\/em><\/p>\n<p>Fr\u00fcher im Licht, da konnte er alles sehen, f\u00fchlen, schmecken. Jetzt ist er in Dunkelheit und K\u00e4lte gefangen \u2013 nur sein Gehirn arbeitet klar und pr\u00e4zise: Kriminalkommissar Varga wurde angeschossen und liegt im Koma in einer Z\u00fcricher Klinik. Seinem Denken ist bewusst, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, doch er will unbedingt kl\u00e4ren, wer sein M\u00f6rder ist, wer ihn aus dem Fall, an dem er gerade gearbeitet hatte, herausgeschossen hat. Varga wei\u00df, wie allein und ausgeliefert er in seiner eigenen K\u00f6rperh\u00fclle dem TOD gegen\u00fcbersteht. Er sp\u00fcrt K\u00e4lte und schauerliche Einsamkeit, und ab und zu die irrwitzige Hoffnung, doch noch ins Leben zur\u00fcckzukehren.<br \/>\nKindheitserinnerungen tauchen auf als Traumgesichte an eine unbeschwerte Zeit in Ungarn vor der Revolution 1956, an seine Flucht mit dem Vater \u2013 an ihre Trennung in \u00d6sterreich und an seine eigene Aufnahme in eine Schweizer Gastfamilie. Diese R\u00fcckblenden wechseln ab mit klaren Erinnerungen an seinen Fall und Gespr\u00e4chen mit dem TOD mit Bitte um Aufschub, bis er den M\u00f6rder kennt.<br \/>\nKommissar Varga, der keinen Vornamen hat, k\u00f6nnen wir uns als 59 j\u00e4hrigen, eher hageren Mann vorstellen, der sich haupts\u00e4chlich von Cola und Creme-Schnittchen zu ern\u00e4hren scheint. Dabei hat er ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr drohende Gefahren, dem er leider nicht immer nachgibt. Der Kommissar arbeitet gern mit seiner Assistentin Nowak, seiner rechten Hand, zusammen, die wie er aus dem Osten stammt. Wirklich heimisch geworden in der Schweiz ist er nie; im Gegenteil: Sein Blick auf die Schweizer und ihre Schweiz bleibt kritisch. Einzig f\u00fcr den FC Z\u00fcrich und f\u00fcr den Kriminalroman von D\u00fcrrenmatt \u201eDer Richter und sein Henker\u201c hat er eine Vorliebe.<br \/>\nVargas Heimat bleibt Ungarn; dorthin kehren seine Tr\u00e4ume immer wieder zur\u00fcck. Allerdings hat er au\u00dfer seiner Flucht auch traumatische Erlebnisse mitgebracht, die er nie mehr los wird: Den Tod eines jungen Panzerfahrers in Budapest w\u00e4hrend der Revolution \u2013 und den Tod eines Kameraden, der bei einem Streich ums Leben kam. Von daher r\u00fchren seine chronischen Kopfschmerzen, die er mit Unmengen von Aspirin zu bek\u00e4mpfen sucht. &#8211; Immerhin ist Varga ein gewissenhafter, fantasiebegabter Kommissar geworden. Wie in jedem richtigen Krimi darf auch hier ein missg\u00fcnstiger ungeduldiger Vorgesetzter nicht fehlen und Kollegen, die korrekt, aber ohne Intuition arbeiten.<br \/>\nKommissar Varga aus Z\u00fcrich h\u00e4tte einen wunderbaren Serienhelden f\u00fcr einige Fortsetzungen abgegeben, h\u00e4tte er bei seinen Ermittlungen nicht einen grundlegenden Fehler gemacht und ein wichtiges Detail \u00fcbersehen: \u00dcber 322 Seiten l\u00e4sst uns Tam\u00e1s Kiss an vielf\u00e4ltigen Spuren, \u00dcberlegungen und Ermittlungen teilhaben, an Vargas Deal mit dem Tod, an seinen immer rascher wechselnden Traumgespinsten, bis zur L\u00f6sung des Falls. Doch Achtung! f\u00fcr Ungeduldige: Es n\u00fctzt nichts, auf den letzten Seiten nach dem M\u00f6rder nachzuschlagen! Ohne den ganzen Fall vor Augen, und alle F\u00e4den in der Hand zu haben, wird man daraus sicher nicht schlau werden. Nur Varga h\u00e4tte rechtzeitig mit diesem Namen etwas anfangen und so sein Leben retten k\u00f6nnen.<br \/>\nHier also sein letzter Fall, in dem auch ein kubanischer Revolutionsheld eine Rolle spielt: Ein junger rechtskonservativer \u2013 erst k\u00fcrzlich \u00fcberst\u00fcrzt aus der Politik ausgeschiedener Jungstar, Marco Kistler \u201eproperer Musterschweizer, [ ] Ausl\u00e4nderhasser, Alleshasser [\u2026], Ex-Partner einer Sicherheitsfirma, Ex-Tennisprofi, Ex-Pr\u00e4sident der Jungen Schweizer Demokraten &#8211; eine prominente Blendrakete -\u201c wird \u2013 ausgerechnet am 23. Oktober, dem Jahrestag der ungarischen Revolution, ermordet an der Glatt (Fl\u00fcsschen in der Schweiz) aufgefunden. Au\u00dfer dass er sich an eine Praktikantin rangemacht, die Parteikasse geleert \u2013 und einige Male in Kuba war, um dort, so sieht es aus, einen gro\u00dfen Coup zu landen, haben die Ermittler vorerst wenig in der Hand. Er soll auf Kuba ein Kinderhilfswerk gegr\u00fcndet haben \u2013 eine echte Organisation oder eine Scheinfirma?<br \/>\nDie Spuren laufen zu vielen Verd\u00e4chtigen. Einer von ihnen ist der rechte Nationalrat Forster. Was hat er, was haben andere mit dem Tod Kistlers zu tun? Und \u2013 haben sie \u00fcberhaupt etwas damit zu tun? Kistlers Familie und viele Leute aus seinem Umfeld werden befragt &#8211; ohne greifbare Hinweise. Die Tatwaffe, ein \u00e4lteres russisches Modell, weist auf Kuba hin. Und als Kistlers Sekret\u00e4rin auch noch auf bestialische Weise ermordet wird, fliegen Varga und seine Assistentin (auch sie ohne Vornamen) kurzerhand nach Havanna, um dort ihre Nachforschungen zu intensivieren.<br \/>\nAn Ort und Stelle kommen weitere Details ans Licht &#8211; alle w\u00e4ren Grund genug f\u00fcr einen Mord: Kistlers Frauengeschichten; dazu seine Li\u00e4son mit der Tochter eines der m\u00e4chtigsten und reichsten M\u00e4nner im kommunistischen Land. Wut des Vaters? Eifersucht eines Nebenbuhlers? Auch klandestine Verwicklungen verschiedener Staaten mit vorgeschobenen Mittelsm\u00e4nnern in Gesch\u00e4fte mit biologischen Waffen, mit verbotenen Impfstoffen und anderes gleiten ins Visier der Ermittler. Oder sollten etwa auch die Russen in einem Dreiecksgesch\u00e4ft mitmischen? Kurz, alles ist m\u00f6glich: Eine Beziehungstat oder ein Mord um Spuren in einem Riesengesch\u00e4ft zu vertuschen? War Kistler vielleicht gar ein Bauernopfer, um Verd\u00e4chtigungen in eine bestimmte Richtung zu leiten? Die Verdachtsmomente f\u00fchren immer intensiver zu schweizerischen Landsleuten; die Kubaner zwar wissen etwas, geben aber nur karge Hinweise.<br \/>\nVarga k\u00e4mpft verbissen bis zuletzt und rekapituliert St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck alle Details seiner Ermittlungen bis zum \u2013 auch f\u00fcr ihn &#8211; \u00fcberraschenden Schluss.<br \/>\nSch\u00f6n sind dabei die kenntnisreichen Anmerkungen zu Kuba, wo sich der Autor, wie zu lesen ist, oft und gern aufh\u00e4lt, und wo er ein tats\u00e4chliches Kinderhilfswerk unterst\u00fctzt. &#8211; Gut gemacht sind auch die \u00fcbergangslosen Sequenzen zwischen Erinnerungsfetzen an Kindheit und Jugend, den um Aufschub bittenden Gespr\u00e4chen mit dem TOD, dem Bewusstsein, wie es um ihn steht, seine Angst vor dem Ende \u2013 vor allem, ohne den Fall gel\u00f6st zu haben \u2013 und den tats\u00e4chlichen Ermittlungsvorg\u00e4ngen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriminalroman Verlag: Europa Verlag Z\u00fcrich, 2013 ISBN: 978-3-905811-68-1 Bezug: Buchhandel, Preis: 12,00 Euro Fr\u00fcher im Licht, da konnte er alles sehen, f\u00fchlen, schmecken. 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