{"id":3117,"date":"2013-06-05T20:37:25","date_gmt":"2013-06-05T20:37:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3117"},"modified":"2013-06-05T20:37:45","modified_gmt":"2013-06-05T20:37:45","slug":"rezension-rubin-szilard-die-wolfsgrube","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3117","title":{"rendered":"Rezension: Rubin, Szil\u00e1rd &#8211; &#8222;Die Wolfsgrube&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/die_wolfsgrube.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-3118\" title=\"die_wolfsgrube\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/die_wolfsgrube.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"245\" \/><\/a><em>Kriminalroman<br \/>\nAus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3<br \/>\nVerlag Rowohlt, Berlin, 2013<br \/>\nISBN: 978-3-87134-753-5<br \/>\nOriginaltitel: Mulats\u00e1g a farkasveremben, 1973<br \/>\nBezug: Buchhandel; Preis: 17,95 Euro <\/em><\/p>\n<p>Als Rubin seinen einzigen Kriminalroman Anfang der 70er Jahre schreibt, l\u00e4sst er das Jahr 1964 noch einmal aufleben, die Zeit des kalten Krieges, die Angst und auch die \u00dcberzeugung von feindlichen Agenten ausspioniert zu werden. Ungarische Emigranten arbeiteten nicht selten aus dem Exil gegen das kommunistische Regime. Unter den Menschen herrscht Misstrauen. Der Krieg und erst recht 1956 sind noch nicht so lange her &#8211; alte Rechnungen noch offen. Zweckb\u00fcndnisse wurden geschmiedet, die nun langsam in die Br\u00fcche gehen. Unterschwellig lebt in den Menschen die Furcht vor einem allm\u00e4chtigen Staatsapparat, vor dem jeder untadelig dastehen will \u2013 auch um den Preis gr\u00f6\u00dferer und kleinerer L\u00fcgen. Ganz im Gegensatz zur landl\u00e4ufigen Annahme steht diesmal ein Vertreter des Staates, ein Polizist, in der Spionageabwehr im Mittelpunkt: integer, klug, sprachbegabt, allein der Wahrheit verpflichtet und mit gro\u00dfem psychologischen Gesp\u00fcr.<br \/>\nSchon das Cover der deutschen Ausgabe von 2013 ist eine Meisterleistung: Nichts ist wie es scheint: Ein L\u00f6ffel wirft Schatten in Form einer Gabel. \u2026 Ein vielversprechender Hinweis!<br \/>\nAus einer Art Vorgeschichte erfahren wir, dass im Mai des Jahres in einer Agentenbesprechung gro\u00dfe Hoffnung in einen neuen ungarischen Spion (06) gesetzt wird, obwohl dem Vorgesetzten die Ungarn eher unzuverl\u00e4ssig erscheinen. Mit zwei chirurgischen Eingriffen und s\u00e4mtlichen Erinnerungen ausgestattet, soll er das perfekte Alter Ego eines Dr. Decsi, von Beruf Biochemiker, sein.<br \/>\nInzwischen ist es Oktober. Sechs Schulkameraden, die alle 1945 Abitur gemacht haben, wollen nach 15 Jahren endlich ein Wiedersehn feiern. Es soll ein sch\u00f6ner Abend werden bei Dr. K\u00e1roly Haller, dem Gemeindearzt des St\u00e4dtchens Csalog\u00e1ny, der sie alle zu sich eingeladen hat. So viel ist bei einigen schon durchgesickert, Haller hat den Schwarm ihrer Schulzeit, Emmi Schweller, die aus Siebenb\u00fcrgen geflohen war, geheiratet.<br \/>\nAuf den Weg machen sich: Hauptmann Beke von der Spionageabwehr. Er freut sich auf das Treffen, doch sein Beruf bringt es mit sich, dass er an Einzelheiten und Ungereimtheiten misstrauisch h\u00e4ngen bleibt. &#8211; Ali Baksay der Journalist und Genie\u00dfer reist zusammen mit Gy\u0151z\u0151 V\u00e9rtes, dem f\u00fcr seinen Geiz bekannten Dichter. Beide sind seit der Schulzeit in Hassliebe verbunden, w\u00fcnschen sich gegenseitig allerlei Unheil, k\u00f6nnen aber nicht ohne den anderen sein. &#8211; Decsi, der Biochemiker, hatte f\u00fcr zwei Jahre ein Stipendium in Schweden und ist erst k\u00fcrzlich zur\u00fcckgekehrt. Nun hat er einen verantwortungsvollen Posten in einer internationalen Fabrik im Mecsek-Gebirge. Er ist unterwegs mit einem jungen Kollegen aus Polen, Andrzej. Dieser hat einen besonderen Grund, auf dem Weg ins Institut, in P\u00e9cs Station zu machen. Bei seinem ersten Ungarn-Aufenthalt hatte er eine junge Frau kennen gelernt, doch die Verst\u00e4ndigung klappte damals nicht. Eine Brieffreundschaft f\u00fchren beide jedoch jahrelang weiter. Inzwischen k\u00f6nnte er sich auf Ungarisch mit ihr unterhalten; denn er m\u00f6chte die Frau, die inzwischen verheiratet ist, treffen. Es ist Magda Haller, die als Sch\u00fclerin Emmi Schweller hie\u00df. &#8211; Decsi scheint geradezu besessen zu sein, sich an alles, an die kleinsten Kleinigkeiten aus der Schulzeit zu erinnern \u2013 und er wird sehr nerv\u00f6s, wenn ihm etwas entfallen ist.<br \/>\nAls Beke in einem Caf\u00e9 sitzt, kommt eine Frau auf ihn zu, die unbedingt mit ihm sprechen will. Es ist Frau Schwabik, die Frau des Apothekers, der 10 Jahre zuvor die Erzengel-Apotheke in P\u00e9cs \u00fcbernommen hat. Frau Schwabik ist eifers\u00fcchtig auf eine junge T\u00e4nzerin, die immer wieder in die Apotheke kommt, mit ihrem Mann tuschelt \u2013 und dieser ihr nachweislich Geld gibt. Frau Schwabik ist au\u00dfer sich und beschw\u00f6rt Beke etwas zu unternehmen, bevor \u201eetwas Schlimmes passiert\u201c. Kurz darauf lernt er die T\u00e4nzerin selbst kennen. Auch sie m\u00f6chte ihm am Abend etwas anvertrauen. Ali der Journalist soll ein Interview mit der jungen Frau machen \u2013 und l\u00e4dt sie mit zur Wiedersehnsfeier ein. Unterwegs im Taxi w\u00fcrde sie sprechen. Au\u00dferdem sei auf diese Weise noch eine sch\u00f6ne Frau mehr von der Partie.<br \/>\nBeke besucht Schwabik in der Apotheke und sieht ihn dort mit Bea Nicky vertraulich sprechen. Schwabik scheint nicht bei der Sache. Er macht sich schon seit Wochen Sorgen, er habe Kehlkopfkrebs. Seiner Familie hat er nichts davon gesagt. An diesem Abend soll er einen endg\u00fcltigen Bescheid bekommen.<br \/>\nDie alten Freunde machen sich in verschiedenen Gruppierungen auf den Weg: Beke, Schwabik und seine Frau fahren mit dem Bus, Decsi, Ali, V\u00e9rtes und Bea lassen sich im Taxi zu Haller kutschieren. Frau Haller kommt mit dem Bus aus P\u00e9cs und Dr. Haller sucht unterdessen bei str\u00f6mendem Regen Pilze im Wald. Seine Sprechstundenhilfe, die resolute, aber wenig zuverl\u00e4ssige Stefi freut sich auf den Abend, zu dem ihr Chef sie \u00fcberraschend eingeladen hat. Daf\u00fcr hat sie sich sogar eine Kurzhaarfrisur schneiden zu lassen.<br \/>\nDie Stimmung lockert sich schnell, man tanzt, man trinkt und unterh\u00e4lt sich. Da die beiden Junggesellen Ali und V\u00e9rtes gern mit Bea und auch mit Stefi einen Flirt beginnen m\u00f6chten, schlagen sie das Spiel \u201eM\u00f6rder und Detektiv\u201c vor, welches sie in ihrer Jugend h\u00e4ufig gespielt hatten. Es werden Zettel gezogen \u2013 auf einem steht M\u00f6rder, auf dem anderen Detektiv. Wenn das Licht gel\u00f6scht und es v\u00f6llig dunkel ist, muss der \u201eM\u00f6rder\u201c sein Opfer so \u201eschlagen\u201c oder \u201ew\u00fcrgen\u201c, dass es schreit. Dann kommt der Detektiv herein und beginnt mit den Vernehmungen.<br \/>\nIn der dritten Runde passiert es: Aus dem l\u00e4rmenden, lustigen Haufen wird eine schreckensstarre Gesellschaft: Bea wurde erw\u00fcrgt und liegt tats\u00e4chlich tot auf dem Teppich. Beke, der in dieser Runde den Detektiv spielen sollte, beginnt sofort mit den Ermittlungen.<br \/>\nSchon bei seiner Frage an jeden Verd\u00e4chtigen, wen er f\u00fcr den T\u00e4ter hielte, kommen alte Abneigungen, Bef\u00fcrchtungen, Verd\u00e4chtigungen zu Tage. \u201eFreunde\u201c trauen sich nicht \u00fcber den Weg, trauen dem Anderen aber alles zu; Ehepaare verd\u00e4chtigen sich gegenseitig, bei Frau Haller wird immer ungekl\u00e4rt bleiben, ob sie als j\u00fcdisches M\u00e4dchen mit einem arischen Pass \u00fcberlebte, oder ob ihre Eltern mit einem Pass daf\u00fcr sorgten, eine evtl. Nazi-Vergangenheit zu vertuschen. Bea und Schwabik wollten an das Verm\u00f6gen der emigrierten Familie Haller kommen, welches in Schwabiks Haus eingemauert ist; &#8211; V\u00e9rtes wollte aus \u201eEhre\u201c eine Uhr zur\u00fcck kaufen und holte sich doch das Geld daf\u00fcr wieder zur\u00fcck. \u2013. Auch Decsi hat ein Geheimnis. Jeder sieht im ehemaligen Freund den M\u00f6rder, versucht dem Anderen etwas anzuh\u00e4ngen, um sich selbst rein zu waschen.<br \/>\nDann bleibt noch die Kl\u00e4rung des Tatmotivs: Dazu werden verschiedene F\u00e4hrten verfolgt, K\u00f6der ausgelegt, Irrwege beschritten, Meinungen gebildet und wieder verworfen. &#8211; Mehr soll hier nicht verraten werden.<br \/>\nStark im Text sind die Vernehmungen, die Ausleuchtung von Beweggr\u00fcnden, Verd\u00e4chtigungen und gegenseitigem Misstrauen. Nicht so \u00fcberzeugend ist die Aufkl\u00e4rung am Schluss. Auf diese hat Rubin wohl auch keinen gro\u00dfen Wert gelegt, das war ihm nicht mehr so wichtig. Wie in einem Theater treten au\u00dfer der armen Bea noch einmal alle vor das Publikum, damit Beke seine \u00dcberlegungen zur Kl\u00e4rung des Falles dem Leser darlegen kann.<br \/>\nTrotz des etwas chaotischen Schlusses ein sehr spannend zu lesendes Buch \u2013 vor allem was die Zeit und die Charaktere betrifft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriminalroman Aus dem Ungarischen von Timea Tank\u00f3 Verlag Rowohlt, Berlin, 2013 ISBN: 978-3-87134-753-5 Originaltitel: Mulats\u00e1g a farkasveremben, 1973 Bezug: Buchhandel; Preis: 17,95 Euro Als Rubin seinen einzigen Kriminalroman Anfang der 70er Jahre schreibt, l\u00e4sst er das Jahr 1964 noch einmal &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3117\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[277],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3117"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3117"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3120,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3117\/revisions\/3120"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}