{"id":3066,"date":"2013-04-12T21:47:32","date_gmt":"2013-04-12T21:47:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3066"},"modified":"2013-04-12T21:47:32","modified_gmt":"2013-04-12T21:47:32","slug":"rezension-nagy-ildiko-noemi-oh-bumerang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3066","title":{"rendered":"Rezension: Nagy, Ildik\u00f3 No\u00e9mi &#8211; &#8222;Oh Bumerang&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/oh_bumerang.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-3067\" title=\"oh_bumerang\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/oh_bumerang.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"235\" \/><\/a> <em>Stories<\/em><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: Eggy\u00e9t\u00f6rve, 2010<\/em><br \/>\n<em> Verlag Jung und Jung, Salzburg und Wien, 2013<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-99027-034-9<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel, Preis: Euro 17,90<\/em><\/p>\n<p>Ildik\u00f3 No\u00e9mi Nagy legt in ihrem ersten Band Geschichten vor, in denen es sich um Befindlichkeiten dreht: Stimmungen und Alltagszust\u00e4nde einer jungen Frau, die sich an ihre Schulzeit, an ihre Teenagersehns\u00fcchte und Teenager\u00e4ngste in ihrem Amerika und Ungarn erinnert. Die Autorin wuchs zweisprachig auf, ihre Eltern emigrierten nach 1956 nach Kanada; &#8211; viel mehr erf\u00e4hrt man nicht \u00fcber sie.<br \/>\nSicher kann man diese autobiografisch erz\u00e4hlten Skizzen nicht eins zu eins umsetzen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier schreibend verschiedene Identit\u00e4ten ausprobiert werden.<br \/>\nSicher ist aber, dass Nagy ihre zwiesp\u00e4ltigen Erfahrungen der Zugeh\u00f6rigkeit \u2013 nicht nur zu zwei L\u00e4ndern, sondern sogar zu zwei Kontinenten hier mit einbringt. Auf der einen Seite das gro\u00dfz\u00fcgige \u2013 f\u00fcr ungarische Verh\u00e4ltnisse &#8211; luxuri\u00f6se Leben in Amerika, mit Bungalow, Autos, Internatserziehung und einem Hund, der unbedingt dazugeh\u00f6ren muss, eben dem \u201eAmerican Way of Life\u201c; auf der anderen Seite die mehr als beengten Verh\u00e4ltnisse als Studentin in Budapest. Trotzdem, ihr Herz scheint am Leben in Ungarn zu h\u00e4ngen, das sp\u00fcrt man immer wieder.<br \/>\nVieles \u00e4u\u00dfert sich jedoch auf beiden Seiten des Atlantik im Leben der Jugendlichen sehr \u00e4hnlich: man langweilt sich, sitzt herum, redet irgendwas, trinkt, raucht. Wichtig sind Musikclips, wichtig, dass die Musik einer bestimmten Band das jeweilige Lebensgef\u00fchl unterstreicht. Hier wie da schl\u00e4ft man miteinander \u2013 nur so \u2013es geh\u00f6rt dazu &#8211; man klaut eine Kleinigkeit, weil es Sport ist.<br \/>\nDie junge Generation erkennt sich wahrscheinlich wieder in den Stories; sie kennt die Probleme, sie kennt die Musik, die Bands. Die \u00c4lteren unter uns tun sich da wahrscheinlich schwerer: Die Lebenssituation ihrer Jugend sah ganz anders aus.<br \/>\nSchade, dass Nagy die, trotz allem vorhandenen, kulturellen Unterschiede zwischen dem Leben in Amerika und dem Leben in Ungarn nicht sch\u00e4rfer akzentuiert hat.<br \/>\nDer Stil ist minimalistisch, n\u00fcchtern bis lakonisch, manchmal witzig-ironisch. Pointen gibt es wenige \u2013 sie kommen im Alltag ja auch kaum vor. Wie schwer ist es doch, jung zu sein und seinen Platz zu finden!<br \/>\nFast allen Stories ist gemeinsam: Im Mittelpunkt steht ein M\u00e4dchen, ein Teenager, sp\u00e4ter eine Frau, die sich h\u00e4sslich, an den Rand gedr\u00fcckt, als Versager, und nicht geliebt vorkommt. Sie wird oft bevormundet, w\u00e4hrend sie ihren Platz zwischen den Erwachsenen und in der Gesellschaft sucht.<br \/>\nBei der Lekt\u00fcre der 25 verschiedenen Geschichten ergibt sich f\u00fcr mich folgendes Bild: Da ist eine junge Frau, die etwas \u00fcber sich schreiben soll. Ihre Gedanken schweifen ab an ihre Jugend in Amerika, als sie ein Internat besuchte, Stress wegen eines Jungen mit ihrer Freundin hatte, neidisch war auf eine Schulkameradin, der alles zu gelingen schien und die sich auch alles leisten konnte. Sie wei\u00df noch, wie sie verliebt war, sie erinnert sich an das Familienleben \u2013 auch mit den Eltern ist es nicht immer einfach. In den Ferien reist sie nach Ungarn zu ihrer Omi, wo sie einmal beinahe im Balaton ertrunken w\u00e4re.<br \/>\nJahre sp\u00e4ter, als sie schon in Ungarn lebt und arbeitet, fliegt sie wieder zur\u00fcck nach Hause, ins geordnete, luxuri\u00f6se Leben \u2013 und z\u00e4hlt schon gleich die Minuten, bis ihr Flugzeug wieder Richtung Ungarn abgeht. Dort lebt sie allein \u2013 und \/ oder mit ihrem Mann in sehr beengten Verh\u00e4ltnissen, versucht an ihrer Diplomarbeit zu schreiben, w\u00e4hrend es im Nachbarhaus lautstark tobt, vom fr\u00fchen Morgen bis in die Nacht. Geht sie spazieren, hat sie Assoziationen an ihr Leben in Amerika. Sie denkt an ihre Hochzeitsreise zu dritt \u2013 mit der frisch geschiedenen Mutter. (Diese Story f\u00e4llt wohl unter die Rubrik Fiktion, sie k\u00f6nnte die Erprobung einer anderen Identit\u00e4t sein.)<br \/>\nSie probiert ein fiktives Leben als Mann, als Frau. Doch es gelingt nicht: \u201eAb heute wird alles anders\u201c. Schlie\u00dflich f\u00e4hrt er \/ sie wieder heim zu den Eltern nach Jungfernpuszta, wo die Tradition ihn \/ sie doch fast erdr\u00fcckt hatte.<br \/>\nSie gibt einem Freund Geld. Der braucht es wieder f\u00fcr seine Freundin, die abgetrieben hat.<br \/>\nSie hat keinen Freund mehr, also muss sie sparen; denn ab jetzt sorgt sie wieder f\u00fcr sich alleine. Ein Typ hatte ihr vorgemacht, wie man Depressionen mit Atmen bek\u00e4mpfen kann. Sie h\u00f6rte ihm sp\u00f6ttisch zu. Zu Hause setzt sie sich aufs Bett \u2013 und atmet.<br \/>\nGleich in der ersten Geschichte erz\u00e4hlt sie von einer v\u00f6llig verkorksten Sexgeschichte, die damit endet, dass Beide sich einen Videoclip ansehen.<br \/>\nEs sind Geschichten, wie sie heutzutage immer und \u00fcberall passieren k\u00f6nnen; keine besonderen Ereignisse, nichts Weltbewegendes; der \u201eganz normale Wahnsinn\u201c im Leben der jungen Generation eben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stories Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda Originaltitel: Eggy\u00e9t\u00f6rve, 2010 Verlag Jung und Jung, Salzburg und Wien, 2013 ISBN: 978-3-99027-034-9 Bezug: Buchhandel, Preis: Euro 17,90 Ildik\u00f3 No\u00e9mi Nagy legt in ihrem ersten Band Geschichten vor, in denen es sich um &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=3066\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[275],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3066"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3066"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3066\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3068,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3066\/revisions\/3068"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}