{"id":2996,"date":"2013-02-04T09:39:38","date_gmt":"2013-02-04T09:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2996"},"modified":"2013-02-04T09:47:42","modified_gmt":"2013-02-04T09:47:42","slug":"rezension-gardonyi-geza-die-gefangenen-gottes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2996","title":{"rendered":"Rezension: G\u00e1rdonyi, G\u00e9za &#8211; &#8222;Die Gefangenen Gottes&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/die_gefangenen1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2997\" title=\"die_gefangenen\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/die_gefangenen1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"228\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/die_gefangenen_2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2998\" title=\"die_gefangenen_2\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/die_gefangenen_2.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"236\" \/><\/a><br \/>\n<em>Historischer Roman<br \/>\nAus dem Ungarischen von Ter\u00e9zia Jeszenkovits<br \/>\nVerlag Corvina, 2001<br \/>\nISBN: 963-13-4996-9<br \/>\nOriginaltitel: Isten rabjai, 1908<br \/>\nBezug: direkt beim Corvina-Verlag, Budapest oder in Antiquariaten <\/em><\/p>\n<p><em>Dieser historische Roman ist auch unter dem Titel \u201eWie der Mond sich spiegelt im See\u201c erschienen. \u00dcbersetzt von Heinrich Weissling, im St. Benno-Verlag, Leipzig, 1979. Mit Fotos und Zeichnungen, die Holzschnitten aus dem Mittelalter nachempfunden sind. Bezug: Antiquariat<\/em><br \/>\n<em> Weissling hat es in seiner sehr lebendigen \u00dcbersetzung bei den ungarischen Namen belassen, w\u00e4hrend Jeszenkovits leider die Namen so weit wie m\u00f6glich eingedeutscht hat, was das Verst\u00e4ndnis der Historie z. Tl. erschwert.<\/em><br \/>\n<em>Als Vorwort dient ein fingierter Briefwechsel zwischen dem Verlag und G\u00e9za G\u00e1rdonyi. Darin werden viele Fragen angesprochen, die dem Leser w\u00e4hrend des Romans durch den Kopf gehen. Die \u00fcberstrenge Bu\u00dfpraxis, der fr\u00fche Eintritt von Kindern ins Kloster. G\u00e1rdonyi \u201eantwortet\u201c darauf, dass er die Einw\u00e4nde verstehe, dass er aber vor allem das Leben dieser heiligm\u00e4\u00dfigen Prinzessin aus den Augen des Kindes Jancsi und des sp\u00e4teren immer noch sehr jungen M\u00f6nches schildern wollte.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Roman macht uns G\u00e9za G\u00e1rdonyi wieder mit einem Teil der fr\u00fchen ungarischen Geschichte bekannt: Dieses Mal f\u00fchrt uns der kleine G\u00e4rtnersohn Jancsi (Hans) durch 20 Jahre des 13. Jahrhunderts:<br \/>\nGerade hatte Ungarn unter einem Mongolensturm gelitten. 1241 wurde das Land unter K\u00f6nig B\u00e9la IV. vom Heer Batu Khans, des F\u00fchrers der \u201eGoldenen Horde\u201c bei Muhi vernichtend geschlagen. In seiner Not versprach der fl\u00fcchtende K\u00f6nig, sein noch ungeborenes Kind Gott zu weihen und es in ein Kloster zu schicken. Die Mongolen zogen nach dem unerwarteten Tod des Gro\u00dfkhans \u00d6gedei ab. Weite Teile Ungarns waren entv\u00f6lkert, das Land zerst\u00f6rt. Das Volk hungerte, vielen starben in Hungersn\u00f6ten und Epidemien \u2013 das K\u00f6nigshaus und die Adeligen lebten nach wie vor im \u00dcberfluss.<br \/>\nB\u00e9la IV. siedelte Els\u00e4sser und Leute aus dem Rheinland in der Zips (heutige Slowakei und Teile der Ukraine) an, die das Land wieder aufbauen sollten. Vor allem die St\u00e4dte wurden mit gro\u00dfen Steinmauern umgeben, um evtl. einem weiteren Einfall trotzen zu k\u00f6nnen. Doch nicht nur die Mongolen hatten ihm zu schaffen gemacht, sondern auch der B\u00f6hmenk\u00f6nig Ottokar II. Mit ihm konnte er 1261 endlich Frieden und ein enges B\u00fcndnis schlie\u00dfen. Sein Sohn Istv\u00e1n V. (Stefan) f\u00fchrte zeitweilig Krieg gegen seinen Vater, um seine eigenen Anspr\u00fcche auf Teile des Reiches geltend zu machen, was in einen B\u00fcrgerkrieg m\u00fcndete. 1266 schlossen Vater und Sohn endlich Frieden auf der Haseninsel (heute Margareteninsel).<br \/>\nIn diesem Umfeld spielt die Erz\u00e4hlung um die Hl. Margareta von Ungarn, aus dem Hause \u00c1rp\u00e1d. G\u00e1rdonyi beschreibt hier nicht nur die ungarische Geschichte dieser Zeit, er macht uns, \u00fcberaus farbig, in allen Einzelheiten vertraut mit den kirchlichen und kl\u00f6sterlichen Br\u00e4uchen und \u00dcbungen.<\/p>\n<p>Mit vier Jahren geben die Eltern B\u00e9la IV. und Maria Laskaris ihre Tochter Margit zu den Dominikanerinnen nach Veszpr\u00e9m. Der Dominikanerorden war erst wenige Jahre zuvor in Frankreich als Bettel- und Predigerorden gegr\u00fcndet worden und hatte schnell auch als M\u00e4nner- oder Frauenkloster in Ungarn Fu\u00df gefasst. Die Regeln waren sehr streng. Fleisch durfte nur auf Reisen gegessen werden, es wurde viel gebetet, gefastet, geschwiegen und gearbeitet. In den Frauenkl\u00f6stern ging es nicht gar so streng zu, da vor allem reiche, adelige Frauen in den Orden eintraten, denen einige Privilegien einger\u00e4umt wurden.<br \/>\nIm ersten Teil sehen wir im Jahre 1250 einen kleinen Jungen, dessen Vater gerade gestorben war. Sein Vater war ein guter und sehr bekannter G\u00e4rtner gewesen, Leibeigener eines Propstes. Nun bearbeitet die Mutter mit ihrem 10j\u00e4hrigen Sohn Jancsi die G\u00e4rtnerei, bis sie eines Tages im fr\u00fchen Fr\u00fchjahr zur Haseninsel befohlen werden, um dort zu pflanzen und zu g\u00e4rtnern. Mit dem Lausbub Jancsi tummeln wir uns auf der Insel, wo gerade ein Kloster gebaut wird, bestaunen die gotischen Gew\u00f6lbe, sehen den Malern zu, schauen zu, wie Brunnen gebaut werden, nehmen neugierig alles in Augenschein. Jancsi erf\u00e4hrt, dass die Prinzessin hier auf der Insel wohnen soll. Er stellt sich nat\u00fcrlich eine M\u00e4rchenprinzessin vor, seine kindliche Fantasie umgibt sie mit bereits mit einer Gloriole. Als dann Prinzessin Margit, gerade acht Jahre alt, im Mai 1250 mit den Ordensschwestern ankommt, kann er sogar einen Blick auf das Kind erhaschen.<br \/>\nVon dieser Stunde an ist es aber mit seinem ungebundenen Leben auf der Insel vorbei. Seine Mutter muss als Laienschwester im Kloster bleiben, was er als m\u00e4nnliches Wesen auf keinen Fall betreten darf. Schlie\u00dflich nimmt ihn der Dominikanerorden auf, als seinen allerj\u00fcngsten Novizen. Schmerzhaft muss er das Beten, das Schweigen und das fleischlose Essen kennen lernen, muss lernen auf einer harten Pritsche zu schlafen, nicht in einem weichen Bett. Doch da das M\u00f6nchstum zu dieser Zeit sehr hoch angesehen war, hat auch er den Eindruck, das gro\u00dfe Los gezogen zu haben. F\u00fcr ihn ist gesorgt, seine Mutter darf er jede Woche sehen, er wird sogar unterrichtet.<br \/>\nIm zweiten. Kapitel sind Kriege geschlagen und verloren worden; &#8211; Jancsi ist bereits 20 Jahre alt und hat an verschiedenen Kl\u00f6stern alles gelernt, was er als Frater wissen muss \u2013 und noch einiges dar\u00fcber hinaus. Er kann lesen und schreiben \u2013 eine Seltenheit damals, er spricht lateinisch und er versteht sein G\u00e4rtnerhandwerk. Er hat in diesen 10 Jahren Wanderschaft nat\u00fcrlich auch einiges erlebt, ist erwachsen geworden. Nun, als M\u00f6nch, darf er das Frauenkloster mit seinen Mitbr\u00fcdern besuchen. Er sieht Margarete wieder, als sie ihn um ein Gebet bittet. Seine ganze Sehnsucht nach dieser reinen Seele bricht wieder in ihm auf. Von ihr werden wahre Wunderdinge erz\u00e4hlt: Sie ist so dem\u00fctig und bescheiden, verzichtet auf jedes Privileg, ja, sie rei\u00dft sich geradezu um die niedrigsten Arbeiten, bedient Arme und Kranke. Jancsi versteht das alles nicht so recht \u2013 auch seine Mitbr\u00fcder halten manches f\u00fcr \u00fcbertrieben, denn die zarte Frau scheint diesem strengen, entsagungsvollen Leben kaum gewachsen zu sein. Seine Schw\u00e4rmerei wird entdeckt, da er seine Gedanken aufgeschrieben hat. Zur Strafe muss er das Kloster f\u00fcr eine Zeit lang verlassen und zieht mit einem \u00e4rztlichen Mitbruder durch die Lande. Mit diesem weisen und erfahrenen Pater f\u00fchrt Jancsi viele Gespr\u00e4che um den Sinn des Klosterlebens, um den Sinn des Glaubens.<br \/>\nIm dritten Kapitel, soll die Prinzessin mit Ottokar II. verheiratet werden, um den Bund mit ihrem Vater fester zu besiegeln. Margarete aber weigert sich standhaft, das Kloster zu verlassen. Lieber w\u00fcrde sie sich die Nase abschneiden und damit ihre Sch\u00f6nheit ruinieren. Sie will eine einfache Dienerin bleiben und f\u00fcr Ungarn und seine Menschen beten.<br \/>\nEndlich wird ihren W\u00fcnschen statt gegeben. Statt ihrer verheiratet B\u00e9la IV. seine Nichte mit Ottokar.<br \/>\nFrater Jancsi kehrt wieder ins Kloster zur\u00fcck. Nach Margaretes Ewiger Profess, 1261, vergr\u00f6\u00dfert sich das Kloster rapide. Nonne zu werden kommt richtig in Mode: Viele hochadelige Familien geben ihre T\u00f6chter ins Kloster, adelige Witwen und edle Fr\u00e4ulein ersuchen um Aufnahme. Jede bringt als Schenkung etwas mit f\u00fcr das Kloster. Damit zieht aber auch ein leichter Schlendrian ins Klosterleben ein, der die strengen Regeln umgeht. Allein Margarete sorgt als leuchtendes Beispiel daf\u00fcr, dass auch die Vornehmsten begreifen, dass sie zum Dienen im Kloster leben.<br \/>\nTag und Nacht liegt sie in dieser Zeit im Gebet, um Vater und Bruder, die sich bekriegen, wieder zu vers\u00f6hnen, was schlie\u00dflich auch gelingt. Sie kann offenbar auch in die Herzen ihrer Mitschwestern sehen um sie zu vers\u00f6hnen.<br \/>\nKurz nach Weihnachten 1269 wird die junge Nonne sehr krank. Ihr vom Fasten und B\u00fc\u00dfen geschw\u00e4chter K\u00f6rper kann sich nicht mehr erholen \u2013 und so stirbt sie am 18. Januar 1270 unter Anteilnahme aller ihrer Mitschwestern.<br \/>\nBek\u00fcmmert fragt sich Jancsi, ob es das wert war, dass sie so fr\u00fch sterben musste, weil sie sich nie geschont \u2013 ja weil sie ihr christliches Leben so \u00fcbertrieben hatte. Da hat er eine Erscheinung: Er sieht Margarete, die ihm die Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr heiligm\u00e4\u00dfiges Leben nennt:<br \/>\nHast du nicht gesehen, in welcher Verderbnis diese Nation lebt? Zu welch tierischem Leben der reiche Adel herabgesunken ist?<br \/>\nHast du nicht die schmuckbeladenen, stolzen Frauen auf der Insel gesehen, die immerfort kamen, um mich zu besuchen?<br \/>\nHast du nicht gesehen, wie sie meine Demut, meine Armut und Fr\u00f6mmigkeit ger\u00fchrt hat?<br \/>\nUnd hast du nicht gesehen, wie aus dem ganzen Land die stolzesten M\u00e4dchen hergebracht wurden, damit wenigstens ein Mitglied ihrer Familie nach meinem Beispiel zu Gott aufsah?<br \/>\nHast du nicht gesehen, wie diese M\u00e4dchen sogar noch im Kloster immerzu nur daran dachten, wie reich und vornehm ihre Eltern waren?<br \/>\nUnd wie schlie\u00dflich das Beispiel der K\u00f6nigstochter ihre Seele zu Demut und Andacht f\u00fchrte?<br \/>\nHast du nicht gesehen, wie sich die Kunde von meinem frommen heiligen Leben im Lande verbreitete?<br \/>\nHast du nicht gesehen, wie sie das Leibliche gegen das seelische Wohl tauschten?<\/p>\n<p>Als Frater Jancsi wieder zu sich kommt, kennt er den Sinn ihres Lebens.<br \/>\nMargarete wird bereits 1276 selig gesprochen \u2013 aber erst 1934 heilig gesprochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historischer Roman Aus dem Ungarischen von Ter\u00e9zia Jeszenkovits Verlag Corvina, 2001 ISBN: 963-13-4996-9 Originaltitel: Isten rabjai, 1908 Bezug: direkt beim Corvina-Verlag, Budapest oder in Antiquariaten Dieser historische Roman ist auch unter dem Titel \u201eWie der Mond sich spiegelt im See\u201c &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2996\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[267],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2996"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2996"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3004,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2996\/revisions\/3004"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}