{"id":2949,"date":"2013-02-01T14:44:40","date_gmt":"2013-02-01T14:44:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2949"},"modified":"2013-02-27T21:57:57","modified_gmt":"2013-02-27T21:57:57","slug":"rezension-gardonyi-geza-ich-war-den-hunnen-untertan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2949","title":{"rendered":"Rezension: G\u00e1rdonyi, G\u00e9za &#8211; &#8222;Ich war den Hunnen untertan&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/ich_war_den.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2950\" title=\"ich_war_den\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/ich_war_den.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"216\" \/><\/a><em>Jugendroman<br \/>\nAus dem Ungarischen von Heinrich Weissling<br \/>\nVerlag: Corvina, 2002<br \/>\nISBN: 963-13-5172-6<br \/>\nOriginaltitel: A l\u00e1thatatlan ember, 1902<br \/>\nBezug: direkt beim Verlag Corvina, Budapest oder im Antiquariat <\/em><\/p>\n<p>Im 5. Jahrhundert n. Chr. befasste sich der griechische Geschichtsschreiber Priskos am Hofe des ostr\u00f6mischen Kaisers Theodosius II. in Konstantinopel ausf\u00fchrlich mit dem Leben der Hunnen, insbesondere mit ihrem F\u00fcrsten Attila. Er r\u00e4umt mit vielen Vorurteilen auf und beschreibt, dass sie bei Weitem nicht die Barbaren waren, als die sie hochm\u00fctig und ver\u00e4chtlich dargestellt wurden. Nat\u00fcrlich waren die Hunnen der Schrecken der damaligen Welt und ganz S\u00fcd- und Mitteleuropa hatte geh\u00f6rig Angst vor ihnen, vor ihren Beutez\u00fcgen und hohen Tributforderungen.<br \/>\nNach dem gro\u00dfen Erfolg von \u201eSterne von Eger\u201c, schrieb G\u00e1rdonyi einen weiteren packenden historischen Roman. In dieser Erz\u00e4hlung lie\u00df er den ehemaligen Sklaven und Sch\u00fcler Priskos\u2019, Theophil, genannt Zeta, die Geschichte der Hunnen erz\u00e4hlen. Dabei hatte der Autor wohl genau recherchiert; denn er beschreibt akribisch ihren Alltag, ihre Lebensgewohnheiten, Religionstradition und Kriegsf\u00fchrung.<br \/>\nZur Historie: Unsere Geschichte spielt ungef\u00e4hr in den Jahren 441 \u2013 453.<br \/>\nDer Hunnenf\u00fcrst hatte 441 zum ersten Mal den Balkanraum verw\u00fcstet Noch teilte er sich die Herrschaft mit seinem Bruder Bleda, den er 444 oder 445 ermorden lie\u00df. Unter Attilas Alleinherrschaft erreichte das Reich seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung, mit Attilas Tod zerfiel es wieder.<br \/>\nDieses Reich setzte sich aus vielen Volksst\u00e4mmen zusammen, die Attila mit Herrschergewalt und Charisma zusammen hielt; denn er verstand es, die wichtigsten F\u00fchrer der unterworfenen St\u00e4mme an seinen Hof zu binden und ihm gern zu folgen. Dennoch reagierte Attila h\u00f6chst ungn\u00e4dig, wenn einer seiner Vasallen zur r\u00f6mischen Seite \u00fcberlief. Er fordere ihn unter Drohungen zur\u00fcck, um ihn dann hinrichten zu lassen. In dieser Zeit wurden die Hunnen halbsesshaft und ihr F\u00fchrer hatte seinen Heersitz in der Thei\u00dfebene. Das einfache Volk lebte in Zelten, K\u00f6nig Attila in einem \u201eHolzpalast\u201c auf einem H\u00fcgel, von Palisaden umz\u00e4unt. Auch die vornehmsten F\u00fcrsten und Attilas viele Frauen besa\u00dfen H\u00e4user aus Holz. Die Hunnen z\u00fcchteten Pferde und begannen etwas Ackerbau. Man sagte ihnen nach, dass sie sogar auf ihren Reittieren schliefen. Was sie so unschlagbar machte, war ihre v\u00f6llig andere Kriegsf\u00fchrung. Nicht nur, dass sie einen besonderen Bogen verwandten, mit dem sie schnell hintereinander zielen und abschie\u00dfen konnten, sie hatten auch Steigb\u00fcgel, so dass sie beidh\u00e4ndig k\u00e4mpfen und ihre Pferde dabei nur mit den F\u00fc\u00dfen lenken konnten. Ihren m\u00e4nnlichen Kindern dr\u00fcckten sie bereits im Kleinkindalter die Nasen platt, damit diese sp\u00e4ter gef\u00e4hrlicher auss\u00e4hen. Bekannt war auch, dass Attila ungeheuere Sch\u00e4tze aus Beutez\u00fcgen und Tributzahlungen aufgeh\u00e4uft hatte und den gro\u00dfen Prunk liebte, vor allem wenn Gesandtschaften der tributpflichtigen V\u00f6lker bei ihm vorsprechen mussten. F\u00fcr sich selbst lebte er bescheiden. 447 fiel Attila nochmals \u00fcber den Balkan her und zwang den damaligen ostr\u00f6mischen Kaiser Theodosius II. in Konstantinopel zu hohen Tributzahlungen. Erst Theodosius\u2019 Nachfolger Markian stellte nach dessen pl\u00f6tzlichem Unfalltod die Zahlungen ein. Da nach den Verw\u00fcstungen dort ohnehin nichts mehr zu holen war, zog Attila 451\/452 schlie\u00dflich gegen Rom, marschierte durch \u201eGermanien\u201c und traf in Gallien seinen einstigen Verb\u00fcndeten Flavius A\u00ebtius, der in seiner Jugend im Austausch f\u00fcr Attila als Geisel am Hunnenhof gelebt hatte. A\u00ebtius war inzwischen der Statthalter Westroms, hatte sich mit den Stammesk\u00f6nigen der Franken, der Burgunden und Westgoten verb\u00fcndet. Es gelang ihm, Attila und seine Vasallen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (zwischen Orl\u00e9ans und Troyes) zur\u00fcck zu schlagen. Die Schlacht endete ohne Sieger, jedoch die Hunnen verloren nach dieser Schlacht den Ruhm der Unbesiegbarkeit. Beide Seiten hatten riesige Verluste erlitten. Zudem brach unter Attilas Kriegern die Pest aus, an der viele elend starben. Attila zog danach zwar weiter und verw\u00fcstete in Italien mehrere St\u00e4dte, musste sich aber wieder in die Ungarische Tiefebene zur\u00fcckziehen.<br \/>\nNach seiner triumphal gestalteten R\u00fcckkehr mit vielen Beutewagen und Sklaven, heiratete Attila die Gotenprinzessin Hildico (im Buch: Ildik\u00f3). Er starb in der Hochzeitsnacht an einem Blutsturz. Damit begann 454\/455 der rasche Verfall des Hunnenreiches.<br \/>\nDies ist nun die Geschichte von Theophil, Zeta genannt, einem Sklaven aus Thrakien, der aus Liebe zu einer F\u00fcrstentochter, am Hof Attilas lebte, mit ihm in den Krieg zog und schlie\u00dflich Bibliothekar des Kaisers in Konstantinopel wurde:<br \/>\nTheophil wird als zw\u00f6lfj\u00e4hriger Knabe von seinem Vater auf dem Sklavenmarkt von Konstantinopel verkauft, um die gro\u00dfe Familie zu ern\u00e4hren. Maximos, ein Ratgeber Kaiser Theodosius II. erwirbt ihn als Spielkamerad f\u00fcr seine Kinder, die sich allerdings einen Spa\u00df daraus machen, das Kind zu dem\u00fctigen und zu misshandeln. Eines Tages kann er einem Gast, dem Schreiber Priskos, sein Leid klagen, worauf ihn der mitleidige Mann kauft und sorgf\u00e4ltig erziehen l\u00e4sst. Nach acht Jahren, kurz bevor er in einer Gesandtschaft an den Hunnenhof reisen soll, l\u00e4sst Priskos den jetzt 20j\u00e4hrigen jungen Mann, Zeta genannt, frei. Dieser will jedoch bei ihm bleiben wie ein Sohn und begleitet ihn zu den gef\u00fcrchteten und allseits verabscheuten Hunnen. An Attilas Hof lernt er Em\u0151ke, die sch\u00f6ne Tochter des F\u00fcrsten Cs\u00e1th kennen. Zeta verliebt sich unsterblich in sie. W\u00e4hrend die Delegation unverrichteter Dinge zur\u00fcckkehrt, trennt sich der junge Mann von ihnen, um bei den Hunnen \u2013 und damit in Em\u0151kes N\u00e4he &#8211; zu bleiben. Sie aber l\u00e4sst ihn kaum an sich herankommen. Er wei\u00df, da er sich weiter als Sklave ausgibt, um in Cs\u00e1ths Haus dienen zu k\u00f6nnen, dass er sich ihr nicht n\u00e4hern darf. In diesem Haus lebt er schlechter, als jemals bei Priskos. Allerdings wird er nach und nach zum gro\u00dfen Bewunderer Attilas. G\u00e1rdonyi schildert die Abenteuer des Zeta, das Leben am Hof, die Stellung eines gelehrten Schreibers und die Traditionen der Hunnen so lebendig, dass man sich mitten unter ihnen f\u00fchlt. Bald lernt jedoch F\u00fcrst Cs\u00e1th Zetas Qualit\u00e4ten kennen, bevorzugt ihn vor den anderen Sklaven und l\u00e4sst ihn das Kriegshandwerk lernen; denn das z\u00e4hlt hier mehr als seine Gelehrsamkeit. Ein freigelassener Grieche hatte Zeta erz\u00e4hlt, dass man auch als Ausl\u00e4nder und ehemaliger Sklave mit Tapferkeit bei Schlachten und mit Loyalit\u00e4t zu Attila, reich werden und Privilegien genie\u00dfen k\u00f6nne. Als Attila unter einem Vorwand gegen Rom mobil macht, hofft Zeta, sich im Krieg gegen das Westr\u00f6mische Reich so auszuzeichnen, dass er Em\u0151ke f\u00fcr sich gewinnt k\u00f6nne. Aber alles kommt ganz anders: Attilas Truppen werden zur\u00fcckgeschlagen, die Pest greift um sich, viele fallen auf beiden Seiten. Die Schlacht geht unentschieden aus. Auch Zeta wird schwer verwundet, \u00fcberlebt die Pest und findet bei einem g\u00fctigen christlichen Bischof Unterschlupf \u2013 er k\u00f6nnte wegen seiner Gelehrsamkeit sogar sein Nachfolger werden &#8211; doch eines Tages ergreift ihn wieder die Sehnsucht nach Em\u0151ke so stark, dass er ins Hunnenreich zur\u00fcckkehrt. Dort wird er freudig aufgenommen. Bei Attilas Hauptfrau Rika, in deren Gesellschaft sich Em\u0151ke h\u00e4ufig aufh\u00e4lt, kann er sich beliebt machen wegen seiner gro\u00dfen Kenntnisse und Geschicklichkeit. Es f\u00e4llt ihm nicht auf, dass Em\u0151ke nur von Attilas Heldentaten h\u00f6ren will \u2013 und ihn kaum beachtet. Umso mehr k\u00fcmmert sich die Magd Dschidschia um ihn, was sich Zeta nicht gefallen lassen will. Er st\u00f6\u00dft sie grob zur\u00fcck.<br \/>\nAls der Hunnenk\u00f6nig mit reichlich Beute und Sklaven zur\u00fcckkehrt, heiratet er die Burgunderprinzessin Ildik\u00f3. Noch in der Hochzeitsnacht stirbt er an einem Blutsturz. Ger\u00fcchte von Vergiftung tauchen auf, es ist niemand mehr sicher an Attilas Hof. Dschidschia warnt Zeta davor, als Gefolgsmann Attilas mit zu seinem Begr\u00e4bnis zu gehen; sich vielmehr zu verstecken. Er denkt kaum dar\u00fcber nach. Doch als Em\u0151ke ihn bittet, f\u00fcr ihn mit dem Trauerzug zu gehen, willigt er ein. Erst sp\u00e4t erf\u00e4hrt er, dass alle Diener Attilas get\u00f6tet wurden, um ihn ins Jenseits zu begleiten. Em\u0151ke ist auch dabei. Da geht ihm auf, dass sie nur Attila geliebt hat, der f\u00fcr sie unerreichbar war.<br \/>\nDschidschia hatte jedoch die ganze Zeit ein Auge auf ihn und beschw\u00f6rt Zeta zu fliehen, denn nun beginnt an Attilas Hof ein Kampf jeder gegen jeden um die Nachfolge. Doch niemand kann sich wirklich durchsetzen, keiner hat Attilas Charisma \u2013 das Reich zerf\u00e4llt.<br \/>\nAus dem Prolog entnehmen wir, dass Dschidschia Zetas Frau wird und dieser Bibliothekar am Hof Theoderichs. Als solcher verfasste er seine Erinnerungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendroman Aus dem Ungarischen von Heinrich Weissling Verlag: Corvina, 2002 ISBN: 963-13-5172-6 Originaltitel: A l\u00e1thatatlan ember, 1902 Bezug: direkt beim Verlag Corvina, Budapest oder im Antiquariat Im 5. Jahrhundert n. 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