{"id":2946,"date":"2013-01-13T14:41:28","date_gmt":"2013-01-13T14:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2946"},"modified":"2013-01-13T14:41:28","modified_gmt":"2013-01-13T14:41:28","slug":"rezension-gardonyi-geza-sterne-von-eger-todlicher-halbmond","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2946","title":{"rendered":"Rezension: G\u00e1rdonyi, G\u00e9za &#8211; &#8222;Sterne von Eger (T\u00f6dlicher Halbmond)&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/sterne_von_eger.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2947\" title=\"sterne_von_eger\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/sterne_von_eger.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"223\" \/><\/a><em>Historischer Roman<br \/>\nAus dem Ungarischen von Mirza Sch\u00fcching<br \/>\nVerlag Corvina und Prisma &amp; Corvina, 2009 und 1969<br \/>\nISBN: 978-963-13-5806-3 (Ausg. 2009)<br \/>\nOriginaltitel: Egri csillagok, 1899\/1900<br \/>\nin Deutschland erh\u00e4ltlich nur in Antiquariaten oder direkt beim Corvina Verlag, Budapest<\/em><\/p>\n<p>Bereits im 14. Jahrhundert hatte die Expansion des osmanischen Reiches auf Europa begonnen, entlang der Mittelmeerk\u00fcste und auf dem Balkan Richtung Wien. 1521 eroberten die T\u00fcrken Belgrad und 1526 verlor Ungarn eine entscheidende Schlacht bei Moh\u00e1cs gegen den Sultan Suleiman I.. Dabei fiel der erst 20j\u00e4hrige ungarische K\u00f6nig Ludwig II. In den nachfolgenden Kriegen ging es dann haupts\u00e4chlich um den Besitz Ungarns. Es stritten sich der habsburgische Erzherzog Ferdinand, der aus einem fr\u00fcheren Vertrag ein Anrecht auf Ungarn hatte und der siebenb\u00fcrgische Magnat J\u00e1nos Szapolyai (hier: Johann Z\u00e1polya), der von den Osmanen unterst\u00fctzt wurde. Z\u00e1polya lie\u00df sich 1526 als J\u00e1nos I. zum K\u00f6nig w\u00e4hlen, und1527 sagte ihm der Sultan seinen Schutz gegen den inzwischen ebenfalls zum K\u00f6nig gekr\u00f6nten Ferdinand I. zu. Die Adeligen Ungarns erhofften sich mal vom Habsburger Ferdinand, mal vom Ungarn J\u00e1nos Unterst\u00fctzung und Vorteile und wechselten h\u00e4ufig ihre Gefolgschaft. Suleiman war es daher ein Leichtes, die beiden Gegner immer wieder gegeneinander auszuspielen: Mal schlossen sie mit dem einen, mal mit dem anderen Frieden, der jedoch von keiner Seite dauerhaft eingehalten wurde. Im Friedensschluss von Wardein 1538 hatte sich Z\u00e1polya verpflichtet, nach seinem Tode Ferdinand als K\u00f6nig anzuerkennen. Nach seiner Heirat mit Isabella, der Tochter des polnischen K\u00f6nigs Sigismund I. wollte er von der Vereinbarung jedoch nichts mehr wissen und seine t\u00fcrkenfreundliche Politik fortsetzen. Kurz nach der Geburt seines Sohnes 1538, starb K\u00f6nig J\u00e1nos I. Nun versuchte Isabella mit Hilfe J\u00e1nos\u2019 Berater, dem Kleriker und Staatmann \u201eBruder Georg\u201c (im Buch Frater Georgius, bzw. Georg Martinuzzi) die Anspr\u00fcche ihres Sohnes, Janos II. zu sichern. Viele der m\u00e4chtigen Adeligen wechselten aber die Partei und schlossen sich K\u00f6nig Ferdinand an. Nur wenige Anh\u00e4nger blieben noch, unter ihnen die Gro\u00dfadeligen B\u00e1lint T\u00f6r\u00f6k und P\u00e9ter Petrovics. 1541 lockte der Sultan T\u00f6r\u00f6k in eine Falle und setzte ihn bis an sein Lebensende in Konstantinopel gefangen. Dem Sohn J\u00e1nos I. \u00fcberlie\u00df er das Gebiet jenseits der Thei\u00df und Siebenb\u00fcrgen gegen eine Jahressteuer von 10 000 Goldgulden. Damit geh\u00f6rten die \u00f6stliche H\u00e4lfte Oberungarns (heute Slowakei mit Kaschau) und die Gro\u00dfe ungarische Tiefebene zu J\u00e1nos\u2019 Herrschaftsbereich, Zentral- und S\u00fcdungarn zum Osmanischen Reich, Nord- und Westungarn Ferdinand I.. Trotz verschiedener Waffenstillst\u00e4nde und Friedensschl\u00fcsse expandierten die Osmanen immer weiter Richtung Wien. Die Habsburger waren nicht f\u00e4hig Ungarn zu verteidigen, da Kaiser Karl V. (Ferdinands Bruder) in jahrelange Kriege mit Frankreich verwickelt war.<br \/>\n1551\/52 gingen die T\u00fcrken im Banat zum Angriff \u00fcber und eroberten eine Reihe von Grenzburgen, darunter Veszpr\u00e9m, Szolnok, Temesv\u00e1r, Karansebe\u015f und Lugo\u015f: Alles Burgen, die zum ehemaligen Z\u00e1polya-Land geh\u00f6rten. Die schlechtbezahlten S\u00f6ldnerheere pl\u00fcnderten lieber St\u00e4dte und D\u00f6rfer, anstatt gegen die T\u00fcrken zu k\u00e4mpfen. Nur die Burg von Eger wurde 1552 von ihrem Burghauptmann Istv\u00e1n Dob\u00f3 mit nur 2000 Mann gegen eine riesige \u00dcbermacht erfolgreich verteidigt. Der k\u00f6nigstreue Istv\u00e1n Dob\u00f3 wurde danach der neue Woiwode von Siebenb\u00fcrgen \u2013 Burg Eger fiel sp\u00e4ter doch noch an die T\u00fcrken \u2013 aber dies ist schon wieder eine andere Geschichte.<br \/>\nUnsere Geschichte setzt im Jahr 1533 ein. Dabei h\u00e4lt sich G\u00e1rdonyi ziemlich eng an die historischen Tatsachen:<br \/>\nZwei Kleine Kinder, Gerg\u0151 Bornemissza, ein armer Waisenjunge und seine Spielkameradin \u00c9va Cecey, Tochter des Gutsherren, plantschen in einem Bach, werden von T\u00fcrken \u00fcberrascht, gefangen genommen und in einen ganzen Trupp k\u00fcnftiger Sklaven eingereiht. Der F\u00fchrer des Gefangenentransports ist der Janitschare Jumburdschak. Gerg\u0151 gelingt es, mit \u00c9va aus dem Lager zu fliehen und Ceceys Dorf vor den T\u00fcrken zu warnen. Es gelingt, die T\u00fcrken zu besiegen und die Gefangenen zu befreien. Gerg\u0151 ist der Held des Tages und soll deshalb vom Magnaten B\u00e1lint T\u00f6r\u00f6k erzogen werden. Zu den Gefangenen geh\u00f6rt auch Pfarrer G\u00e1bor Somogyi, der Jumburdschak vor den erbosten Freigelassenen in Sicherheit bringt. Daf\u00fcr gibt ihm dieser seinen Talisman, einen Ring mit einem ungew\u00f6hnlichen schwarzen Stein. Dieser Talisman h\u00e4tte dem T\u00fcrken in allen K\u00e4mpfen sch\u00fctzen und ihm Gl\u00fcck bringen sollen. Pfarrer Somogyi bringt Gerg\u0151 zu T\u00f6r\u00f6k, auf dessen Burg Sziget. Dort genie\u00dft der Junge in den n\u00e4chsten Jahren Wohlstand, eine gute schulische Ausbildung, Sprachenkenntnis und eine milit\u00e4rische Ausbildung.<br \/>\n1541, Gerg\u0151, jetzt Gergely ist ungef\u00e4hr 15 Jahre alt, da stirbt K\u00f6nig J\u00e1nos; sein Sohn ist noch ein S\u00e4ugling. Die T\u00fcrken nehmen Buda ein. Gergely ist mit Pfarrer Somogyi unterwegs; sie wollen den T\u00fcrkenzug und mit ihm den Sultan in die Luft sprengen. Das Attentat misslingt, der Sultan war doch nicht im Zug gewesen. Somogyi stirbt schwer verwundet, kann aber Gergely vorher noch den Talisman anvertrauen. Der junge Mann ger\u00e4t wieder in Gefangenschaft. Da er t\u00fcrkisch versteht, kann er sich mit einem Soldaten verst\u00e4ndigen, der ihm zur Flucht verhilft. Er reitet nach Buda, an T\u00f6r\u00f6ks Hof. Dort trifft er auch \u00c9va wieder, die inzwischen am Hof von K\u00f6nigin Isabella aus- und eingeht und mit dem kleinen K\u00f6nigsknaben spielen darf. Die Beiden erneuern ihr Versprechen, einander zu heiraten. Der Sultan hatte seine Zelte in der N\u00e4he von Buda aufschlagen lassen und die Magnaten freundlich eingeladen, um seine guten Absichten zu demonstrieren; unter ihnen den misstrauischen B\u00e1lint T\u00f6r\u00f6k, Frater Georgius und P\u00e9ter Petrovics. Alle kehren zur\u00fcck, nur B\u00e1lint T\u00f6r\u00f6k, der \u201eungarische L\u00f6we\u201c, wird als Gefangener mitgef\u00fchrt. (Anmerkung: B\u00e1lint T\u00f6r\u00f6k war ein Vorfahr des z. Zt. amtierenden Pr\u00e4sidenten des deutschen Schriftstellerverbandes, Imre T\u00f6r\u00f6k).<br \/>\nIn Konstantinopel wird T\u00f6r\u00f6k in einem Burgschloss gefangen gehalten. Mit ihm der Siebenb\u00fcrger Magnat Istv\u00e1n Mayl\u00e1d, der sich dem Sultan lange Zeit widersetzt, zu Ferdinand gehalten und dann doch J\u00e1nos I. Partei ergriffen hatte.<br \/>\nGergely brennt darauf, f\u00fcr seine Heimat Ungarn zu k\u00e4mpfen. Zuvor erf\u00e4hrt er, dass seine \u00c9va wider ihren Willen verheiratet werden soll. Er entf\u00fchrt sie und zu dritt versuchen sie mit T\u00f6r\u00f6ks Sohn J\u00e1nos, B\u00e1lint aus Konstantinopel zu befreien. Ein wildes Abenteuer der drei Freunde in Verkleidung folgt. Die Befreiung misslingt und Jumburdschak kann sich wieder auf ihre F\u00e4hrte setzen; denn er vermutet seinen Talisman bei Gergely.<br \/>\nDas Kapitel \u201eEger in Not\u201c beschreibt die K\u00e4mpfe um die Grenzburg Eger 1552. In den Jahren davor waren viele St\u00e4dte und Burgen in die H\u00e4nde der T\u00fcrken gefallen. Zuerst Buda und Esztergom dann ganz S\u00fcdungarn. Aber nicht nur die T\u00fcrken rauben und morden und fordern ihren Tribut, auch Ferdinand k\u00e4mpft immer wieder gegen die J\u00e1nostreuen Ungarn. Der Protestantismus breitet sich in Ungarn aus \u2013 inzwischen k\u00e4mpft fast jeder gegen jeden aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden. Das ganze Land ist so zerstritten, dass sich die T\u00fcrken als Tribut fast alles nehmen k\u00f6nnen, sogar Kinder.<br \/>\nGergely ist inzwischen nach Eger gezogen, um die Burg zu verteidigen. In seiner Heimat Sopron taucht Jumburdschak unerkannt auf und kann seinen Sohn J\u00e1ncsi entf\u00fchren; er will ihn in Eger gegen seinen Talisman eintauschen. Voll Angst reist \u00c9va, als Mann verkleidet, zusammen mit einem Studenten Richtung Eger. Gergely, jetzt Leutnant hat von alledem keine Ahnung. Er bereitet sich auf der Burg mit den Verteidigern und der ganzen Bev\u00f6lkerung, die in der Burg Schutz gesucht hat, auf Angriff und Belagerung der T\u00fcrken vor. Aufgeben kommt f\u00fcr sie nicht in Frage! Die Angreifer kommen in riesigen Scharen. 200 000 schreibt G\u00e1rdonyi, gegen 2000 Ungarn. Ein furchtbares Gemetzel hebt an. Die Ungarn sind listig und wollen ihr Land verteidigen. Die T\u00fcrken haben viele Menschen aufzubieten, kennen aber die Kriegstechniken der Ungarn nicht. Neue Techniken werden auf beiden Seiten erfunden. Boten k\u00f6nnen unerkannt immer wieder in die Burg schl\u00fcpfen um immer wieder zu melden, dass vom Kaiser in Wien noch nimmer keine Truppen zu sehen seien \u2013 aber sicher bald! Bis zum Ende ist die Mannschaft in Eger auf sich allein gestellt. Buchst\u00e4blich in letzter Minute, als sich die Krieger schon zum allerletzten Kampf bereit machen, greifen die Frauen von Eger mit kochendem Wasser und hei\u00dfem Pech ein. Zusammen mit den wenigen verbliebenen K\u00e4mpfern k\u00f6nnen sie die Angreifer vertreiben. Auch \u00c9va ist inzwischen eingetroffen und k\u00e4mpft mit.<br \/>\nG\u00e1rdonyi beschreibt die K\u00e4mpfe, die inneren und \u00e4u\u00dferen Spannungen \u00e4u\u00dferst farbig, drastisch und realit\u00e4tsnah. Der Leser erf\u00e4hrt detailtreu viel vom Leben und K\u00e4mpfen in Ungarn im 16. Jahrhundert, von Kampftechniken und diplomatischen Verwicklungen. Nat\u00fcrlich ist dies ein sehr patriotischer Roman, bei dem das Hauptaugenmerk auf den ungarischen Freiheitswillen, auf die ungarische Tapferkeit und Treue gelenkt wird. G\u00e1rdonyi versteht es, die Spannung bis zum Schluss zu halten.<br \/>\nDem Buch w\u00fcrde allerdings eine neue zeitgem\u00e4\u00dfe \u00dcbersetzung gut tun \u2013 um auch deutsche Jugendliche f\u00fcr dieses mitrei\u00dfende Buch zu gewinnen. Es f\u00fchrt ja ein gutes St\u00fcck in die ungarische Geschichte ein. Sch\u00f6n und hilfreich w\u00e4re es auch, wenn Karten, z. B. in den Buchdeckeln abgebildet w\u00e4ren, von Ungarn w\u00e4hrend der T\u00fcrkenkriege \u2013 und ein Grundriss der Burg Eger, von dem im Buch so oft die Rede ist. In der Ausgabe \u201eT\u00f6dlicher Halbmond\u201c sind wenigstens einige Fotos von Waffen und t\u00fcrkischen Zelten zu sehen, sowie der Grundriss der Burg Eger.<br \/>\nAlles in allem, auch heute noch ein empfehlenswertes Buch, auch f\u00fcr Nichtungarn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historischer Roman Aus dem Ungarischen von Mirza Sch\u00fcching Verlag Corvina und Prisma &amp; Corvina, 2009 und 1969 ISBN: 978-963-13-5806-3 (Ausg. 2009) Originaltitel: Egri csillagok, 1899\/1900 in Deutschland erh\u00e4ltlich nur in Antiquariaten oder direkt beim Corvina Verlag, Budapest Bereits im 14. &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2946\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[263],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2946"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2946"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2946\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2948,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2946\/revisions\/2948"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}