{"id":2800,"date":"2012-11-03T21:16:39","date_gmt":"2012-11-03T21:16:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2800"},"modified":"2012-11-03T21:17:33","modified_gmt":"2012-11-03T21:17:33","slug":"banffy-miklos-die-schrift-in-flammen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2800","title":{"rendered":"Rezension: B\u00e1nffy, Mikl\u00f3s &#8211; &#8222;Die Schrift in Flammen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2801\" title=\"die_schrift\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/die_schrift.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"230\" \/><em>Roman<\/em><br \/>\n<em> \u201eDie Schrift in Flammen\u201c ist der erste Teil der Trilogie der \u201eSiebenb\u00fcrger Geschichte\u201c<\/em><br \/>\n<em> Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka<\/em><br \/>\n<em> Verlag Paul Zsolnay, Wien, 2012; 800 Seiten<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-552-05559-9<\/em><br \/>\n<em> Originaltitel: Megsz\u00e1ml\u00e1ltatt\u00e1l, 1934<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel, Preis: Euro 27,90<\/em><\/p>\n<p>Hat man sich erst einmal durch diesen ereignisreichen Roman durchgeschm\u00f6kert, ahnt der Leser, dass doch mehr an dem Klischee, Ungarn \u2013 Zigeuner \u2013 Paprika &#8211; mulats\u00e1g \u2013 dran ist, als die heutigen Ungarn wahrhaben m\u00f6chten. B\u00e1nffy nimmt uns mit in die Welt des Hoch- und Geldadels, der Gro\u00dfgrundbesitzer und des Gro\u00dfb\u00fcrgertums Siebenb\u00fcrgens und Budapests. Vor einem durchaus ernsten politischen Hintergrund vergn\u00fcgt sich die Haute-Vol\u00e9e ohne R\u00fccksicht auf die gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen im k.u.k.-Reich des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, einzig darauf bedacht, dass alles so weitergehen solle, wie bisher.<br \/>\nEinige Fakten zu Geschichte und Politik, die hier eine Rolle spielen:<br \/>\n1848 wollte sich Ungarn vom habsburgischen \u00d6sterreich befreien und eigenst\u00e4ndig werden. Die Revolution wurde von Wien blutig niedergeschlagen. 1867 folgt dann der Ausgleich, der Kompromiss zwischen \u00d6sterreich und Ungarn. Beide Zentren, Wien und Budapest verf\u00fcgten ab da \u00fcber v\u00f6llige Eigenst\u00e4ndigkeit in der Innenpolitik. Die Delegierten hielten ihre Sitzungen getrennt ab, drei Ministerien wurden gemeinsam geleitet, die allgemeine Wehpflicht eingef\u00fchrt. Verschiedene Punkte mussten alle zehn Jahr neu verhandelt werden, z. B. die Aufteilung der gemeinsamen Kosten, das Zoll- und Handelsb\u00fcndnis, die gemeinsame Notenbank.<br \/>\nIn den Jahren 1903 &#8211; 06 g\u00e4rte es wieder heftig. Beide Nationen hatten das Gef\u00fchl, die jeweils andere h\u00e4tte mehr Vorteile errungen. Dazu kam noch die Unzufriedenheit der anderen Nationalit\u00e4ten, die nur wenige Vertreter im Parlament hatten. Die Ungarn wollten u.a. im gemeinsamen Heer die ungarische Kommandosprache erzwingen anstelle der deutschen, ebenso eine eigene Notenbank. Die Monarchie wollte das Allgemeine Wahlrecht einf\u00fchren, (welches es in Preu\u00dfen bereits gab). Das aber lehnte der ungarische Adel ab aus Angst, seine Rechte und Privilegien w\u00fcrden beschnitten. Gro\u00dfe Debatten wurden gef\u00fchrt, die Ungarn pochten auf Nationalstaatlichkeit und Staatsrecht. Der alte Kaiser Franz-Josef war beim Volk immer noch beliebt, trotzdem riskierte manch ein Oppositioneller gro\u00dfsprecherisch eine hei\u00dfe Lippe gegen ihn. \u00dcberhaupt die Opposition: sie widersetzte sich, verz\u00f6gerte Beschl\u00fcsse, machte regieren unm\u00f6glich. Der Kaiser setzte schlie\u00dflich die Regierung ohne Parlamentsbeschluss ab \u2013 und eine neue, eine Beamtenregierung ein. Diese \u201eTrabantenregierung\u201c wurde jedoch w\u00fctend boykottiert. .Als die Opposition, 1905, die 30 Jahre lang regierende Liberale Partei abl\u00f6ste, konnte auch sie die Konflikte nicht l\u00f6sen. Auch sie musste das duale System akzeptieren. Die Krise versch\u00e4rfte sich immer mehr, die Politik erstarrte; denn keine Seite wollte nachgeben. Au\u00dferdem sickerte durch, dass Erzherzog Franz Ferdinand, sollte er erst einmal den Thron bestiegen haben, mit der Vormachtstellung Ungarns Schluss machen wollte. Alle Nationalit\u00e4ten sollten in einem gemeinsamen Reichsrat vertreten sein.<br \/>\nLeicht kann der Leser Parallelen zum heutigen Geschehen ziehen: Realit\u00e4tsferne W\u00fcnsche, \u00fcbertriebenes, nationales Selbstvertrauen, das unbedingte Festhalten an einmal errungenen Privilegien.<br \/>\nDer Politiker und Romancier B\u00e1nffy tr\u00e4gt alle diese Fakten wie Puzzlest\u00fccke zusammen, indem er uns mitnimmt in Parlamentssitzungen, in denen es hoch hergeht, in dunkle Debattierecken, in die Raucherzimmer der Herren und in die Damensalons. Viel wird debattiert, saftige Vorschl\u00e4ge gemacht \u2013 doch wirklich bewegt wurde nichts.<br \/>\nB\u00e1nffy, der selbst aus altem siebenb\u00fcrgischen Hochadel stammt, beschreibt seine Generation um die Jahrhundertwende, zeigt seinem eigenen Stand ganz klar die \u201erote Karte\u201c. Melancholisch-ironisch nimmt er uns nicht nur mit zu rauschenden Festen, er macht sich auch lustig, \u00fcber die mond\u00e4ne Welt, wenn er uns in allen Einzelheiten schildert, wie man z. B. bei der Jagd, einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges, gekleidet sein musste, um aufzufallen und \u201ein\u201c zu sein. Dabei charakterisiert er die Herren ganz k\u00f6stlich! Dazu sind sie \u00fcberheblich der Meinung, dass au\u00dfer Ungarisch nichts zu gelten habe. Die festlichen Ereignisse sind das Wichtigste im Leben \u00fcberhaupt, der gesellschaftliche Rang, Reichtum und Herkunft. Alles andere w\u00fcrde schon irgendwie ins Reine kommen, wenn man nur heftig genug debattiert und jeden als Feind ansieht, der nicht der eigenen Meinung ist.<br \/>\nB\u00e1nffy hat, wie seine Protagonisten, wilde Jugendjahre mit Trunk, Spielsucht, Schulden und Duellen hinter sich. Auch wenn die einzelnen Charaktere und manche Ortschaften frei erfunden sind, so schreibt er doch authentisch, nicht autobiografisch, aus eigenem Erleben, als K\u00fcnstler und Politiker. Er ist der geborene Erz\u00e4hler, kennt alle Facetten der Intrige in Politik und Gesellschaft, kennt die Schliche der Advokaten und Wucherer, die Schmeicheleien verschuldeter Offiziere und Spieler, wenn sie sich durch eine vorteilhafte Heirat von ihren Schulden befreien wollen, dazu Duelle, selbst wegen nichtigster Anl\u00e4sse; die Tradition muss unbedingt gewahrt bleiben! Er kennt aber auch den echten Liebesschmerz und die Liebessehnsucht, die, wenn sie nicht zum Ziel f\u00fchrt, in die Katastrophe m\u00fcndet.<br \/>\nMikl\u00f3s B\u00e1nffy rollt vor uns Lesern ein riesiges, bunt schillerndes Drama in vielen Einzelszenen auf. Nicht zuletzt tragen die farbigen Naturbeschreibungen seiner siebenb\u00fcrgischen Heimat zum Lesegenuss bei. Er ist ein guter Beobachter nicht nur der Politik und der Gesellschaft. Ihm ist nichts fremd, er kann sich in jede Situation hineinf\u00fchlen, wenn er sie nicht sogar selbst erlebt hat, in seinem bewegten Leben. Sein Blick auf die Heimat ist mitf\u00fchlend, doch er schont seinen Stand, den Adel, nicht, der mit Blindheit geschlagen, verlangt, dass die Politik sich seinen gesellschaftlichen Traditionen, seinen Ausschweifungen, seinen eigenen Vorteilen unterwirft, der das Gro\u00dfe und Ganze, die Weltgeschichte au\u00dferhalb Ungarns, v\u00f6llig aus dem Blickfeld verliert. Niemand will das Menetekel an der Wand sehen.<br \/>\nDies ist nicht nur die Geschichte Siebenb\u00fcrgens, die z. Tl. auch in Budapest entschieden wurde, nicht nur die Geschichte der politischen und gesellschaftlichen Verantwortung den Menschen gegen\u00fcber \u2013 oder im Gegenteil deren Ausnutzung und Unterdr\u00fcckung, ist nicht nur die Geschichte ungehemmter Leidenschaften, sondern auch die Geschichte von \u00fcberraschend schwachen M\u00e4nnern \u2013 und \u00fcberraschend starken Frauen. Die Frauen, gezwungen im famili\u00e4ren und gesellschaftlichen Korsett, versuchen ihr Leben in die Hand zu nehmen, was aber trotzdem (im 1. Band) tragisch enden muss. Die M\u00e4nner lassen sich eher treiben, ergeben sich ihren Leidenschaften oder ihren Ersatzbefriedigungen wie Spiel und Trunk \u2013 oder sie nehmen gro\u00dfm\u00e4ulig, aber mit wenig Kenntnis Stellung zur Politik.<br \/>\nIm ersten Band der Trilogie sind die beiden Protagonisten die verschiedenen Seiten einer Medaille: B\u00e1lint Ab\u00e1dy, der junge Adlige, stammt aus einem siebenb\u00fcrgischen Magnatengeschlecht. Er ist guten Willens, intelligent, aber schrecklich naiv. Die meisten seines Standes sehen Politik als schmutziges Gesch\u00e4ft an, mit dem man sich nur notgedrungen befasst. Um so lauter aber verk\u00fcnden sie ihre Meinungen! Ab\u00e1dy wird sein Abgeordnetenmandat nur deshalb verziehen, weil in seiner Ahnenreihe immer schon Politik, also der Dienst bei Herrscher und Parlament \u00fcblich war.<br \/>\nZu Beginn des Romans wird ihm ein Abgeordnetenmandat in L\u00e9lb\u00e1nya angeboten, er will aber unbedingt parteilos bleiben. Sein fr\u00fch gestorbener Vater hatte verf\u00fcgt, den Sohn au\u00dferhalb des elterlichen Guts zu erziehen. In der siebenb\u00fcrgischen ma\u00dfgeblichen Gesellschaft bleibt er ein Fremder; denn er kann sich einfach nicht mit solchem Eifer in die Vergn\u00fcgungen der Gesellschaft st\u00fcrzen, er bleibt als Beobachter au\u00dferhalb.. Die Mutter betreibt das Gut und die Pferdezucht mit Hilfe eines verschlagenen Anwalts und zweier \u00e4ltlicher Gesellschafterinnen. B\u00e1lint hat, duch seine Auslandsaufenthalte als Diplomat, Bekanntschaft mit der Genossenschaftsidee gemacht. Die m\u00f6chte er auch f\u00fcr seine Bauern einf\u00fchren. Zugleich will er die Holzwirtschaft in seinem Hochgebirgsforst reformieren.<br \/>\nSein Vetter und Freund L\u00e1szl\u00f3 Gyer\u0151ffy stammt auch aus einem alten Adelsgeschlecht, ist Vollwaise und hat einen kleinen Besitz, der z. Tl. noch von seinem Vormund verwaltet wird. Er f\u00fchlt sich als K\u00fcnstler, als Musiker, was die gehobene Gesellschaft aber nicht ernst nimmt. Seine reiche Verwandtschaft l\u00e4sst ihn immer wieder f\u00fchlen, dass er nur das f\u00fcnfte Rad am Wagen ist.<br \/>\nUm diese beiden Charaktere geht es haupts\u00e4chlich in diesem Roman. Um ihr Leben und Schicksal, das so viele andere ber\u00fchrt, oder mit hineinzieht. Beide wollen sich unbedingt ihren Platz in der Gesellschaft erobern \u2013 und tun dies auf sehr unterschiedliche Weise. B\u00e1lint Ab\u00e1dy hat einigen Erfolg mit der Genossenschaftsidee f\u00fcr seine Bauern, L\u00e1szl\u00f3 Gyer\u0151ffy wird an seinen Leidenschaften und seiner tief empfundenen Fremdheit scheitern. Dabei wollte er so gerne von allen geliebt sein. Um seiner selbst willen, nicht als beliebter Unterhalter, der die Gesellschaft mit Violine oder Klavier w\u00e4hrend gro\u00dfer Feste in Schwung bringt. Er liebt Kl\u00e1ra Kollonich, die Stieftochter seiner Tante \u2013 und wird auch von ihr wiedergeliebt. Kl\u00e1ra stellt sich sogar offen, gegen ihre Eltern, auf seine Seite. Die bis dahin liebe- und verst\u00e4ndnisvolle Stiefmutter hat jedoch andere Pl\u00e4ne: Sie hat sich f\u00fcr ihre Stieftochter eine besonders gute Partie ausgedacht. Diese soll die Kr\u00f6nung ihrer gesellschaftlichen Ambitionen sein. Nach dieser Heirat wird auch sie zum \u201eBudapester Olymp\u201c geh\u00f6ren, zu den Damen, welche sie hatten sosehr sp\u00fcren lassen, dass sie aus Siebenb\u00fcrgen kam, einer \u201eKolonie\u201c, die sie f\u00fcr sehr r\u00fcckst\u00e4ndig hielten. Montorio, den \u201ePrincipe\u201c, Sohn eines \u00f6sterreichischen Gro\u00dfgrundbesitzers in Krain hatte sie auserkoren, ihr zu diesem Ruhm zu verhelfen. Ihr Instinkt sagt ihr schon bald, dass sich zwischen Laci, dem elternlosen, besitzarmen Neffen und Kl\u00e1ra etwas anbahnen k\u00f6nnte. Er war doch eigentlich nur Staffage und L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer, wenn man ihn zu gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen ben\u00f6tigte \u2013 und das l\u00e4sst man ihn auch deutlich f\u00fchlen. Damit beginnt die Trag\u00f6die. L\u00e1szl\u00f3 f\u00fchlt sich zur\u00fcckgewiesen und ausgegrenzt. In seiner ma\u00dflosen Entt\u00e4uschung beginnt er zu trinken, zu spielen und wahnsinnige Schulden zu machen. Sein Musikstudium l\u00e4sst er schleifen. Das f\u00fchrt dann auch bei Kl\u00e1ra zu Vertrauensverlust. Sie wendet sich v\u00f6llig von ihm ab \u2013 und heiratet einen anderen, der ebenso wenig bemittelt ist wie L\u00e1szl\u00f3. Das Ungl\u00fcck nimmt seinen Lauf: \u201eEr hatte das Gef\u00fchl, Kl\u00e1ras Verlust habe auch seine musikalischen F\u00e4higkeiten vernichtet\u201c. Er spielt und trinkt immer mehr um sich zu bet\u00e4uben, um sich von Selbstanklagen und Erinnerungen zu befreien.<br \/>\nB\u00e1lint hat eine Jugendfreundin, Adrienne Mil\u00f3th. Mit ihr hat er sich schon in ihren M\u00e4dchenjahren gut verstanden, selbst w\u00e4hrend einer wilden Aff\u00e4re mit einer verheirateten Frau. Die Aff\u00e4re ist l\u00e4ngst beendet. \u2013 Bei einem Wiedersehn sp\u00fcrt B\u00e1lint, dass er sich in Adrienne, die inzwischen verheiratet ist, verliebt, wei\u00df aber gleichzeitig, dass dies keine Liebelei sein kann, keine Jagd nach den Frauen wie zu seiner Auslandszeit als Diplomat. Er muss erfahren, dass Adrienne in einer sehr ungl\u00fccklichen Ehe lebt, von ihrem Mann vergewaltigt wird, dass sie Angst vor der Liebe hat. Sie, Mit Eifer macht sich B\u00e1lint an die Reform und Erleichterung von Holzarbeiten im Hochgebirge. Dabei hat er es in der Folge mit unf\u00e4higen Forstaufsehern, Winkeladvokaten, Wucherern und raffgierigen Popen zu tun. Tapfer versucht er sich durchzuk\u00e4mpfen, erreicht auch das Eine oder Andere f\u00fcr seine Bauern, doch hinter seinem R\u00fccken nimmt man ihn nicht ernst. Er ist jung und naiv, hat gute Theorien, ein gutes Herz, doch von der rauen Wirklichkeit und den Tatsachen des t\u00e4glichen Miteinanders hat er wenig Ahnung. Treffend bringt es ein alter rum\u00e4nischer Abgeordneter auf den Punkt, als B\u00e1lint diesen um Rat fragt, weil seine rum\u00e4nischen Holzarbeiter von Wucherern ausgepl\u00fcndert werden: \u201eIhre Vorfahren, Herr Graf, machten ihre Eroberungen mit dem Schwert, woraus der ungarische Grundbesitz entstanden ist. Heute gibt es andere Mittel. Wir brauchen eine besitzende Klasse. Bisher fehlt sie. Wir rum\u00e4nische Intellektuelle sind die S\u00f6hne armer Priester. \u2026 Wir haben deshalb beschlossen, dass wir um jeden Preis eine verm\u00f6gende Mittelklasse schaffen m\u00fcssen. Das tun wir jetzt. \u2026Dass dies Opfer verlangt, auch das versteht sich. Hatte etwa Ihre Landnahme nicht auch Opfer gefordert? \u2026 Wir tun dasselbe, nur nicht hoch zu Ross und nicht mit dem Schwert\u201c.<br \/>\nDaneben kreisen seine Gedanken st\u00e4ndig um Adrienne. Seine Verliebtheit steigert sich zur Leidenschaft, zur Obsession diese Frau zu \u201eerjagen\u201c. Doch wirkliche Zuneigung und Liebe besiegen diese Gef\u00fchle, die st\u00e4ndig im Widerstreit liegen zwischen Entsagung und Erf\u00fcllung. Adrienne will nicht seine Geliebte werden. Doch dazu muss es nat\u00fcrlich doch kommen, f\u00fcr drei Wochen, als sie mit ihren Schwestern in Italien weilt \u2013 danach will sie nicht mehr weiterleben \u2013auch f\u00fcr B\u00e1lint scheint das Leben danach nicht mehr lebenswert. (Das Ende des ersten Bandes).<br \/>\nIm Verlaufe des Romans lernen wir auch die anderen G\u00e4ste einer gro\u00dfen Gesellschaft kennen, z.B. Baron Egon Wickwitz (\u201ebikfic\u201c), ungarischer und deutscher Herkunft. Ein Mitgiftj\u00e4ger, der, um seine Schulden begleichen zu k\u00f6nnen, Adriennes Schwester Judith den Hof macht. Sie ist eigentlich nicht reich genug f\u00fcr seinen Geschmack, aber wenn alles andere fehlschl\u00e4gt, und sie seine Frau wird, w\u00fcrden sicher auch seine dr\u00e4ngenden Schulden bezahlt. Wenn nicht, w\u00fcrde er unehrenhaft aus dem Milit\u00e4r ausgeschlossen. Judith, die j\u00fcngere Schwester von Adrienne, hat ein, heute w\u00fcrde man sagen, \u201eHelfersyndrom\u201c. Sie verliebt sich, weil sie glaubt, mit ihrer Liebe Wickwitz retten zu k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter wird er sie im Stich lassen und wegen seiner Ehrenschulden fliehen. Er l\u00e4sst ein v\u00f6llig gebrochenes junges M\u00e4dchen zur\u00fcck.<br \/>\nWir lernen auch den Erfinder Andr\u00e1s J\u00f3p\u00e1l kennen. Er ist kurz davor, einen funktionierenden Flugapparat zu konstruieren \u2013 nur das Geld fehlt ihm dazu. Die Siebenb\u00fcrger Gesellschaft lacht ihn nur aus, engstirnig und borniert kann sie nur bis zum eigenen Tellerrand blicken und sich nichts vorstellen, was dar\u00fcber hinausgeht. Da ihm das Geld fehlt, kommt ihm ein anderer zuvor \u2013 verbittert geht er seinem Untergang entgegen.<br \/>\nIn welche Lebensgeschichte wir auch blicken, alle scheinen tragisch zu enden \u2013 und das inmitten von rauschenden Festen und funkelnden Vergn\u00fcgungen. Im Hintergrund ziehen bereits die drohenden Gewitterwolken der Weltgeschichte auf, doch nichts l\u00e4sst die Gesellschaft inne halten. Das Spiel geht weiter.<br \/>\nNach dem Ersten Weltkrieg schreibt B\u00e1nffy resigniert \u00fcber diese letzten friedlichen Jahre und die sp\u00e4tere Nachkriegszeit: \u201eMit wachsender Besorgnis sah ich, dass trotz der schrecklichen Katastrophe, die unser Volk heimgesucht hatte, niemand die S\u00fcnden sehen wollte, die dahin gef\u00fchrt hatten. Niemand beleuchtete die Unmenge von L\u00fcgen, durch die unsere \u00d6ffentlichkeit vergiftet worden war und die sie vor 1914 f\u00fcr jede Realit\u00e4t unempf\u00e4nglich gemacht hatte. [\u2026]. Niemand rief unsere Nation dazu auf, auch sich selber zu erziehen und die eigene wirkliche Lage zu erkennen. [\u2026].Sehen mussten wir, dass wir uns wieder von jeder Selbstkritik, ja sogar von der Erkenntnis jeder Wirklichkeit entfernten, dass wir wieder in jener Ideologie versanken, die bei uns vor dem Weltkrieg geherrscht hatte. Wir suchten die Erkl\u00e4rung f\u00fcr jeden \u00dcbelstand und jeden Fehler einzig au\u00dferhalb von uns, und vor unseren eigenen S\u00fcnden verschlossen wir die Augen \u2026.\u201c<br \/>\nDie Trilogie wurde inzwischen in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt; der 1. Band auf Deutsch 2012 erschienen. Mit Spannung d\u00fcrfen wir auf die n\u00e4chsten beiden B\u00e4nde warten, die, nicht mehr ganz so umfangreich, im n\u00e4chsten Jahr publiziert werden sollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman \u201eDie Schrift in Flammen\u201c ist der erste Teil der Trilogie der \u201eSiebenb\u00fcrger Geschichte\u201c Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka Verlag Paul Zsolnay, Wien, 2012; 800 Seiten ISBN: 978-3-552-05559-9 Originaltitel: Megsz\u00e1ml\u00e1ltatt\u00e1l, 1934 Bezug: Buchhandel, Preis: Euro 27,90 Hat man sich &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2800\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[258],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2800"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2800"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2803,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2800\/revisions\/2803"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}