{"id":2710,"date":"2012-07-30T05:30:02","date_gmt":"2012-07-30T05:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2710"},"modified":"2012-07-30T05:31:56","modified_gmt":"2012-07-30T05:31:56","slug":"rezension-bessermann-julius-greg-und-die-traumfanger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2710","title":{"rendered":"Rezension: Bessermann, Julius &#8211; &#8222;Greg und die Traumf\u00e4nger&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/greg_und2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2713\" title=\"greg_und\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/greg_und2.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"225\" \/><\/a><em>Kinder- und Jugendroman<br \/>\nAus dem Ungarischen von P. Dietlinde Drask\u00f3czy<br \/>\nVerlag Schenk Verlag, Passau, 2007<br \/>\nISBN: 978-3-939337-31-7<br \/>\nOriginaltitel: Gerg\u0151 \u00e9s az \u00e1lomfog\u00f3k, 2002<br \/>\nBezug: Buchhandel, Preis: Euro 16,95<\/em><\/p>\n<p>Neugierig, gespannt und vergn\u00fcgt kann sich nicht nur der jugendliche, sondern auch der erwachsene Leser auf diese m\u00e4rchenhaften Abenteuer ins Reich der Fantasie einlassen. Hier nehmen Tr\u00e4ume ganz buchst\u00e4blich Gestalt an, werden zu Wesen aus einer anderen Welt, die uns etwas sagen \u2013 bzw. uns irgendwohin geleiten wollen. Obwohl viel passiert, geht es nicht so sehr um \u00e4u\u00dfere Aktionen und K\u00e4mpfe, sondern um die Innenwelt, vor allem unseres Helden, des kleinen Greg:<br \/>\nFamilie Bl\u00fcm-Stolper ist keine gew\u00f6hnliche Familie. Sie lebt im tristen Mietshaus einer Gro\u00dfstadt, die Nachbarn sind, wie so oft, neugierig und z\u00e4nkisch. Der Hausmeister freundlich, aber etwas seltsam.<br \/>\nSeit drei Monaten leben sie zusammen im gemeinsamen Haushalt: Die Mutter, Margarete Bl\u00fcm f\u00fchrt einen Kr\u00e4uterladen, spricht mit ihren Blumen und versteht sich auf allerlei \u00dcbersinnliches. Der Vater, Detlef Stolper liebt seinen Beruf als Schuhputzer \u2013 er ist der ungekr\u00f6nte K\u00f6nig der Schuhputzer, seine Tochter Sophie, ein ruhiges, hellsichtiges M\u00e4dchen, liest gerne und liebt die Natur. Sie hat nichts \u00fcbrig f\u00fcr die angesagten Trends ihrer Klassenkameradinnen. Doch sie f\u00fchlt sich ungl\u00fccklich in der neuen Familie (ihre Mutter war wegen eines Haarnadelfabrikanten weggegangen); denn bisher hatte sie f\u00fcr ihren ungeschickten Vater den Haushalt gef\u00fchrt. Jetzt ist alles so unruhig geworden. Besonders ihr Stiefbruder lehnt sie ab und \u00e4rgert sie. Der zehnj\u00e4hrige Greg, Margaretes Sohn, m\u00f6chte ein ganz normales Kind sein, nicht anders als seine Schulfreunde, die stundenlang am Computer spielen, durch die Stadt streunen und das aufregende Leben der Gro\u00dfstadt genie\u00dfen. Aber er hat einen geheimen Kummer. Als er sechs war, starb sein Vater, und seither plagen ihn Albtr\u00e4ume. Zur Familie gesellt sich noch die unvermeidlich beste Freundin Appollonia, eine echte Gro\u00dfstadtpflanze, der nichts wichtiger ist gutes Aussehen. Sie nervt die Familie mit ihrem Gequassel und Getue, doch die gutm\u00fctige Margarete duldet die Freundin. Zu Appollonia geh\u00f6ren ihr keifender Pekinese Zuckerpuppe und ihr geliebtes Auto Lippenrot.<br \/>\nDas ist die Ausgangssituation, als sich in der Geister\u2013 und der realen Welt einiges zusammenbraut; denn ausgerechnet Greg, der den ganzen Zauber, mit dem sich seine Mutter umgibt, ablehnt, ist eben kein normaler Junge: In seinen Albtr\u00e4umen taucht ein sprechender Wolfswelpe auf \u2013 und was f\u00fcr ihn besonders Furcht einfl\u00f6\u00dfend ist, er findet sich immer wieder in einem Krankenhaus, in dem er sich bedroht f\u00fchlt.<br \/>\nUnd eines Tages beginnt es: Tr\u00e4ume schwirren umher, ein Sturm tost \u00fcber der Stadt \u2013 und die unruhig schlafenden Menschen f\u00fchlen: Etwas hat begonnen\u2026<br \/>\nUnd damit sind wir auch schon mittendrin in der Geschichte von Greg und seiner Familie, die sich gegen dieses Etwas, gegen eine b\u00f6se Macht, beginnt zur Wehr zu setzen, jeder auf seine Weise.<br \/>\nMargarete erh\u00e4lt n\u00e4mlich eine Einladung ins Eulenbachtal, dem Gegenst\u00fcck zur Gro\u00dfstadtw\u00fcste, ein lauschiges, verstecktes, naturbelassenes Tal, in dem sich Magier, M\u00f6chtegern-Magier, Zauberer, Hexen, Wahrsager, Spielleute, und Schamanen beim j\u00e4hrlichen gro\u00dfen Treff gegenseitig vorf\u00fchren, was es Neues in der Geisterwelt gibt. Mit dabei sind die \u201eVerz\u00fcckten\u201c, Wesen, die gleichzeitig in der realen und in der Geister-Welt leben k\u00f6nnen. Sie haben die F\u00e4higkeit, ihre Seele los zu lassen und sich irgendwohin tr\u00e4umen zu k\u00f6nnen. Auch Margarete geh\u00f6rte einst zu den Verz\u00fcckten, hat jedoch unter den \u201eWachen\u201c, den Menschen ohne Tr\u00e4ume, ohne magische F\u00e4higkeiten, viel von ihrer Zauberkraft verloren. Au\u00dfer den \u201enormalen\u201c Zauberwesen, sind da noch die sieben Verz\u00fcckten und obersten Zaubergelehrten. Sie wachen \u00fcber den Ur-Drachen, pflegen ihn, damit er Ruhe gibt und keine Katastrophen \u00fcber die Welt bringt. Doch wie sich schon bald nach ihrer Ankunft im Eulenbachtal herausstellt, sind, au\u00dfer Kende, dem ungarischen Magier, alle anderen schwer krank. Sie haben ihre Aufgaben und Bestimmungen zu Gunsten ganz weltlicher Lebensweise aufgegeben, sind Scharlatane geworden und ziehen den Wachen das Geld aus der Tasche. Die sechs Schamanen sind krank, weil sie sich haben von weltlichen Dingen wie Habgier, Eitelkeit, Ruhm und Macht einspannen lassen.<br \/>\nBessermann malt jede noch so kleine Traumgestalt mit \u00fcberbordender Fantasie aus, und f\u00fcllt sie mit Leben. Die meisten Beteiligten haben \u201esprechende Namen\u201c, sowohl die Menschen wie die Geister.<br \/>\nDie Kr\u00e4uterfrau m\u00f6chte nun mit ihrer Familie einige unbeschwerte Tage unter den Traumfreunden verbringen, doch schon Vorbereitungen und Hinreise, zu der sich ganz pl\u00f6tzlich auch Appollonia angeschlossen hat, gelingen nur unter gro\u00dfen Schwierigkeiten. Irgendetwas will verhindern, dass Greg ins Eulenbachtal kommt.<br \/>\nSchneller als Greg ist dem Leser klar, dass da verschiedenes nicht stimmen kann: Weder ist Herr Wetterstein der, f\u00fcr den man ihn h\u00e4lt, und eine schwarz gekleidete Dame, ein Baum, der sich in eine Leiter verwandelt und Greg unter sich begr\u00e4bt, m\u00fcssen Wesen aus einer anderen Welt sein.<br \/>\nGreg sollte das eigentlich auch bemerken, wenn er nicht so stur \u201enormal\u201c sein wollte. Er leistet Widerstand, ist misstrauisch, wenn es um seine Mutter geht; denn diese hat ihm doch schon viel \u00fcber Magie und Zauberei erz\u00e4hlt. Letztendlich muss er sich f\u00fcgen, mitfahren und seine Lektion lernen.<br \/>\nGeschickt f\u00fchrt uns der Autor nicht nur ins Reich der Tr\u00e4ume ein, sondern auch in alte Mythen und M\u00e4rchen vieler V\u00f6lker \u00fcber Geisterwesen, Schamanen und Heiler, die er mit neuen Mythen und Formen von Aberglauben verkn\u00fcpft. Bessermann r\u00e4umt dabei mit so manchen esoterischen Vorstellungen und Scharlatanerien auf, auf die auch unsere moderne Welt, die sich trotz aller Wissenschaft und Aufkl\u00e4rung nach Mythen sehnt, nur zu gerne hereinf\u00e4llt.<br \/>\nLange Zeit bem\u00fcht sich Gregs Traumfreund, der Wolfswelpe, vergeblich, ihm klar zu machen, dass er seine Bestimmung annehmen und handeln muss. Erst als Greg mit seiner Familie, als das ganze Eulenbachtal und damit die ganze Welt in Gefahr ger\u00e4t, gibt er nach und macht sich auf den Weg zum Weltenbaum.<br \/>\nSo nach und nach werden die Geheimnisse aufgel\u00f6st. Es wird klar, dass Kr\u00e4he die schlechten Geister los l\u00e4sst. Sie ist ein m\u00e4chtiger und b\u00f6ser Vogel, der alle aufeinander hetzt und gegeneinander ausspielt \u2013 und auch diejenigen verblendet und irre macht, die eigentlich nur Schabanack treiben wollen. Alle Geister benutzt sie f\u00fcr ihre Zwecke, um zu verhindern, dass Greg, in der Geisterwelt Wolf genannt, von seiner Begabung und seiner Bestimmung als Schamane erf\u00e4hrt \u2013 und die Pr\u00fcfungen dazu besteht. Greg\/Wolf verz\u00fcckt &#8211; l\u00e4sst seine Seele den Weltenbaum hinauf schweben \u2013 trotzdem \u2013 und auf jeder Stufe erwartet ihn eine neue Aufgabe. Nur er scheint Eulenbachtal und die ganze Welt vor dem Drachen sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Hierbei helfen ihm nicht nur sein treuer Traumfreund, das Totemtier der Wolfswelpe, sondern auch andere, gut gesinnte Geister, die sich f\u00fcr ihn und zur Rettung der Welt \u2013 vor allem im Kampf gegen das B\u00f6se \u2013 in Lebensgefahr begeben.<br \/>\nJedes Mal, wenn der Junge seinen eigenen Schwierigkeiten ins Auge geblickt, eine Aufgabe gel\u00f6st und sich selbst \u00fcberwunden hat, und damit auch wieder etwas B\u00f6ses besiegen konnte, kommt er eine \u201eErkenntnisstufe\u201c weiter. Er kann auch den sieben Weisen helfen, indem er ihnen auf den Kopf zusagt, was in ihrem Leben als Schamane falsch gelaufen ist.<br \/>\nMit Liebe besiegen er und alle Wohlgesonnenen das B\u00f6se und auch das eigene Versagen, weisen die Kr\u00e4fte der Natur wieder in ihre Schranken.<br \/>\nDas Buch kann als spannendes Kinderbuch gelesen werden, in dem man sich einfach in diese Zauberwelt der Fantasie entf\u00fchren l\u00e4sst \u2013 als Jugendbuch, indem man sp\u00fcrt, wie man seinen eigenen \u00c4ngsten begegnen muss und kann \u2013 und als Buch f\u00fcr Erwachsene, welche die symbolhafte die allegorische Seite darin entdecken. Sie werden sich mit Freude und Schmunzeln in die Welt der Tr\u00e4ume, der Wichtigtuer und geheimen Helfer entf\u00fchren lassen.<br \/>\nDie b\u00f6sen Neigungen im Menschen, wie Neid, Eifersucht Habgier, verk\u00f6rpert Kr\u00e4he mit ihren Helfershelfern, die entweder verblendet sind oder Angst vor ihr haben, oder auch selbst Teil haben wollen an der Macht und am B\u00f6sen. &#8211; Der Drache verk\u00f6rpert die Welt, unsere Erde, die zugem\u00fcllt und nicht mehr beachtet, geehrt und gepflegt wird. Aus Wut und Trotz b\u00e4umt sie sich auf mit Katastrophen und Ungl\u00fccken, l\u00e4sst sich aber wieder bes\u00e4nftigen, wenn man sich um sie k\u00fcmmert.<br \/>\nIrgendwann wird auch klar, was Greg so bedr\u00fcckt, schon seit Kindertagen, seine \u201eSchuld\u201c, die eigentlich gar keine ist, die er sich aber als solche einbildet. Und erst als er \u201eVergebung\u201c erf\u00e4hrt, sich vers\u00f6hnt, sind auch die Schreckensbilder verschwunden, die b\u00f6sen Geister, die Albtr\u00e4ume. Nun kann er seine Tr\u00e4ume lenken, indem er den Schrecknissen ins Auge sieht.<\/p>\n<p>\u00a9 Gudrun Brzoska, Juli 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder- und Jugendroman Aus dem Ungarischen von P. Dietlinde Drask\u00f3czy Verlag Schenk Verlag, Passau, 2007 ISBN: 978-3-939337-31-7 Originaltitel: Gerg\u0151 \u00e9s az \u00e1lomfog\u00f3k, 2002 Bezug: Buchhandel, Preis: Euro 16,95 Neugierig, gespannt und vergn\u00fcgt kann sich nicht nur der jugendliche, sondern auch &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2710\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[249],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2710"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2710"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2710\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2718,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2710\/revisions\/2718"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2710"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2710"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2710"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}