{"id":2619,"date":"2012-05-31T09:39:37","date_gmt":"2012-05-31T09:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2619"},"modified":"2012-05-31T09:41:02","modified_gmt":"2012-05-31T09:41:02","slug":"torok-imre-das-buch-luzius","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=2619","title":{"rendered":"Rezension: T\u00f6r\u00f6k, Imre &#8211; &#8222;Das Buch Luzius&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/das_buch.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2620\" title=\"das_buch\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/das_buch.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"209\" \/><\/a><\/em><em>\u00a0M\u00e4rchen und andere Wahrheiten<\/em><br \/>\n<em> Verlag Pop, 2012<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-86356-026-3<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Buchhandel; Preis: 14 Euro<\/em><\/p>\n<p><em><\/em>Imre T\u00f6r\u00f6k, Dichter, M\u00e4rchenerz\u00e4hler, Sprachspieler, so schw\u00e4rmen viele, die seine B\u00fccher gelesen, oder seine zauberhaften Lesungen erleben durften.<br \/>\nSchon beim Lesen umschwirren mich Licht, Farben, D\u00fcfte. Die Lichtgestalt, der F\u00fchrer in Leben und Unendlichkeit ist der \u201esagenumwobene, allerorten bekannte Leuchtk\u00e4fer Luzius aus Illuministan\u201c. Dabei unterst\u00fctzt, ermuntert und befreit ihn aus vielerlei Gefahren \u201edie bezaubernde Marienk\u00e4fersch\u00f6nheit Coccinella\u201c. Die Klassefrau, erfindungsreich in der Verwandlung, klug und hilfsbereit, beh\u00e4lt immer einen sp\u00f6ttisch-klaren Kopf, wenn Luzius liebestaumelnd und verwirrt, den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren, oder sich in einem Abenteuer zu verheddern droht. Er, der unverbesserliche Optimist und Menschenfreund, rappelt sich jedoch immer wieder tapfer, auch nach den gef\u00e4hrlichsten, fast t\u00f6dlichen Abenteuern hoch. Und wenn sein Leben nur noch an einem seidenen Faden h\u00e4ngt, dann greift Coccinilla rettend ein \u2013 oder sie weist ihn auf ganz bestimmte Wahrheiten hin.- Beide wissen, dass auch die s\u00fc\u00dfeste Umarmung nicht ewig dauern kann. Sie haben eine Aufgabe im Leben: Luzius ist st\u00e4ndig auf der Suche nach Licht, Erleuchtung und Weisheit, die er mit Hilfe seines Ghostwriters und Nomaden, Traminer, an die Menschheit weiter gibt, und Coccinella muss Sonnenschein in die Herzen zaubern mit ihren M\u00e4rchen. Sie ist \u00fcberzeugt, dass \u201ewir den Geschmack wahren Gl\u00fccks nur erfahren, indem wir andere gl\u00fccklich machen\u201c.<br \/>\nParallel dazu geht die Geschichte des Liebespaares vom Nomaden aus Eulenland. Er hat f\u00fcr einen Traum, den Traum von der vollkommenen Frau, vom umfassenden Gl\u00fcck, alles, was ihm vorher lieb und teuer gewesen war, verlassen, um die Prinzessin aus dem seltsam duftenden Gew\u00fcrzland zu treffen. Sie f\u00fchlen, dass sie f\u00fcreinander bestimmt sind, doch im menschlichen Leben bleibt die Sehnsucht meist unerf\u00fcllt \u2013 zum Gl\u00fcck geh\u00f6rt Leiden &#8211; w\u00e4hrend Luzius und Coccinilla sich immer wieder liebend treffen d\u00fcrfen.<br \/>\nTraminer, \u201eder Sonnenreiter aus dem Abendland\u201c folgt seiner Bestimmung und erlebt mit der Prinzessin Tage ungetr\u00fcbten Gl\u00fccks. Doch selbst eine Prinzessin im M\u00e4rchenland hat Neider und ewig Unzufriedene. Sie verunglimpfen Eulenland als ein \u201eLand verr\u00fcckter Vordenker \u2013 dabei aber ein verfluchtes Reich von ewig-gestrigen Barbaren\u201c. Der Prinzessin, die so neugierig ist auf das Fremde, Andere, Wunderbare, Nicht-Allt\u00e4gliche, erz\u00e4hlt er nachts Geschichten wie in \u201e1001 Nacht\u201c. Er erz\u00e4hlt ihr vom \u201eSp\u00e4ter-Buch\u201c, in dem bereits alle Schicksale eingeschrieben sind, auch das ihrige, er erz\u00e4hlt vom Leben in Eulenland und seiner Bekanntschaft mit dem Leuchtk\u00e4fer Luzius, dessen Ghostwriter er geworden ist.<br \/>\nDiese Geschichten sind so federleicht, so reizend wie tiefgr\u00fcndig, wenn Luzius, der Lichtspender in die F\u00e4nge einer m\u00f6rderischgrausamen Welt ger\u00e4t. Mit Mut und Ideereichtum leuchtet er durch die Parallelwelten \u2013 und manches Mal leuchtet er auch seinem Ghostwriter heim.<br \/>\nHier einige der Luzius-Abenteuer: Von Sehnsucht getrieben nach seinem Kinderland, verfliegt er sich. Dort war die Welt noch in Ordnung gewesen, dort hatte er die Leuchtschrift und vielerlei Weisheiten gelernt, dort war er erzogen worden, um zu leuchten und Vorbild zu sein. Nun war er nach Eulenland geraten war (Eulenland, das sagenhafte \u00c1rp\u00e1denreich Ungarn?). Hier trifft er die weise Eule. Sie erz\u00e4hlt Luzius vom Leben der Nomaden. Eulen und Nomaden sind Freunde, sie verst\u00e4ndigen sich mit den Augen, jenseits des Denkens. Die Augen des Anderen sind der Spiegel des eigenen Ich. \u2013<br \/>\nLuzius m\u00f6chte tats\u00e4chlich viel erfahren; vor allem \u00fcber sich selbst. Und, wissbegierig, w\u00fcsste er gern die Antwort auf die Frage: Was wei\u00df ich noch alles nicht? \u2013 Die Eule: \u201eSchau mir in die Augen, Kleines\u201c. \u2013<br \/>\nEin weiser Rabe in der Goldenen Stadt warnt ihn, nicht in Behausungen zu gehen, doch im Eifer, Neues kennen zu lernen, findet sich Luzius immer wieder mitten drin. Dem Gl\u00fchw\u00fcrmchen f\u00e4llt es schwer, die Sph\u00e4re der Poesie, der Einbildung, der Tr\u00e4ume und die Sph\u00e4re des wirklichen Lebens auseinander zu halten. Unschuldig und naiv stellt er sich als Fremden vor \u2013 und kann, verunsichert im Fremdland, den Vorurteilen und Nachstellungen der \u201eEingeborenen\u201c dann kaum noch entkommen:<br \/>\nEinmal ger\u00e4t er zu den K\u00fcchenschaben. F\u00fcr sie existiert nichts au\u00dferhalb ihres Denkens, sie wollen die ganze Welt zu Kakerlakien machen, sind schmierige Philosophen, denen man leicht auf den Leim gehen und an denen man leicht h\u00e4ngen bleiben kann. Ihn selbst verh\u00f6hnen sie als L\u00fcgner und Aufschneider, als er ihnen vom wunderbaren Drau\u00dfen und von seinen Leuchtorganen erz\u00e4hlt. \u2013<br \/>\nEr kommt ins Bremsland: Die Devise der Bremsen: Blut oder Leben, ist ihr einziger Lebenszweck. \u2013 Er muss sich ausweisen \u2013 ohne Ausweis ist nichts m\u00f6glich in diesem Land \u2013 und ohne diesen wird nichts anerkannt.<br \/>\nDie Spinnen wollen ihn gnadenlos in ihr Netzwerk einspinnen, um ihn dann zu vertilgen. Auch sie wollen sich die ganze Welt untertan machen, \u00fcberall Netze spinnen, um dann \u00fcber ihre ahnungslosen Opfer her zu fallen. &#8211;<br \/>\nEr trifft auf die Borkenk\u00e4fer, die sich im Generationenstreit befinden: Wer darf fressen \u2013 die Jungen, die jetzt endlich auch mal dran sind \u2013 oder die Alten, die lange genug f\u00fcr die Jungen geschuftet haben? Dabei merken sie nicht, dass sie sich selbst ihre Lebensgrundlage entziehen, und, vor lauter Streiten die viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr von au\u00dfen, den Specht, nicht rechtzeitig sehen. &#8211;<br \/>\nManchmal wird Luzius auch \u00fcberm\u00fctig und fordert geradezu das Weltall heraus \u2013 um kurz darauf in Melancholie zu verfallen: Kann er \u00fcberhaupt selbstlos leuchten, oder tut er das nur, um einen Zweck zu erf\u00fcllen, selbst gut rauszukommen, den Gegnern ein Schnippchen zu schlagen, oder vor seiner Angebeteten zu gl\u00e4nzen? &#8211; Coccinella best\u00e4rkt Luzius im Glauben an erf\u00fcllende Phantasien, an den Tagtraum vom Besseren \u2013 und gibt ihm eine weise Antwort: \u201eNicht das eigene kleinliche Leuchten z\u00e4hlt. Nur das Licht lebt, das einmal in anderen Wesen weiter und weiter leuchten wird. \u2026Du Luzius \u2026 kannst das Licht zum Leben erwecken, indem du es weitergibst. \u2013 Du musst aber st\u00e4ndig neu entscheiden\u201c.<br \/>\nLuzius trifft auf seinen Wanderfl\u00fcgen aber nicht nur den Abschaum der Krabbelwesen, sondern auch Wesen voll Weisheit und Mitgef\u00fchl, die ihm bei seinen Lebensfragen weiterhelfen. Er trifft den heiligen Skarab\u00e4us, der aus Mist und Staub Kugeln dreht, damit auf seiner Arbeit etwas Sch\u00f6nes, z.B. die Pyramiden aufgebaut werden k\u00f6nnen. &#8211; Er trifft den K\u00e4fer Tiefblau, der ihm mit Hilfe der Physik Bedeutung und Sinn des Lichts und die Unendlichkeit erkl\u00e4rt \u2013 und immer wieder die maskierte und heitere Coccinella, die aus mancherlei Gestalten herausleuchtet.<br \/>\nBei jeder Begegnung lernt der kleine Leuchtk\u00e4fer etwas Wichtiges f\u00fcr sein Leben: Wenn er Gefahren nicht aus dem Weg gehen kann, dann muss er eben sein Hirn anstrengen und diejenigen, die ihn zur Strecke bringen wollen, \u00fcberlisten.<br \/>\nWichtig ist, so sagt ihm eines abends sein Ghostwriter, nachdem er ihm wieder viele leuchtende Fragen in den Abendhimmel geschrieben hat, \u201ewichtig ist, ein Kind zu bleiben, ein neugieriges staunendes Kind, das von seinem Gl\u00fcck und seiner Freude an andere abgeben will. \u2013 Wenn auch schon alles vorherbestimmt ist (und im \u201eSp\u00e4ter-Buch\u201c aufgeschrieben), so bleibt doch die Entscheidung zu leuchten \u2013 immer wieder aufs Neue\u201c.<br \/>\nEin poetisches, zauberisches Buch, dessen hintergr\u00fcndige Weisheiten noch lange im Leser nachwirken. Dazu kommt der Lesespa\u00df, wenn man schmunzelnd manch kleinere und gr\u00f6\u00dfere Zitate aus Film und Literatur registriert.<\/p>\n<p>\u00a9 Gudrun Brzoska, Mai 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0M\u00e4rchen und andere Wahrheiten Verlag Pop, 2012 ISBN: 978-3-86356-026-3 Bezug: Buchhandel; Preis: 14 Euro Imre T\u00f6r\u00f6k, Dichter, M\u00e4rchenerz\u00e4hler, Sprachspieler, so schw\u00e4rmen viele, die seine B\u00fccher gelesen, oder seine zauberhaften Lesungen erleben durften. 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