{"id":224,"date":"2011-06-15T20:48:17","date_gmt":"2011-06-15T20:48:17","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=224"},"modified":"2012-05-19T20:07:41","modified_gmt":"2012-05-19T20:07:41","slug":"rezension-susanne-orosz-spur-der-angst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=224","title":{"rendered":"Rezension: Orosz, Susanne &#8211; &#8222;Spur der Angst&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/spur_der.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2436\" title=\"spur_der\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/spur_der.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"223\" \/><\/a><em>Jugendroman \/ Thriller<\/em><br \/>\n<em> Verlag Erika Klopp, Hamburg, 2010, Reihe: Mittendrin<\/em><br \/>\n<em> ISBN: 978-3-7817-1502-8<\/em><br \/>\n<em> Bezug: Preis: Euro 9.95<\/em><\/p>\n<p>Die 16j\u00e4hrige Lynn braucht ein Filmprojekt f\u00fcr die Aufnahme an die Kunsthochschule. Mit ihrer Freundin Isabel hat sie sich dazu bei einer Modedesignerin verabredet. Doch Isabel erscheint nicht. Als Lynn allein zum Interview gehen will, scheinen sich ihr \u00fcberall Warnungen in den Weg zu stellen, die ihr sagen wollen, geh nicht weiter. Gesichter erinnern sie an ihren toten Bruder Bert. Damit sie \u00fcberhaupt noch rechtzeitig einen Film zustande bringt, r\u00e4t ihr der Kunstlehrer, sich mit Bogdan zusammenzutun, der auch noch einen Teampartner sucht.<br \/>\nDieser Bogdan entpuppt sich zun\u00e4chst als abgehobener Macho, der viele Spr\u00fcche auf Lager hat, gute Ideen, aber kein Konzept. Er wei\u00df ganz genau, dass er keinen Modefilm machen will, sondern einen \u00fcber die Demonstration in Gorleben. Widerstrebend stimmt Lynn zu. Das Ganze hat f\u00fcr sie nur deshalb einen Reiz, da dort die geliebte Tante Vanessa wohnt. Ihre \u00fcber\u00e4ngstliche Mutter, eine Stewardess, kann sie nicht \u00fcberzeugen, \u2013 und so f\u00e4hrt sie heimlich mit Bogdan los.<br \/>\nErz\u00e4hlt werden hier zwei Geschichten, die sich immer wieder kreuzen und ineinander verflechten: Die eine ist die Geschichte von Lynn und ihren Eltern, die \u00fcber den Unfalltod des kleinen Bruders Bert vor vier Jahren, nicht hinweg kommen. Die Mutter hat seitdem Depressionen, klammert sich an Lynn, der Vater ist kurz danach als Starfotograf nach Berlin verschwunden \u2013 Lynn scheint \u00fcberall, nicht nur im Traum, ihren toten Bruder zu sehen. Mit dem geschiedenen Vater hat sie keinen Kontakt mehr; denn die Mutter sieht in ihm den M\u00f6rder ihres kleinen Sohnes.<br \/>\nDie andere Geschichte ist die der vielen Demonstranten in und um Gorleben, die versuchen, die Castortransporte aufzuhalten so lange es geht \u2013 und die der Polizisten, welche die Menschenmassen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen suchen.<br \/>\n&#8211; Bogdan ist \u00fcberzeugt von der Wichtigkeit des Films und versucht auch Lynn davon zu \u00fcberzeugen, wie gef\u00e4hrlich es ist, Atomm\u00fcll in nicht sorgf\u00e4ltig untersuchten Stollen zu lagern. Sie filmen abwechselnd, Lynn nach ihrem Konzept, Bogdan \u201eaus dem Bauch heraus\u201c, so wie ihm die Szenen vors Objektiv kommen. Es gelingen ihnen gute Sequenzen von Demonstranten, die, trotz K\u00e4lte und durchwachter Nacht noch zu feiern verstehen, bevor es richtig losgeht. Aber als es ernst wird, stehen sie ihren Mann, auch wenn sie sich vor den aufgebrachten, zum Teil noch sehr jungen, Polizisten in Acht nehmen m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich ger\u00e4t Bogdan in solch ein Handgemenge.<br \/>\nDahinein verwirrt sich Lynns Geschichte: Schon die Ankunft bei Tante Vanessa ist seltsam k\u00fchl und distanziert, die Tante beschw\u00f6rt sie geradezu, wieder zur\u00fcck zu fahren. Doch Lynn beschwichtigt sie. In der Nacht h\u00f6rt das M\u00e4dchen Ger\u00e4usche, \u00e4ngstigt sich und tr\u00e4umt wieder von ihrem Bruder, der in eine Baugrube gefallen und dort im Schlamm erstickt ist. Der Vater hatte ihn nicht mehr retten k\u00f6nnen. Sie sieht immer wieder ihre Mutter vor sich, die dem Vater auf die Brust trommelt und \u201eM\u00f6rder, M\u00f6rder\u201c schreit. Am n\u00e4chsten Morgen h\u00e4ngen in den B\u00e4umen Tierskelette und \u00fcberall dazwischen Fotos ihres toten Bruders. Das kann doch kein Zufall sein! Sie wird dar\u00fcber fast hysterisch und erz\u00e4hlt endlich Bogdan, der, wenn es darauf ankommt, auch ganz gut zuh\u00f6ren kann, was damals los war. Sie ist unruhig und wie vom Donner ger\u00fchrt, als sie einem Jungen begegnet, der aussieht wie Bert. Ist der Bruder denn gar nicht tot? Lynn sp\u00fcrt, dass die Tante ihr etwas verheimlicht und als sie im Nachbarhaus zuf\u00e4llig ihrem Vater begegnet, heruntergekommen, aufgeschwemmt von Alkohol, wei\u00df sie, dass sie den \u201eSpinner\u201c vor sich hat, von dem sie schon im Gasthaus hatte reden h\u00f6ren. Sie flieht vor ihm, stolpert, &#8211; und als sie wieder zu sich kommt im Haus des Vaters, ist sie sich sicher, dass er sie gesto\u00dfen hatte. Hat er es auch auf sie abgesehen? Am Abend erf\u00e4hrt sie dann, dass der kleine Lennart verschwunden ist. Von ihm hatte der Vater die ganzen Fotos gemacht, die \u00fcberall h\u00e4ngen. Die Nachbarschaft ist aufgebracht und \u201ewei\u00df\u201c schon, wer dahinter steckt. Auch Lynn zweifelt am Vater. Als das Kind in einer Grube gefunden wird, ist sie fast \u00fcberzeugt, dass ihr Vater damit zu tun hat. Inzwischen hat ihr Vanessa die Geschichte erz\u00e4hlt, wie der Vater den Tod des Sohnes nicht hatte verkraften k\u00f6nnen, in immer tiefere Depressionen gest\u00fcrzt war und schlie\u00dflich seinen Beruf aufgeben musste. Er konnte wenigstens in die Nachbarschaft seiner Schwester Vanessa ziehen. Mit den Fotos, die er von dem kleinen Lennart knipste, hofft er \u00fcber den Tod von Bert hinwegzukommen, doch umsonst. Lynn sollte von alledem nichts erfahren.<br \/>\nWieder in Hamburg, geht sie zum Gegenangriff \u00fcber. Sie wirft ihrer Mutter vor, dass sie genauso Schuld an Berts Tod hat wie der Vater; denn auch sie h\u00e4tte nach dem Jungen sehen k\u00f6nnen. Immer habe sie einen Schuldigen gebraucht \u2013 und da war es f\u00fcr sie klar, dass nur ihr Mann derjenige sein konnte. Sie, Lynn, habe ihren Bruder verloren, aber um sie h\u00e4tten sich die Eltern nicht gek\u00fcmmert, nur um ihre eigenen Psychosen. Das M\u00e4dchen sucht den Beamten auf, der damals die Untersuchung geleitet hatte. Dieser erz\u00e4hlt ihr einiges aus dem Protokoll: Der sechsj\u00e4hrige Bert hatte damals mit seinem Freund Max und dessen neuem Bagger am Rand der Baugrube gespielt, als die W\u00e4nde pl\u00f6tzlich einbrachen und den abrutschenden Bert zudeckten. Als der Vater geholt wurde, war es schon zu sp\u00e4t. Er konnte ihn nicht mehr reanimieren. Lynn f\u00e4llt ein, dass die Eltern an diesem Tag gepackt hatten f\u00fcr eine Reise und sehr nerv\u00f6s waren. Sie selbst war aus der Nachhilfestunde zur\u00fcckgekommen; denn in fast allen F\u00e4chern war sie schlecht gewesen. Sie hatte sich einfach nicht richtig konzentrieren k\u00f6nnen, \u00fcberall h\u00f6rte sie die lautstarken Streitereien ihrer Eltern.<br \/>\n&#8211; Derweil hat Bogdan schon angefangen das Filmmaterial zu schneiden, Lynn soll die Texte dazu schreiben. Ganz aufgeregt zeigt er Lynn eine Szene. Da sieht man den kleinen Lennart, der offensichtlich jemanden sucht. Zu einem Zeitpunkt, als er auf Grund der Selbstbezichtigung von Lynns Vater und auch auf Grund seiner eigenen Aussagen, schon l\u00e4ngst vom Vater aus dem Garten weggelockt und in die Baugrube gesto\u00dfen worden sei. Lynn f\u00e4hrt mit dem Film ins Polizeipr\u00e4sidium. Es ist klar, dass ihr Vater nichts mit Lennarts Sturz zu tun hatte, dass das Kind nur die Eltern sch\u00fctzen wollte, die zur fraglichen Zeit nicht zu Hause, sondern auf der Demonstration waren. &#8211; Damit hat Lynn auch ihre eigenen Geister besiegt.<br \/>\nAm Tag der Preisverteilung sind andere, buntere und kuscheligere Filme die Gewinner, doch zwei Journalisten werden auf ihre Dokumentation aufmerksam. Sie m\u00f6chten ein Feature f\u00fcrs Fernsehn machen \u00fcber Jugendliche, die sich f\u00fcr Klimaschutz engagieren. Lynn und Bogdan sollen ein Praktikum bei ihnen absolvieren und bei der Recherche helfen. Au\u00dferdem ist Lynn mit ihrem Film die Aufnahmepr\u00fcfung in die Kunsthochschule so gut wie sicher.<br \/>\nBogdan l\u00e4dt sie ein, mit der Familie den Geburtstag seiner kleinen Schwester zu feiern, die 10 Jahre alt wird. Genau so alt, wie Bert jetzt w\u00e4re.<br \/>\nSusanne Orosz gelingt ein sehr spannendes, rasant erz\u00e4hltes Buch, das einerseits die Problematik aufzeigt, wenn sich jemand in eine schier ausweglose Angst verrennt und \u00fcberall nur noch Bedrohung zu lauern scheint. Andererseits macht sie ernst und gleichzeitig humorvoll auf die Gefahren des Atomm\u00fclls aufmerksam und damit auf den Idealismus derer, die jahrzehntelang dagegen Sturm laufen.<br \/>\nMan \u201eh\u00f6rt\u201c den Dialogen zu, sieht die Szenen einer Autorin vor sich, die schon einige Drehb\u00fccher f\u00fcr Kinder- und Jugendsendungen geschrieben hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendroman \/ Thriller Verlag Erika Klopp, Hamburg, 2010, Reihe: Mittendrin ISBN: 978-3-7817-1502-8 Bezug: Preis: Euro 9.95 Die 16j\u00e4hrige Lynn braucht ein Filmprojekt f\u00fcr die Aufnahme an die Kunsthochschule. 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