{"id":183,"date":"2011-06-10T19:34:15","date_gmt":"2011-06-10T19:34:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=183"},"modified":"2012-05-19T20:37:07","modified_gmt":"2012-05-19T20:37:07","slug":"peter-weiler-marais-todesreiter-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=183","title":{"rendered":"Rezension: Weiler, Peter &#8211; &#8222;M\u00e1rais Todesreiter&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/marais_todesreiter.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2495\" title=\"marais_todesreiter\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/marais_todesreiter.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"225\" \/><\/a><em>Kriminalroman<br \/>\nAus dem Ungarischen von P. Dietlinde Drask\u00f3czy<br \/>\nVerlag: Schenk, 2010 ISBN: 978-3-939337-77-5<br \/>\nOriginaltitel: A M\u00e1rai-v\u00e9letlen<br \/>\nBezug: Buchhandel; Preis: Euro 9,90<\/em><\/p>\n<p>Es gibt sie doch, die ungarischen Krimis \u2013 und es gibt auch Verleger, die sie publizieren, spannende Unterhaltung f\u00fcr Jugendliche ab 15 und Erwachsene: Ein Mystery-Krimi, wie es in der Verlagsank\u00fcndigung hei\u00dft: Wirklichkeit und \u00dcbersinnliches, Gruseliges, Geheimnisvolles und auch Romantik verweben sich hier zu einem dichten Netz.<br \/>\nDer Roman f\u00e4ngt ganz sachte an, die Erz\u00e4hlerin, eine junge Frau; Pamela Taylor, genannt Pam, Biologin in einem Institutsteam, hat eine Schw\u00e4che f\u00fcr die 60er Jahre ihrer Eltern und f\u00fcr Versteigerungen, bei denen sie f\u00fcr wenig Geld bereits die sch\u00f6nsten Dinge ergattern konnte. Doch schon sehr bald geht es rasant weiter, komische Zuf\u00e4lle, Skulpturen mit besonderen F\u00e4higkeiten, Entf\u00fchrung, Verfolgungsjagd, Mord.<br \/>\nDas Tempo steigert sich bis zum Schluss und l\u00e4sst den Leser erst nach der 364. Seite wieder zu sich kommen. Vorausgesetzt, er mag diese Art von Romanen, die nicht von Blut und Grausamkeit triefen, bei denen man mitdenken und genau aufpassen muss, um keinen der vielen ausgelegten F\u00e4den zu verlieren \u2013 die zum Schluss zusammenlaufen.<br \/>\nWeiler greift in der ungarischen Geschichte bis ins Jahr 1942 zur\u00fcck, verweilt ausgiebig in den Jahren 1988\/89, als der gro\u00dfe ungarische Exilschriftsteller S\u00e1ndor M\u00e1rai sich das Leben nahm. Dazwischen immer wieder R\u00fcckblenden in die 60er Jahre. Der eigentliche Roman spielt im Winter des Jahres 2010 an 12 Tagen in San Diego und Philadelphia. Reizvoll, wie viel Lokalkolorit der Autor mit hineinschreibt.<br \/>\nAls Sch\u00fcler und sp\u00e4ter als Stipendiat hat er in beiden St\u00e4dten gelebt, kennt sich aus und besucht mit seinen Protagonisten und uns Lesern vertraute Stra\u00dfen, imposante und ber\u00fchmte Geb\u00e4ude: Bei einer sonnt\u00e4glichen Auktion ersteigert ein unbekannter \u00e4lterer Herr in San Diego ein Brautkleid und eine Remington-Skulptur. Das Anwesen geh\u00f6rte der bekannten, reichen italienischen Familie Fibione. Vom Sohn der Familie ist nichts mehr bekannt. Pam l\u00e4sst sich mitrei\u00dfen und ersteigert \u2013 ohne dass sie richtig nachvollziehen kann, wie es dazu kam &#8211; einen stahlblauen Catalina Pontiac aus dem Jahr 1960. Obwohl sie sich damit einen Herzenswunsch erf\u00fcllt hat, kommt keine Freude in ihr auf, sie f\u00e4hrt in ihrem alten Auto nach Hause und l\u00e4sst sich den Pontiac sp\u00e4ter bringen. Am n\u00e4chsten Tag beginnen \u201eZuf\u00e4lle\u201c und Ungereimtheiten: Als sie sich mit ihrem Freund Paul, einem Medizinstudenten treffen will, hat ihr Pontiac unterwegs einen Platten. Mit Gewalt gelingt es Paul und ihr, den Kofferraum zu \u00f6ffnen. Neben einem fast untauglichen Reifen findet Pam eine Hornbrille und einen Brief in einer silbernen Schatulle. Handschriftlich warnt die vormalige Besitzerin, Marianne Fibione, vor dem Wagen, der schon einmal das Gl\u00fcck einer Familie zerst\u00f6rt habe. Pam wird ohnm\u00e4chtig und findet sich in Pauls Studentenbude wieder, die er sich mit einem Kommilitonen, dem Literaturstudenten George Wahloczky, teilt. Dieser bringt die junge Frau nach Hause, w\u00e4hrend Paul seine Vorlesungen besucht. Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt Paul seiner Freundin, dass er bereits in der Bibliothek anhand von Zeitungsartikeln recherchiert hat, was es mit dem Pontiac auf sich haben k\u00f6nnte: Mit dem Auto wurde 1964 vor dem Eingang zu Disneyland ein t\u00f6dlicher Unfall verursacht. Pam hat pl\u00f6tzlich Angst, trotzdem packt sie die Neugier. Die Beiden finden neue Einzelheiten: Der siebzehnj\u00e4hrige Sohn Max Fibione hat einen Familienvater erfasst und danach Fahrerflucht begangen. Seit dem hat niemand mehr von ihm geh\u00f6rt. In der gleichen Zeitung entdeckt Pam die Fotografie einer Statue, die damals f\u00fcr einige hunderttausend Dollar versteigert worden war. Pam erkennt in ihr den Indianer auf dem springenden Pferd, die Skulptur, die im Haus Fibione unter den Hammer kam \u2013 allerdings f\u00fcr nur 200 Dollar. Zum ersten Mal spitzen sich die Ereignisse zu, als Pam im Sand am Strand vom Pfeil der Indianerstatue tief in den R\u00fccken gestochen wird. Sie ist total verst\u00f6rt, f\u00e4hrt nach Hause, wo sie die Figur wieder zu sehen glaubt. Sie ist \u00fcberzeugt, Paul hat sich einen \u00fcblen Scherz mit ihr erlaubt. Ja, sie hetzt sogar die Polizei auf ihn.<br \/>\nDas Netz schlingt sich enger um Pam. Sie glaubt Paul nicht, der inzwischen weiter \u00fcber den Cheyenne recherchiert und herausgefunden hatte, dass zwei Statuen, die einzigen der vielen Reproduktionen, die sich v\u00f6llig gleichen, in keinem Museum aufzufinden sind. Pamela wird inzwischen von George und seinem einarmigen Freund entf\u00fchrt, kann aber in Philadelphia entkommen. Ein Arzt, ein bekannter Herzspezialist rettet und behandelt sie \u2013 doch nachts Pamela wird abermals entf\u00fchrt. Dieser Arzt verlor als kleiner Junge seinen Vater bei einem Verkehrsunfall, den der Fahrer eines stahlblauen Pontiac verursacht hatte und dann Fahrerflucht beging. Paul recherchiert indessen, versucht seine Freundin auf eigene Faust zu finden; denn ihm ist klar geworden, dass sowohl der Pontiac, als auch die Figur mit ihrem Verschwinden zu tun haben m\u00fcssen.<br \/>\nEine Spur f\u00fchrt ihn nach Philadelphia zu verschiedenen Pl\u00e4tzen und Geb\u00e4uden, auch ins M\u00fctter Museum, das eine anatomische Sammlung abnormer Verstorbener beherbergt. Dazwischen erz\u00e4hlt uns Weiler die abenteuerliche Geschichte der Skulpturen und ihrer Besitzer. Ihr Besitz, ihre \u201eF\u00e4higkeiten\u201c sind es, die alle Protagonisten miteinander verkn\u00fcpfen. Pam wird zu einer Gesellschaft gebracht, zu der nur Menschen mit ungew\u00f6hnlichen Lebensgeschichten Zugang bekommen. Eigentlich geht es aber darum, die zwei v\u00f6llig identischen Remington-Cheyennes zusammenzubringen, von denen die eine Skulptur Gl\u00fcck, die andere Ungl\u00fcck bringen soll.<br \/>\nSpannend, die Legenden um die unz\u00e4hligen Remington-Cheyennes, von denen eben nur die Nummer sieben und die Nummer siebzehn identisch sind. Pam wird nat\u00fcrlich in letzter Minute gerettet \u2013 sonst h\u00e4tte sie die Geschichte nicht erz\u00e4hlen k\u00f6nnen.<br \/>\nDie detaillierten und kenntnisreichen Erz\u00e4hlungen hinter der mitrei\u00dfenden Story machen das Buch so interessant. Es tauchen bekannte historische Pers\u00f6nlichkeiten auf wie M\u00e1rai und Poe, Walt Disney, Remington, der Forscher M\u00fctter mit seinem Museum in Philadelphia und andere. Auch bekannte Geb\u00e4ude k\u00f6nnen wir bewundern und besuchen.<br \/>\nDer Schluss ist vielleicht ein bisschen zu \u00fcbersinnlich und verworren, soll aber zeigen, dass Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck sehr nahe beieinander liegen und sich f\u00fcr oder gegen die gleiche Person wenden kann. Gibt es Menschen, die mit einem Gl\u00fccksstern geboren werden, die der \u201eZufall\u201c immer wieder auf die richtige Bahn lenkt, denen scheinbar alles m\u00fchelos gelingt \u2013 und gibt es Menschen, die mit einer Pechstr\u00e4hne auf die Welt kommen und mit ihrem Bem\u00fchen immer scheitern? Oder haben die einen nur einfach Gl\u00fcck, weil sie an sich glauben und die anderen Pech, weil sie immer schon ein Unheil nahen sehen, oder zu gierig sind nach Gl\u00fcck, Reichtum und Macht? Darauf gibt der Autor allerdings keine Antwort \u2013 das ist auch nicht wichtig. Alle \u201eZuf\u00e4lle\u201c f\u00fchren schlie\u00dflich zusammen, wie in einem Drehbuch vorhergeplant, obwohl die Akteure keine Ahnung davon haben. Sie werden immer wieder vom Hauch der Mystik und der Magie gestreift \u2013 oder bilden sich das ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriminalroman Aus dem Ungarischen von P. 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