{"id":1779,"date":"2012-04-27T10:55:38","date_gmt":"2012-04-27T10:55:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarut.de\/?p=1779"},"modified":"2012-05-18T20:24:48","modified_gmt":"2012-05-18T20:24:48","slug":"rezension-viviane-chocas-manchmal-muss-man-das-leben-kosten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1779","title":{"rendered":"Rezension: Chocas, Viviane  &#8211; &#8222;Manchmal muss man das Leben kosten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/manchmal_muss.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2317\" title=\"manchmal_muss\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/manchmal_muss.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"240\" \/><\/a><br \/>\nAus dem Franz\u00f6sischen von Michaela Me\u00dfner<br \/>\nVerlag Limes, 2009; Blanvalet TB, 2011<br \/>\nISBN: 978-3-8090-2554-2; Taschenbuch: 978-3-442-36828-0<br \/>\nOriginaltitel: Bazar magyar, 2006<br \/>\nBezug: Preis: Euro 7,99 f\u00fcr Taschenbuch<\/em><\/p>\n<p>Liebe geht durch den Magen, sagt man. Auch die Liebe zu einem Land, zu Abstammung und Herkunft.<br \/>\nKlara, die Erz\u00e4hlerin, f\u00fchlt sich doppelt heimatlos, da sie ihre Vergangenheit nicht kennt; denn ihre Wurzeln wurden doppelt gekappt: Sie selbst ist in Frankreich geboren, ihre Eltern stammen aus Ungarn. Nach ihrer Flucht 1956, \u201et\u00f6teten die Eltern als erstes ihre Sprache\u201c, sp\u00e4ter, nach der Einb\u00fcrgerung \u00e4nderten sie auch ihren ungarischen Namen. Sie wollten ihr Kind unbeschwert als Franz\u00f6sin aufwachsen lassen, sprachen nie ungarisch mit ihm. Die Vergangenheit war tabu. <!--more-->Doch: \u201e\u2026auf dem Umweg \u00fcber die Gerichte, die auf den Tisch kamen und die so knusprig oder so scharf waren, dass es einem das Wasser in den Mund trieb, betrat ich jenen verbotenen Kontinent, von dem meine beiden Erzeuger gekommen waren.\u201c\u2026. . \u201eDie Gerichte waren das einzige lebendige Ged\u00e4chtnis, das mir gew\u00e4hrt, hinterlassen und \u00fcberliefert wurde\u201c. Doch nicht nur die ungarischen Gerichte sind es, die sich Klara einverleibt, nein auch die Sprache ist f\u00fcr sie sinnlich wahrnehmbar, sie bem\u00e4chtigt sich ihrer, nimmt sie auf mit Haut und Haaren.<br \/>\nIhre Begegnung mit Ungarn, mit ihrer gro\u00dfen Verwandtschaft, ereignet sich erst bei der Beerdigung ihrer Gro\u00dfmutter. Da war sie elf oder zw\u00f6lf Jahre alt. Die Gro\u00dfmutter war dagegen gewesen, dass Vater P\u00e9ter in den Westen ging \u2013 und P\u00e9ter befreite sich mit dem Grenz\u00fcbertritt, lie\u00df sein ganzes bisheriges Leben hinter sich, schrieb nie mehr in die alte Heimat.<br \/>\nKlara stellt sich im Laufe der Jahre vor, wie die Menschen 1956 flohen, was sie durchgemacht hatten; doch ihr Vater \u00e4u\u00dfert sich dann doch einmal dazu, es sei keine Massenpsychose gewesen, es h\u00e4tte sich einfach ereignet. Nur ihre Mutter Zsuzsa bemerkt, dass sie damals mit nichts als einer Zahnb\u00fcrste in den Westen gekommen sei.<br \/>\nNach dieser ersten Begegnung setzt Klara alles daran, Ungarisch zu lernen. Von ihren Eltern, die bereits seit Jahren getrennt leben, erf\u00e4hrt sie keine Hilfe. Allein lernt das M\u00e4dchen in Abendkursen Ungarisch. Vor dem Abitur stellt sie sich einer Sprachpr\u00fcfung. Alle die anderen Migrantenkinder sprechen hervorragend Ungarisch, hoffen, sich mit einer hohen Punktzahl ein besseres Abitur zu ergattern, lesen aus ber\u00fchmten literarischen Werken. Nur Klara hat nichts als ihr Sprachbuch: \u201eWir lernen Ungarisch\u201c. Trotzdem gibt ihr der Pr\u00fcfer, wohl ger\u00fchrt \u00fcber ihre unbedingte Entschlossenheit, die n\u00f6tige Punktzahl. \u2013 In der Folge besucht sie Dichterlesungen, sieht sich ungarische Filme an, setzt alles daran Ungarin zu werden. Mit 24 Jahren, bereits Studentin an der Sorbonne, reist sie nach Buda<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Aus dem Franz\u00f6sischen von Michaela Me\u00dfner Verlag Limes, 2009; Blanvalet TB, 2011 ISBN: 978-3-8090-2554-2; Taschenbuch: 978-3-442-36828-0 Originaltitel: Bazar magyar, 2006 Bezug: Preis: Euro 7,99 f\u00fcr Taschenbuch Liebe geht durch den Magen, sagt man. Auch die Liebe zu einem Land, &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1779\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[240],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1779"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1779"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2318,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1779\/revisions\/2318"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}