{"id":1157,"date":"2011-12-30T20:58:56","date_gmt":"2011-12-30T20:58:56","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=703"},"modified":"2012-05-18T20:59:52","modified_gmt":"2012-05-18T20:59:52","slug":"rezension-gyula-krudy-das-gespenst-von-podolin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1157","title":{"rendered":"Rezension: Kr\u00fady, Gyula &#8211; &#8222;Das Gespenst von Podolin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Roman<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/das_gespenst_von.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2389\" title=\"das_gespenst_von\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/das_gespenst_von.jpg\" alt=\"\" width=\"75\" height=\"117\" \/><\/a><br \/>\nBuchreihe: Literaturwunderland Ungarn<br \/>\nAus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda<br \/>\nVerlag: Kortina; ISBN: 978-3-9502315-6-4<br \/>\nOriginaltitel: A podolini k\u00eds\u00e9rtet<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro 18.90<\/em><\/p>\n<p>Zum Text:<br \/>\nDer exzellente Romancier Kr\u00fady erz\u00e4hlt ironisch eine m\u00e4rchenhafte, aber eigentlich banale Geschichte, zwar in der Zeit um die Jahrhundertwende angesiedelt, aber dennoch zeitlos; denn sie spiegelt den Traum der einfachen Leute wieder. Er f\u00fchrt den Leser in eine \u00fcberaus verschlungene Geschichte, in der es geistert und spukt, arme Leute reich und Adelige arm werden, ungl\u00fcckliche Lieben enden und eine gl\u00fcckliche beginnt. Er verwebt vor uns wunderbare Landschaftsbilder, D\u00f6rfer mit ihren Menschen und Herrschaften, schrullige K\u00e4uze und m\u00e4rchenhafte Begebenheiten zu einem dichten Bild und bietet uns damit die farbige Beschreibung der damaligen Zeit, als das \u201ealte Ungarn\u201c bereits im Niedergang begriffen war.<br \/>\nDer Autor wechselt von einem Kapitel zum anderen zwischen seinen Hauptpersonen, dem slowakischen Waisenm\u00e4dchen Antschurka, dem Burgherrn von Niszder, Gy\u00f6rgy Kavaczky, dem Verwalter K\u00e1zm\u00e9r Riminszky und der Uhrmachertochter aus Heidelberg und sp\u00e4teren Burgherrin in Ungarn, hin und her. Damit die Geschichte nicht zu un\u00fcbersichtlich wird, gebe ich die Einzelabschnitte zusammengefasst wieder. Au\u00dferdem erw\u00e4hne ich nur die wichtigsten Namen.<\/p>\n<p>Inhalt:<br \/>\nDie Erz\u00e4hlung beginnt im verschlafenen St\u00e4dtchen Podolin. Dort lebt der reiche Gutsherr und Sonderling K\u00e1zm\u00e9r Riminszky, polnischer Herkunft. Er hatte seinen Reichtum als Gutsverwalter des Burgherren von Nizsder, Kavaczky erworben, ebenso wie mit der Zucht riesiger Schafherden. Kavaczky, der letzte seines Geschlechts, unverheiratet und kinderlos, fand bis zum Tod nichts sch\u00f6ner, als sich von der Blaskapelle von Kranyoka einzig immer den R\u00e1k\u00f3czi-Marsch aufspielen zu lassen und dazu mit G\u00e4sten oder allein Unmengen Tokajer Wein zu trinken. Zuerst waren alle Gutsherren und Adeligen darauf versessen, eingeladen zu werden, doch allm\u00e4hlich wurde er so versponnen, dass alle ausblieben und er einsam sterben musste. Die Legende freilich wei\u00df auch hier so manches zu berichten, dass n\u00e4mlich am Tag vor seinem Tod jemand in der Burg erschienen war, mit dem er bis zum Umfallen getrunken habe. Und diesem S\u00e1muel Pogr\u00e1nyi habe er dann die Burg vermacht, was der Notar bezeugen kann. Diesen neuen Burgherrn bekommt allerdings nie jemand zu Gesicht, einzig die Wirtschafterin, die Witwe Kom\u00e1romi, f\u00fchrt alle seine W\u00fcnsche und Befehle aus, scheint immer und \u00fcberall gleichzeitig zu sein, dem neuen Burgherrn entgeht rein gar nichts. \u2013 Die Witwe auf ihrer Kutsche, die sie selbst lenkt, ist sofort zur Stelle. Besonders die S\u00e4ufer werden verfolgt. Neue Zeiten sind angebrochen, in der Burg wird nichts mehr getrunken, keine G\u00e4ste eingeladen. Die unterschiedlichsten Ger\u00fcchte schwirren umher. Nur eines ist gewiss: Der Lohn wird p\u00fcnktlich bezahlt, der blinde, ehemalige Trompeter weiter besch\u00e4ftigt. Er wartet vor der Zimmert\u00fcr sitzend, auf die Glocke, die ihn zu seinem Herrn ruft. Sonst herrschte Totenstille in und \u00fcber der Burg. Nur zuweilen kommt ein Besucher, n\u00e4mlich Gutsherr und Verwalter Riminszky. Ihm zu Ehren gibt es sogar Wein aus dem tiefen Keller. Einige Verwegene wollen sogar gesehen haben, dass eine weibliche Hand mit einem wei\u00dfen Taschentuch Riminszky aus einem Fenster nachgewinkt habe. Und ein ganz Vorwitziger behauptet gar, der neue Burgherr sei eine Frau.<br \/>\nZwischendurch erf\u00e4hrt der Leser vom armen slowakischen Bauernm\u00e4dchen, der Waise Anna (Antschurka) Prihoda. Sie ist 15 Jahre alt, ihr Vater in Amerika verschollen, die Mutter im eisigen Winter viel zu fr\u00fch verstorben. Antschurka wandert nach Podolin. Dort f\u00fchrt ihre Tante, die Witwe Marczinka mit dem betagten \u201eZwerg\u201c Mik den Haushalt von Riminszky. Das M\u00e4dchen hilft bei der Arbeit, wird von allen gern gesehen und als ihr noch eine kleine wei\u00dfe Katze zul\u00e4uft, die sie innig liebt, wird sie von allen Hausbewohnern geradezu verh\u00e4tschelt. Besonders aus dem anfangs ablehnenden Mik wird allm\u00e4hlich der besorgte Besch\u00fctzer. Selbst der Herr beginnt sich f\u00fcr sie zu interessieren. Und das kommt so: Als der einmal ziemlich krank ist und deshalb schlechter Laune, wird Antschurka mit ihrer Katze zu ihm gerufen, um ihm die Zeit zu vertreiben. Sp\u00e4ter gibt er das M\u00e4dchen in die Obhut des Burgherrn von Niszder, der sich tats\u00e4chlich als Frau entpuppt, die h\u00e4ufig unerkannt in M\u00e4nnerkleidern unterwegs ist, um ihre Untertanen zu beobachten, zu bestrafen oder zu belohnen.<br \/>\nDiese Burgherrin war einst das Lieschen Warth aus Heidelberg. Als die Mutter gestorben, der Vater und Uhrmachermeister sein Handwerk altershalber nicht mehr ausf\u00fchren kann und das Geld knapp wird, nehmen sie einen Studenten, n\u00e4mlich Gy\u00f6rgy Kavaczky de Niszder, einen jungen reichen Ungarn mitsamt seinem Hund Popr\u00e1d in Kost und Logis. Bald freunden sich haupts\u00e4chlich Vater Samuel Warth und der junge Mann an. Der Hund bringt auf mysteri\u00f6se Weise noch einen weiteren ungarischen Gast, den Dichter S\u00e1muel Pogr\u00e1nyi, ins Haus. Der alte Herr liebt Musik, hat selbst schon komponiert, damit aber im \u00f6rtlichen Musikverein Missfallen erregt. Und so zieht er sich mehr und mehr ins Haus zur\u00fcck. An den Abenden spielt Lieschen die Harfe, der Vater die Oboe, Kavaczky schmaucht seine Pfeife und der angehende Dichter h\u00f6rt verzaubert zu. Klar, dass sich die beiden jungen M\u00e4nner in Lieschen verlieben. Als Vater Warth sein Ende herankommen f\u00fchlt, \u00fcbergibt er Kavaczky die Verantwortung f\u00fcr seine Tochter. Der junge Mann ist zwar etwas verdutzt \u00fcber seine neue Aufgabe, doch da er verliebt ist in Lieschen (das redet er sich wenigstens ein), macht er aus ihr ein \u201eFr\u00e4ulein mit Schmuck, Garderobe und einem pr\u00e4chtigen Hochzeitskleid\u201c.<br \/>\nW\u00e4hrend der Verlobungszeit gehen seltsame Ver\u00e4nderungen mit S\u00e1muel Pogr\u00e1nyi vor sich: Er, der fr\u00fcher nie Alkohol getrunken hatte, findet sich oft in Gesellschaft liedriger Studenten und ist h\u00e4ufig betrunken. Dem Leser ist schnell klar, dass er sich unsterblich in Lieschen verliebt hat, aber gegen den reichen Nebenbuhler, dem zudem die Tochter versprochen ist, nichts ausrichten kann. Inzwischen verstirbt auch Kavaczkys Vater. Mit Hilfe des Verwalters K\u00e1zm\u00e9r Riminszky soll er sein Erbe antreten, die Hochzeit daher m\u00f6glichst rasch gefeiert werden. Am Hochzeitstag, als Kavaczky seine Braut abholen will, ist diese verschwunden. Riminszky hetzt ihn geradezu auf, den Nebenbuhler zu stellen und ihn zum Duell zu fordern. Bald sind die beiden Verliebten auch gefunden. Lieschen kann gar nicht glauben, dass sie Kavaczky folgen soll, wo sie doch nur Pogr\u00e1nyi liebt. Dieser nimmt die Forderung an und f\u00e4llt.<br \/>\nKavaczky zieht sich gekr\u00e4nkt auf seine Burg zur\u00fcck und wird dort zum trinkenden Sonderling, unterst\u00fctzt von Riminszky. Aus der Ferne beobachten sie Lieschens, Elisabeths, Schicksal, die zur weltber\u00fchmten Reitk\u00fcnstlerin wird und in gro\u00dfen Zirkussen auftritt, bis sie sich ein Bein bricht und nicht mehr auftreten kann.<br \/>\nDas ist die Zeit, als ein Jemand in der Burg auftaucht, mit dem gealterten Kavaczky um die Wette trinkt, worauf dieser bekanntlich stirbt und die Burg den Besitzer wechselt. Nur Riminszky hat, wie gesagt, Zugang zu den Gem\u00e4chern, nur er allein sieht den Burgbesitzer.<br \/>\nAntschurka nun f\u00fchlt sich gar nicht wohl bei ihrer neuen Herren, die so unberechenbar ist, dass sie diese einmal schl\u00e4gt, ein anderes Mal mit Geschenken \u00fcberh\u00e4uft. Besonders nachts muss sie h\u00e4ufig zur Stelle sein, wenn Elisabeth Warth \u2013 die Burgherrin, Albtr\u00e4ume hat, Gespenster sieht, mit denen sie sich auch unterh\u00e4lt und zwar mit Kavaczky, als auch Pogr\u00e1nyi. Die Gespenster scheinen so real zu sein, dass auch das Dienstm\u00e4dchen sie sieht und sich immer mehr f\u00fcrchtet. Da hilft auch die kleine Katze nicht. Eines Tages ist Antschurka verschwunden und Elisabeth behauptet Riminszky gegen\u00fcber, der sich besorgt erkundigt, sie habe sich im Schloss gelangweilt und sei einfach ausgerissen.<br \/>\nRiminszky hat sich nat\u00fcrlich l\u00e4ngst in Antschurka verliebt, sucht und findet sie wieder bei ihrer alten Tante, die inzwischen auf ihr Altenteil gezogen ist. Er macht der jungen Frau den Hof, will sie heiraten.<br \/>\nEines Tages wird er auf ein wei\u00dfes Phantom aufmerksam, das er als Aberglauben abtun will, doch ist ihm recht gruselig zumute.<br \/>\nBald darauf l\u00e4uten die Totenglocken von Niszder; Elisabet ist pl\u00f6tzlich gestorben. Er will die Leiche sehen und ihm ist, als w\u00fcrde sie ihm zublinzeln.<br \/>\nKurz, nat\u00fcrlich ist Elisabeth nicht tot, sie befreit sich mit Hilfe des Arztes aus ihrem Sarg und spielt k\u00fcnftig Gespenst, das als wei\u00dfes Wesen \u00fcberall auftaucht und genauso geheimnisvoll verschwindet.<br \/>\nRiminszky f\u00fchlt sich hin und her gerissen zwischen seinem schlechten Gewissen Elisabeth gegen\u00fcber und seiner Verliebtheit in Antschurka. Die Liebe siegt und der Hochzeitstag wird anberaumt.<br \/>\nIrgendwie f\u00fchlt er sich aber die ganze Zeit beobachtet und verfolgt, bis es am Tag vor der Hochzeit zu einer folgenschweren Begegnung mit Elisabeth kommt, die als mittelalterliche scharlachrote Gestalt in einer Schenke hinter ihm steht. Sie ist gekommen, um nun mit ihm abzurechnen.<br \/>\nSie erz\u00e4hlt, dass sie damals Kavaczky zum Selbstmord gedr\u00e4ngt habe (oder war es Giftmord?), als S\u00fchne f\u00fcr den Tod ihres Geliebten. Nun sei er, Riminszky an der Reihe. Am n\u00e4chsten Morgen findet man ihn tot in seiner Kutsche.<br \/>\nVon diesem Tag an sieht man immer wieder eine scharlachrote Gestalt auftauchen, zuweilen h\u00f6rt man aus der Burg Harfenkl\u00e4nge \u2013 obwohl die Burg doch l\u00e4ngst leer und verlassen ist.<br \/>\nIn Topperz, Antschurkas Heimatdorf taucht aber doch, denn die Geschichte muss ja einen guten Schluss haben, der verschollene Vater Prihoda auf, der seine Tochter nun mit auf eine Weltreise nimmt. Bald schon erfahren die Dorfbewohner, dass sie an der Riviera einen jungen Herrn aus Lublau, G\u00e1bor Angyalffy, geheiratet hat. Der Erz\u00e4hler wei\u00df, dass sie gl\u00fccklich mit ihrem Mann in einer gro\u00dfen Kinderschar lebt. Immer wieder wird allerdings ein rotes Gespenst gesehen und die Legende behauptet, dass dieses niemand anderer als Elisabeth Warth sei \u2013 obwohl die doch l\u00e4ngst gestorben ist. \u201eWer kennt sich aber schon bei Legenden aus\u201c? fragt der Autor am Ende.<br \/>\n\u00a9 Gudrun Brzoska<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman Buchreihe: Literaturwunderland Ungarn Aus dem Ungarischen von Gy\u00f6rgy Buda Verlag: Kortina; ISBN: 978-3-9502315-6-4 Originaltitel: A podolini k\u00eds\u00e9rtet Bezug: Buchhandel Preis: Euro 18.90 Zum Text: Der exzellente Romancier Kr\u00fady erz\u00e4hlt ironisch eine m\u00e4rchenhafte, aber eigentlich banale Geschichte, zwar in der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1157\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[122],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1157"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1157"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2390,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1157\/revisions\/2390"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}