{"id":1154,"date":"2012-01-07T09:42:40","date_gmt":"2012-01-07T09:42:40","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=667"},"modified":"2012-05-18T20:35:37","modified_gmt":"2012-05-18T20:35:37","slug":"rezension-zsuzsanna-gahse-donauwurfel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1154","title":{"rendered":"Rezension: Gahse, Zsuzsanna &#8211; &#8222;Donauw\u00fcrfel&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Lyrik<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/donauwu\u0308rfel.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2336\" title=\"donauwu\u0308rfel\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/donauwu\u0308rfel.jpg\" alt=\"\" width=\"80\" height=\"106\" \/><\/a><br \/>\nVerlag Edition Korrespondenzen, 2010<br \/>\nISBN: 978-3-902113-69-6<br \/>\nBezug: Buchhandel; Preis: Euro 18,50<\/em><\/p>\n<p>Donauw\u00fcrfel \u2013 Erz\u00e4hlgedichte. \u2013 In 27 W\u00fcrfeln (10 Zeilen zu 10 Silben bilden ein Quadrat, 10 Quadrate sind ein \u201eDonauw\u00fcrfel), bedenkt, besingt, beleuchtet Zsuzsanna Gahse die Donau, \u201eEuropas R\u00fcckgrat.<br \/>\nDenkt man bei Wasserw\u00fcrfeln nicht zuerst an Eisw\u00fcrfel? Gahses W\u00fcrfel sind aber nichts Starres; Kaltes, Eckiges; sie flie\u00dfen mal ruhig, \u00fcberschlagen sich dann mit den Wellen des Flusses, steigen empor, treten \u00fcber die Ufer, schwellen wieder ab. Ihre Donauw\u00fcrfel sind munter rollende, vorw\u00e4rts schie\u00dfende, geschmeidige W\u00fcrfel, die uns von den Quellen der Donau, die am Zusammenfluss von Brigach und Breg \u201evor unseren Augen entsteht\u201c und noch so gar nichts Donaum\u00e4\u00dfiges an sich hat \u2013bis zur Deltam\u00fcndung tragen, wo die Wassermassen sich ins Schwarze Meer hineinfluten.<br \/>\nAuf Karten sieht die Donau mit ihren Zufl\u00fcssen aus wie ein Fischskelett, Europas R\u00fcckgrat f\u00fchrt erst ostw\u00e4rts, dann geradewegs s\u00fcdlich und gelangt dann zum Meer.<br \/>\n\u201eWenn ich die Donau sehe, sehe ich die<br \/>\nDonau, aber ich habe f\u00fcr sie nicht<br \/>\nmehr W\u00f6rter, als ich ansonsten kenne.\u201c<br \/>\nAlle diese W\u00f6rter, die sie kennt und noch einige, neu erfundene, setzt die Dichterin ein, um die Donau und das Leben in, auf und an ihren Ufern zu erkunden:<br \/>\nGedanken und Beobachtungen folgen dem Fluss bis zur M\u00fcndung, kehren wieder um, ziehen Schleifen wie der Fluss, verweilen, eilen weiter, sehen die zusammenstr\u00f6menden Fl\u00fcsse, z.B. in Passau die braune Ilz, den silbrig-gr\u00fcnen Inn und die blaue Donau. Solch einen gewaltigen Fluss kann niemand auf einmal erfassen, man muss ihn abschnittweise immer wieder von neuem erkunden. \u2013<br \/>\nWie str\u00f6mendes Wasser kommen der Autorin Assoziationen, Gedankenspr\u00fcnge wie Welle um Welle, die sie abschweifen lassen und doch immer wieder zum Fluss zur\u00fcckbringen. \u2013 Wasser und Sprache flie\u00dfen st\u00e4ndig, schwellen auf und ab, melodi\u00f6s, unabl\u00e4ssig. Sie erforscht die Zufl\u00fcsse und ihre Quellen, richtet den Blick vom Ufer aus auf die Donau \u2013 und von den Donauschiffen auf den Anblick der St\u00e4dte mit ihren endlosen Fensterquadraten, den fest gef\u00fcgten Kais, auf die freie Landschaft mit nat\u00fcrlichen Ufern.<br \/>\nGahse besingt die Donau, mal versonnen-spielerisch von St\u00e4dten und Ortschaften an den Ufern, mal nachdenklich-ernst vom Str\u00f6men des Flusses durch Niemandsland, als Grenzfluss, an dessen Ufern vor einigen Jahren noch heftig gek\u00e4mpft und Br\u00fccken gesprengt wurden, mit der Folge, dass sich heute ein wirtschaftlicher Flussverkehr nicht mehr lohnt.<br \/>\nIhre Gedanken k\u00f6nnen sich nicht l\u00f6sen vom Schicksal einzelner Menschen, die sie gekannt, von denen sie geh\u00f6rt hat &#8211; von Volksgruppen die ins Wasser der Donau geschossen wurden &#8211; von Selbstm\u00f6rdern, Hochwasseropfern und Schiffersfrauen, die Angst vor dem m\u00e4chtigen unberechenbaren Wasser haben. Erinnerungen werden in ihr wach an ihre Kindheit, als sie noch in Budapest lebte und der Fluss zu ihrem t\u00e4glichen Leben geh\u00f6rte. Sie hat sich schon fr\u00fch westw\u00e4rts wenden m\u00fcssen. Heute machen das viele, deren Sehnsucht nach dem Westen geht. Das Denken an der Donau ver\u00e4ndert sich und damit die Sprache, W\u00f6rter verschwinden und werden durch englische ersetzt. \u201eDie Menschen ziehen gegen die Flussrichtung und pfeifen auf ihre Ostdonau\u201c.<br \/>\nDie Dichterin macht uns bekannt mit den verschiedenen Wasserschichten, mit Fischen und anderen Tieren, mit Pflanzen, die im Strom leben. Atemlos sind ihre Aufz\u00e4hlungen von wunderbaren und geheimnisvollen Fischnamen. \u2013 zahlreich die vielen Flussnamen, die so \u00e4hnlich klingen wie Donau \u2013 und alle nichts anderes bedeuten als Fluss, als \u201eGro\u00dfes Wasser\u201c.<br \/>\n\u201eGute Donau, feines Krokodil aus Wasser, Tausendf\u00fc\u00dfler, ein Urviech, das sich viel gefallen l\u00e4sst, gutes altes R\u00fcckgrat!<br \/>\nSie muss auch einiges erdulden, die Donau: Nicht nur den Unrat, der mit ihr schwimmt, den herausgerissenen B\u00e4umen, wenn Hochwasser \u00fcber die Ufer tritt, sie wird unterf\u00fchrt von der Metro in Budapest, so dass sich ein West- und Ost, f\u00fcr das man noch beim \u00dcberqueren der Br\u00fccken ein Gef\u00fchl hat, er\u00fcbrigt. Sie muss auch lernen, die Donau: Lernen seit ihrem Anbeginn sich ein Bett zu graben, freie Uferfl\u00e4chen immer wieder zu ver\u00e4ndern, sich gefangen zu geben zwischen betonierten Ufereinfassungen.<br \/>\nEs gibt \u201eeine Winterdonau, zusammengepresst, die Eisplatten schieben sich \u2013 Dunkelheit an den Ufern\u201c \u2013 doch im Fr\u00fchling steigt das Wasser, ufert aus bis zur \u00dcberflutung. Dann ist es rei\u00dfend und gef\u00e4hrlich, begr\u00e4bt alles unter sich.<br \/>\nAuch der Albtraum ist nicht fern: Eine versickernde Donau: Forscher suchen nach der Lebensader Europas, finden jedoch nur ein schlammig-braunes Flussbett, &#8211; bis auf einmal die Donau mit Wucht zur\u00fcckkommt, so dass sich die Suchenden kaum noch vor ihr retten k\u00f6nnen.<br \/>\nJetzt aber schickt die Dichterin sich an, die Donau bis ins Delta zu bereisen mit dem Schiff. Das Eiserne Tor kennt sie noch nicht und vieles andere auch nur aus Geschichten und von Bildern. Auf jeden Fall hat sie vor, die Donau weiter zu untersuchen, sie n\u00e4her kennen zu lernen, auch die Quellb\u00e4che, alles Wasser alle Quellen, die zur Donau hin laufen. Die Reise beginnt.<br \/>\nDiese \u201eDonauw\u00fcrfel\u201c machen richtig Lust, selbst auf die Reise zu gehen, tats\u00e4chlich oder virtuell um \u201edas R\u00fcckgrat Europas\u201c n\u00e4her zu erkunden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00a9<\/span> Gudrun Brzoska<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lyrik Verlag Edition Korrespondenzen, 2010 ISBN: 978-3-902113-69-6 Bezug: Buchhandel; Preis: Euro 18,50 Donauw\u00fcrfel \u2013 Erz\u00e4hlgedichte. \u2013 In 27 W\u00fcrfeln (10 Zeilen zu 10 Silben bilden ein Quadrat, 10 Quadrate sind ein \u201eDonauw\u00fcrfel), bedenkt, besingt, beleuchtet Zsuzsanna Gahse die Donau, \u201eEuropas &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1154\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[118],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1154"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1154"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2337,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1154\/revisions\/2337"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}