{"id":1153,"date":"2011-12-12T21:04:28","date_gmt":"2011-12-12T21:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ungarischeliteratur.wordpress.com\/?p=706"},"modified":"2012-05-18T20:39:51","modified_gmt":"2012-05-18T20:39:51","slug":"rezension-gabor-gorgey-trilogie-sirene-der-adria-der-jagdteppich-der-untergang-des-adellandes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/?p=1153","title":{"rendered":"Rezension: G\u00f6rgey, G\u00e1bor &#8211; Trilogie &#8222;Sirene der Adria&#8220; \/ &#8222;Der Jagdteppich&#8220; \/ &#8220; Der Untergang des Adellandes&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Drei Einzel-Romane<a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/der_jagdteppich.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2345\" title=\"der_jagdteppich\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/der_jagdteppich.gif\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"170\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/der_untergang_des.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2346\" title=\"der_untergang_des\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/der_untergang_des.gif\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"170\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/sirene_der_adria.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2343\" title=\"sirene_der_adria\" src=\"http:\/\/www.literatur.ungarisches-institut.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/sirene_der_adria.jpg\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"160\" \/><\/a><br \/>\nAus dem Ungarischen von J\u00f6rg Buschmann<br \/>\nVerlag Salon Literatur Verlag; 2004; ISBN: 3-9809635-0-0, 2006; ISBN: 978-3-9809635-1-0, 2008; ISBN: 978-3-939321-17-0<br \/>\nOriginaltitel: ?<br \/>\nBezug: Buchhandel Preis: Euro je 19.80<\/em><\/p>\n<p>G\u00e1bor G\u00f6rgey machte sich 1987 daran, die Geschichte Ungarns von den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts an, zu erz\u00e4hlen. In Romanform spiegelt das f\u00fcnfb\u00e4ndige Werk gro\u00dfe Teile seiner eigenen Biografie, wie er selbst sagt. In Ungarn wurden die Romane mit gro\u00dfer Begeisterung aufgenommen, auf Deutsch bisher drei B\u00e4nde \u00fcbersetzt, wobei, anders als in der urspr\u00fcnglichen Chronologie, der letzte Band zuerst verlegt wurde: \u201eDie Sirene der Adria\u201c, dann \u201eDer Jagdteppich\u201c und zuletzt, bis dato, \u201eDer Untergang des Adellandes\u201c. In allen drei B\u00fcchern erz\u00e4hlt der Autor von seinem Helden \u00c1d\u00e1m Topporczy, Spross einer uralten Adelsfamilie Ungarns, die ihren Sitz in Oberungarn, der heutigen Slowakei hatte, auf Gut und Schloss T\u00e1rk\u00e1ny. \u00c1d\u00e1m steht f\u00fcr den Menschen, der glaubt, einstmals als Einzeller seinen Ursprung im Wasser der Adria zu haben, aber auch f\u00fcr den Menschen, der durch ein rohes Regime seiner W\u00fcrde beraubt, mit Schmutz beworfen und in den Dreck getreten wird. G\u00f6rgey erz\u00e4hlt aus der Jetzt-Zeit, zur\u00fcckschauend auf verschiedne Epochen der j\u00fcngsten Geschichte Ungarns und damit auch seines Protagonisten.<br \/>\nIm zuerst herausgekommenen Buch, \u201eDie Sirene der Adria\u201c, unternimmt der siebzigj\u00e4hrige \u00c1d\u00e1m Topporczy 1998 eine Erinnerungsreise mit seiner Familie an die Adria. Mit seiner ehemaligen Frau J\u00falia, Tochter Zs\u00f3fi mit Schwiegersohn Szabolcs und deren f\u00fcnfj\u00e4hrigem Sohn Bence. Als sechsj\u00e4hriger war \u00c1d\u00e1m mit seinen Eltern hier, im Paradies schlechthin. Seine ganze beh\u00fctete Kindheit erscheint ihm heute als das Paradies, besonders der Stammsitz, das Nest, in dem er alle seine Ferien verbrachte. Zur\u00fcckblickend denkt er an die Deportation seiner Eltern 1951 aus Budapest, an Schimpf und Entbehrungen, der ihnen angetan wurden, an das Arbeitslager, in das er, der asthmakranke junge Mann gesteckt wurde. Die selben Schergen, die schon die Juden deportiert, die Volksdeutschen ausgewiesen hatten, deportierten nun auch die Adeligen, das Gro\u00dfb\u00fcrgertum und selbst die j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger, die die KZs \u00fcberlebt hatten, wenn sie nur irgendeinen Besitz hatten, auf den die Parteigenossen scharf waren.<br \/>\nG\u00f6rgey erz\u00e4hlt vom versunkenen Atlantis einer Gesellschaft, die so heute nicht mehr m\u00f6glich, die ausgestorben ist, die aber die Zeit der Sch\u00f6nheit, des gesellschaftlichen Miteinander, des \u201ealtmodischen\u201c Umgangs war. Er erz\u00e4hlt von verratener Freundschaft eines Empork\u00f6mmlings, der ausgerechnet die Villa kauft, aus der \u00c1d\u00e1ms Familie deportiert worden war. Immer wieder bewegt sich der Autor in eingeschobenen Geschichten, Essays und burlesken Erz\u00e4hlungen zwischen heute und damals, zieht R\u00fcckschl\u00fcsse zur Gegenwart (also 1998), zur misslingenden Politik, zu Schwierigkeiten und Korruption, weil Empork\u00f6mmlinge sich das Verm\u00f6gen der Gesellschaft angeeignet und nicht zur\u00fcckgegeben haben und alte Geschichten nicht aufgearbeitet werden. \u00c1d\u00e1m ist ruhelos geworden, er kann nicht mehr zur Familie zur\u00fcckkehren, findet sich in der neuen Welt nicht zurecht, sein Platz ist nicht mehr hier. Und so folgt er dem Ruf der Sirene und schwimmt er in die Freiheit\u2026<br \/>\nDer n\u00e4chste Band \u201eDer Jagdteppich\u201c, zeigt uns den Genie\u00dfer und Liebhaber \u00c1d\u00e1m Topporczy, der sich zwischen Liebesszenen mit der 25 Jahre j\u00fcngeren \u00c1gnes (N\u00f3ras Tochter, was er aber nicht wei\u00df) der Geschichten erinnert, die mit dem Jagdteppich zusammenh\u00e4ngen: Wie der Teppich, \u201eauf dem er bevorzugt liebt\u201c, zu ihm kam &#8211; und schon h\u00e4ngen seine Gedanken bei den Judenverfolgungen in Budapest. Er erz\u00e4hlt aber auch von Scham und Ohnmacht der Menschen, die den ganzen Irrsinn begriffen, er erinnert sich, wie sein Vater ein j\u00fcdisches Ehepaar retten konnte, und trotzdem sp\u00e4ter mit seiner Familie ausgewiesen wurde. Wir erfahren etwas \u00fcber wunderbare armenische Teppichkn\u00fcpfkunst &#8211; und von der Undankbarkeit eines vor der Lynchjustiz geretteten Stasimitarbeiters w\u00e4hrend des Volksaufstandes 1956.<br \/>\nIm bisher zuletzt erschienen Band \u201eDer Untergang des Adellandes\u201c, unternimmt \u00c1d\u00e1m mit seinen Freunden, dem Dichter J\u00e1nos und der Malerin Panni eine Erinnerungsreise nach T\u00e1rk\u00e1ny, dem Paradies seiner Kindheit. Dort, auf Schloss und Gut seines Gro\u00dfvaters Elem\u00e9r verbrachte er seine unbeschwerten Kindheitstage. Krieg und Kommunismus haben inzwischen alles ver\u00e4ndert, das begreift \u00c1d\u00e1m jetzt, auf dieser Reise, erst so richtig: Die ungarischen Bewohner wurden schikaniert und vertrieben. W\u00e4hrend der Deportation erkrankt der Gro\u00dfvater und bleibt mit seiner Haush\u00e4lterin Hilda zur\u00fcck, kommt in ein Sanatorium. Von da an wei\u00df niemand mehr etwas von ihm.<br \/>\nDoch \u00c1d\u00e1m l\u00e4sst es nicht ruhen, nicht zu wissen, wo und wie Gro\u00dfvater gestorben ist und so benutzt er die Reise, heimlich nachzuforschen; denn vordergr\u00fcndig geht es nur darum, den Freunden das ehemalige Paradies zu zeigen, dazu die Sehensw\u00fcrdigkeiten unterwegs.<br \/>\nIn allen drei, in sich abgeschlossenen B\u00e4nden wiederholt G\u00f6rgey, zum Gl\u00fcck f\u00fcr den Leser, immer wieder besonders wichtige Fakten im Lebensweg \u00c1d\u00e1ms:<br \/>\nAls Kind lebt er in Budapest mit seinen Eltern, der Vater, hochdekorierter General des 1. Weltkrieges, seine Mutter eine tatkr\u00e4ftige praktische Frau, in einer Villa auf dem Rosenh\u00fcgel. Die Ferien verbringt er in T\u00e1rk\u00e1ny. W\u00e4hrend der Besetzung Budapests rettet Vater ein j\u00fcdisches Ehepaar. Trotzdem wird die Familie 1951 als Volkssch\u00e4dling deportiert, auf einen \u201eKulakenhof\u201c nach Mocs\u00e1ny, den sie nicht verlassen d\u00fcrfen. Der asthmakranke junge Mann kommt sogar ins Arbeitslager. Anfang der 50er Jahre darf er wieder zur\u00fcckkehren, doch die Eltern k\u00f6nnen das nicht mehr miterleben. Er heiratet J\u00falia. Beide sind v\u00f6llig mittellos, aber gl\u00fccklich und verliebt. Sie schw\u00f6ren sich, immer zusammen zu bleiben. Dieses Bewusstsein bringt ihn auch \u00fcber eine schwere, lebensbedrohliche Krankheit hinweg, die kurz vor der Hochzeit bei ihm entdeckt wird. 1956 rettet \u00c1d\u00e1m einen Stasimann vor der Lynchjustiz der aufgeputschten Menge. Der kl\u00e4rt ihn \u00fcber den Wert seines wunderbaren und einzigartigen Teppichs auf und r\u00e4t ihm, Bildermakler zu werden. Damit kommt \u00c1d\u00e1m in der Folgezeit besser \u00fcber die Runden, als viele seiner Schicksalsgenossen. Er kann als hingebungsvoller Vater f\u00fcr seine Tochter Zs\u00f3fi sorgen. Als die Tochter erwachsen und verheiratet ist, wird er selbst immer ruheloser, kann sich in das neue Leben (nach der Wende) so wenig einfinden, wie er es vorher bei den Kommunisten konnte. Das alte Leben kann keiner mehr aufnehmen. Er beginnt Liebschaften, glaubt, etwas vers\u00e4umt zu haben und trennt sich schlie\u00dflich von seiner Frau. Mit seinen Freunden Panni und J\u00e1nos macht er eine Erinnerungsreise nach T\u00e1rk\u00e1ny, zum ehemaligen Familiensitz und erf\u00e4hrt dort schlie\u00dflich, dass Gro\u00dfvater sterben musste, weil er ein Feudalherr war, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatte. Jahre sp\u00e4ter macht \u00c1d\u00e1m wieder eine Erinnerungsreise, diesmal an die Adria, wie er meint, zu seinen Urspr\u00fcngen, denn er glaubt, dass er eins mit dem Meer war. Er erinnert sich einer Reise auf eine Insel als Kind, wo er bei den Ureinwohnerinnen die Urmutter, die Uramme zu erkennen glaubte. Dorthin zieht es ihn und er schwimmt in seine ewige Freiheit.<br \/>\nG\u00f6rgey w\u00e4hlt das sagenumwobene Atlantis als Sinnbild f\u00fcr die alte, vergangene Kultur Ungarns. Er erz\u00e4hlt spannend und ironisch, humorvoll und genie\u00dferisch von den Freuden, die \u00c1d\u00e1m Topporczy gerade erlebt, aber im R\u00fcckblick auch von seinen Leiden und denen, die ein Gro\u00dfteil von Ungarns Bev\u00f6lkerung auf sich nehmen musste durch Verfolgung, Bespitzelung und Deportation. Er sagt selbst, dass es f\u00fcr ihn wichtig war, Bilanz zu ziehen, aber kein Rachewerk zu schreiben. So leicht und schnell w\u00fcrde die Zeit der 50er Jahre vergessen, die Stupidit\u00e4t, die Primitivit\u00e4t im Ausdruck, die ganze Absurdit\u00e4t. Und damit der Leser sich auch einen Eindruck davon machen kann, und nicht vergisst, sind Originaltexte, Verlautbarungen, Aufrufe kursiv gedruckt, eingestreut.<br \/>\nEin wichtiges und sehr lesenswertes Zeitdokument des kollektiven Erinnerns!<br \/>\n\u00a9 Gudrun Brzoska<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Einzel-Romane Aus dem Ungarischen von J\u00f6rg Buschmann Verlag Salon Literatur Verlag; 2004; ISBN: 3-9809635-0-0, 2006; ISBN: 978-3-9809635-1-0, 2008; ISBN: 978-3-939321-17-0 Originaltitel: ? 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